Maria-Curie-Skłodowska-Museum

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Das Maria-Curie-Skłodowska-Museum (polnisch Muzeum Marii Skłodowskiej-Curie) ist ein Museum in der Ulica Freta 16 in der Warschauer Neustadt im polnischen Warschau, das dem Leben und Werk der polnischen zweifachen Nobelpreisträgerin Marie Curie (1867–1934) gewidmet ist, die die chemischen Elemente Polonium und Radium entdeckte.

Das Museum (2018)

Geschicht des Museums

Mural am Museum (2011)

Das Museum befindet sich im Geburtshaus der Physikerin und Chemikerin Marie Curie, die dort als Maria Salomea Skłodowska im damals zu Russland gehörigen Teil Polens aufwuchs.[1] Marie Curie begann Ende 1891 ein Studium an der Sorbonne in Paris, das sie mit Lizenziaten in Physik und Mathematik abschloss. Später entdeckte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Curie im Rahmen ihrer Forschungen die chemischen Elemente Polonium und Radium, wofür ihr 1903 ein anteiliger Nobelpreis für Physik und 1911 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen wurde.

Vorgeschichte

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gab es nach dem Tod von Marie Curie 1934 Überlegungen, im 1932 gegründeten Narodowy Instytut Onkologii im. Marii Skłodowskiej-Curie – Państwowy Instytut Badawczy (radiologisches Institut) in der Wawelska-Straße 15 in Warschau ein biographisches Museum zu ihren Ehren einzurichten, basierend auf den Sammlungen ihrer Schwestern. Diese enthielten unter anderem die Korrespondenz Curies, Fotos und Familiendokumente, Notizbücher mit Gedichten, ihre Übersetzungen und Zeichnungen, ihre Notizen aus Adam Mahrburgs Vorlesungen über Psychologie und Ethik, Tagebücher ihres Vaters Władysław und ihrem Bruder Józef sowie Porträts und eine ihrer Halsketten. Das Wohnhaus in der Ulica Freta und das radiologische Institut wurden während des Warschauer Aufstands schwer beschädigt und Sammlungsgegenstände wurden zerstört oder gingen verloren. Das Wohnhaus wurde später wieder aufgebaut.[2]

Im Jahr 1951 schenkte Marie Curies Tochter Irène Joliot-Curie, die zweite weibliche Nobelpreisträgerin in der Geschichte der Naturwissenschaften, dem Nationalmuseum Warschau eine bedeutende Sammlung wertvoller Erinnerungsstücke, darunter Instrumente aus dem Labor ihrer Eltern, Marie Curies Briefwechsel mit Vertretern der polnischen Wissenschaft, Dokumente, Fotografien, wissenschaftliche Arbeiten und persönliche Gegenstände, verbunden mit der Bitte, sie einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das polnische Ministerium für Kultur und Kunst verwahrte die Sammlung im Nationalmuseum.[2]

Maria-Skłodowska-Wissenschaftlerhaus

Am 7. Oktober 1954 wurde in der Ulica Freta 16 das Maria-Skłodowska-Wissenschaftlerhaus eröffnet, in dem eine Marie Curie gewidmete Ausstellung stattfand. Sie wurde von Irène Joliot-Curie eröffnet,[3] unter Teilnahme ihres Ehemanns, des Nobelpreisträgers Frédéric Joliot-Curie und Eugénie Cotton, eine Physikerin und ehemalige Schülerin von Marie Curie.[2] Das Haus wurde Sitz des Komitees für Orientalistik der Polnischen Akademie der Wissenschaften, der Polnischen Gesellschaft für Orientalistik, des Instituts für Orientalistik der Polnischen Akademie der Wissenschaften und der Redaktion von „Przegląd Orientalistyczny“. Das Gebäude beherbergte außerdem die Polnische Biochemische Gesellschaft und die Polnische Chemische Gesellschaft, die sich für die Errichtung eines Museums für MArie Curie einsetzten.[3]

1956 wurde die Ausstellung in das Technische Museum Warschau verlegt. Die dort deponierten Sammlungen und die Schenkung ihrer Tochter bildeten den Grundstein für die heutige Sammlung des Museums. Auf Bestreben der polnischen Chemischen Gesellschaft (PTChem), deren Ehrenmitglied Marie Curie seit 1924 war, nahmen Planungen zur Schaffung eines angemessenen Museums Gestalt an.[2]

Maria-Curie-Skłodowska-Museum

Das Museum in den 1960er Jahren

Das Museum wurde mit finanzieller Unterstützung unter anderem der Polnischen Akademie der Wissenschaften und der Polnischen Chemischen Gesellschaft zu ihrem hundertsten Geburtstag am 16. Oktober 1967 eröffnet.[2][3] An der Eröffnungsfeier nahm ihre Tochter Eve Curie sowie mehrere Nobelpreisträger teil. Nach der Eröffnung wurden die Sammlungen des Museums durch private Schenkungen erweitert. Erste Kuratorin des Museums war Maria Wróblewska, Radiochemikerin an der Universität Warschau.[2]

Zeitweise war an der Fassade des Geburtshauses von Marie Curie in der Ulica Freta in der Warschauer Neustadt ein Wandgemälde zu sehen, das 2011 zum 100. Jahrestag ihres zweiten Nobelpreises gemalt wurde. Es zeigte Marie Curie im Kleinkindalter auf dem Arm ihrer Mutter, die ein Reagenzglas hält, aus dem die von ihr entdeckten Elemente Polonium und Radium strömen.

