Lotustempel

Andachtshaus der Bahai-Religion in Delhi From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Lotustempel (englisch Lotus Temple; Hindi कमल मंदिर Kamal Mandir) ist der zweitjüngste der weltweit acht kontinentalen Bahaitempel und steht in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Er wurde vom iranisch-kanadischen Architekten Fariborz Sahba entworfen, den das Bahai-Weltzentrum 1976 mit der Ausführung beauftragte,[1] und wurde im Dezember 1986 eingeweiht. Der Tempel ist bekannt für sein Design, das an eine Lotosblume erinnern soll, und wurde zu einer bekannten Sehenswürdigkeit der Stadt. Wie alle Bahaitempel steht er allen Menschen offen, unabhängig von ihrem Glauben oder anderen Kriterien. Das Gebäude besteht aus 27 freistehenden Blütenblättern aus Marmor, welche in Dreiergruppen an den neun Seiten platziert sind, mit neun Türen, die zu einer zentralen Halle mit einer Höhe von etwas mehr als 34 Metern führen[2] und Platz für bis zu 1.300 Menschen.[3] Der Lotustempel gewann zahlreiche Architekturpreise[4][5] und wurde in mehreren Zeitschriften und Zeitungen abgebildet und beschrieben.[6][7]

Schnelle Fakten
Lotustempel
Gesamtansicht des Lotustempels bei Nacht
Gesamtansicht des Lotustempels bei Nacht
Gesamtansicht des Lotustempels bei Nacht
Bauzeit: 19. Oktober 1977–13. November 1986
Einweihung: 24. Dezember 1986
Baumeister: Fariborz Sahba
Architekt: Fariborz Sahba
Stilelemente: Expressionismus
Bauherr: Flint & Neill
Dimensionen: 70 m × 70 m × 34,27 m m
Platz: 2500 Personen
Lage: in mathematischem Ausdruck, Funktion#Parameter max()#1 (70 m)_region:IN-DL_type:building 28° 33′ 12″ N, 77° 15′ 30,4″ O
Anschrift: Lotus Temple Rd, Bahapur, Shambhu Dayal Bagh, Kalkaji, New Delhi, Delhi 110019
Neu-Delhi
Delhi, Indien
Zweck: Bahaitempel
Gemeinde: Bahaitum
Webseite: bahaihouseofworship.in
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Gesamtansicht des Lotustempel bei Tag

Der Sakralbau ist einer der bekanntesten des Bahaitums und wurde bereits von über 50 Millionen Menschen besucht, was etwa drei Millionen Besuchern pro Jahr entspricht.[8] Das Gebäude dient als Muttertempel für den indischen Subkontinent und ist ein herausragendes Beispiel moderner Architektur in Indien.[6][9] Seit 2014 steht der Lotustempel auf der Tentativliste Indiens für die Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe.[10]

Geschichte

Die Gärten des Lotustempel

Der Lotustempel wurde vom im kalifornischen La Jolla lebenden iranisch-kanadischen Architekten Fariborz Sahba entworfen,[11] der einige Jahre in Kanada lebte.[12] 1976 erhielt er vom Bahai-Weltzentrum den Auftrag zum Entwurf des Lotustempels und überwachte später dessen Bau.[1] Die Tragwerksplanung erfolgte durch das Britische Architekturbüro Flint & Neill innerhalb von 18 Monaten,[13] die Bauarbeiten wurden von ECC Construction Group of Larsen & Toubro Limited durchgeführt[14] und kosteten 10,56 Millionen US-Dollar.[15][16] Der größte Teil des für den Kauf des Landes erforderlichen Geldes wurde 1953 von Ardishir Rustampur aus Hyderabad, Pakistan, gespendet, der in seinem Testament festgelegt hatte, dass seine gesamten Ersparnisse dem Bau des Tempels zugutekommen sollten.[17] Ein Teil der Baukosten wurde eingespart und für den Bau eines Gewächshauses verwendet, um einheimische Pflanzen und Blumen zu finden, die für die Gärten geeignet sind.[1]

Rúhíyyih Khánum legte am 19. Oktober 1977 den Grundstein des Lotustempels und weihte diesen am 24. Dezember 1986 ein.[18] Der Einweihung wohnten etwa 8.000 Bahai aus 107 Ländern bei, darunter 4.000 Bahai aus 22 indischen Bundesstaaten. Der Tempel wurde am 1. Januar 1987 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und 10.000 Menschen besuchten den Lotustempel am ersten Tag.[19]

Andachten

Nach dem Lehren der Bahai stehen alle Bahaitempel Menschen aller Religionen für Zusammenkünfte, Reflexionen und Gottesdienste offen, da die Bahai glauben, dass alle Gläubigen Gott in ihren Sakralbauten anbeten können.[20] Wie alle Bahaitempel darf jedermann den Lotustempel betreten, ungeachtet des religiösen Hintergrundes, Geschlechts oder anderen Kriterien.[20] Neben den Heiligen Schriften des Bahaitums dürfen die Texte aller Religionen in ihrer jeweiligen Sprache gelesen oder gesungen werden;[20] weltliche Texte dürfen dagegen nicht im Tempel gelesen werden, dasselbe gilt für Vorträge, Vorlesungen oder Spendensammlungen. Musikalische Darbietungen von Lesungen und Gebeten dürfen von Chören vorgetragen werden, innerhalb des Tempels sind jedoch keine Musikinstrumente erwünscht. Die Andachten folgen keinem festen Ritual und rituelle Zeremonien sind nicht gestattet.[20]

