Marija Wsewolodowna Krestowskaja
russische Schriftstellerin in St. Petersburg
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Marija Wsewolodovna Krestowskaja (russisch Мария Всеволодовна Крестовская; * 30. Novemberjul. / 12. Dezember 1862greg. in St. Petersburg, Russisches Kaiserreich; † 24. Junijul. / 7. Juli 1910greg. in Metsäkylä, Großfürstentum Finnland, Russisches Kaiserreich) war eine russische Schriftstellerin.

Leben
Maria war eine Tochter des Schriftstellers Wsewolod Krestowski. Ihr Halbbruder Wassili Krestowski wurde Maler, ihr Halbbruder Igor Krestowski Bildhauer. Sie besuchte zwei Höhere Töchterschulen und ein Mädchengymnasium in St. Petersburg. Danach trat sie als Schauspielerin in mehreren Moskauer Theatern auf, darunter in dem berühmten Korsch-Theater.[1] Seit etwa 1882 lebte Maria Krestowskaja wieder in St. Petersburg. Dort veröffentlichte sie seit 1885 einige Erzählungen. Sie war mit dem bekannten Sänger Fjodor Schaljapin und weiteren Künstlern und Schriftstellern gut bekannt. Die Maler Ilja Repin und Iwan Kramskoi schufen Porträts von ihr. Die Schriftstellerin Tatjana Schtschepkina-Kupernik lebte einige Zeit in ihrem Haus bei St. Petersburg.
Maria Krestowskaja starb 1910 im Alter von 47 Jahren. Ihr Mann Jewgeni Kartawzew benannte den Ort Metsäkylä bei St. Petersburg, in dem sie lebten, in Marioki um, er ließ eine Gedenkskulptur von dem Bildhauer Wsewolod Lischew über ihrem Grab errichten und eine Kapelle Aller Trauernden Freude von dem Architekten Iwan Fomin erbauen.[2] Auch in mindestens zwei deutschen Literaturzeitschriften erschienen kurze Nachrufe auf sie.[3][4] Die russisch-polnische Schriftstellerin Aleksandra Brusztein erwähnte sie in ihrem Roman Der Weg führt in die Ferne (Дорога уходит вдаль).
Werke
Maria Krestowskaja veröffentlichte einige Erzählungen in verschiedenen Zeitschriften (wie Russki Westnik, Westnik Jewropy und Sewernyj Westnik). Ihr größter Erfolg wurde der Roman Артистка (Die Schauspielerin, 1891, 1904²), in dem sie kritisch ihre Erfahrungen im Theater verarbeitete. Zwei Erzählungen erschienen in deutscher Übersetzung.
- Der Sohn, in Die Romanwelt, 1898, 1, dann als Buch im Verlag Vita. Die Romanwelt, Berlin 1899 (kurzer Auszug), als M. Krestowski, übersetzt von Adolf Garbell
- Die Kinder, in Westermanns Monatshefte, 1898, 98, S. 250ff. Digitalisat, übersetzt von Hermann Röhl
Rezeption
Der Anthroposoph Rudolf Steiner empfahl 1899 die Novelle Der Sohn , die in fesselnder Weise, mit seltener Seelendarstellungsgabe geschrieben sei.
„Es ist die Art wirklicher Dichter, den einzelnen Fall so individuell zu gestalten, dass wir einen zweiten nicht finden können, der ihm gleicht, und zugleich eine große Wahrheit auszusprechen, von der wir die Empfindung haben, dass sie sich unzählige Male in der Wirklichkeit zeigt.“[5]
Meyers Konversationslexikon lobte 1891, Maria Krestowskaja entfaltete in mehreren Romanen (...) eine frische, junge Begabung für Schilderung weiblicher Charaktere.[6]
Der Literaturkritiker J. P. Charpentier fand 1893
„Durch wirkungsvoll plastische Darstellung des russischen Lebens zeichnet sich auch das neuestte Werk der fruchtbaren Schriftstellerin Maria Krestowskaja aus: Die Künstlerin. (...) trotz vieler Schönheiten verläugnet es doch nicht seinen Ursprung von Frauenhand.“[7]
Literatur
- Григорьева Н.: Хозяйка Мариоки. In: Нева. 2003. N 6. С. 239–242
- Агапкина Т. П.: Крестовская Мария Всеволодовна. In: Русские писатели, 1800–1917. Биографический словарь, гл. ред. П. А. Николаев. Москва: Большая российская энциклопедия, 1994. Т. 3 К—М. С. 145–146. ISBN 5-85270-112-2