Schleimünde
Halbinsel im Kreis Schleswig-Flensburg
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Als Schleimünde (dänisch Sliminde) wird die ehemalige Lotseninsel (dänisch Lodsø) bezeichnet, welche sich nördlich der Zufahrtsrinne zur Schlei befindet. Dort waren bis 1980 die Schleilotsen untergebracht.[1] Heute ist das Gelände das südliche Ende eines Nehrungshakens, der die früher nördlich gelegenen Inseln miteinander verbunden hat und heute als Halbinsel die Schlei von der Ostsee trennt. Sie gehört zum Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein. Seit 1871 befindet sich dort als Wahrzeichen ein kleiner Leuchtturm und ein kleiner Nothafen für Sportboote.[2]
| Schleimünde | ||
|---|---|---|
| Gewässer | Schlei | |
| Geographische Lage | 54° 40′ 25″ N, 10° 2′ 2″ O | |
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| Fläche | 1,12 km² | |
| Höchste Erhebung | 5 m | |
Halbinsel und Naturschutzgebiet
Der größte Teil der 112 Hektar großen Halbinsel besteht aus dem Naturschutzgebiet Schleimündung, das 2011 nach Süden um den Nordhaken bei Olpenitz erweitert wurde. Das Gebiet wird vom Verein Jordsand durch einen Vogelschutzwart betreut und kann nur im Rahmen von Führungen des Vereins betreten werden. Da es keinen offiziellen Weg durch das Naturschutzgebiet gibt, können die Lotseninsel und der Leuchtturm nur per Schiff von Kappeln oder Maasholm aus erreicht werden.
Die Halbinsel war bis 2008 in Bundesbesitz und ging auf einer Versteigerung an die Lighthouse Foundation, eine Stiftung mit Sitz in Hamburg.[3] Seitdem hat die Stiftung erhebliche Mittel für den Anlagen- und Küstenschutz an dieser Stelle aufgebracht. Da die Flächen kaum fünf Meter höher liegen als der Wasserspiegel wird die Halbinsel durch Ostseesturmhochwasser immer wieder unter Wasser gesetzt. Zuletzt hat das Ostseesturmhochwasser 2023 erhebliche Schäden angerichtet und erneut Investitionen erforderlich gemacht, weshalb die Stiftung schon über einen Rückzug nachdenkt.[4] An der Lotseninsel liegt direkt hinter der Zufahrt im Binnenbereich der Schlei ein kleiner Wasserwanderrastplatz, der auch als Nothafen genutzt werden darf. Er wird von Wassersportvereinen für die Segelausbildung genutzt.[1] Für eine Übernachtung darf die „Paddelwiese“ neben dem Hafen zum Zelten genutzt werden. Der Hafen wie auch die Gebäude auf der Insel gehören der Stiftung. Für die Erhaltung des Hafens hat sich der "Förderverein naturnaher Wasserwanderplatz Schleimünde e.V." gegründet, dem auch die Stiftung und der Verein Jordsand angehören. Er bemüht sich darum, dass der Besuch der Insel uneingeschränkt möglich bleibt. Viele freiwillige Arbeitseinsätze des Vereins haben den Hafen und die Gebäude nach dem letzten Hochwasser 2023 wieder nutzbar gemacht. Die ehemalige und legendäre Gastwirtschaft „Giftbude“ kann aber seitdem nicht mehr betrieben werden. Über den Kiosk am Hafenmeisterhaus bietet nun der Verein ein kleines gastronomisches Angebot.[5]
Für die Schleischifffahrt und die Besucher ist an der Schleieinfahrt ein Schiffsanleger vorhanden. Daneben steht das Gebäude für den Hafenmeister. Etwas weiter nördlich liegt drei Meter über dem Wasser das ehemalige Lotsenhaus, das nun als Tagungshaus für Seminare genutzt wird.[1] Hinter dem Lotsenhaus und der Paddelwiese beginnt das Naturschutzgebiet.
