Leopold Löwy
österreichischer Industrieller
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Leben
Herkunft und Ausbildung
Leopold Löwy war Sohn des Abraham Löwy, eines Gutspächters in Leschkau, und entstammte einer angesehenen Brauerfamilie.[1] Er besuchte eine Handelsakademie und absolvierte nationalökonomische Studien. In weiterer Folge war beim Creditanstalt-Bankverein tätig, wo er später auch eine nennenswerte Beteiligung hielt.[2]
Bereits in jungen Jahren wurde Löwy zum Industrieberater von Reichsfinanzminister Benjamin v. Kállay.[3] Kallay betrieb die wirtschaftliche Entwicklung, der gemäß dem Budapester Vertrag von 1877 sowie Art. 25 des Berliner Friedens vom 13. Juli 1878, der unter österreichisch-ungarische Verwaltung gestellten Region Bosnien und Herzegowina.
Werdegang

Als Spross einer Brauerfamilie erlernte Löwy nichtsdestotrotz nach einer wirtschaftlichen Ausbildung in Wien das Bankgeschäft.[1]
Entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung der Gründerzeit kaufte er gemeinsam mit anderen Investoren kleine Brauereien, die er zu größeren, besser auf den Markt ausgerichteten Einheiten, entwickelte. Diese Transaktionen gingen großteils über den Aktienmarkt und im Kooperation mit Banken wie dem Creditanstalt-Bankverein oder der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschaft, wohin er gute Kontakte pflegte. So war ein Verwandter, Johannes Zerkowitz, stellvertretender Generaldirektor der Escompte-Gesellschaft. Eine der wesentlichsten Beteiligungen entstand mit dem Kauf der Brauerei Farrach bei Zeltweg. Dort beteiligte er sich im größeren Umfang auch persönlich, was aus einer Grundbucheintragung für das Schloss zu schließen ist.[4]
Als Geschäftsmann in Bosnien gründete Löwy mit Kommerzialrat Baptist Schmarda und mit Unterstützung der Landesbank von Bosnien-Herzegowina sowie der bosnischen Landesregierung im Jahr 1893 die Aktienbrauerei Sarajevo.[5]

Nur ein Jahr später initiierte Löwy 1894 gemeinsam mit dem Wiener Georges Ritter von Metaxa eine Beteiligung an der Gösser Brauerei. Unter Löwys Führung hatte die erst kürzlich erworbene Brauerei Farrach ihren Ausstoß von 8000 hl auf 40.000 hl gesteigert und eine relevante Marktposition in der Obersteiermark errungen. Um den zunehmenden Preiswettbewerb zu begegnen, boten Löwy und Metaxa 2500 Aktien ihrer Ersten Bierbrauerei und Malzfabriks-A.G. (Brauerei Farrach) gegen 3750 Gösser-Aktien. Bei einer außerordentlichen Generalversammlung der Brauerei Göss wurde die Vereinigung einstimmig angenommen. In der Folge wurden die beiden Investoren in den Verwaltungsrat und das Exekutivkomitee der Gösser-Brauerei aufgenommen.[6]
In Folge übergab Löwy die Führung der Brauerei in Sarajevo und konzentrierte sich auf seine Aufgabe als Vize-Präsident der Gösser AG. Damit verlegte er auch den Lebensmittelpunkt seiner Familie in das Schloss Farrach[7], hielt aber seinen Wohnsitz in der Schwindgasse in Wien aufrecht.
Im Jahr 1911 übernahm Löwy die Nachfolge des verstorbenen Max Kober als Präsident der Gösser AG.[6]
In den Jahren 1916/17 war Löwy gemeinsam mit Industriellen wie u. a. seinem Schwager Salo Zerkowitz Mitglied der Österreichischen Politischen Gesellschaft (ÖPG). Diese Vereinigung des Wiener Besitz- und Bildungsbürgertums versuchte auf die politischen Geschehnisse der Monarchie Einfluss zu nehmen, wobei eine übernationale österreichische Reichsidee vertreten wurde, Julius Meinl gründete die ÖPG (später auch Meinl Gruppe genannt) mit dem Industriellen Max Friedmann als Forum zum Austausch von Friedensideen. Treffpunkt war das Gesellschaftsheim in der Johannesgasse Nr. 20 in der Inneren Stadt.[8]
Leopold Löwy starb am 14. Februar 1928 im Alter von 85 Jahren. Er war Träger des Ritter der Eisernen-Krone-Ordens 3. Klasse und Ehrenbürger der Gemeinde Göss[9] (heute Teil von Leoben in der Steiermark).