Architektur

Innenansicht
Innenansicht des Ringsymbols in der Tempeldecke

Alle Bahaitempel wie der Lotustempel haben gemeinsame architektonische Merkmale, von denen einige in den Schriften der Bahai dargelegt sind. ʿAbdul-Bahāʾ, der Sohn des Religionsstifters Bahāʾullāh, legte fest, dass Bahaitempel eine neunseitige Kreisform als Grundriss haben sollen, was die Offenheit gegenüber anderen Religionen symbolisieren soll.[20][21][22] Obschon alle Häuser der Andacht eine Kuppel besitzen, ist dies kein wesentlicher Bestandteil der Architektur.[18][23] Die Bahai-Schriften gestatten keine Platzierung von Bildern oder Statuen und Verwendung von Altären oder Kanzeln innerhalb der Gebäude (Leser können hinter einfachen, tragbaren Rednerpulten stehen).[20]

Der Grundriss des Lotustempels ist inspiriert von der indischen Lotosblume und er wird von 27 freistehenden Blütenblättern aus Marmor umgeben, welche in Dreiergruppen platziert sind und neun Seiten ergeben.[24] Die Tempelform hat sowohl symbolische als auch interreligiöse Bedeutungen, da die Lotusblume mit Reinheit, Heiligkeit, Spiritualität und Wissen verbunden wird. In Indien hat sie spirituelle Bedeutung.[4] Der Lotustempel hat neun Türen, die zu einer zentralen Halle führen mit einer Höhe von etwas mehr als 34 m[2] mit Platz zwischen 1.300[25] und 2.500 Menschen.[3] Der Tempel hat einen Durchmesser von 70 m.[26] Der Innenraum und die Außenfassade wurden mit weißem Marmor vom Berg Pendeli in Griechenland gestaltet, der auch für viele antike Denkmäler (darunter der Parthenon in Athen)[25] sowie andere Bahai-Sakralbauten wie beim Bahai-Weltzentrum in Haifa, Israel, verwendet wurde.[27][28] Zusammen mit den neun umliegenden Teichen und Gärten umfasst das Gelände 26 Acre, was 105.000 m² bzw. 10,5 ha entspricht.[29] Im Jahr 2017 wurde neben dem Tempel ein Informationszentrum eröffnet.[30]

Der Lotustempel liegt etwa 500 m von der Metrostation Kalkaji Mandir entfernt.[31] Er befindet sich im Dorf Bahapur in Neu-Delhi, Nationales Hauptstadtterritorium Delhi, nahe des Nehru Palace[32] am Westufer des Yamuna.[33]

Vom gesamten Stromverbrauch des Tempels von etwa 500 Kilowatt (kW) werden 120 kW durch Solarstrompanels auf dem Tempel generiert.[34] Dadurch spart der Tempel monatlich 120.000 ₹.[34] Damit verwendet er als erster Tempel in Delhi Solarstrom.[35]

Wie andere Steindenkmäler, darunter das Taj Mahal, verfärbt sich der Lotustempel aufgrund der Luftverschmutzung in Indien. Der weiße Marmor verfärbt sich aufgrund der Verschmutzung durch Autoabgase und Produktionsanlagen in der Stadt, aber auch durch andere Quellen, grau und gelb.[36]

Besucher

Bis Ende 2001 besuchten nach Angaben des CNN-Reporters Manpreet Brar mehr als 70 Millionen Menschen den Lotustempel.[37] Die Ständige Vertretung Indiens bei der UNESCO gab an, dass bis April 2014 mehr als 100 Millionen Menschen den Tempel besucht hatten.[25]

Der Lotustempel ist zu einer bekannten Sehenswürdigkeit für Menschen verschiedener Glaubensrichtungen geworden und zieht zu einigen religiösen Festen mehr als 100.000 Besucher an.[4] Schätzungen zu den jährlichen Besucherzahlen reichen von 2,5 bis zu 5 Millionen.[4][24][30] Brar gab 2001 an, das es das „meistbesuchte Gebäude weltweit“ sei.[37] Der Lotustempel wird oft zu den wichtigsten Touristenattraktionen Delhis gezählt.[24]

Auszeichnungen

Der Lotustempel hat in verschiedenen Fachgebieten wie Architektur, Bildender Kunst, Religion, Regierung und anderen Disziplinen weite Beachtung gefunden.

