Luise Scherdel

deutsche Fotografin From Wikipedia, the free encyclopedia

Luise Marie Sophie Scherdel (* 19. April 1900 in Hof; † 2. November 1981 in Duderstadt) war eine deutsche Fotografin. Ihr Werk umfasst insbesondere Porträt-, Landschafts- und Theaterfotografie und ist heute Teil der Sammlung der Deutschen Fotothek.

Leben und künstlerischer Werdegang

Luise Marie Sophie Scherdel wurde als Tochter des Brauereibesitzers Johann Salomon „Hans“ Scherdel (1868–1949) und Marie Dorothea Scherdel, geb. Rahm (1874–1939) in Hof geboren. Sie wuchs mit ihren jüngeren Schwestern Anna (1901–1981) und Käthe (1902–1994) auf. Ihr Vater betrieb gemeinsam mit seinen Brüdern Heinrich und Fritz Scherdel die Firma B. Scherdel Exportbierbrauerei, heute Scherdel Bier GmbH & Co. KG, die in den 1930er Jahren einen deutlichen Aufschwung verzeichnete. Somit wuchsen die Schwestern in wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen auf.

Nach dem Besuch der höheren Töchterschule in Hof absolvierte sie die Schule für Säuglingsschwestern im Münchner Löhe-Haus und schloss mit einem Examen in Säuglingspflege ab. Anschließend betreute sie zunächst die Kinder eines Adligen, später in Hof die Drillinge von Max Friedrich Rahm, des verwitweten jüngsten Bruders ihrer Mutter, der 1928 erneut heiratete.

Vom 1. September 1930 bis 15. Juli 1932 besuchte Scherdel die Bayerische Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München und schloss mit Diplom ab. Im Anschluss an ihre fotografische Ausbildung meldete sie im Februar 1933 in München ein Gewerbe zur „Ausführung photographischer Arbeiten“ an und betrieb ein eigenes „Lichtbildatelier“ mit Standort Ainmillerstraße 36 in München. Bereits 1932 wurde sie mit einem Ehrendiplom der I. Biennale Internazionale d’Arte Fotografica in Rom ausgezeichnet, 1934 war sie mit drei Fotografien auf dem „International Photographic Salon“ in Japan vertreten sowie 1934/1935 mit der Landschaftsaufnahme „Landstraße im Winter“ auf dem „Sixth Chicago International Salon“. 1936 legte sie bei der Handwerkskammer Oberbayern die Meisterprüfung ab. Mitte der 1930er Jahre war sie unter anderem für das Münchner Schauspielhaus tätig.

Nach ihrer Verlobung am 12. September 1936 heiratete sie 1937 den Fabrikanten Theodor Alexander Hermann Gerlach (1882–1941) und zog nach Duderstadt. Die Hochzeitsreise führte sie im Januar 1937 nach Venedig. Im gleichen Jahr wurde ihre erste Tochter Marie Luise „Marli“ geboren. Scherdels Ehemann verstarb vier Jahre nach Hochzeit.

In Duderstadt unterhielt Luise Scherdel unter ihrem Ehenamen Gerlach von Beginn an ein Atelier in der Christian-Blank-Straße, im Geschäftshaus ihres Mannes, in dem sie auch Lehrlinge ausbildete, unter anderem Gustav Rittstieg und Elisabeth Kreuzer. In dieser Zeit entstanden vor allem private Aufnahmen sowie Aufnahmen von Duderstadt, die sich heute im Stadtarchiv Duderstadt befinden. Am 2. Februar 1946 erfolgte ein Eintrag in die Handwerkerrolle der Handwerkskammer Hildesheim.

Um 1950, kurz nach dem Tod ihres Vaters, verlegte Luise Scherdel ihr Atelier nach Hof in die Ludwigstraße. 1972 zog sie wieder nach Duderstadt, wo sie am 2. November 1981 verstarb.

Nachlass

Die Deutsche Fotothek übernahm 2025 aus Familienbesitz rund 170 Glasnegative, 1600 Kunststoffnegative im Mittel- und Großformat, 4300 Kleinbildnegative sowie 226 S/W-Abzüge aus dem Zeitraum von 1930 bis 1972. Zum Bestand gehören zudem Fotoalben, Kontaktbögen und einige C-Prints aus dem Jahr 1953.

Auszeichnungen

  • 1932: Ehrendiplom der I. Biennale Internazionale d’Arte Fotografica, Rom
  • um 1932: Preis der Stadt München

Ausstellungsbeteiligungen

  • 1934/1935: Sixth Chicago International Salon of Photography, Art Institute of Chicago
  • 1934: Seventh International Photographic Salon of Japan
  • 1934: Menschen bei der Arbeit (Ausstellung der Arbeitsgemeinschaft Münchner Absolventen (AMA)), Kunstbibliothek Berlin
  • 1932: I. Biennale Internazionale d’Arte Fotografica, Rom

Publikationen (Auswahl)

  • Luise Gerlach-Scherdel: Duderstadt. Bilder aus alter Zeit. Texte von Christoph Lerch und Vinzens Gerlach, Duderstadt 1976

Literatur

  • Lehrjahre Lichtjahre. Die Münchner Fotoschule 1900–2000. Ausstellungs-Katalog Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum, herausgegeben von Ulrich Pohlmann, München 2000
  • Sixth Chicago International Salon of Photography, Ausstellungs-Katalog Art Institute of Chicago, herausgegeben vom Chicago Camera Club, Chicago 1934

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