Liste geflügelter Worte/M

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Mach End’, o Herr, mach Ende!

Die 12. Strophe des evangelischen Kirchenliedes Befiehl du deine Wege des Kirchenlieddichters Paul Gerhardt lautet folgendermaßen:

„Mach End, o Herr, mach Ende
mit aller unsrer Not;
stärk unsre Füß und Hände
und laß bis in den Tod
uns allzeit deiner Pflege
und Treu empfohlen sein,
so gehen unsre Wege
gewiß zum Himmel ein.“
[1]

Dieser Vers gehört zu den vielzitierten Worten Gerhardts:

„Die Anfangsworte der Strophe werden zitiert, wenn man – gleichsam mit einem Stoßseufzer – ausdrücken will, dass man das Ende einer langen Rede oder den längst fälligen Abschluss einer Sache herbeisehnt.“[2]

Mach mal Pause!

Die Aufforderung wurde Mitte der 1950er-Jahre als Werbespruch für Coca-Cola verwendet und hat sich so verfestigt. Heute werden die Worte verwendet auch ironisch, um den Redefluss einer Person zu unterbrechen.

Nu da machd doch eiern Drägg alleene!

„Nu da machd doch eiern Drägg alleene!“ (sächsisch für: „Macht doch euren Dreck allein!“) soll der sächsische König Friedrich August III. angeblich bei seiner Abdankung am 13. November 1918 auf Schloss Guteborn bei Ruhland gesagt haben.

Angeblich kam eine Abordnung von Revolutionären zum König, um ihn für abgesetzt zu erklären. Der Schriftsteller Kurt Tucholsky behandelt diesen Ausspruch in seinem Gedicht Das Königswort, das mit folgender Strophe beginnt:

„Dies ergötzte hoch und niedrig:
Als der edle König Friedrich,
August weiland von ganz Sachsen,
tat zum Hals heraußer wachsen
seinem Volk, das ihn geliebt,
so es billigen Rotwein gibt –
als der König, sag ich, merkte,
wie der innre Feind sich stärkte,
blickt er über die Heiducken,
und man hört ihn leise schlucken…
Und er murmelt durch die Zähne:
‚Macht euch euern Dreck alleene!‘“
[3]

Macht geht vor Recht.

Den Satz „Macht geht vor Recht“ legte 1863 Maximilian Graf von Schwerin dem Ministerpräsidenten Otto von Bismarck in Bezug auf dessen Rede im preußischen Abgeordnetenhaus in den Mund. Er profiliert sich damit als parlamentarischer Gegenspieler Bismarcks.

Der Zitatensammler Georg Büchmann schreibt in seinen Geflügelten Worten:

„Am 27. Januar 1863 sprach Bismarck im Abgeordnetenhause: »Conflicte werden, da das Staatsleben nicht still zu stehen vermag, zu Machtfragen; wer die Macht in Händen hat, geht dann in seinem Sinne vor«. Graf Maximilian von Schwerin (1804–1872) erwiderte darauf: »Ich erkläre, dass ich den Satz in dem die Rede des Herrn Minister-Präsidenten kulminierte: ›Macht geht vor Recht‹ … nicht für einen Satz halte, der die Dynastie in Preussen auf die Dauer stützen kann …, dass dieser vielmehr umgekehrt lautet:
Recht geht vor Macht u. s. w.«
Bismarck, der während dieser Rede seines Gegners nicht anwesend war und erst später, wieder in den Saal eingetreten, vernommen hatte, dass man ihm den Ausspruch: »Macht geht vor Recht« untergelegt hatte, verwahrte sich dagegen, worauf Graf von Schwerin erwiderte, er erinnere sich nicht gesagt zu haben, der Minister-Präsident habe diese Worte gebraucht, sondern nur, dass dessen Rede in diesem Satze kulminiere. Noch am 1. Februar 1868 wehrte sich Bismarck dagegen im preussischen Landtage, als ihm Twesten eine Redewendung missdeutete. Bismarck sagte damals: »Ich möchte nicht, dass aus diesem meinem Worte durch die Geburtshilfe des Herrn Vorredners ein fliegendes Wort gemacht werde, wie aus einem früheren, welches ich niemals ausgesprochen habe, dass Macht vor Recht gehe.«“[4]

Das Zitat selbst geht auf eine Stelle beim biblischen Propheten Habakuk (1,3b LUT) zurück, wo es heißt:

„Es geht Gewalt vor Recht.“

Der Philosoph Baruch de Spinoza schreibt in seinem „Tractatus politicus“ (Kapitel 2, § 13):

„…weil jeder so viel Recht hat, als er Macht hat.“

Dieser Gedanke wird in Goethes Faust II (V, Palast) wieder aufgegriffen:

„Man hat Gewalt, so hat man Recht.“

In Friedrich Schillers Gedicht Die Weltweisen heißt es:

„Im Leben gilt der Stärke Recht.“

In Adelbert von Chamissos Gedicht Die Giftmischerin schließlich steht:

„Hast du die Macht, du hast das Recht auf Erden.“

Macht kaputt, was euch kaputt macht

Macht kaputt, was euch kaputt macht ist der Titel und der Refrain eines Lieds der deutschen Politrock-Band Ton Steine Scherben aus dem Jahr 1969. Der Text von Norbert Krause beginnt mit den Worten:

„Radios laufen, Platten laufen,
Filme laufen, TVs laufen,
Reisen kaufen, Autos kaufen,
Häuser kaufen, Möbel kaufen. Wofür?“

Es folgt dann der Refrain:

„Macht kaputt, was euch kaputt macht!“

Dieser Satz wurde zu einem der bekanntesten und heute immer noch verwendeten Slogans im Umfeld der deutschsprachigen Autonomen, beispielsweise in der Hausbesetzerbewegung und in neoanarchistischen Kreisen im Anschluss an die Studentenbewegung der 1960er Jahre. Im Band 12 des Duden (Zitate und Aussprüche) heißt es dazu:

„Die radikale Aufforderung wurde häufig auf Wände besprüht und diente auch als Rechtfertigung für den Vandalismus einzelner Gruppen. – “[5]

Macht korrumpiert.