Laut seiner Parte in der Freien Presse sowie dem Compass aus dem Jahre 1919 hielt Löwy folgende Funktionen:[3]
- Präsident der Gösser Brauerei AG vorm. Max Kober[10]
- Präsident der Mährisch-Ostrauer Bierbrauerei AG vorm. M. Strassmann
- Vizepräsident der Aktienbrauerei Sarajevo
- Vizepräsident der Aktienbrauerei Jedlesee (Wien-Floridsdorf)
- Verwaltungsrat der Brauerei Okocim (Brzesko Galizien)
- Verwaltungsrat der Zipf AG
- Verwaltungsrat der Getreide AG
- Verwaltungsrat der AG für Verarbeitung und Verwertung landwirtschaftlicher Produkte, Sarajevo[11]
- Direktor der Vareṧer Eisenindustrie A.G.[11]
- Verwaltungsrat der Ersten Österreichischen Posamenten- und Spitzen-Fabriks Aktiengesellschaft vormals Max & Salo Zerkowitz[12]
Wirken und Bedeutung
Gösser AG (1884–1927)
Eine der wesentlichsten Beteiligungen und Aufgaben ergab sich für Löwy mit dem Kauf der Brauerei Farrach bei Zeltweg, die später in die Gösser AG eingebracht wurde, wodurch Löwy zum langjährigen Direktor und Großaktionär der Gösser AG wurde.[6][13]
Max Kober war der ursprüngliche Gründer der Gösser Brauerei und wurde im Rahmen der Weiterentwicklung zu einer Aktiengesellschaft im Jahre 1893 zum Präsidenten der Gesellschaft gewählt. Schon ein Jahr danach kam es zu der oben erwähnten Transaktion, die für die weitere Entwicklung des Unternehmens zu einem Großunternehmen ausschlaggebend war.[14] Löwy und Georg Ritter von Metaxa brachten ihre gesamten Aktien der ihnen gehörigen Ersten Bierbrauerei und Malzfabrik AG (Brauerei Farrach bei Judenburg) gegen Tausch größerer Teile der Gösser Aktienpakete im Zuge einer Kapitalerhöhung auf insgesamt 2 Millionen Gulden Aktienkapital in das Unternehmen ein. Sie boten 2500 Aktien ihrer Ersten Bierbrauerei und Malzfabriks-A.G. (Brauerei Farrach) gegen 3750 Gösser-Aktien. Die AG umfasst dann zwei Betriebe in Göss und Farrach mit einer Gesamtproduktion von 100.000 hl, die bis 1900 auf 200.000 hl gesteigert werden konnte.

