Loeb & Sutheim
Pelzkonfektionsunternehmen in Berlin
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Das Unternehmen Loeb & Sutheim, gegründet 1915, war vor dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) bis zu seiner „Arisierung“ im Jahr 1938 das größte Pelzkonfektionsunternehmen seiner Branche in Berlin, verbunden mit einem Rauchwarenhandel (Pelzfell-Großhandel).[1]


Firmengeschichte
Loeb & Sutheim hatte seine Geschäftsräume bei der Gründung im Jahr 1915 in der Jerusalemer Straße 61/64, 3. Etage, gegenüber der Jerusalemkirche. Der Handelsregistereintrag erfolgte 1916.[2] Die Straße war, zusammen mit dem Viertel um den Hausvogteiplatz, ein Zentrum der Berliner Konfektion. Die während des Ersten Weltkriegs gegründete Firma entwickelte sich „unglaublich schnell“, in kurzer Zeit konnte sie sich innerhalb der Branche hohes Ansehen verschaffen.[1] Die alten Räume wurden zu klein und im Jahr 1928 lautete die Adresse Kommandantenstraße 5a.[3] Ein Fachverzeichnis des Jahres 1938 nennt daneben noch Julius Loeb, einen Produzenten billiger Pelzkonfektionsartikel,[1.1] im Nachbarhaus Kommandantenstraße 3/4.[4]
Selbst in der höchsten Blüte – von 1928 bis 1938 – zog das Unternehmen nicht in repräsentativere, modernere Geschäftsräume um. Man behalf sich in den engen Räumen, die Zimmerdecken konnten die Last der Felle kaum tragen, so wurde als einzig mögliche Ausdehnung den Keller zu Hilfe genommen. Das Privatkontor war ein kleiner, schlicht ausgestatteter Raum mit zwei Schreibtischen, einem Sessel und einem Sofa.[1]
Die Angestellten, „beste Fachleute der Branche“, blieben lange, manche seit der Gründung der Firma. Erwähnt wurde Milton Kahn, „der liebenswürdige Fellkenner“, Herr Rubel, der Konfektionär, Fräulein Hagendorf, die schon bei Gebr. Feiler die wichtige Abteilung Einrichtung betreute sowie die Herren des Außendienstes. In Leipzig wurde die Firma durch Siegfried Poser vertreten, in London durch Jack Poser.[1] In Köln bestand 1925 eine Niederlassung auf der Hohe Straße 12, in Hamburg vertrat die Firma Adolf Meyer, Gr. Burgslah 10 und in Königsberg Paul Paduck, Schmidtstraße 1.[5]
Das Unternehmen entwickelte sich beständig aufwärts, finanziell war es „jeder Forderung gewachsen“. Die Vertreter kamen regelmäßig nach wenigen Tagen aus der Provinz zurück, um neue Ware zu holen. In einer Branche, die saisonbedingt immer mit großen Kundenkrediten arbeitet, hatte Loeb & Sutheim zum Jahresende regelmäßig keine langfristigen Rechnungen offen.[1]
Im Mai 1938 erschien in der antisemitischen Wochenzeitung „Der Stürmer“ ein verunglimpfender Artikel über die Firma.[2.1] Die Loebs sahen für sich in Deutschland keine Zukunft mehr und verkauften ihr Unternehmen.[2] Die beiden Vettern Erich und Kurt Kreuzberger führten den Betrieb mit seinem riesigen Warenlager unter dem Namen Kreuzberger & Kreuzberger zusammen mit den bisherigen der Mitarbeitern fort.[1] Philipp Manes, der von den Nationalsozialisten ermordete Rauchwarenhändler und Chronist der Pelzbranche, resümierte 1941: „Fast 25 Jahre haben Josef und Ludwig Loeb ihre Firma geführt und sie zu hohem Ansehen gebracht. – Die Branche wird ihr Wirken nicht vergessen“.[1][1.2]
Das Unternehmen Kreuzberger & Kreuzberger ist nach dem Zweiten Weltkrieg im Fachverzeichnis 1950/51 der Pelzbranche in Berlin-Tempelhof, Ringbahnstraße 34 eingetragen.[6]
Sutheim
Kurz nach der Gründung der Firma starb der Mitgründer Sutheim. Philipp Manes schrieb, dass wohl niemand Herrn Sutheim gekannt hat, und doch sei sein Name in der ganzen Welt des Pelzes genauso populär gewesen wie der seines Partners Loeb. Selbst Manes, der als Rauchwarenkommissionär Kontakt mit fast allen Berliner Pelzfirmen hatte, vermochte, wie er anmerkte, viel über die Firma, nichts aber über den Gründer zu sagen.[1]
Josef Loeb
Die Familie Loeb stammte aus der Pfalz. Vor der Gründung von Loeb & Sutheim war Josef Loeb Reisender der Rauchwarenfirma Mayer & Co. Philipp Manes charakterisierte Loeb als offen und ehrlich, „er mochte nicht gern viele Worte hören und war für verklausulierte Abreden nicht zu haben“.
