Louis de Rougemont
Entdecker
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Louis de Rougemont (bürgerlich: Henri Louis Grin; * 12. November 1847 in Gressy; † 9. Juni 1921 in London; heimatberechtigt in Gressy und Belmont-sur-Yverdon) war ein Schweizer Autor, Reisender, Schausteller und Hochstapler.

Leben
Henri Louis Grin war das fünfte von sechs Kindern des Bauernpaars Antoine Samuel Emanuel Grin und Jeanne geborene Perret. Er wuchs unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen in Gressy auf, wo er die Primarschule besuchte. Als er zehn Jahre alt war, zog die Familie nach Yverdon und er unterstützte seinen Vater, der dort als Fuhrmann arbeitete. Mit 16 Jahren verliess Henri Louis Grin die Schweiz an der Seite der Schauspielerin Frances Anne «Fanny» Kemble und begleitete sie als Diener auf ihren Reisen, wobei er fliessend Englisch zu sprechen lernte. Von 1870 bis 1874 diente er in London dem Schweizer Bankier Jean-Louis Miéville aus Yverdon, einem Bekannten der Familie. Hier hörte er von Sir William Cleaver Francis Robinson, der zum Gouverneur von Westaustralien ernannt wurde. Er begleitete diesen und dessen Frau Olivia Edith Deane 1875 als Butler nach Perth. In Australien begegnete Grin mehreren sogenannten Entdeckern, die von ihren Expeditionen ins Landesinnere erzählten. Nach fünf Monaten beendete er seine Anstellung und im gleichen Jahr stellte er vergeblich einen Antrag auf Naturalisierung. Die Behörden begründeten ihren ablehnenden Entscheid mit seiner mangelnden Ausbildung und Berufserfahrung und der arroganten Formulierung seines Antrags.
Ende 1876 beschaffte er sich ein kleines Fischerboot und reiste von Fremantle bei Perth Richtung Norden zum Perlenfischen. Einige Monate später tauchte er in Cooktown in Queensland auf und berichtete, von Aborigines überfallen worden zu sein und Schiffbruch erlitten zu haben. Hier betätigte er sich unter anderem als Goldgräber, Arzt, Fotograf und Schiffskoch. 1880 zog Grin nach Sydney und übte wiederum verschiedene Berufe aus wie Kellner, Makler und Fotograf. Mehrmals konnte er Geschäftsleute überzeugen, in schliesslich erfolglose Projekte zu investieren, so in ein Tauchgerät, bei dessen Test im Hafen von Sydney der Taucher ums Leben kam.
1882 heiratete er als Henri Louis Grien im presbyterianischen Pfarrhaus in Newtown, einem Vorort von Sydney, die 16-jährige Elizabeth Jane Ravenscroft, Tochter des Krämerladenbesitzers Alfred George Ravenscroft. Das Paar hatte sieben Kinder. Nachdem er bereits zuvor von der Familie getrennt gelebt hatte, liess Grin diese Anfang 1897 mittellos zurück und reiste über Neuseeland nach London, wo er 1898 eintraf. Dem Redaktor des neu lancierten Wide World Magazine stellte er sich als Adliger aus Paris namens Louis de Rougemont vor. Er erzählte detailliert, wie er angeblich dreissig Jahre lang im Norden Australiens unter den «kannibalischen Wilden» gelebt habe, die ihn wegen seiner Fähigkeiten wie einen Gott verehrt hätten. Die Aborigines stellte er als kindlich und wenig intelligent dar. Er vermischte eigene Erfahrungen mit Fiktion und Berichten verschiedener «Entdecker». Seine Erzählung entsprach dem imperial-kolonial geprägten Zeitgeist der Reiseliteratur und wirkte so überzeugend, dass die Zeitschrift sie in einer Artikelserie veröffentlichte. 1899 publizierte der Verleger William Heinemann in London de Rougemonts Geschichten als Buch, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.
Die Publikationen stiessen international auf grosses Interesse und brachten ihm kurzfristig Ruhm und Reichtum inklusive einer Wachsfigur bei Madame Tussauds. Bald schon entwickelte sich jedoch eine heftige Kontroverse um seine Identität und die Wahrheit seiner Erzählungen. Nach intensiven Recherchen und Befragungen durch renommierte Forscher wurde de Rougemont noch 1898 als Lügner, Träumer und Hochstapler entlarvt. Seine Frau und frühere Partner in Sydney hatten ihn als Henri Louis Grien identifiziert. Fortan galt er als «grösster Lügner der Welt». Nach einem Aufenthalt in der Schweiz reiste er 1899 nach Südafrika und 1901 nach Australien, um dort als Schausteller von seinen Abenteuern zu erzählen. Zurück in London heiratete er als Louis de Rougemont 1915 Thirza Ann Ellis geschiedene Wolf. Er starb 1921 als verarmter Mann und wurde als Louis Redman begraben. Seine zweite Frau liess die Todesurkunde 1929 berichtigen.
Werke
- Louis de Rougemont: The Adventures of Louis de Rougemont as Told by Himself, 1899.
Literatur
- The Wide World Magazine, 8.1898–6.1899.
- Frank Clune: The Greatest Liar on Earth, 1945.
- Geoffrey Maslen: The Most Amazing Story a Man ever Lived to Tell, 1977.
- B. G. Andrews: Louis de Rougemont (1847–1921). In: Australian Dictionary of Biography, Bd. 8, 1981, S. 290.
- Rod Howard: The Fabulist. The Incredible Story of Louis de Rougemont, 2006.
- Donald Margulies: Shipwrecked! An Entertainment. The Amazing Adventures of Louis de Rougemont (as Told by Himself), 2007.
- Linda Stratmann: Fraudsters and Charlatans. A Peek at some of History's Greatest Rogues, 2010.
- Florence Perret: La véritable histoire du Vaudois Henri-Louis Grin. Quand la réalité dépasse la fiction, 2016.
- Susanne Wegmann: Henri Louis Grin. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 10. März 2026.
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rougemont, Louis de |
| ALTERNATIVNAMEN | Grin, Henri Louis; Grien, Henri Louis |
| KURZBESCHREIBUNG | Schweizer Autor, Reisender, Schausteller und Hochstapler |
| GEBURTSDATUM | 12. November 1847 |
| GEBURTSORT | Gressy |
| STERBEDATUM | 9. Juni 1921 |
| STERBEORT | London |