Lord Acton

Dies ist ein verkürzter Ausspruch des britischen Historikers Lord Acton, der auf Englisch Folgendes sagte:

Power tends to corrupt and absolute power corrupts absolutely.
„Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut.“

Er bekämpfte die päpstliche Unfehlbarkeitsdoktrin des Ersten Vatikanischen Konzils. In diesem Zusammenhang äußerte er diese Worte.

Diese Worte zitiert auch der Schriftsteller Stefan Heym bei der Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz in Berlin im Hinblick auf die Diktatur der SED. In einem Interview sagte Heym später:

„Wenn Sie in der Geschichte zurückgehen, werden Sie auch in anderen Perioden feststellen, dass Macht diese Wirkung auf die Menschen hat. Es war ein englischer Lord, der Name entfällt mir im Augenblick, der gesagt hat: ‚Macht korrumpiert, und absolute Macht korrumpiert absolut.‘“[6]

Ein weiteres Zitat verdeutlicht Lord Actons Einstellung:

„Great men are almost always bad men.“
„Große Männer sind fast immer schlechte Männer.“

Wenige Monate vor wurde das Foto einer Gruppe chinesischer Journalisten mit einem mit Satz beschrifteten Plakat am Vorabend des Tian’anmen-Massakers zu einem der ikonischsten Bilder der Proteste.[7][8]

Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.

Antwort des ehemaligen deutschen Fußballspielers Andreas Möller während eines Interviews auf die Frage, wo er in Zukunft spielen werde. Möller wechselte dann jedoch zu Juventus Turin. Dieser Satz ist ein Klassiker im Bereich der Fußballstilblüten und wird sogar als T-Shirt-Aufdruck verkauft.[9]

Einen ähnlichen Fehler erlaubte sich der Fußballprofi Jürgen Wegmann, der auf die Frage, ob er zum FC Basel wechseln wolle, antwortet:

„Ich habe immer gesagt, daß ich niemals nach Österreich wechseln würde.“

Make love not war

Make love – not war“ („Macht Liebe, nicht Krieg!“) war ein Slogan der Anti-Vietnamkriegsbewegung der 1960er Jahre und wurde auch von der Hippie-Bewegung aufgenommen. John Lennon und Bob Marley übernahmen den Slogan 1973 in ihren Liedern „Mind Games“ bzw. „No more trouble“. Wurde bei dem Computer PDP-10 des Herstellers DEC der Befehl „make love“ eingegeben, antwortete das System mit „not war?“. Ähnliches war auch in frühen Unix-Versionen implementiert.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

„Man gönnt sich ja sonst nichts“ war ein Werbespruch, in dem der beleibte Schauspieler Günter Strack für Malteserkreuz Aquavit warb, was angesichts seiner Körperfülle und dem kalten Buffet im Hintergrund ironisch wirken sollte. Auch im alltäglichen Sprachgebrauch wird dieser Spruch als Entschuldigung für eine Annehmlichkeit, die man sich genehmigt, nicht wörtlich verstanden.

Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.

Diese Feststellung traf der Schweizer Schriftsteller Max Frisch zum Thema Gastarbeiter. Er kritisierte damit die Geisteshaltung der Schweizer, speziell in Bezug auf italienische Einwanderer.

Frisch schrieb 1965 als Vorwort zu Siamo Italiani, einem Gespräch mit italienischen Gastarbeitern, das auch verfilmt wurde. Er hatte nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Rom seinen Wohnsitz wieder in die Schweiz verlegt und wollte sich eigentlich nicht mehr öffentlich über die Schweiz äußern. Dennoch schrieb er:

„Ein kleines Herrenvolk sieht sich in Gefahr: man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.“[10]

Frisch führte die Selbstgenügsamkeitsmentalität der Schweizer auf die „geistige Landesverteidigung“ im Zweiten Weltkrieg zurück, die ein Selbstbild pflegte, „das einem Ideal und nicht der Wirklichkeit verpflichtet war“.

Man hat es oder hat es nicht.

Diese Worte sind der Titel und der jeweils letzte Vers eines Gedichts von Theodor Fontane:

„Nur als Furioso nichts erstreben
Und fechten bis der Säbel bricht,
Es muß sich Dir von selber geben –
Man hat es oder hat es nicht.“
[11]

Thema des Gedichts ist die Vergeblichkeit des Wollens. Glück erreicht man nur, wenn es einem vorbestimmt ist.

Die Formulierung bezieht sich heute auf etwas, was man nicht erwerben kann, was man als Begabung mitbringen muss:

„Man hat es oder hat es nicht. Es gibt grosse Sängerpersönlichkeiten, die sich aus Nervosität auf der Bühne nicht entfalten können.“[12]

Man isst, um zu leben, und lebt nicht, um zu essen.

Diese Sentenz stammt aus dem Theaterstück Der Geizige des Dichters Molière und lautet im französischen Original so:

„Il faut manger pour vivre, et non pas vivre pour manger.“[13]

Das Zitat geht wohl auf einen Ausspruch zurück, der dem antiken Philosophen Sokrates zugeschrieben wird:

„Wir leben nicht, um zu essen; wir essen, um zu leben.“

Man kann einen Menschen mit einer Wohnung genau so töten wie mit einer Axt.

Der Berliner Zeichner Heinrich Zille setzte sich in seinen Bildern mit den Problemen der proletarischen Viertel Berlins in der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert auseinander. Sein Vater war lange arbeitslos, die Familie wohnte in einer feuchten Kellerwohnung, die mit einem Ofen, einem Stuhl, einer Tasse ohne Henkel und nicht mit Betten ausgestattet war. Heinrich Zille selbst kam als Neunjähriger mit seinen Eltern nach Berlin und beschrieb später in seinen Erinnerungen die Berliner Wohnung, in die der Vater die Familie führte, nachdem er sie vom Bahnhof abgeholt hatte:

„An den Wänden zerrissene Tapeten, Blutflecke von zerquetschten Wanzen. In einer Ecke ein Haufen Stroh, das sollte unser Bett sein, und ein großer hölzerner, mit Bandeisen beschlagener Koffer … paar Bündel Kleidungsstücke, das war alles, was wir, ’zum neuen Leben anzufangen’, besaßen.“[14]


Man kann nicht nicht kommunizieren.

