Madman-Theorie
Verhandlungsstrategie, die irrationales Verhalten instrumentalisiert.
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Die Madman-Theorie (engl. madman theory; „Theorie vom Verrückten“) bezeichnet eine Verhandlungsstrategie, bei der ein Akteur gezielt den Eindruck erweckt, irrational, unberechenbar oder gar psychisch instabil zu handeln. Durch diese Unkalkulierbarkeit soll das Gegenüber eingeschüchtert werden, was den eigenen Handlungsspielraum und das Verhandlungspotenzial vergrößert.[1] Historisch bekannt wurde dieses Konzept durch US-Präsident Richard Nixon, der die Taktik bewusst einsetzte, um die schwierige Lage der USA im Vietnamkrieg zu beenden.
Richard Nixon als Madman
Die Regierung unter Nixon wollte die Welt davon überzeugen, dass der Präsident unzurechnungsfähig und zu irrationalen Handlungen imstande sei. Dies sollte bei den Staaten des Ostblocks die Furcht vor einem Angriff mit Atomwaffen schüren, deren Verwendung in einem konventionellen Krieg nicht mehr ausgeschlossen wurde, um sie somit zu einem Einlenken auf US-amerikanische Positionen zu bewegen.
Seinem Berater Harry Robbins Haldeman erklärte er:
„Ich nenne es die Wahnsinnstheorie, Bob. Ich möchte, dass die Nordvietnamesen glauben, dass ich den Punkt erreicht habe, an dem ich alles tun könnte, um den Krieg zu beenden. Wir werden ihnen einfach sagen: ‚Um Himmels willen, ihr wisst, dass Nixon vom Kommunismus besessen ist. Wir können ihn nicht zurückhalten, wenn er wütend ist – und er hat seine Hand auf dem Atomknopf – und Ho Chi Minh selbst wird in zwei Tagen in Paris sein und um Frieden betteln.“
Als Demonstration seiner Entschlossenheit befahl der Präsident im Jahr 1969 die Operation Menu, ein streng geheimes Flächenbombardement auf Kambodscha, und die Invasion des Landes 1970. Die Taktik erzielte jedoch nicht den von Nixon erhofften Erfolg.
Donald Trump als Madman 2.0
Später gilt Präsident Donald Trump als Protagonist dieser Verhandlungsstrategie. Der Kultur- und Medienwissenschaftler Tobias Nanz zeigt in seinem Aufsatz Madman im Digitalen. Donald Trumps Rückgriff auf eine Figur des Kalten Krieges wie Trump die Madman-Theorie aus dem Kalten Krieg in das digitale Zeitalter überträgt, um durch strategische Unberechenbarkeit politische Vorteile zu erzielen. Dabei nutzt er insbesondere soziale Medien als Bühne, um das Bild eines irrational agierenden Akteurs zu inszenieren, der etablierte diplomatische Erwartungen gezielt unterläuft. Diese digitale Performanz dient dazu, sowohl Gegner als auch Verbündete zu verunsichern und so den Handlungsspielraum für die eigene Machtpolitik zu vergrößern.[3]
Literatur
- Scott D. Sagan, Jeremi Suri: The Madman Nuclear Alert: Secrecy, Signaling, and Safety in October 1969. In: International Security. Vol. 27, No. 4, Frühjahr 2003, ISSN 0162-2889, S. 150–183.
- Marc Frey: Geschichte des Vietnamkriegs. Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums. 4. Auflage. C. H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-42078-8 (Beck’sche Reihe 1278).
- H. R. Haldeman, Joseph DiMona: The Ends of Power. Dell Publishing, New York NY 1978, ISBN 0-440-12239-2.