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Mahlsdorf (Wiesenburg/Mark)

Wohnplatz im Ortsteil Reetz der Gemeinde Wiesenburg/Mark im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Mahlsdorf ist ein Wohnplatz im Ortsteil Reetz der Gemeinde Wiesenburg/Mark im Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg.[1]

Schnelle Fakten
Mahlsdorf
Koordinaten: 52° 7′ N, 12° 23′ O
Höhe: 135–160 m ü. NHN
Postleitzahl: 14827
Vorwahl: 033849
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Geografische Lage

Die Siedlung liegt im westlichen Teil der Gemarkung von Wiesenburg/Mark und dort nördlich von Reetz. Östlich liegt der Wohnplatz Alte Hölle, südöstlich Reetzerhütten. Der nördliche Teil ist bewaldet und von mehreren Erhebungen durchzogen, darunter der Schneidersberg, der Observationsberg und die Katzenberge. Der südliche Teil wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt und durch einen unbenannten Graben entwässert. Östlich der Wohnbebauung wird Kies abgebaut. Das Gelände fällt von den Erhebungen mit einer Höhe von rund 160 m auf rund 130 m nach Süden hin ab. Das Dorf entstand als Vorwerk mit Kleinsiedlung. Im Mahlsdorfer Forst gingen die wüste Feldmark Elsholz und Falkenberg auf.

Geschichte

Mahlsdorf erschien erstmals als czu malnstorff, czu malstorff im Jahr 1388 in den Akten. Die Familie Seedorf erhielt Hebungen aus einem Hof. In den Jahren 1419/1420 gab es in malstörff einen Richter, der die Gerichtsbarkeit sowie vier Hufen hielt. Nach 1420 und vor 1487 fiel das Dorf wüst. Es gelangte vor 1487 in den Besitz des alten Adelsgeschlechts Brandt von Lindau; dort erschien es erneut im Jahr 1554 als wüste Dorfstätte. Zwischenzeitlich beklagte der Pfarrer aus Reetz, dass ihm der Zehnt aus Mahlsdorf vorenthalten werde. Erst 1575 wurde von einem Vorwerk mit einer Schäferei berichtet, das 1592 als Malsdorff ein Forberg vndt Schäfferey bezeichnet wurde.

Das Vorwerk erzielte im Jahr 1627 einen Ertrag von 102 Scheffel Weizen, 554 Scheffel Roggen, 810 Scheffel Gerste und 436 Scheffel Hafer. Auf der Fläche wurden 50 Stück Rindvieh, 775 Schafe und 29 Schweine gehalten. Die von Brandt von Lindau errichteten in der Mitte des 17. Jahrhunderts in Mahlsdorf einen Wohnsitz. Mahlsdorf ging nach dem Tod Adam Friedrich Brand von Lindau im Jahr 1756[2] an die dessen Schwiegersöhne der Familie von Watzdorf und die Adelsfamilie Trotta genannt Treyden. Letzte zogen im Jahr 1765 nach Mahlsdorf; in diesem Jahr konnte auf dem Vorwerk 1 Wispel 14 ¾ Scheffel Weizen, 11 Wispel 9 ¼ Scheffel Roggen, 2 Wispel 16 Scheffel Gerste, 7 Wispel 5 Scheffel Hafer und 1 Wispel Erbsen ausgesät werden. Es wurden 800 Schurschafe, 25 Märzschafe, 50 Hammel und 15 Kühe gehalten. Für 1777 sind keine Einwohner verzeichnet; die Trotta genannt Treyden waren nicht häufig vor Ort, so dass das Rittergut von Inspektoren verwaltet wurde. 1830 werden folgende Besitzer genannt: Fräulein Henriette Friederike Wilhelmine von Trotta genannt Treyden, Frau Geheimerätin von Bünau, Henriette Auguste Ernestine geborne von Trotta genannt Treyden und die verwitweten Frau Stallmeister von Goldacker sowie Friederike Louise Amalie geborne von Trotta genannt Treyden.[3]

