Wikiwand AI

Europaschutzgebiete March-Thaya-Auen

EU Vogelschutzgebiet bei Drösing im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich, Österreich From Wikipedia, the free encyclopedia

Reliefkarte: Niederösterreich
marker
Europaschutzgebiete March-Thaya-Auen​

Die Natura 2000-Europaschutzgebiete March-Thaya-Auen werden gebildet aus einem FFH-Gebiet (AT1202000) und einem Europäischen Vogelschutzgebiet (AT1202V00) in der Hauptregion Weinviertel in Niederösterreich.

Lage

Marchauen
Biberteich in den Marchauen im Herbst

Die Augebiete der Tieflandflüsse March und Thaya liegen umgeben von ausgedehnten Grünlandgebieten an den Grenzen Österreichs zur Slowakei bzw. zu Tschechien. Vor allem im Frühjahr treten regelmäßig Hochwasserereignisse auf. Das Gebiet liegt in den Bezirken Gänserndorf und Mistelbach in den Gemeinden Altlichtenwarth, Angern an der March, Bernhardsthal, Drösing, Dürnkrut, Engelhartstetten, Hausbrunn, Hohenau an der March, Jedenspeigen, Lassee, Marchegg, Rabensburg, Ringelsdorf-Niederabsdorf und Weiden an der March.

Das Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB/SCI, FFH-Gebiet) hat eine Größe von ca. 8880 ha, das größere Vogelschutzgebiet (Besonderes Schutzgebiet, BSG/SPA) umfasst 14.834 ha – das FFH-Gebiet liegt weitgehend innerhalb des Vogelschutzgebiets, zusammen hat der Natura-2000-Raum 15.086 ha.

Gemäß Naturschutzkonzept Niederösterreich[1] verläuft das Gebiet durch die Regionen 08 Nordöstliches Weinviertel, 10 Südöstliches Weinviertel und 11 Donau-March-Thayaauen und Marchfeld.

Rechtliche Grundlage

Natura-2000-Netzwerk

Rechtliche Grundlage für das Gebiet sind die FFH-Richtlinie der Europäischen Union sowie Verordnungen der niederösterreichischen Landesregierung.[2][3] Für beide Gebiete wurde ein gemeinsamer Managementplan erstellt.

Weitere Schutzgebiete

Es gilt auch als eines der wichtigsten Durchzugs-, Rast- und Gastvogelgebiete Österreichs. Demzufolge ist das Gebiet auch als Important Bird Area (AT010, Kriterium B2)[4] eingestuft, das aber mit 131.535 ha auch teilweise im Nationalpark Donau-Auen liegt. Dort findet sich auch das Europaschutzgebiet Donau-Auen östlich von Wien (AT1204000) mit 9.579 ha.

  • Außerdem liegt es in dem nach Ramsar-Konvention ausgewiesenen österreichischen Gebiet Donau–March–Thaya-Auen, das sich mit 385 km² von Wien donauabwärts, und an March und Thaya erstreckt, und zusammen mit den Ramsargebieten Untere Lobau (Nr. 273), Mokrady dolního Podyjí (Nr. 635) in Tschechien und Moravské luhy (Nr. 604) in der Slowakei das Trilaterale Ramsar-Gebiet Auen im Zusammenfluss von March, Thaya und Donau (englisch Floodplains of the Morava–Dyje–Danube Confluence) bildet[5] – das weltweit einzige Dreiländer-Ramsargebiet.[6]
  • Weiters ist der Raum als niederösterreichisches Landschaftsschutzgebiet Donau-March-Thaya-Auen (Nr. 20, 205 km²) ausgewiesen, ebenfalls von den Grenzen Wiens über das ungarisch-slowakische Dreiländereck bis an die tschechische Grenze.

Innerhalb des Natura-2000-Gebiets befindet sich die Naturschutzgebiete:

Der WWF fordert die Errichtung eines eigenen Nationalparks,[7] um diesem Naturraum auch einen nach IUCN-Kategorie 2 gültigen Status zu verleihen.