Manes zählte ihn zu den „großen Drei“, deren Meinung in der Pelzbranche gefragt war: Josef Loeb, Leo Mayer und Hermann Wolf. Alle drei hatten klein angefangen, die gleiche Entwicklung durchgemacht. Ihr Aufstieg begann jeweils nach dem Ersten Weltkrieg, durch eigene Tüchtigkeit und Weitblick schufen sie Konfektionshäuser, die im In- und Ausland hohes Ansehen genossen.[1.3] Josef Loeb besuchte alle Londoner Auktionen und war dort in der Queen Street des Pelzviertels Garlick Hill geschätzt, wie im Pelzhandelszentrum des Leipziger Brühl. In Moskau besuchte er die russischen Auktionen, bei einer der größten russischen Firmen, der Impex, war er der größte Abnehmer.[1]
Im Herbst 1938 emigrierte Josef Loeb und ließ sich mit seiner Familie in London nieder.[1]
Ludwig Loeb
Ludwig Loeb war als junger Mann bei Verwandten in Amsterdam tätig, in dem Pelzwarengeschäft Kohn & Loeb. Bei Kriegsausbruch kam er nach Deutschland zurück und meldete sich freiwillig zum Militär. Nach kurzer Ausbildung machte er die Flandernschlacht mit und verlor dabei seinen rechten Arm. Als er wieder arbeitsfähig war, holte ihn Josef Loeb in die noch junge Firma und bald vertrat er die Firma mit der Kollektion als Reisender.[1]
Im Gegensatz zu Josef Loeb, dem Manes eine heitere und fröhliche Natur zuschrieb, meinte er von Ludwig, ihm „haftete ein wenig von der Schwere an, die vielleicht elterliches Erbe war, denn er stammte aus einem kleinen Orte, wo man gern mehr fleißig arbeitete, doch in einem Milieu heranwuchs, dass zu bedächtigem, vorsichtigen Handel und Wandel die Söhne anhielt“. Mit seiner ruhigen und korrekten Art, auf äußerste Pünktlichkeit und Genauigkeit bedacht, bildete er ein Gegengewicht zu seinem temperamentvollen, großzügigen Vetter.[1]
Bald bereiste er auch das Ausland. Als das Unternehmen immer mehr expandierte wurde Ludwig Mitinhaber und kümmerte sich mehr um die inneren Belange.[1]
Nach der Arisierung und Integration des Unternehmens in die Firma Kreuzberger & Kreuzberger arbeitete Ludwig Loeb die neuen Besitzer ein und „besorgte mit gewohnter Pflichttreue“ die Überleitung. Im Jahr 1939 ließ er sich in den Niederlanden nieder, wo seine Familie ansässig war.[1] Viele der Familienmitglieder wurden nach dem Überfall auf die Niederlande durch die Nationalsozialisten ermordet.[2]