Lohmann Breeders
Betrieb zur Zucht von Legehennen-Elterntieren
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Lohmann Breeders GmbH ist ein in Cuxhaven (Niedersachsen) ansässiges Zuchtunternehmen für Legehennen-Elterntiere und Teil der EW Group. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Zuchtlinien (Elterntiere für Legehennen) für die kommerzielle Eierproduktion. Lohmann Breeders ist weltweit tätig.[4]
| Lohmann Breeders GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1932 |
| Sitz | Cuxhaven |
| Leitung | Jörg Heier, Jurek Grapentin[1] |
| Mitarbeiterzahl | 200[2] |
| Umsatz | 60 Mio. EUR[3] |
| Website | lohmann-breeders.com |
Geschichte
1932 wurde das Unternehmen als Deutsche Fischmehl GmbH gegründet und nahm 1959 mit Lizenzen der Heisdorf & Nelson (USA) die Legehennenzucht auf. Der Aufbau von Herden zur Produktion von VALO-SPF-Eiern begann im Jahr 1968 (VALO → später VALO BioMedia GmbH). 1970 folgte die Ausgründung der Lohmann Tierzucht GmbH (inkl. Veterinärlabor und VALO SPF). 1977 startete der weltweite Verkauf der Legehenne Lohmann LSL, der zu einem großen Erfolg wurde. Die Markteinführung der Legehenne Lohmann Brown startete 1984. Bis heute gilt diese Zuchtlinie als eine der weltweit führenden.[5]
1987, erwarb die Paul Wesjohann & Co. GmbH die Lohmann & Co. AG inklusive der Tochtergesellschaft Lohmann Tierzucht GmbH. 1999 wurde das Unternehmen dann Teil der EW Group. Der Mastgeflügelbereich wurde 1994 in die Lohmann Indian River ausgelagert.
2010 wurde das aufgebaute Impfstoffgeschäft als eigenständige Schwestergesellschaft Vaxxinova GmbH ausgegliedert. Ein Jahr später folgte die Ausgründung des Bereichs VALO/SPF in die Valo BioMedia GmbH.
2011 verurteilte das Amtsgericht den Geschäftsführer Rudolf Preisinger wegen Tierquälerei.[6]
2020 wurde das Unternehmen von Lohmann Tierzucht GmbH zu Lohmann Breeders GmbH umbenannt.[7] Im gleichen Jahr wurde das Veterinärlabor in die LDG Laboratory Diagnostics Germany GmbH ausgegründet.
Produkte und Dienstleistungen
Überblick
Lohmann Breeders hat in den letzten sechs Jahrzehnten bedeutende Zuchtergebnisse erzielt. Das Unternehmen hat sich kontinuierlich in der Produktion von Elterntieren für Legehennen weiterentwickelt und eine führende Position im globalen Wettbewerb eingenommen.
Das Geschäftsmodell basiert auf einem mehrstufigen Zuchtsystem, in dem genetischer Fortschritt über definierte Multiplikationsstufen (z. B. Großeltern- und Elterntierlinien) an Vermehrungs- und Produktionsbetriebe weitergegeben wird. Zudem ist das Unternehmen einer der Vorreiter bei der Internationalisierung des Agrobusiness in Deutschland und der Kommerzialisierung der Zuchtberatung.[8]
Das Unternehmen bietet u. a. Seminare und Trainings an zu Fütterung/Tierernährung, Tiergesundheit/Veterinärmedizin, Biosicherheit/Hygiene sowie Brüterei-Themen.[9]
Details
Die Lohmann Breeders GmbH bietet verschiedene Rassen, die als Elterntiere erworben werden können. Die Rassen gelten als moderne Hybridkreuzungen mit für die kommerzielle Züchtung besonders wichtigen biologischen Eigenschaften. Dazu zählen beispielsweise eine hohe Fruchtbarkeit und ein kurzes Generationsintervall.[10] Alles dient dem Ziel einer kontinuierlichen Verbesserung der Leistungslinien.[11]
Zu den Lohmann Hybriden gehören[12][13]:
- Lohmann LSL / Classic, Lite, Extra
- Lohmann Brown / Classic, Lite, Extra
- Lohmann Tradition
- Lohmann Silver
- Lohmann Sandy
- Lohmann Dual (Zweinutzungshuhn)[14][15][16]
Sonstige Aktivitäten weltweit
