Manfred G. Michelson

US-amerikanischer Ingenieur und Filmtechniker From Wikipedia, the free encyclopedia

Manfred G. Michelson (* nach 1900 in den Vereinigten Staaten) war/ist ein US-amerikanischer Ingenieur und Filmtechniker, der mehrfach mit einem Oscar für technische Verdienste geehrt wurde, eine Auszeichnung, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Verbesserung technischer Geräte und Methoden in der Filmwirtschaft würdigt.[1] Zudem wurde er ebenfalls mehrfach mit dem Oscar für Wissenschaft und Entwicklung geehrt, der vergeben wird für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Weiterentwicklung in der Filmindustrie, und für seine Lebensleistung mit dem Academy Award of Merit. Dabei handelt es sich um die höchste Oscar-Ehrung für technische Leistungen innerhalb der Filmindustrie.

Karriere

Michelson erhielt den Oscar für technische Verdienste 1972 gemeinsam mit David Degenkolb, Harry Larson und Fred Scobey für „die Entwicklung eines computergesteuerten Filmdruckers und Prozesskontrollsystems“ („for the development of a computerized motion picture printer and process control system.“). Alle vier Männer arbeiteten zu der Zeit bei DeLuxe General Incorporated.[2] Michelson war maßgeblich an der Entwicklung des computergesteuerten Filmdruckers Motion Picture Printer und des Prozesskontrollsystems beteiligt. Gemeinsam mit Larson war er für die informationstechnische Seite zuständig. Er entwickelte die Systeme, die es ermöglichten, Lichtventile präzise per Computer zu steuern, wodurch es möglich war, die Qualität und Konstanz beim Kopieren von Filmen drastisch zu verbessern.[3]

Auf der Oscarverleihung 1977 wurde Michelson erneut mit einem Oscar ausgezeichnet, und zwar mit dem für Wissenschaft und Entwicklung. Er teilte sich diese Auszeichnung mit seinen Kollegen William L. Graham, Geoffrey F. Norman und Siegfried Seibert. Ausgezeichnet wurden die vier Männer „für die Entwicklung und Konstruktion eines kontinuierlichen Hochgeschwindigkeits-Farbfilmdrucksystems“ („for the development and engineering of a continuous, high-speed, Color Motion Picture Printing System“). Alle vier arbeiteten seinerzeit für die Technicolor Corp., einen Konzern, der später in die Vantiva überging. Michelson war der technische Kopf hinter den mechanischen Innovationen, die die moderne Massenproduktion von Filmkopien erst möglich machten. Seine Arbeit bei Technicolor und später bei seiner eigenen Firma Technical Film Systems (TFS) revolutionierte die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Filmbearbeitung. Michelson war maßgeblich am Design und der Konstruktion des Continuous High-Speed Color Motion Picture Printing Systems beteiligt. Er entwickelte die mechanischen Komponenten, die es erlaubten, 35-mm-Farbfilme mit extrem hoher Geschwindigkeit zu kopieren, ohne dass der Film reißt oder die Bildqualität leidet. Seine wohl wichtigste Einzelleistung, für die er 1979 mit dem Oscar Class II und 1994 Class I ausgezeichnet wurde, war die Erfindung eines speziellen Filmtransportsystems. Michelson entwarf ein kettenradgetriebenes System (sprocketdriven), das den Film an den Perforationslöchern präzise und sicher durch die Entwicklungsmaschinen führte. Dadurch wurden Filmstaus verhindert und eine industrielle Verarbeitungsgeschwindigkeit ermöglicht, die heute noch als Standard in der analogen Filmtechnik gilt.[3]

Eine weitere Auszeichnung für einen Oscar in der Kategorie Wissenschaft und Entwicklung erhielt Michelson 1987 gemeinsam mit Anthony D. Bruno, John L. Baptista und Bruce W. Keller „für die Konstruktion und Entwicklung eines Endlospapierdruckers“ („for the design and engineering of a Continuous-Feed Printer“). Bruno und Baptista arbeiteten seinerzeit für die MGM Laboratories, Inc., Michelson und Keller für die Technical Film Systems, Inc. Diese Technologie war ein weiterer Meilenstein in der Beschleunigung der Filmkopie-Produktion, da sie den Wechsel von Filmrollen ohne Unterbrechung des Durckvorgangs ermöglichte.[3]