Preise

Einer der neun Teiche rundum den Lotustempel
  • 1987 erhielt der Architekt des Lotustempels, Fariborz Sahba, von der britischen Institution of Structural Engineers die Auszeichnung für herausragende Leistungen in religiöser Kunst und Architektur für ein Gebäude, so emulating the beauty of a flower and so striking in its visual impact („die Schönheit einer Blume so nachahmt und in seiner visuellen Wirkung so beeindruckend ist“).[38]
  • Im selben Jahr vergab das Interfaith Forum on Religion, Art and Architecture, Mitglied des American Institute of Architects, Washington, D.C., seinen Ehrenpreis für „Excellence in Religious Art and Architecture“ an Fariborz Sahba für den Entwurf des Lotustempel nahe Neu-Delhi.[13]
  • 1988 vergab die Illuminating Engineering Society ihre Paul Waterbury Special Citation for Outdoor Lighting an das Taj Mahal of the Twentieth Century („Taj Mahal des 20. Jahrhunderts“).[32]
  • 1989 erhielt der Lotustempel vom Maharashtra-India Chapter des American Concrete Institute eine Auszeichnung für excellence in a concrete structure („Exzellenz in einer Betonstruktur“).[13]
  • 1994 nannte die Encyclopædia Britannica in ihrem „Architektur“-Artikel den Tempel eine herausragende Leistung der damaligen Zeit.[13]
  • 2000 listete die Architectural Society of China den Lotustempel[24] in seinem World Architecture 1900–2000: A Critical Mosaic, Volume Eight, South Asia als eines der kanonischen Werke des 20. Jahrhunderts.[6]
  • Ebenfalls 2000 zeichnete die GlobArt Academy in Wien den Architekten des Lotustempels, Fariborz Sahba, mit dem „GlobArt Academy 2000“ aus für the magnitude of the service of [this] Taj Mahal of the 20th century in promoting the unity and harmony of people of all nations, religions and social strata, to an extent unsurpassed by any other architectural monument worldwide. („Die Bedeutung dieses Taj Mahal des 20. Jahrhunderts für die Förderung der Einheit und Harmonie der Menschen aller Nationen, Religionen und Gesellschaftsschichten ist in diesem Maße unübertroffen gegenüber jedem anderen architektonischen Denkmal weltweit.“)[6]

Veröffentlichungen

Artikel

Die Gärten des Lotustempel
Das Informationszentrum des Lotustempels

Bis 2003 hatte die Bibliothek des Bahai-Weltzentrum über 500 Veröffentlichungen, in denen der Lotustempel benannt wird, archiviert, darunter Artikel, Interviews mit dem Architekten und Texte, in denen die Struktur gelobt wird.[13] Nachfolgend sind einige wichtige Beispiele für Veröffentlichungen mit Artikeln über den Tempel chronologisch aufgelistet und mit Auszügen versehen:

  • Progressive Architecture im Februar 1987[13] und Dezember 1987
  • Architecture im September 1987[13]
  • Structural Engineer (jährliches britisches Journal) im Dezember 1987[13]
  • Encyclopædia Iranica 1989[13][20]
  • World Architecture: A Critical Mosaic 1900–2000 von Kenneth Frampton, Ausgabe 8, 2000[2]A power icon of great beauty ... an import symbol of the city („Ein kraftvolles Symbol von großer Schönheit ... ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt.“)
  • Actualité des Religions (französische Zeitschrift), Sonderausgabe vom Herbst 2000 mit dem Titel Les religions et leurs chef-d'œuvres („Religionen und ihre Meisterwerke“), vierseitiger Artikel[13][39]
  • Guinness World Records 2001[2]
  • Wallpaper* im Oktober 2002
  • Lighting Design + Application Ausgabe 19, Nr. 6, Illuminating Engineering Society of North AmericaTaj Mahal of the Twentieth Century („Taj Mahal des 20. Jahrhunderts“)
  • Faith & Form (Zeitschrift des Interfaith Forum on Religion, Art and Architecture, Mitglied des American Institute of Architects), Ausgabe XXI – An extraordinary feat of design, construction, and appropriateness of expressions („Eine außergewöhnliche Leistung in Sachen Gestaltung, Konstruktion und Angemessenheit der Ausdrucksformen“)
  • BBC Travel, 2016 – The world's most beautiful places of worship („Die schönsten Gotteshäuser der Welt“)[40]

Bücher

  • Forever in Bloom: The Lotus of Bahapur, mit Fotos von Raghu Rai und Text von Roger White, Time Books International, 1992[39]
  • The Dawning Place of the Remembrance of God, Thomas Press, 2002[39]

Festnahmen

Im Jahr 2006 erstatteten einige ehemalige Angestellte des Lotustempels Anzeige bei der Polizei, dass Freiwillige beim Tempels in verschiedene Verbrechen verwickelt seien, darunter Spionage, religiöse Bekehrung und die Herstellung gefälschter Pässe. Der erstinstanzliche Richter wies die Polizei an, neun identifizierte Freiwillige zu verhaften, doch das Oberste Gericht von in Delhi hob die Verhaftungen später auf.[41][42]

Galerie

Siehe auch

Einzelnachweise

Quellen

Weiterführende Literatur

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