Seit dem 1. August 2018 wird das Museum gemäß der „Vereinbarung über die Gründung und den Betrieb des Maria-Skłodowska-Curie-Museums in Warschau als gemeinsame Kulturinstitution“ („Umowy o utworzeniu i prowadzeniu jako wspólnej instytucji kultury Muzeum Marii Skłodowskiej-Curie w Warszawie“) und eines Beschlusses des Warschauer Stadtrats geführt.[2]

Die Museumsausstellung zeigt Marie Curies wissenschaftliches Gesamtwerk. Die meisten Erinnerungsstücke an sie in Warschau wurden 1944 im zerbombten Radiuminstitut zerstört. Zu den erhaltenen Gegenständen gehören etwa Maria Curies private und berufliche Korrespondenz, ihr letzter Schreibtisch und die goldene Uhr ihres Vaters.[4] Eine Besonderheit der Ausstellung ist die Rekonstruktion ihres Labors in Paris. Zudem wird die Geschichte der Chemie in Polen sowie weiterer polnischer Wissenschaftler dargestellt.[5]

Geschichte des Hauses

Das Mietshaus, in dem sich das Museum befindet, entstand um 1791 durch die Zusammenlegung zweier Gebäude und der Umgestaltung der Fassade im Stil eines klassizistischen Stadtpalais im Auftrag des Bankiers Maciej Łyszkiewicz nach den Plänen des Architekten Simon Gottlieb Zug. Die Ursprungsbebäude bestanden aus einem vor 1743 gebautem zweistöckigen Haus und einem nach 1754 angebauten Neubau.[6] Hinter dem Mietshaus wurden unter anderem zwei zweistöckige Nebengebäude errichtet.[3] Ab 1848 beherbergte das Gebäude ein angesehenes Mädcheninternat unter der Leitung von Eleonora Kurhanowicz und ab 1859 unter der Leitung einer Absolventin der Schule, Marie Curies Mutter[1] Bronisława Skłodowska, geborene Boguska. Bis zu ihrem Umzug in die Nowolipki-Straße im Jahr 1868 lebte die Familie vermutlich in einem der Nebengebäude im Hinterhof.[3]

Das Haus 1935 nach Einsturz der Hauswand

Von 1858 bis 1874 gehörte das Gebaude Wilhelm Gerlach, Industrieller und Gründer der Warschauer Maschinenfabrik Gerlach & Pulst. Im Erdgeschoss des Mietshauses befanden sich unter anderem eine Seifenfabrik und eine Apotheke. 1909 war das zweistöckige Haus im Besitz von Jakub Fiszhaut, der es auf fünf Stockwerke aufstocken ließ. Am 29. Mai 1932 wurde anlässlich der Eröffnung des von Marie Curie in Warschau gegründeten Radiuminstituts eine Gedenktafel an der Fassade des Hauses enthüllt, die an ihre Geburt und Entdeckungen erinnerte. Am 31. Juli 1935 stürzte eine Hauswand ein, die fünf Todesopfer und sechzehn Verletzte forderte. „Rund 160 Menschen wurden obdachlos, nachdem Sicherheitskräfte Dutzende Familien aus dem einsturzgefährdeten Gebäude evakuiert hatten. Der Hausverwalter wurde festgenommen, da er Risse in den Wänden des Gebäudes, die sich bereits seit Längerem gebildet hatten, nicht bemerkt und Beschwerden der Bewohner ignoriert hatte“.[6] Das Gebäude wurde danach wieder aufgebaut.[3]

Im Zweiten Weltkrieg befand sich im Gebäude das Hauptquartier der Volksarmee während des Warschauer Aufstands. Bei einem Bombenantreffer am 26. August 1944 starben etwa 100 Menschen. Nach der Beseitigung der Trümmer im Jahr 1946 musste die Vorderwand bis auf eine Höhe von einem Stockwerk abgerissen werden. Die Überreste des Gebäudes bilden heute die Kellerwände und Fundamente. Im Zuge der Sanierung der Ulica Freta zwischen 1950 und 1954 wurden die hinteren Nebengebäude abgerissen und durch Rasenflächen und Plätze ersetzt. Das Haus selbst wurde zwischen 1951 und 1954 wiederaufgebaut. Die beauftragten Architekten Stanisława und Jerzy Dutkiewicz orientierten sich an ikonografischen historischen Vorlagen und gestalteten die Fassade leicht vereinfacht ähnlich dem Vorbild von Ende des 18. Jahrhunderts.[6] Danach waren verschiedene Institutionen im Gebäude untergebracht, unter anderem der Polnische Lehrerverband.[3]

Commons: Maria Skłodowska-Curie Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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