Zwei Jahre später, im Jahr 1989, wurde Michelson wiederum mit einem Oscar für technische Verdienste bedacht, diesmal gemeinsam mit Bruce W. Keller, beide arbeiteten für Michelsons Firma Technical Film Systems, und erhielten die Auszeichnung „für die Konstruktion und Entwicklung eines Hochgeschwindigkeits-Lichtventil-Controllers und eines Konstantstromnetzteils für Filmlabore“ („for the design and development of a high-speed light value controller and constant current power supply for motion picture laboratories“).[3] Der prämierte Hochgeschwindigkeitss-Lichtwertregler (Light Value Controller) und das dazugehörige Konstantstromnetzteil waren entscheidende Innovationen für die industrielle Filmkopierung. Der Regler steuerte die Lichtventile der Kopiermaschinen extrem schnell und exakt, was für moderne Kopiermaschinen notwendig war, da sie mit sehr hohen Geschwindigkeiten arbeiten.

1990 wurden Michelson und seine Firma sodann „für das optische Design (Neil), das mechanische Design (Miyagishima) und für das Konzept und die Entwicklung (Panavision) der Primo-Serie sphärischer Festbrennweiten für 35-mm-Kinematografie“ („for the optical design (Neil), the mechanical design (Miyagishima) and for the concept and development (Panavision) of the Primo Series of spherical prime lenses for 35 mm cinematography“) mit einer Auszeichnung Class III bedacht.[3] Dieses System war eine technische Revolution für die Qualität von Filmkopien.

Eine weitere Auszeichnung erfolgte 1993 im Bereich Wissenschaft und Entwicklung mit dem Oscar of Merit, den er für die Entwicklung und Konstruktion des ersten zahnradgetriebenen Filmtransportsystems für Farbfilmentwicklungsmaschinen, das Transportgeschwindigkeiten von über 600 Fuß pro Minute ermöglichte, erhielt.[3] Vor Michelsons Erfindung war der Transport von Filmstreifen durch die Kopiermaschinen bei extrem hohen Geschwindigkeiten oft ruckelig oder führte zu Beschädigungen. Sein System nutzte eine innovative Kettenführung, die den Film absolut ruhig und mit konstanter Geschwindigkeit bewegte. Diese Technologie wurde dann auch zum weltweiten Standard in der Filmverarbeitung und ermöglichte Tausende von Kopien eines Blockbusters in kürzester Zeit ohne Qualitätsverlust.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Manfred G. Michelson der Ingenieur war, der die Hardware für das Blockbuster-Zeitalter baute. Ohne seine Maschinen hätten Studios wie Technicolor die riesige Nachfrage nach Filmrollen für Filme nicht in einer Qualität und Geschwindigkeit bedienen können, wie es dadurch möglich war. Mit dem Academy Award of Merit (Class I) – der eigentlichen Oscar-Statuette – würdigte die Akademie insbesondere Michelsons Lebensleistung und die kontinuierliche Perfektionierung der von ihm entwickelten Systeme.[3][4] Michelsons Unternehmen wird heute in dritter Generation als Familienbetrieb (unter anderem durch die Sparte Magnetic Brake Systems) weitergeführt. Er selbst hielt dort zuletzt die Position des Chairman of the Board inne. Das Unternehmen wird als Sub-chapter S Corporation geführt, was bedeutet, dass es sich vollständig in Familienbesitz befindet. Gunnar Petronius Michelson, der 1997 mit einem Academy Award ausgezeichnet wurde, gehörte zur mittleren Generation der Familie. Er lebt nicht mehr.[5]

Auszeichnungen

Erklärung: Klasse III bedeutet, der Preisträger erhält keine Oscar-Statuette wie in Class I und auch keine Oscar-Plakette wie in Class II, sondern ein Zertifikat.

  • 1972/1973: Auszeichnung Oscar, Class III[6]
  • 1976/1977: Auszeichnung Oscar, Class II
  • 1986/1987: Auszeichnung Oscar, Class II
  • 1988/1989: Auszeichnung Oscar, Class III
  • 1989/1990: Auszeichnung Oscar, Class III
  • 1992/1993: Auszeichnung Oscar, Class I

Einzelnachweise

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