Die Anerkennung als Biosphärenreservat der UNESCO wird vom BMLFUW[8] angestrebt. Länderübergreifendes mit Tschechien und der Slowakei, das sich mit Ungarn im angrenzenden Raum Neusiedlersee so bewährt hat, wird angedacht. Damit ergäbe sich in der Österreichischen Feuchtgebietsstrategie ein europaweit einzigartiger Schutzverbund, der den „Europa der Regionen“-Gedanken des Centrope-Projekts auch im Umweltschutz umsetzen würde, und das ganze Übergangsgebiet Ostalpen–Pannonische Tiefebene–Böhmische Masse erfasst.[9]

Flora, Fauna und Habitate

Lebensräume

Überflutungsfläche bei Hohenau

Im FFH-Gebiet befinden sich die folgenden signifikanten Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse; prioritäre Lebensraumtypen sind mit * gekennzeichnet.

Weitere Informationen Natura-2000-Code, Lebensraumtyp ...
Natura-2000-Code Lebensraumtyp
1530* Halophile pannonische Lebensräume
2340* Pannonische Binnendünen
3130 Schlammfluren
3150 Natürliche Stillgewässer mit Wasserschweber-Gesellschaften
3270 Zweizahnfluren schlammiger Ufer
6240* Osteuropäische Steppen
6250* Tiefgründiger Lößtrockenrasen
6440 Brenndolden-Auenwiesen
6510 Glatthaferwiesen
9160 Mitteleuropäischer und illyrischer bodenfeuchter Eichen-Hainbuchenwald
91E0* Erlen-Eschen-Weidenauen
91F0 Eichen-Ulmen-Eschenauen
91G0 Pannonische Eichen-Hainbuchenwälder
Schließen

Tiere und Pflanzen

Europäische Sumpfschildkröte
Rotbauchunke
Großer Eichenbock
Sommer-Knotenblume

Das Gebiet ist Lebensraum folgender Arten, die in Anhang II der FFH-Richtlinie genannt sind; prioritäre Arten sind mit * gekennzeichnet.

Weitere Informationen Natura-2000-Code, Art ...
Natura-2000-Code Art
WIRBELTIERE
Säugetiere
1335 Europäisches Ziesel
1337 Biber
1355 Fischotter
Fledermäuse
1324 Großes Mausohr
Amphibien
1188 Rotbauchunke, Tieflandunke
1993 Donau-Kammmolch
Reptilien
1220 Europäische Sumpfschildkröte
Fische und Neunaugen
1114 Frauennerfling
1124 Weißflossen-Gründling
1130 Rapfen, Schied
1134 Bitterling
1145 Schlammpeitzger
1149 Steinbeißer
1157 Schrätzer
1159 Zingel
1160 Streber
WIRBELLOSE
Käfer
1083 Hirschkäfer
1086 Scharlachkäfer
1088 Großer Eichenbock
Schmetterlinge
1059 Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
1060 Großer Feuerfalter
1061 Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
1074 Hecken-Wollafter
Libellen
1037 Grüne Keiljungfer
Muscheln
1032 Gemeine Flussmuschel
Schließen

49 signifikante Vogelarten des Anhangs I der Vogelschutzrichtlinie verleihen dem Gebiet hohe Bedeutung unter den österreichischen Augebieten.

Weißstorch
Kaiseradler
Seidenreiher

Erhaltungsziele

Im Manageplan werden die Erhaltungsziele der Europaschutzgebiete definiert.[10] Dabei handelt es sich unter anderem um die Erhaltung bzw. Wiederherstellung eines ausreichenden Ausmaßes an naturnahen Flussabschnitten, für Fischpopulationen durchgängigen Fluss- und Augewässersystemen sowie Klein- und Kleinstgewässern. Neben Stilllegungs- bzw. Brachflächen im ackerbaudominierten Offenland sollen auch große offene Wasserflächen erhalten werden. Weitere Ziele liegen in der Erhaltung von naturnahen Beständen von Auwald, Totholz, Feuchtwiesen und Überschwemmungsflächen und Sandlebensräumen. Auch eine Förderung von strukturreichen Kulturlandschaften im Anschluss an den Auwald soll stattfinden.

Literatur

  • Fließende Grenzen. Lebensraum March-Thaya-Auen. Umweltbundesamt, Wien 1999, ISBN 3-85457-487-8.
Commons: March-Auen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks