Matthias Lotzmann

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Matthias Lotzmann (* 26. Juli 1962 in Dortmund ist ein deutscher Kantor, Organist, Musikwissenschaftler und Musikpädagoge.

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Matthias Lotzmann an der Orgel

Leben

Seit 1980 absolvierte er an der Hochschule für Musik Westfalen-Lippe in Detmold die Diplomstudiengänge Klavier, Gesang, Orgel, Chor- und Orchesterleitung, Musikwissenschaft sowie Instrumentalpädagogik (Klavier, Gesang) und schloss sie 1989 ab. 2014 promovierte er an der Universität Münster bei Joachim Dorfmüller zum Dr. phil. mit der Dissertation „Das Engelkonzert Mathias Grünewalds in der Symphonie ‚Mathis der Maler‘. Betrachtungen zur künstlerischen Autonomie Paul Hindemiths“ (Prädikat „magna cum laude“).

Er unterrichtete 1990–2003 Klavier, liturgisches Orgelspiel, Musikgeschichte und Partiturspiel an der Musikhochschule Westfalen-Lippe, 2005-2019 Klavier und Partiturspiel an der Folkwang-Universität Essen. 1996 trat er in den Dienst als Kirchenmusiker der Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen, gründete die samstäglichen „Gemarker Marktmusiken“ (578 Konzerte bis 2019) und übernahm 1998 im Rahmen der Gemeindefusion zusätzlich die benachbarte Alte Kirche Wupperfeld.

An dieser Kirche setzte er bis 2017 die Bach-Tradition des u. a. 1926–1935 von Gottfried Grote geleiteten Chores des Barmer Bachvereins fort. So bot er als Künstlerischer Leiter und seit 2005 als Kantor der Bergischen Kantorei Wuppertal gemeinsam mit dem Bergischen Kammerorchester und der Capella Pax Westfalica 120 Bach-Kantaten im Rahmen der jährlich 12 „Wupperfelder Abendmusiken“. Er brachte sich darüber hinaus in der 1999 gegründeten Konzertreihe „Mit Bach durchs Jahr“ sowohl als Cembalist wie auch mit Schwerpunkten im Barock und in der Romantik als Organist ein. 2020 gründete er und leitet seitdem die jährlich mit jeweils bis zu 20 Konzerten und Vorträgen stattfindenden „Barmer Bach-Tage“, in deren Festschriften er umfassende Beiträge zur Bach-Forschung veröffentlichte.

Musik zur Sterbestunde Jesu – eine besondere lutherische Tradition in Wuppertal

In der Alten Kirche Wupperfeld seit 2006, in der Lutherkirche Barmen seit 2017, in der Unterbarmer Hauptkirche seit 2022, in der Christuskirche Elberfeld seit 2025

Der Brauch, am Karfreitag zum Zeitpunkt der Sterbestunde Jesu eine würdige Musik aufzuführen, erwuchs aus der lutherischen Tradition, die diesem Moment eine besondere Bedeutung zumisst. Sie knüpft an die Frömmigkeit der vorreformatorischen Kirche an, die in der Meditation der Wunden Jesu eine besondere Kraft wahrnahm. Im Bedenken der Wunden und des Sterbens des Gottessohnes erhoffte man sich Heilung für die eigene Existenz. Der Karfreitag als höchster lutherischer Feiertag und die Aufwertung des Nachmittags durch eine besondere, dem Anlass angemessene Musik schreibt diesen Zusammenhang fort. Der Nachmittag des Karfreitags birgt somit eine besondere Atmosphäre, die mit der Musik ein gottesdienstliches Gepräge ausstrahlt.

Der Barmer Kantor Matthias Lotzmann hat diese vor dreißig Jahren in der Alten Kirche Wupperfeld gegründete Tradition über die Barmer Lutherkirche, die Unterbarmer Hauptkirche und die Elberfelder Christuskirche fortgeführt. Der rege Zulauf des Publikums zeigte in jedem Jahr, wie ungebrochen groß das Interesse an der „Musik zur Sterbestunde Jesu“ ist. Folgende Werke vom Frühbarock bis in die Wiener Klassik kamen zur Aufführung:

Johann Christoph Friedrich Bach (1732–1795) Miserere in c
Johann Sebastian Bach (1685–1750) Liebster Gott, wann wird‘ ich sterben BWV 8
Jesus nahm zu sich die Zwölfe BWV 22
Wer weiß, wie nahe mir mein Ende BWV  27
Ich will den Kreuzstab gerne tragen BWV  56
Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit („Actus tragicus“) BWV 106
Nach dir, Herr, verlanget mich BWV 150
Christe, du Lamm Gottes (Kyrie) BWV 233a
Missa brevis g-moll BWV 235
Das Musikalische Opfer BWV 1079
Agnus Dei BWV 232
Johann Sebastian Bach /

Giovanni Battista Pergolesi (1710–1736)

 Tilge Höchster, meine Sünden BWV 1051
Dietrich Buxtehude (1637–1707) Membra Jesu nostri BuxWV 75
Gott, hilf mir BuxWV 34
Herr, auf dich traue ich BuxWV 35
Also hat Gott die Welt geliebt BuxWV 5
Christoph Demantius (1567–1643) Johannespassion
Johann Friedrich Fasch (1688–1758)   Johannespassion (1723)
Melchior Franck (1580–1639) Das trostreiche 53. Kapitel aus dem Propheten Jesaja (1636)
Carlo Gesualdo di Venosa (1566–613) O crux benedicta (aus den Sacrae Cantiones, 1603)
Johann Gottlieb Graun (1703–1771) Der Tod Jesu
Christoph Graupner (1683–1767) Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen?
Georg Friedrich Händel (1685–1759) /

Reinhard Keiser (1674–1739)

Johannespassion
Joseph Haydn (1732–1809) „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“
Sinfonien „La passione“, „Lamentatione“
Johann Valentin Meder (1649–1719) Matthäuspassion
Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) Sinfonie Nr. 40 g-moll KV 550
Antonio Scandello (1517–1580)   Johannespassion
Alessandro Scarlatti (1660–1725) Johannespassion

Stabat Mater

Heinrich Schütz (1585–1672) Passionsmotetten aus den Cantiones sacrae op. 4 (1625)                                                                                     
Quid commisisti

Ego sum tui plaga doloris  Ego enim inique egi   Quo, nate Dei Calicem salutaris accipiam

Lukaspassion SWV 480
Johannespassion SWV 481    
Georg Philipp Telemann (1681–1767) Jesus liegt in den letzten Zügen  TWV 1:983
Antonio Vivaldi (1668–1741)   Stabat Mater RV 621
Jan Dismas Zelenka (1679-1745) Miserere in c ZWV 57 

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