So lautet das erste der fünf pragmatischen Axiome der Kommunikationstheorie des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick, die im zweiten Kapitel seines Buches Menschliche Kommunikation – Formen, Störungen, Paradoxien vorgestellt werden.[15] Es ergibt sich aus der Überlegung, dass „Material“ jeglicher Kommunikation nicht nur Worte seien, sondern Verhalten jeder Art. Man könne sich aber nicht nicht verhalten und deshalb, da alles Verhalten Mitteilungscharakter habe, auch nicht nicht kommunizieren. „Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter.“[16]

Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.

Dieses so genannte Weiblichkeitstheorem stammt von der Feministin Simone de Beauvoir und lautet im französischen Original folgendermaßen:

„On ne naît pas femme: on le devient.“[17]

Dieser Satz ist der Kerngedanke von Beauvoirs Buch Das andere Geschlecht, der bis heute zur Debatte steht. So schreibt Ursula März in der Wochenzeitschrift Die Zeit:

„Denn dieser Satz spukt durch die Kulissen, wann immer das Frauenthema oder einer seiner Aspekte auf der Bühne erscheint. Während das Problem des Heliozentrismus seit Galilei als erledigt gelten kann und das Problem, ob das Sein das Bewusstsein bestimmt oder umgekehrt, auf der Reservebank Platz genommen hat und die Halbzeitergebnisse der Pränatal- oder der Hirnforschung abwartet, hält uns das Problem, wie wir Mann und Frau sind und werden, wie sich Natur und Kultur, Biologie und Sozialisiertheit im Geschlechterentwurf jeweils durchsetzen, ziemlich auf Trab. Ob wir es merken oder nicht.“[18]

Man merkt die Absicht und ist verstimmt

„Man merkt die Absicht und ist verstimmt“ ist die leicht abgewandelte Form einer Äußerung Tassos in Goethes Drama Torquato Tasso, mit der er sein Missfallen an dem Verhalten der Leonore Sanvitale ausdrückt:

… und wenn sie auch
Die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun,
So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.

Man verwendet das Zitat, wenn man schlecht verborgene persönliche Interessen deutlich erkennt.

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Mit den Worten „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“ fordert man dazu auf, sich eine Gelegenheit zu feiern nicht entgehen zu lassen. Es gibt auch noch den Nachsatz:

„Und wenn sie nicht fallen wollen, muss man eben nachhelfen.“

Die Redensart wurde durch die Posse „Graupenmüller“ des Berliner Autors Hermann Salingré verbreitet.

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Auf den Vorwurf der Hohenpriester, das Verbot, öffentlich im Namen Jesu zu lehren, missachtet zu haben, entgegnet Simon Petrus:

„Man muss Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“[19]

Auch heute noch ist diese Maxime für viele religiöse Menschen die Richtschnur für ihr Handeln.

Man müsste Klavier spielen können

Dies ist ein Lied von Hans Fritz Beckmann, das Johannes Heesters in dem 1941 gedrehten Film Immer nur … Du! sang.

„Man müßte Klavier spielen können,
Wer Klavier spielt hat Glück bei den Fraun.
Weil die Herrn, die Musik machen können,
Schnell erobern der Damen Vertraun.“
[20]

Man schlägt den Sack und meint den Esel

Die sprichwörtliche Redensart „Man schlägt den Sack und meint den Esel“ wird verwendet, wenn jemand stellvertretend für jemand anderes getadelt wird, in Wirklichkeit aber gar nicht gemeint ist. Sie findet sich schon im Satyricon des römischen Schriftstellers Titus Petronius. Dort heißt es in der parodistischen Einlage Das Gastmahl des Trimalchio:

Qui asinum non potest, stratum caedit.
„Wer den Esel nicht [schlagen] kann, schlägt den Packsattel.“

Friedrich Schiller stellt in seinem Drama Kabale und Liebe der gestelzten Sprache des Hofes die direkte, oft derbe Sprache des Ehepaares Miller gegenüber. Miller wird durch die Sprache des einfachen Mannes charakterisiert. Seine Ansichten unterstreicht er mit allgemeinen Redewendungen wie:

„Auf den Sack schlägt man; den Esel meint man.“[21]

Man sieht nur mit dem Herzen gut.

Das berühmteste Zitat aus Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry ist die Aussage des Fuchses, den die Titelfigur während ihrer Reise trifft:

Und so kam der kleine Prinz auf den siebten Planeten, die Erde. Nach einem Gespräch mit einer Schlange durchquerte er die Wüste in Afrika und begegnete einer Blume, fand danach einen Rosengarten und traf schließlich den Fuchs. Der sagte ihm: „Man kennt nur die Dinge, die man zähmt“[22] und er verriet dem Prinzen sein Geheimnis:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
„On ne voit bien qu’avec le cœur, l’essentiel est invisible pour les yeux.“

Dieses Zitat erscheint heutzutage in den Texten zahlreicher Nachrufe und in Poesiealben.

Man wird das Wort als säkulare Variante eines Gedankens aus dem 1. Buch Samuel (16, 7) ansehen können, das in der Einheitsübersetzung wie folgt lautet: „Der Mensch sieht auf das Äußere, aber der Herr sieht auf das Herz“. Das Zitat aus dem Alten Testament wird gern als Taufspruch gewählt.

Man wechselt die Pferde nicht mitten im Fluss.

Slogan des US-Politikers Abraham Lincoln im Wahlkampf des Jahres 1864:

„Don’t swap horses in the middle of the stream.“

Nach ihrer Niederlage in der Schlacht von Gettysburg vom 1. bis 3. Juli 1863 waren die Konföderierten nicht mehr in der Lage, den Krieg aus eigener Kraft zu gewinnen. Ihre einzige Chance bestand darin, den Krieg so lange und für den Norden so verlustreich weiterzuführen, dass Abraham Lincoln die Präsidentschaftswahlen von 1864 verlieren und durch einen neuen, verhandlungsbereiten Präsidenten ersetzt würde.

Manche mögen’s heiß.

Manche mögen’s heiß ist der deutsche Titel der US-amerikanischen Filmkomödie Some like it hot von Billy Wilder aus dem Jahr 1959. Die Handlung spielt während der Alkoholprohibition im Chicago der späten 1920er Jahre. Als der illegale Nachtclub, ein so genannter Speakeasy, in dem sie bisher aufgetreten sind, nach einer Razzia geschlossen wird, haben die Musiker Joe und Jerry Probleme, eine neue Anstellung zu finden.