Seit 2019 unterstützt Lohmann Breeders als Partner der International Egg Foundation (IEF) das Bildungsformat „Global Egg Schools“.[17] Das Projekt vermittelt Wissensgrundlagen der Geflügelhaltung u. a. in Ländern wie Sambia, Simbabwe und Kenia. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden nachhaltige Einkommens- und Ernährungsgrundlagen erschließen können.[18]
Ferner ist wissenschaftlich bestätigt, dass Verbesserungen in der Geflügelgenetik, wie sie auch von Zuchtunternehmen wie Lohmann Breeders vorangetrieben werden, einen Beitrag zur Steigerung der Futtereffizienz leisten können. Das wiederum hat positive Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit der Lieferkette vom Landwirt bis zum Verbraucher.[19] Die Tierproduktion weltweit verursacht laut Studie rund 14,5 % der anthropogenen Treibhausgasemissionen, wobei ein erheblicher Anteil auf die Futtermittelproduktion entfällt. Besonders bei Geflügel stammen über 80 % der Emissionen aus der Futterproduktion, weshalb die Futtereffizienz ein zentraler Hebel zur Emissionsminderung ist.[20]
Tierquälerei
Das Unternehmen stand bei Tierschützern immer wieder in der Kritik. So berichtete Der Spiegel, dass das Unternehmen jahrelang Hühnerküken Kämme und Zehen amputiert und damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen habe. Im September 2011 erließ das Amtsgericht Cuxhaven einen Strafbefehl wegen Tierquälerei gegen den Konzern. In dem Urteil heißt es, dass sowohl Kamm als auch Zehen gut durchblutete und mit Nerven versorgte Körperteile sind, „so dass deren Abschneiden den Tieren sehr weh tut und der Schmerz lange anhält.“ Dieser Sachverhalt sei den Angeklagten bewusst gewesen. Die Firma wurde zu einer Zahlung von 100.000 Euro verurteilt, die höchste Summe, mit der je ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz geahndet wurde.[21]
Der für die Amputationen verantwortliche Geschäftsführer Rudolf Preisinger erhielt eine Geldstrafe auf Bewährung. Laut Spiegel ist er nur deshalb einer härteren Strafe entgangen, „weil die Behörden in Niedersachsen diese Praktiken lange stillschweigend geduldet hatten, wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben.“[22][23][24]
Dual-Huhn
Ebenfalls umstritten ist die in der Branche gängige Praxis, den größten Teil der unbrauchbaren, männlichen Küken nach dem Schlüpfen zu begasen. Lohmann arbeitet daher seit einigen Jahren gemeinsam mit dem Anbauverband Demeter, einem Zusammenschluss von biologisch wirtschaftenden Bauern, Verarbeitern und anderen landwirtschaftlichen Produzenten an der Entwicklung eines so genannten Zweinutzungshuhns.[25] Dabei handelt es sich um eine Kreuzung aus „zwei Lege- und zwei Mastlinien, die garantieren soll, dass die Hennen genug Eier produzieren und die Hähne trotzdem genug Fleisch ansetzen“.[26] Ziel ist es, die Problematik der Tötung männlicher Küken bei der Legehennenzucht zu lösen.[27] Eine Studie sowie tierärztliche Befunde[28] zeigten zudem, dass bei der Rasse Lohmann Dual auch die Verhaltensstörungen (Federpicken, Kannibalismus) abnahmen.[15] In der Praxis gilt das Dual-Huhn als ein ethisch-moralischer Gewinn.[16]
Beteiligungen

- Verbundene Unternehmen und Beteiligungen
- [29]
- Animalco AG, Schweiz (seit 2000)
- Lohmann Tierzucht Canada Ltd., Kanada (seit 2001)
- JV Lohmann-Ishonch-Nadejda, Usbekistan (seit 2005)
- Lohmann Breeders Spain S.L., Valladolid (seit 2016)
- Lohmann Breeders U.K. Ltd., Perth (seit 2001)
- Lohmann Breeders India Private Ltd., Tamilnadu (seit 2019)
- Lohmann Breeders Farms GmbH, Wurster Nordseeküste (seit 2019)
- LDG Laboratory Diagnostics Germany GmbH (seit 2020)