Das Exekutivekomitee bestand aus den Herren Max Kober, Ludwig Krempl, Leopold Löwy und Josef Wolfbauer.[13] Am 8. Juli 1894 um 10.00 Uhr wurde in der Wohnung des Herrn Ludwig Krempl die erste protokollierte Sitzung abgehalten. Die neue Führung war seither um den ständigen Ausbau des Unternehmens in technischer und kommerzieller Beziehung bemüht.
Der Gambrinus Brauer- und Hopfen-Zeitung[14] kommentierte damals wohlwollend: „Durch die Fusion wird die Concurrenz, welche bisher zu Unterbietungen des Preises geführt hat, aufhören, und wird die Vereinigung sowohl im Interesse des gesamten Unternehmens selbst, als auch der Consumenten liegen, da sich der Betrieb vortheilhafter und billiger wird gestalten lassen.“
Unter Löwys Führung bei der Gösser-Brauerei wurden dutzende Mitbewerber übernommen. Die ersten Eingliederungen waren 1894 die Brauerei Sixt in Leoben und 1895 Finze in Mautern. Aus einer Brauerei mit regionaler Bedeutung schuf Löwy ein potentes Unternehmen mit Absatzmärkten in ganz Österreich.[6]
Löwy war bestrebt, durch den Zusammenschluss mit anderen Brauereien dem ruinösen Wettbewerb Einhalt zu bieten. Einem ersten Kooperationsvertrag mit der Ersten Grazer Actien-Brauerei (später: Puntigam) folgte ein Freundschaftsvertrag zwischen den Brauereien Göss, Puntigam und Reininghaus, der schließlich 1907 in der Gründung des Schutzverbands Alpenländischer Brauereien mündete. Umgehend wurden Brauereien aus der Steiermark und Krain, Kärnten und Triest Mitglieder.[6]
Das Wachstum der Gösser-Brauerei trug wesentlich zum Aufschwung der Region um Göss bei. So heißt es etwa 1955 anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums[6] des E-Werkes Krempl in Leoben in einem Antwortschreiben an die Brauerei Göss: "Der damalige Präsident des Verwaltungsrates, Herr Leopold Löwy, trug maßgeblich dazu bei, dass sich unser Vater, Herr Ludwig Krempl, zum Bau des E-Werkes Leoben entschloss. "Ohne Göss hätten wir nicht gebaut, ohne elektrischen Strom wäre Göss nicht so rasch groß geworden."
Aufgrund seiner guten Kontakte gelang es Löwy Rahmenverträge für die umfangreiche Belieferung der Arbeiter großer Eisenbahnbaustellen und Industriebetriebe (Hüttenwerk Donawitz u. a.) abzuschließen.[13]
In den krisengebeutelten Jahren rund um den Ersten Weltkrieg konnte sich Löwy durch eine vorausschauende Einkaufspolitik, die einerseits auf Qualität und andererseits auf Versorgungssicherheit mit den erforderlichen Rohstoffen setze, auszeichnen.[6]
Als der Gründer der Brauerei Göss, Präsident Max Kober, 1911 verstarb, wurde „der engste und seit seinem Eintritt in die Firma kommerziell entscheidend agierende Mitarbeiter“, Leopold Löwy, Präsident des Unternehmens.[15] In einer Denkschrift wurde die Nachfolge entsprechend kommentiert: „An seine Stelle trat Leopold Löwy, der schon seit Jahren als der geistige Leiter des Unternehmens galt. Ein ganz besonderes Verdienst des genannten Herrn sei an der Stelle hervorgehoben. Seine so überaus erfolgreiche Tätigkeit beim Einkauf von Rohmaterial. Das Bestreben war immer darauf gerichtet, die besten Rohstoffe zu möglichst günstigen Preisen einzukaufen. Seiner großen Geschicklichkeit und weitblickenden Voraussicht hierin ist es zu verdanken, dass das Unternehmen in der Bierqualität immer führend war und das Geschäftsergebnis sich überaus erfolgreich gestaltete.“[16]

Im Zuge der Erweiterung würde nicht nur das heute noch zentral gelegene Kühlhaus von Ing. Alexander Zerkowitz am neusten Stand der Technik neu erbaut,[17] sondern auch im Stift Göss Sozialwohnungen für die Mitarbeiter errichtet. Ing. Alexander Zerkowitz war zeitweise auch Mitglied des Aufsichtsrats.[18]
Aktienbrauerei Sarajevo
Löwy gründete gemeinsam mit Kommerzialrat Baptist Schmarda und mit Unterstützung von Banken im Jahr 1893 die Aktienbrauerei Sarajevo.[19]

