Matthes & Weber

deutsches Chemieunternehmen mit Sitz in Duisburg-Hochfeld From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Matthes & Weber GmbH war ein traditionsreiches deutsches Chemieunternehmen mit Sitz in Duisburg-Hochfeld. Das 1838 gegründete Unternehmen gilt als die älteste synthetische Sodafabrik Deutschlands. Es begann mit der Herstellung von Soda nach dem Leblanc-Verfahren und stellte später auf das Ammoniak-Soda-Verfahren (ähnlich dem Solvay-Verfahren) um.

Schnelle Fakten
Matthes & Weber
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Rechtsform GmbH (zuvor AG, OHG)
Gründung 1. Januar 1838
Auflösung 1999
Auflösungsgrund Liquidation
Sitz Duisburg-Hochfeld, Deutschland
Mitarbeiterzahl ca. 700 (1963)
Branche Chemische Industrie
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1917 übernahm die Düsseldorfer Henkel & Cie. die Aktienmehrheit. Damit wurde Matthes & Weber die erste deutsche Tochtergesellschaft des Henkel-Konzerns. 1994 verkaufte Henkel das Werk an die US-amerikanische D. George Harris & Associates (New York). 1999 folgte die Liquidation der Gesellschaft.[1]

Geschichte

Gründung und frühe Jahre (1838–1870)

1838 gründeten der niederländische Kaufmannssohn Mathieu Elie Matthes und der Duisburger Kaufmann Carl August Weber zusammen mit Friedrich Wilhelm Curtius eine Sodafabrik in Duisburg. Produziert wurde Soda nach dem Leblanc-Verfahren, als Nebenprodukte fielen Salzsäure und Natriumsulfat an.

Das Unternehmen beteiligte sich bereits 1844 an der „Allgemeinen Ausstellung deutscher Gewerbe-Erzeugnisse“ in Berlin. In den 1850er Jahren wurden die Anlagen erweitert und eine Chlorkalkfabrik gebaut. 1856 gehörte Matthes & Weber zu den Gründern der „Soda-Konvention“, einem Kartell der großen niederrheinischen Sodafabriken.

Zeitgenössische Darstellung des Werkes 1 im Jahre 1927

Innovationen und Expansion (1870–1900)

1879 begann die Umstellung auf das Ammoniak-Soda-Verfahren. 1884 errichtete Matthes & Weber eine Versuchsanlage zur Herstellung von Ätznatron und Chlor durch Elektrolyse. 1887 erhielt die Firma ein Patent für das „Elektron-Diaphragmen-Verfahren“.

Am 18. Dezember 1901 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (E. Matthes & Weber AG) mit einem Kapital von 1,5 Millionen Mark.

Henkel-Tochter (1917–1945)

Salztransport per Lorenbahn im Jahre 1937

1917 erwarb Henkel & Cie., Düsseldorf, sämtliche Aktien. Matthes & Weber wurde damit die erste deutsche Tochtergesellschaft Henkels. Trotz Inflation, Ruhrbesetzung und Weltwirtschaftskrise konnte das Unternehmen in den 1920er und 1930er Jahren seine Produktionskapazitäten erheblich steigern. 1933 war die Leistungsfähigkeit gegenüber 1918 versechsfacht.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk durch Bombardierungen zu mehr als 60 % zerstört. 1946 erhielt die Firma die Erlaubnis zum Wiederaufbau.

Nachkriegszeit und Boomjahre (1950–1970)

In den 1950er Jahren begann für Matthes & Weber eine Phase starken Wachstums. Innerhalb von nur vier Jahren vervierfachte sich die Sodaproduktion, die Herstellung von Natriumbikarbonat stieg um das 3,5-fache, und die von Ätznatron sogar um das Achtfache. 1951 wurde die Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Zwei Jahre später nahm das Werk die Produktion von schwerer Soda für die Henkel-Wasserglas-Anlagen auf. Parallel dazu erfolgte der kontinuierliche Ausbau der Infrastruktur: Neue Gleisanlagen wurden verlegt, eine moderne Salzverladebrücke errichtet, und die Zahl der Kalzinierer und Dampfkessel stieg weiter an. Im Jahr 1963 feierte das Unternehmen sein 125-jähriges Bestehen gemeinsam mit rund 700 Beschäftigten, was den Höhepunkt der Nachkriegsentwicklung markierte.

Modernisierung und Rationalisierung (1970–1990)

Blick auf das Chemiewerk im Jahre 1988

Ab den 1970er Jahren investierte Matthes & Weber stark in technische Erneuerungen. 1971 wurde eine neue Natriumbikarbonat-Anlage in Betrieb genommen. 1978 begann zudem ein umfassendes Modernisierungs- und Rationalisierungsprogramm im Umfang von mehr als 50 Millionen DM, das die beiden Sodawerke AS 1 und AS 11 in einer gemeinsamen Großanlage zusammenführte. Doch die zweite Energiekrise von 1979 bis 1981 brachte erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich. In den frühen 1980er Jahren musste die Belegschaft um rund ein Drittel reduziert werden, während gleichzeitig neue Exportmärkte erschlossen und die Abhängigkeit von Öl und Gas verringert wurde. 1987 erhielt das Werk moderne Elektrofilter, die die Rauchgasemissionen deutlich reduzierten; zugleich wurde die Eigenstromerzeugung eingestellt. Ein Jahr später, 1988, konnte das traditionsreiche Unternehmen dennoch sein 150-jähriges Jubiläum begehen. Aus diesem Anlass wurde auf dem Werksgelände ein historischer Dampfkompressor als technisches Denkmal aufgestellt.

Verkauf und Liquidation (1994–1999)

1994 verkaufte Henkel die Tochtergesellschaft an die US-amerikanische Investmentfirma D. George Harris & Associates aus New York. Die neuen Eigentümer konnten den Betrieb jedoch nicht dauerhaft sichern. Ende 1999 wurde die Matthes & Weber GmbH liquidiert, womit die Geschichte der ältesten synthetischen Sodafabrik Deutschlands endete.[1][2]

Nachwirkungen

Auch nach der Stilllegung blieb der Name Matthes & Weber im Duisburger Stadtbild lange präsent: Die DVG-Haltestelle „Matthes & Weber“ in Hochfeld erinnerte an die ehemalige Sodafabrik. Am 27. August 2025 wurde sie im Rahmen eines Netzkostenprojekts der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG und der Stadt Duisburg jedoch in „Recyclingzentrum Mitte“ umbenannt. Damit verschwanden die letzten sichtbaren Spuren des traditionsreichen Unternehmens aus dem öffentlichen Raum.[3]

Einzelnachweise

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