Der Filmtitel wird häufig zitiert, um anzudeuten, dass jemand heikle Situationen geradezu heraufbeschwört.

Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre.

Der Psychoanalytiker Sigmund Freud, Entdecker des Phallussymbols und passionierter Raucher, begegnete mit diesen Worten dem Widerspruch, dass er sich selbst gerne eine Zigarre ansteckte. Anzumerken ist jedoch, dass die Frage nach dessen Authentizität offen ist. Denn es gibt keine direkte Überlieferung davon, dass er diese Aussage je so getroffen hat.[23] Da Freud als Arzt um die Gefahren des Rauchens wusste, versuchte er sich dies abzugewöhnen. Dabei versuchte ihm sein Freund, Sanitätsrat Wilhelm Fließ, zu helfen, indem er ihm das Rauchen verbot. Doch ohne Zigarre verlor Freud die Lust am Arbeiten. Allerdings führt die Form der Zigarre in die Irre. Der Analytiker Josef Patloch merkt dazu an:

„Die libidinöse Fixierung an die Mutterbrust konnte er mit Hilfe der stets zur Verfügung stehenden Zigarre befriedigen.“[24]

Es geht bei obigem Satz um Ideologien in der Psychoanalyse:

„Es gibt Psychotherapie-Schulen, die mehr Ideologien sind. Dazu würde ich die Psychoanalyse tendenziell zählen: da sucht man überall unterdrückte Sexualität.“[25]

Männer – es ist Zeit!

Diese Worte sagte der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer ursprünglich in seinem heimischen Dialekt:

„Mander – ’s isch Zeit!“

Männer machen Geschichte.

Dieses Zitat des Historikers Heinrich von Treitschke bringt die Überzeugung zum Ausdruck, dass die Geschichte entscheidend durch das Handeln von bedeutenden Einzelpersonlichkeiten beeinflusst wird. Treitschke schrieb im Jahr 1879 in seinem Buch Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert, wohl auf Otto von Bismarck bezogen:

„Männer machen (die) Geschichte.“

In der Einleitung zu seinen Vorlesungen über Politik stellt Treitschke fest:

„Wäre die Geschichte eine exakte Wissenschaft, so müßten wir imstande sein, die Zukunft der Staaten zu enthüllen. Das können wir aber nicht, denn überall stößt die Geschichtswissenschaft auf das Rätsel der Persönlichkeit. Personen, Männer sind es, welche die Geschichte machen.“

Eine ähnliche Sehweise findet sich bei dem schottischen Historiker Thomas Carlyle, der schrieb:

„Die Weltgeschichte ist nichts als die Biographie großer Männer.“
„The history of the world is but the biography of great men.“

Männer sind ja wohl das Primitivste, Dümmste und Mieseste, was rumläuft.

Dieses Zitat stammt aus einer Therapiesitzung in Loriots Filmkomödie Ödipussi. Die Therapeutin, Margarethe Tietze, reagiert darauf mit den Worten:

„Frau Mengelberg, Sie haben da ein Problem angesprochen. Würden Sie das noch etwas näher ausführen?“

Frau Mengelberg berichtet daraufhin, dass sie in dem Großraumbüro, in dem sie arbeitet, von Männern berührt wird, und fängt erneut an, sich zu echauffieren:

„… na, das ist doch wohl das Primitivste und Mies…“

Da fällt ihr die Therapeutin ins Wort:

„Wir haben Sie schon verstanden, Frau Mengelberg.“[26]

Marmor, Stein und Eisen bricht.

Marmor, Stein und Eisen bricht ist der Titel eines Lieds von Drafi Deutscher aus dem Jahr 1965, dessen oft gesungener Refrain folgendermaßen lautet:

„Marmor, Stein und Eisen bricht,
aber unsere Liebe nicht.
Alles, alles geht vorbei,
doch wir sind uns treu.“
[27]

So heißt auch der Nachruf zum Tod des Sängers „Gebrochener Marmorstein“, in dem der Titel erklärt wird:

„Ein toller Schlager, der fast zu einer Art Volkslied geworden ist. Und der immer wieder gern zitiert wird, wenn es um Sprache und Schlager geht. Nicht nur wegen der bedeutungsvollen Worte ‚dam dam, dam dam‘, sondern vor allem wegen der Titelzeile. Die enthält eine Aufzählung von drei Materialien: Marmor, Stein und Eisen. Ursprünglich sollten es nur zwei sein, denn Marmor und Stein waren eigentlich als ein Wort gedacht: ‚Marmorstein‘ – so wie Ebenholz und Elfenbein.“[28]

Es wird dann noch erklärt, dass Drafi Deutscher zu seinem Hit nur eine einzige Zeile beigetragen habe:

„Dam dam, dam dam.“

Textdichter war Rudolf-Günter Loose. In der Erstveröffentlichung hieß das Lied noch „Marmorstein und Eisen bricht“.

Mars regiert die Stunde.

Friedrich Schillers Drama Wallensteins Tod beginnt mit einem Dialog zwischen Wallenstein und seinem Astrologen Seni, der damit beschäftigt ist die Sterne zu beobachten. Wallenstein sagt zu Seni:

„Lass es gut sein, Seni. Komm herab.
Der Tag bricht an, und Mars regiert die Stunde.“
[29]

Der sternengläubige Wallenstein zögert und will warten, bis sich eine günstigere Sternenkonstellation einstellt, bei der die „Segenssterne“ Jupiter und Venus „den verderblichen, den tückschen Mars in ihrer Mitte“ haben und seinen Einfluss mildern.

Mit dem Zitat „Mars regiert die Stunde“ umschreibt man heute Krieg.

Mehr Demokratie wagen

„Wir wollen mehr Demokratie wagen“ sagte Willy Brandt, als erster Sozialdemokrat zum Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt, in seiner Regierungserklärung vom 28. Oktober 1969.[30] Diese Botschaft wurde auch zu einem der Markenzeichen seiner sozial-liberalen Koalition. Dieses Motto war damals nicht unumstritten. Als Willy Brandt am Ende seiner Rede sagte „Wir stehen nicht am Ende unserer Demokratie, wir fangen erst richtig an“, protestierte die Opposition [31]

Es. fand schon 1961 erstmals Erwähnung in der Erläuterung des Tübinger Memorandums, einer Denkschrift evangelischer Intellektueller um Carl Friedrich von Weizsäcker gegen nukleare Aufrüstung und für die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.[32]

Als Angela Merkel (CDU) nach einer Koalitionsvereinbarung mit der SPD Gerhard Schröder als Bundeskanzlerin ablöste, griff sie diese Worte in ihrer Regierungserklärung vom 30. November 2005 auf: „Lassen Sie uns mehr Freiheit wagen!“[33]

Mein Name ist Hase.