- Naturschutzgebiet Schleimünde hinter der Paddelwiese
- Hinweis auf Naturschutzgebiet
Leuchtturm
Schleimünde ist seit 1871 Standort eines Leuchtturms und dient der Schifffahrt als ein wichtiges Ansteuerungs- und Orientierungsfeuer bei der Passage der Lotseninsel. Der 14,3 Meter hohe Turm ist seit 2014 als Molenfeuer in der Tageskennung grün-weiß angestrichen. Mit seiner grünen Laterne steht er an der Nordseite der Zufahrtsrinne am Ende einer rund 300 m langen Mole, die nach Südosten in die Ostsee ragt. Seit vielen Jahren wohnen keine Lotsen oder Leuchtturmwärter mehr auf der Halbinsel. Das Leuchtfeuer wird durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee von Lübeck-Travemünde aus ferngesteuert und überwacht.[2] Der Leuchtturm steht unter Denkmalschutz und wurde als Baudenkmal in die Kreisdenkmalliste des Kreises aufgenommen.
Eindrücke von der Lotseninsel
- Leuchtturm, „Giftbude“ und Lotsenhaus von See aus (2009)
- Blick vom Leuchtturm nach Westen auf Sportboothafen und Lotsenhaus (2014)
- Leuchtturm Schleimünde am Ende der Mole (2009)
- Schiffsanleger
- Nothafen (2025)
- Ehemaliges Lotsenhaus
- Der Leuchtturm im Jahr 2005
Entstehung
Die Strandwalllandschaft in der Schleimündung ist seit der letzten Eiszeit in ständiger Veränderung ihrer Form entstanden. Das Gebiet ist aus Sedimenten aufgebaut, die durch Meeresströmungen vor allem vom südlich gelegenen Schönhagener Kliff abgetragen wurden. Der ständige Wechsel von Anlandung und Abtrag, von Dünenneu- und -rückbildung hat hier einen der wenigen noch intakten natürlichen Bereiche der deutschen Ostseeküste geschaffen. Daran beteiligt sind besonders die heftigen Ostseehochwässer, die bisweilen katastrophale Auswirkungen zeigen.
Name
Schleimünde ist bereits in der altnordischen Jómsvíkinga saga als Slømynna und Slødyr sowie im Erdbuch Königs Waldemars von 1231 schriftlich dokumentiert. Im Dänischen wird die Halbinsel als Sliminde bezeichnet. Der Name geht auf altdänisch mynnæ (altnordisch mynni) für eine Mündung zurück, in der Jómsvíkinga saga auch durch dýrr für Tür, Tor ersetzt.[6]
Geschichte

Ursprünglich war die Halbinsel ein Teil des Gutes Olpenitz und gehörte zu der südlich gelegenen Halbinsel Schwansen, die bis zur Eckernförder Bucht reicht. Die alte Zufahrt zur Schlei lag weiter nördlich als heute. Um 1418 verschlossen Holsteiner die Einfahrt der Schlei, indem sie zehn bis zwölf Schiffe versenkten. Als die alte Schleimündung versandete, erwies sich der Bau einer neuen, weiter südlich zu errichtenden Einfahrt als notwendig. Nachdem die Arnisser und Kappelner Schiffer über Jahre Appelle an die Landesregierung gerichtet hatten, wurde die eigentlich zuständige Stadt Schleswig 1770 aufgefordert, das Stück Land nördlich der ehemaligen Festungsanlage Oldenburg vom damaligen Besitzer des Gutes Olpenitz zu kaufen. Der Kauf wurde erst 1780 vollzogen, im gleichen Jahr erfolgte ein erster Durchstich an der Stelle der heutigen Schleimündung, die sich in den Winterstürmen erweiterte.
Eine erste Befestigung mit Pfählen wurde 1782 unter Leitung der Stadt Schleswig angelegt. Diese hatte aber keinen Bestand, und die Schiffer aus Arnis und Kappeln mussten erneut die Landesregierung um Hilfe bitten. Da Schleswig kein weiteres Geld geben wollte, wurde eine Befestigung aus Stein in den Jahren 1795 bis 1796 unter der Leitung der neu gegründeten Combinierten Schiffergesellschaft zu Kappeln und Arnis gebaut.[7] Für den Bau kam aus Kopenhagen ein Hafenbaumeister angereist. Die Finanzierung übernahm allein die Combinierte Schiffergesellschaft zu Kappeln und Arnis, die dafür von den passierenden Schiffen einen Zoll einnehmen durfte.[8] Die heutige Mündung basiert immer noch auf der damaligen Anlage, die man später weiter vertiefte und befestigte. Durch diese neue Wasserstraße wurde Schleimünde vom Festland Schwansen abgeschnitten.