Diese Gesellschaft erwarb die vier bestehenden Brauereien in der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina und fasste sie in einer Braustätte zusammen.[5] Die Brauerei fand aber nicht irgendeinen beliebigen Platz am Rande der Stadt, sondern es entstand mitten in der Altstadt, gegenüber der St.-Anton-Kirche, ein prachtvolles 17.400 m2 großes Gebäude mit weinroter Fassade.[5]
Im Hof bereits vorhanden war das Qualitätsgeheimnis des Sarajevoer Biers: das Sarajevoer Quellwasser, das aus drei 300 bis 350 m tiefen Brunnen geschöpft wurde. Die Wasserqualität und neue Technologien machten das „Sarajevsko pivo“ schnell zum führenden Bier im Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowina.
Im Zuge des Ausbaus wurden auch die eigene Mälzerei in Kovac sowie die Eisfabriken in Mostar, Capljina, Subotica, Skopje, Kotor und Kosovska Mitrovica saniert. Die baulichen Arbeiten wurden in den Jahren 1893–95 von Ing. Alexander Zerkowitz, Löwys Schwager, betreut und durchgeführt.[20]
1914 wurde die Brauerei Taussig & Co in Dol. Tuzla und 1925 eine Brauerei in Brod a.S. erworben[21]. Schon damals wurde das Bier bis nach Dalmatien, Montenegro und Albanien exportiert. Der Haupteigentümer war neben Löwy und seinem Bruder, der die Brauerei leitete, der Wiener Bankverein, der so wie im Geschäftsjahr 1908/09 auch für die Folgejahre hohe Dividenden von 17,5 % erwartete.[22] Die jährliche Produktion betrug anfangs 22.000 hl Bier, 1916 wurde die Rekordproduktion von 150.000 hl Bier erreicht.
Der Erste Weltkrieg war allerdings verheerend für den Industriebetrieb, der in Folge technologisch hinter den europäischen Brauereien zurückblieb. So wurden während der Ära des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen jährlich nur 40.000 bis 45.000 hl Bier hergestellt. Trotz allem kaufte die Sarajevoer Brauerei damals die Bierfabriken in Slavonski Brod und Petrovaradin und errichtete eine Hefefabrik in Skopje.[23]
Nachrufe[24] würdigen Löwy 1928 als eine „außergewöhnliche Persönlichkeit“ mit „ungewöhnlichen Fähigkeiten“ und „immer weit vorausschauender Arbeit“ sowie sein „fürsorgliches Verhalten gegenüber allen seinen Untergebenen“. Eine Publikation betont 1894 seine „kaufmännischen Begabung“ und „Intelligenz“.
Der Historiker Prof. Roman Sandgruber bezeichnet ihn als „eine der markantesten Persönlichkeiten der österreichischen Brauindustrie“.[12]
Privates

Am 14. Dezember 1879 heiratete Leopold Löwy Emma Zerkowitz (1855–1929), eine Tochter des Fabrikanten Nathan Zerkowitz und seiner Frau Franziska geb. Kalmus[25].
Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Melany Nelly Löwy, geb. 3. Oktober 1880 in Wien; gest. nach 1951; Alice Löwy, geb. 9. April 1882 in Wien; nach Hartheim deportiert und dort ermordet und Greta Löwy, geb. 26. Jänner 1887 in Wien, gest. 14. Februar 1960 in New York. Greta heiratete den Industriellen Ludwig Schöffer, der ebenfalls in diversen Verwaltungsräten an der Seite Löwys saß, mit dem sie noch in die USA fliehen konnte und eine Familie gründete.[25]
Leopold Löwy wurde am 16. Februar 1928 „nach langem, schwerem, mit wahrer Engelsgeduld ertragenem Leiden“ auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben.[26]
Auszeichnungen und Ehrungen
- 1908: Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse[27][28]
- 1923: Ehrenbürger der Gemeinde Göss[9][24]