Die Redensart „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“ geht auf den Heidelberger Jurastudenten Victor von Hase zurück, der 1854 einem Kommilitonen, der jemanden beim Duell erschossen hatte, durch absichtliches Verlieren seines Studentenausweises zur Flucht nach Frankreich verhalf. Nachdem Hases Ausweis in Frankreich gefunden wurde, kam er vor das Universitätsgericht. In der Verhandlung wiederholte er lediglich:

„Mein Name ist Hase, ich verneine die Generalfragen, ich weiß von nichts.“[34]

Heute wird mit diesem Zitat zum Ausdruck gebracht, dass man mit einer Sache nichts zu tun haben will. Der Satz ist auch im niederländischen Sprachraum in der Form “Mijn naam is haas” geläufig.

Memento mori.

Andrea Andreani: Triunphus Caesaris (Der Triumph Caesars)

Der lateinische Mahnruf memento mori bedeutet so viel wie „Bedenke, dass du sterblich bist!“

Im antiken Rom stand hinter einem siegreichen Feldherrn beim Triumphzug ein Sklave, der ihm einen Lorbeerkranz über den Kopf hielt und den Triumphator ununterbrochen mit folgenden Worten ermahnte:

  1. „Memento mori.“ (Bedenke, dass du sterben wirst.)
  2. „Memento te hominem esse.“ (Bedenke, dass du ein Mensch bist.)
  3. „Respice post te, hominem te esse memento.“ (Sieh dich um und gedenke, dass auch du nur ein Mensch bist.)

Mensch, werde wesentlich.

Vom Mystiker Angelus Silesius stammt eine Sammlung geistlicher Sinn- und Schlussreime mit dem Titel Der cherubinische Wandersmann, in dessen zweiten Buch sich der folgende Sinnspruch findet:

„Mensch, werde wesentlich! Denn wann die Welt vergeht,
So fällt der Zufall weg, das Wesen, das besteht.“

Für Angelus Silesius ist damit die Wendung nach innen gemeint.

Der expressionistische Dichter Ernst Stadler griff dieses Epigramm in seinem Gedicht Der Spruch auf:

„In einem alten Buche stieß ich auf ein Wort,
Das traf mich wie ein Schlag und brennt durch meine Tage fort:
Und wenn ich mich an trübe Lust vergebe,
Schein, Lug und Spiel zu mir anstatt des Wesens hebe,
Wenn ich gefällig mich mit raschem Sinn belüge,

Wenn mich willkommner Traum mit Sammelhänden streicht,
Und Tag und Wirklichkeit von mir entweicht,
Der Welt entfremdet, fremd dem tiefsten Ich,
Dann steht das Wort mir auf:
Mensch, werde wesentlich!“

Das Zitat wird heute als scherzhafte Aufforderung gebraucht, zur Sache zu kommen.

Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.

Mit diesem Spruch drückt man aus, dass man eigentlich gar keinen Grund zum Fröhlichsein hat. Es handelt sich dabei um den letzten Vers eines Vierzeilers von Martinus von Biberach aus dem Jahr 1498:

Ich leb und waiss nit, wie lang,
Ich stirb und waiss nit, wann,
Ich far und waiss nit, wohin,
Mich wundert, dass ich froelich bin.

Der Schriftsteller Johannes Mario Simmel gab 1949 seinem ersten Roman den Titel Mich wundert, daß ich so fröhlich bin.

Milch macht müde Männer munter.

Milch macht müde Männer munter war ein Werbeslogan der westdeutschen Milchwirtschaft, entstanden in den 1950er Jahren. Der Slogan hat bis heute einen äußerst hohen Bekanntheitsgrad und fand (teils auch in ironischen Abwandlungen) Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch:

Mit dem Zweiten sieht man besser.

ZDF-LKW mit Sendermotto

Mit diesem Slogan der Agentur Serviceplan, der den Sendernamen aufgreift, wirbt das Zweite Deutsche Fernsehen für sein Programmangebot mit der Abbildung von Prominenten, die sich dabei jeweils mit zwei Fingern einer Hand (Zeige- und Mittelfinger) ein Auge zuhalten. Den Vorwurf, damit würden sehbehinderte Menschen diskriminiert, ließ der Deutsche Werberat jedoch nicht gelten.

Auf der Website der Tageszeitung heißt es zu diesem Slogan:

„Inoffizielles Motto: Mit dem Zweiten sieht man besser, weil die Hauptzielgruppe auf dem ersten einen Grauen Star hat.“[35]

Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

Tod von John Talbot auf dem Schlachtfeld

Diesen Satz der Resignation lässt der Dichter Friedrich Schiller in seinem Drama Die Jungfrau von Orleans Talbot, den Feldherrn der Engländer sagen.

Lionel, ein englischer Anführer sagt zu Fastolf, einem anderen Anführer der Engländer:

„Ich kann nicht bleiben. – Fastolf, bringt den Feldherrn
An einen sichern Ort, wir können uns
Nicht lange mehr auf diesem Posten halten.
Die Unsern fliehen schon von allen Seiten,
Unwiderstehlich dringt das Mädchen vor –“

Talbot entgegnet darauf:

„Unsinn, du siegst und ich muß untergehn!
Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.
Erhabene Vernunft, lichthelle Tochter
Des göttlichen Hauptes, weise Gründerin
Des Weltgebäudes, Führerin der Sterne,
Wer bist du denn, wenn du dem tollen Roß
Des Aberwitzes an den Schweif gebunden,
Ohnmächtig rufend, mit dem Trunkenen
Dich sehend in den Abgrund stürzen mußt!“
[36]

Talbot fiel am 17. Juli 1453 in der Schlacht bei Castillon, die die letzte entscheidende Niederlage der Engländer im Hundertjährigen Krieg darstellt.

Mit geballten Fäusten kann man sich nicht die Hände reichen.