Unmittelbar vor Schleimünde befand sich im Mittelalter noch der Ort Mynnaesby bzw. Mynnæsby (Mindesby, auch: Slaesmynnae, vgl. heute Sliminde), der zur Nieharde (Niehaereth, dän. Nyherred) in Angeln gezählt wurde und zum Geltinger Krongut des Königs gehörte.[9] Laut Erdbuch von König Waldemar von 1231 bildete Mindesby ein eigenes Kirchspiel.[10]
Südöstlich der jetzigen Schleieinfahrt und unmittelbar neben dem früheren Dorf Mindesby befand sich im Mittelalter die Burg Oldenburg (dän. Gammelborg oder auch Gamleborg). Die Burg stammt vermutlich aus dem frühen 12. Jahrhundert und soll eine Gründung des damaligen Herzogs von Schleswig, Knud Laward, sein. Sie gehörte zusammen mit Arnis und der Schwonsburg zu einem größeren Verteidigungssystem, um den wichtigen Handelsweg auf der Schlei in Richtung Schleswig zu schützen. Vermutlich zahlten in die Schlei einlaufende Schiffe hier einen Schiffszoll, während auslaufende Schiffe diesen in Schleswig zahlten. Die Burg besaß einen charakteristischen Rundturm sowie einen Kirchenraum. Laut Überlieferung sollen die Einwohner von Höxmark (Høgsmark) damals in einem Turm bei Schleimünde zur Kirche gegangen sein. Der Turm soll 1132/1134 auch als Gefängnis für Christiern Svendsen gedient haben, der auf Seite von Erik II. am Aufstand gegen König Niels Svensson teilgenommen hatte. Im 19. Jahrhundert wurden bei niedrigem Wasserstand vor Schleimünde Reste eines kreisrunden Turms, eine Mauer sowie Särge entdeckt.[11]
Bei Schleimünde soll im Jahr 1065 eine Seeschlacht zwischen dem Neffen des Königs Svens Estridsen, Asmund, und Hakon Iversen stattgefunden haben.
Aktuelle Lage
Seit einigen Jahren wird ein deutlicher Sandabtrag in längeren Strandabschnitten der Halbinsel nach Norden hin beobachtet. Deshalb traf sich am 30. November 2019 im Arnisser Rathaus eine neue Bürgerinitiative zum Küstenschutz in der Schleiregion zu einer Auftaktversammlung. Eine Petition wurde vorgestellt: „Wir fordern die Landesregierung von Schleswig-Holstein auf, Schleimünde mit allen erforderlichen Maßnahmen zu schützen und in seiner Funktionalität in Bezug auf Hochwasserschutz und Naherholung wiederherzustellen.“ An der Versammlung nahmen unter anderem Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen, mehrere Kappelner und Arnisser Stadtvertreter sowie politische Vertreter aus Maasholm und der Kreispräsident Ulrich Brüggemeier teil.[12] Initiator war Philipp Zülsdorff vom Verein Naturnaher Wasserwanderplatz Schleimünde.
Sonstiges

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Fördervereins Naturnaher Wasserwanderplatz Schleimünde e. V. wurde die dortige Paddelwiese am 26. August 2018 in "Hannes-Truelsen-Wiese" umbenannt.[13] Am 2. Juli 2020 hat die Deutsche Post AG eine Sonderbriefmarke zu 60 Eurocent mit dem Bild des Leuchtturms Schleimünde herausgeben. Die Briefmarke gehört zur Serie „Leuchttürme“. Der Entwurf stammt vom Grafiker Hanno Schabacker aus Berlin.[14]
Siehe auch
Weblinks
- Förderverein naturnaher Wanderrastplatz Schleimünde e. V. zum Erhalt der ehemaligen Lotseninsel
- Lotseninsel Website der Lighthouse Foundation
- Naturschutzgebiet Schleimündung Verein Jordsand
- Hans-Peter Wengel: Schleimünde PDF auf kappeln-eschmidt.de
- Die Lotseninsel Schleimünde auf ostseefjordschlei.de