Im Jahr 1837 bestand Mahlsdorf aus dem Rittergut und Dorf, der Schäferei Hammelstall und zehn Wohnhäusern. Das Gutshaus wurde um 1840 erneuert. Kurz darauf übernahm im Jahr 1846 die Familie von Goldacker das Rittergut und Dorf; andere Quellen nennen das Jahr 1809, denn 1809 heiratete die Miterbin von Mahlsdorf Frederike Luise Amalie von Trotta genannt Treyden († 4. Dezember 1852) den Stallmeister Heinrich Wilibald Franciscus von Goldacker (* 6. Februar 1759; † 28. Januar 1814), deren Sohn Ernst Willibald von Goldacker (1810–1892) wurde Erbe.[4][2] Auch für die von Goldacker wurde das Gut zunächst nur ein Zweitwohnsitz. Es bestand im Jahr 1858 als dem Rittergut sowie einem öffentlichen, neun Wohn- und 19 Wirtschaftsgebäuden, darunter eine Darre für Kiensamen. Die Gemarkung war 7432 Morgen (Mg) groß: 7 Mg Gehöfte, 36 Mg Gartenland, 1024 Mg Acker, 154 Mg Wiese, 11 Mg Weide, 6200 Mg Wald. Sie bestand im Jahr 1871 mit den Wohnplätzen Vorwerk Alte Hölle und Forsthaus Kalotsche. Unter dem preußischen Kammerherr Ernst Willibald von Goldacker wurde der Zweitwohnsitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgebaut und in Richtung Osten durch eine Loggia ergänzt. Nach der Auflösung der Landwirtschaft im Jahr 1864 wurden die südlich vor dem Herrenhaus befindlichen Wirtschaftsgebäude abgerissen und teilweise an der Nordseite neu aufgebaut. An der südlich gelegenen Stelle entstand ein Park. Die Familie von Schwerin ließ ihre Pferde im Park frei umherlaufen, und unter großen Eichen beerdigen ließ.[2]

Zur vorletzten Jahrhundertwende war der Gutsbezirk Mahlsdorf, der zum Kreis Zauch-Belzig gehörte, 1915 Hektar groß und bestand aus 16 Häusern. Das Gutshaus musste nach einem Brand im Jahr 1903 erneuert werden. Zum Gutsbezirk gehörten 1905 auch die drei Forsthäuser Alte Hölle, Kalotsche und Reetzer Hütten.[5] Im Rahmen der der Auflösung der preußischen Gutsbezirke wurde der Gutsbezirk Mahlsdorf am 30. September 1928 in die benachbarte Landgemeinde Reetzerhütten eingemeindet.[6] An den privatrechtlichen, fiskalischen oder sonstigen Eigentüm änderte dies nichts, das Rittergut, respektive gegründete Familienfideikommiss Mahlsdorf, war 1914 etwa 1923 ha groß, 1929 ähnlich mit 1905 ha. Als Verwalter agierte Oberförster Breuer.[7] Die alten Gutsbezirke waren juristisch keine eigenständigen Ortschaften mehr. Mahlsdorf war dann 1931 ein Wohnplatz. Der letzte adelige Besitzer des Ritterguts war Curt-Christoph von Schwerin; zuletzt Major d. R., er kam im Winter 1945 von Mahlsdorf aus in Haft, dann in Kriegsgefangenschaft in die Sowjetunion, Rückkehr Dezember 1949. C. C. von Schwerin-Mahlsdorf starb 1966 in Oberbayern.[8][9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss geplündert und teilweise verwüstet. Im Jahr 1946 wurden in den verbliebenen Räumlichkeiten ein Kinderheim eingerichtet, das 1952 zu einem Landeskinderheim mit einer Sonderschule für schwer erziehbare Kinder umgebaut wurde. In den folgenden Jahrzehnten verlor das Gebäude durch nutzungsbedingte Umbauten zunehmend seinen ursprünglichen Charakter.[2] Mahlsdorf wurde 1973 ein Ortsteil von Reetzerhütten; dort bestand im genannten Jahr eine Revierförsterei.

Nach der Wende wurde die Schule 1990 geschlossen das ehemalige Gutshaus stand über viele Jahre leer.

An alle genannten Gutsbesitzerfamilien erinnert ein Wappenfenster in der Dorfkirche Reetz.

Bevölkerungsentwicklung

Weitere Informationen Einwohnerentwicklung in Mahlsdorf von 1817 bis 1925 ...
Einwohnerentwicklung in Mahlsdorf von 1817 bis 1925
Jahr18171837185818711885189519051925
Einwohner73698625361826 und 12 (F. Reetzerhütten)28
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Persönlichkeiten

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss Mahlsdorf um 1920
  • Das Gutshaus Mahlsdorf von 1780 wurde um 1840 erneuert und nach einem Brand im Jahr 1903 renoviert. Es steht, wie auch die angrenzende Parkanlage mit Gärtnerhaus, unter Denkmalschutz. Im Park befinden sich unter anderem eine große Blutbuche, die von vier großen Platanen umsäumt wird.

Literatur

  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. In: Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam. Band 14; Hrsg. Staatsarchiv Potsdam (Rechtsnachfolge BLHA), Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1977.
  • Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Nachdruck, In: Veröffentlichungen des BLHA. Band 14; Hrsg. BLHA-Klaus Neitmann, Klaus-D. Becker Verlag in Potsdam, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 254–255.
Commons: Mahlsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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