Die indische Premierministerin Indira Gandhi sagte 1971 mit Bezug auf dem Konflikt zwischen Indien und Pakistan:

„Indien möchte mit allen Mitteln den Krieg vermeiden, aber das ist keine einseitige Angelegenheit, mit geballten Fäusten kann man sich nicht die Hände reichen.“
Englisch: „India wants to avoid a war at all costs but it is not a one-sided affair, you cannot shake hands with a clenched fist.“[37]

Mit dem Scheitern der Demokratie in Pakistan wurde die räumlich getrennte Provinz Ostpakistan (das spätere Bangladesch) von einem Militärregime unterdrückt, so dass Millionen Menschen nach Indien flohen. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung waren es 150.000 Flüchtlinge am Tag, die die Grenze zu Indien überquerten. Die 9 Millionen Flüchtlinge verursachten für die indische Regierung eine humanitäre und finanzielle Notlage.

Am Ende des Jahres brachte die indische Armee Truppen in Verteidigungsposition an der Grenze zu Pakistan. Einen Tag vor dem geplanten Angriff eröffnete Pakistan selbst den Krieg mit dem Bombardement indischer Luftbasen. Das Timing war für Indira Gandhi günstig, da das pakistanische Militärregime der Aggressor war.

Mit siebzehn hat man noch Träume.

Dies ist der Titel eines Schlagers, mit dem der US-amerikanischen Schlagersängerin Peggy March 1965 bei den Deutschen Schlager-Festspielen in Baden-Baden der internationale Durchbruch gelang. Peggy March war zu dem Zeitpunkt selbst siebzehn Jahre alt. Das Lied beginnt mit den folgenden Versen:

„Mit 17 hat man noch Träume,
da wachsen noch alle Bäume
in den Himmel der Liebe.
Mit 17 kann man noch hoffen,
da sind die Wege noch offen
in den Himmel der Liebe.“
[38]

Der Liedtitel wird heute gelegentlich in anderen Zusammenhängen und leicht variiert zitiert.

Mit Verlaub, ich bin so frei.

Mit diesen Worten greift bei Wilhelm Busch ein dreister Einsiedler in der Bildergeschichte Tobias Knopp. Abenteuer eines Junggesellen nach der Wanderflasche:

„Dieser Klausner, alt und greis,
Tritt aus seinem Steingehäus.
Und aus Knoppen seiner Tasche
Hebt er ernst die Wanderflasche.
‚Ich‘ – so spricht er – ‚heiße Krökel
Und die Welt ist mir zum Ekel.
Alles ist mir einerlei.
Mit Verlaub! Ich bin so frei.‘“

Der Einsiedler wiederholt diese Worte mehrfach, äußert seine Abscheu gegen die Welt und trinkt Knopps Flasche leer.

Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen.

Diese Worte stammen aus einem alten Kirchenlied und gehen auf die lateinische Sequenz Media vita in morte sumus zurück.

Zur deutschen Fassung schrieb Martin Luther eine zweite und dritte Strophe und eine neue Melodie:

„Mitten wir im Leben sind
Mit dem Tod umfangen.
Wen suchen wir, der Hilfe tu,
Daß wir Gnad erlangen?
Daß bist du, Herr, alleine.
Uns reuet unser Missetat,
Die dich, Herr, erzürnet hat.
Heiliger Herre Gott,
Heiliger starken Gott,
Heiliger barmherziger Heiland, du ewiger Gott,
Laß uns nicht versinken in des bittern Todes Not.
Kyrieleison.“
[39]

Das Lied drückt das Bewusstsein der Vergänglichkeit des Menschen aus und findet sich oft auf Grabsteinen.

Möge dieser Kelch an mir vorübergehen!

„Möge dieser Kelch an mir vorübergehen!“

Im Evangelium nach Matthäus betet Jesus am Ölberg in Todesangst:

Παρελθάτω ἀπ’ ἐμοῦ τὸ ποτήριον τοῦτο·
„Vater, wenn es möglich, so lasse diesen Kelch an mir vorübergehen.“[40]

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer, ein Vertreter der Bekennenden Kirche, schreibt 1944 in seinem Lied „Von guten Mächten“ in einem Brief aus dem Gefängnis an seine Mutter:

„Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.“
[41]

Die Stuttgarter Zeitung erklärt in ihrem Dossier Bibelfest dieses Bibelzitat:

„Der Kelch soll an mir vorübergehen Wer diesen Satz heute auf den Lippen hat, der meint das oft flapsig. Der Kelch kann eine lästige Arbeit sein oder die Begegnung mit einem unangenehmen Menschen.“[42]

Weiter wird der Hintergrund erläutert:

„In der jüdischen Kultur wurde bei Dankfeiern oder Trauerzeremonien der Becher herumgereicht. Oft füllte der Hausvater den Becher für die anderen. Im gemeinsamen Austrinken nahm man Anteil am Schicksal der anderen.“[42]

Im Alten Testament wurde der Kelch auch als Symbol göttlicher Strafe gesehen, so beim Propheten Jesaja (51,17).

Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.

Wer einer Versuchung aus Angst vor Strafe nicht nachgibt, redet sich gern mit diesem Zitat des Münchner Komikers Karl Valentin heraus, das aus dem Stück Das Oktoberfest stammt. In diesem Sketch erzählt eine Frau von leicht geschürzten Reiterinnen und sagt empört:

„… de Weibsbilder sitzen ja halbem nackert auf de Gast droben, i bin ganz rot wordn, mein Mann hat auch nicht hinschaun mögn.“

Ihr Ehemann präzisiert diese Aussage mit den Worten:

„Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“

Mögen sie mich hassen, wenn sie mich nur fürchten.

Caligula
Friedensnobelpreisträger Ludwig Quidde

Dieser Ausspruch geht auf den römischen Tragödiendichter Lucius Accius zurück und wurde von dem römischen Staatsmann Marcus Tullius Cicero überliefert. Nach Suetons Kaiserbiografien soll Caligula diesen Ausspruch häufig im Munde geführt haben und auf Lateinisch gesagt haben:

„Oderint dum metuant.“[43]

In einigen Fällen ließ Caligula Senatoren foltern, die eigentlich von der Folter immun waren. Als auf Grund einer Namensverwechslung einmal der falsche Mann hingerichtet wurde, meinte Caligula, der habe es ebenfalls verdient. In ähnlicher Weise soll er sich folgendermaßen über das römische Volk geäußert haben:

„Hätte das Volk von Rom doch nur einen einzigen Nacken! [… damit ich es mit einem Mal erwürgen kann].“[44]

Diese Zitate sind allerdings fragwürdig; sie dienten dazu, den Charakter der Person pointiert zum Ausdruck zu bringen.

Ludwig Quidde, Redakteur der Frankfurter Zeitung hatte im April 1886 als Sekretär des Preußischen Historischen Instituts in Rom erfahren, dass Wilhelm II. als Kronprinz eine handsignierte Fotografie an den Reichskanzler Otto von Bismarck verschickt hatte, die Caligulas Motto „oderint dum metuant“ trug. Fotografien mit derselben Aufschrift verschickte er an mehrere Bekannte. Quidde machte dies Ostern 1894 öffentlich, als Wilhelm bereits mehrere Jahre Kaiser war. Wochenlang kam kein Echo, doch als der Reichstag in Ferien ging, traf Quidde zwei Redakteure der konservativen Kreuzzeitung, die ihn fragten:

„Caligula? was ist das? So’n oller römischer Kaiser?“[45]

Bald darauf schrieb die Kreuzzeitung selbst über den Caligula und beschwor damit einen Skandal im In- und Ausland. Dass diese konservative Zeitung darüber schrieb, lag daran, dass viele preußische Aristokraten über die Extravaganzen des Kaisers verärgert waren. Die Reaktionen erstreckten sich bis auf Haiti. Dort forderte die deutsche Regierung Genugtuung für Unbill, die einem Deutschen widerfahren war, und unterstrich diese Forderung durch zwei Schulschiffe, die nach Port-au-Prince geschickt wurden. Die Regierung gab nach, aber der Minister Solon Menes übersetzte den Caligula und ließ ihn in der Bevölkerung verbreiten.

Quidde selbst bekam bald Ärger mit dem Staatsanwalt, doch konnte man ihn zunächst nicht wegen Majestätsbeleidigung belangen. Doch Jahre später musste er wegen der Äußerung, es sei eine „Lächerlichkeit und politische Unverschämtheit“, eine Gedenkmedaille auf Kaiser „Wilhelm den Großen“ zu stiften, drei Monate Gefängnis in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim absitzen.

Morgen ist auch noch ein Tag.

Vivien Leigh als Scarlett O’Hara und Clark Gable als Rhett Butler

Dieser Satz ist das Lebensmotto der Scarlett O’Hara in Margaret Mitchells Roman Vom Winde verweht, wo es im englischen Original folgendermaßen heißt:

„Tomorrow is another day.“

Diese Worte sagt Scarlett O’Hara trotzig, nachdem Rhett Butler sie verlassen hat. In einer Rezension zur Fortsetzung der Geschichte schreibt Tanja Beuthien im Stern:

„Dass Scarlett O’Hara auf ewig allein auf ihrer Treppe sitzen bleibt und ihr trotziges ‚Schließlich, morgen ist auch ein Tag‘ eine unendliche Sehnsuchtsschleife auslöst, die Millionen den fast vierstündigen Schmachtfetzen mit Vivian Leigh und Clark Gable immer wieder ansehen lässt.“[46]

Das Zitat steht umgangssprachlich für Das können wir auch morgen erledigen und wird in diesem Sinn oft zitiert. So sagt die Schauspielerin Barbara Wussow, die sich selbst mit Scarlett vergleicht, in einem Interview mit Tele 5:

„Auch Scarletts Lebensmotto ‚Morgen ist auch noch ein Tag‘ finde ich wunderbar. Diesen Satz hab ich mir auch in mein Tagebuch geschrieben. Viele Dinge kann man heutzutage nicht schaffen, und dann sagt man sich: ‚Morgen ist auch noch ein Tag, man muss nicht alles heute schaffen.‘“[47]

Morgen, Kinder, wird’s was geben.

Mit diesen Worten beginnt ein Weihnachtslied, dessen Text in der Gedichtsammlung Lieder zur Bildung des Herzens (1795) von Karl Friedrich Splittegarb steht:

„Morgen, Kinder, wird’s was geben,
Morgen werden wir uns freu’n!
Welch ein Jubel, welch ein Leben
Wird in unsrem Hause sein!
Einmal werden wir noch wach,
Heisa, dann ist Weihnachtstag!“
[48]

Der Liedanfang wird gelegentlich zitiert, wenn auf ein bevorstehendes Ereignis hingewiesen werden soll. Erich Kästner persifliert den Text in seinem Weihnachtslied, chemisch gereinigt:

„Morgen Kinder, wirds nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch geschenkt.
Mutter schenkte Euch das Leben.
Das genügt, wenn man’s bedenkt.“

Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute.

Dieses Sprichwort geht auf das Kinderlied Der Aufschub des Schriftstellers Christian Felix Weiße zurück. Dort heißt es:

„Morgen, morgen, nur nicht heute!
Sprechen immer träge Leute,
Morgen! Heute will ich ruhn,
morgen jene Lehre fassen,
morgen jenen Fehler lassen,
morgen dies und jenes tun!“

Das Lied endet mit den aufmunternden Worten:

„Wohl denn! Morgen so wie heute
steh’ darin auf jeder Seite
von mir eine gute Tat!“
[49]

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung (englisch: Morning’s at seven) ist ein 1965 erschienener Roman des britischen Autors Eric Malpass.

Der Roman beginnt an einem nebligen Sonntag im November. Ein kleiner Junge ist als Erster aufgewacht und begibt sich auf eine Erkundungstour durch das Haus. So werden nach und nach die Figuren vorgestellt.

Der Fußballspieler Sepp Maier wandelte diesen Buchtitel ab zu:

„Morgens um Sieben ist die Welt noch in Dortmund.“[50]

Morgenstund hat Gold im Mund

Das Sprichwort

Morgenstund hat Gold im Mund

wird im dazugehörenden Artikel erläutert und viele möchten sich liebend gerne an die Abwandlung halten, die da etwas deftig lautet:

Morgenstund hat Blei im Arsch,

um zu begründen, warum sie nicht aus dem Bett finden.

Und ergänzt: Morgenstund hat Gold im Mund, wer länger schläft, bleibt auch gesund.

Müde bin ich, geh zur Ruh.

Diese Worte sind der Anfang eines Abendgebets, das die Pfarrerstochter und spätere Nonne Luise Hensel verfasste und das folgendermaßen beginnt:

Müde bin ich, geh zur Ruh,
schließe beide Augen zu.
Vater, lass die Augen dein
über meinem Bette sein.“

Einige scherzhafte Abwandlung des Liedanfangs lauten:

„Müde bin ich Känguru,
schließe meinen Beutel zu,
lege meine Ohren an,
dass ich besser schlafen kann.“
„Müde bin ich, geh zur Ruh,
decke meinen Bierbauch zu.
Herrgott lass den Kater mein,
morgen nicht so schrecklich sein.
Schenk mir morgen wieder Durst,
alles andre ist mir Wurst.“

Multum, non multa

Der römische Schriftsteller Plinius der Jüngere legte in einem Brief an einen Freund dar, dass für ihn die Kunst des richtigen Lesens darin bestehe, viel und gründlich zu lesen, aber mit Sorgfalt in der Auswahl des Lesestoffes:

„Aiunt multum legendum esse, non multa.“[51]
„Man sagt, man müsse viel, aber nicht vielerlei lesen.“

Daraus entwickelte sich die Sentenz, die in der abgewandelten Form Non multa, sed multum („Nicht vielerlei, sondern viel“) gebräuchlich wurde.

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.

„Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“

Dieses oft gebrauchte Zitat aus der Bildergeschichte Der Maulwurf von Wilhelm Busch stammte aus einer Zeit, als Hausmusik noch viel verbreiteter war und es noch keine elektronische Musikwiedergabe gab:

„Schnarräng!! – Da tönt ihm in das Ohr
Ein Bettelmusikantenchor.
Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“
[52]

Dieses viel benutzte Zitat wird immer wieder gebraucht, wenn es um Lärmbelästigung durch Musik geht. Aber es geht auch um andere Arten von Geräuschen, die in der Juristensprache als „verhaltensbedingter Lärm“ bezeichnet werden.

Dem gegenüber kann man ein Zitat von Friedrich Nietzsche stellen, der einmal schrieb:

„Für den Einsamen ist schon Lärm ein Trost.“

Mutter Courage

Lotta Svärd zieht mit ihrem Mann in den Krieg

Mutter Courage ist die Titelgestalt in Bertolt Brechts Theaterstück Mutter Courage und ihre Kinder und wird als Bezeichnung für eine Frau verwendet, die sich trotz Niederlagen in ihrer Umgehung durch ihre Vitalität und zupackende Art behauptet.

In Brechts Drama, das im Dreißigjährigen Krieg spielt, zieht die Marketenderin Anna Fierling, genannt Mutter Courage, durch die Kriegsgebiete, um Geschäfte zu machen und sich und ihren drei Kindern ein Auskommen zu sichern. Durch den Krieg, an dem sie verdient, verliert sie am Ende alle ihre Kinder.

Im schwedischen Exil wurde Brecht durch die Geschichte der finnischen Marketenderin Lotta Svärd aus Johan Ludvig Runebergs Fähnrich Stahl angeregt. Darin findet sich der Typus der mütterlichen Marketenderin wieder, die sich im finnisch-russischen Krieg von 1808/09 um die Soldaten der Truppe kümmert.

Den Namen Courage (französisch: Mut) übernahm Brecht aus dem Roman Ausführliche und wundersame Lebensbeschreibung der Erzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, der am Beispiel einer Zigeunerin beschreibt, wie die Wirren des Dreißigjährigen Krieges zur sittlichen Verwahrlosung führen. Die Figur der Libuschka taucht auch in der Erzählung Das Treffen in Telgte von Günter Grass auf.

My home is my castle.

Der oft verwendete Spruch My home is my castle (Mein Heim ist meine Burg) ist die Umformung eines Rechtsspruches von Sir Edward Coke, der zu der Problematik „Gegen das Bewaffnetgehen“ Folgendes feststellt:

„Es darf jemand Freunde und Nachbarn versammeln, um sein Haus gegen diejenigen zu verteidigen, welche ihn berauben oder töten oder ihm darin Gewalt antun wollen.“

Im dritten Band seiner Sammlung und Interpretation alter englischer Gesetze und Gerichtsbeschlüsse schreibt Coke, dass es einem Hausherrn sehr wohl gestattet sein müsse, sich zur Wehr zu setzen und zusammen mit Freunden und Nachbarn seinen Besitz mit Waffengewalt zu verteidigen. Seine Feststellung schließt er mit den Worten:

For a man’s house is his castle.
„Denn eines Mannes Haus ist seine Burg.“

Diese englische Maxime fand in der Abwandlung My home is my castle auch im Deutschen Verbreitung und wird heute zitiert, um auszudrücken, dass die Privatsphäre für alle anderen tabu ist. Sie wird aber auch verwendet, um auszudrücken, dass das eigene Heim mit besonderem Aufwand gestaltet und gepflegt wird.

Myne Fru de Ilsebill, will nich so, as ik wol will.

Butt

Dieses Zitat stammt aus dem niederdeutschen Märchen Vom Fischer und seiner Frau aus der Sammlung der Brüder Grimm. Es bedeutet auf Hochdeutsch:

„Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich es gerne hätte.“

In diesem Märchen gibt ein Fischer einem Butt, den er geangelt hat, seine Freiheit wieder, weil dieser ihm sagt, er sei ein verwunschener Prinz. Des Fischers Frau aber bedrängt ihren Mann daraufhin immer wieder, er möge von dem Butt verlangen, ihre von Mal zu Mal anspruchsvolleren Wünsche zu erfüllen. Widerwillig geht der Fischer jedes Mal zum Meer und ruft den Butt mit den Worten:

„Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
myne Fru de Ilsebill
will nich so, as ik wol will.“

Das Zitat wird heute scherzhaft gebraucht, wenn ein Mann resignierend sagen will, dass seine Frau einen sehr eigenen Kopf hat.

Als schönster erster Satz der deutschsprachigen Literatur wurde der Anfang von Günter Grass’ Roman Der Butt gewählt, der mit folgenden Worten beginnt:

„Ilsebill salzte nach.“

Dieser erste Satz verband in der Begründung Elemente des alten Märchens vom Fischer und seiner Frau Ilsebill mit einem Resümee über die letzten Jahrhunderte der Geschichte.

Einzelnachweise

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