Maximilian Waldmann
deutscher Geschäftsmann, Überlebender des Ghettos Theresienstadt und 1945 erster Vorsitzender der neugegründeten jüdischen Gemeinde in Mainz
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Maximilian (Max) Waldmann (geboren 3. Mai 1898 in Mainz; gestorben 31. Mai 1960 ebendort) war ein deutscher Geschäftsmann, Überlebender des Ghettos Theresienstadt und 1945 erster Vorsitzender der neu gegründeten Jüdischen Gemeinde in Mainz.
Leben
Maximilian, der sich Zeit seines Lebens nur Max nannte, wurde in Mainz als Sohn einer angesehenen Mainzer Kaufmannsfamilie geboren. Als 18-Jähriger meldete er sich 1916 als Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg zum Militär. Er kämpfte unter anderem in der Schlacht an der Somme und vor Verdun. Im März 1918 erlitt er eine schwere Kopfverletzung, die eine linksseitige Blind- und Taubheit hervorrief und ihn lebenslang beeinträchtigte. Er beendete den Krieg als Unteroffizier der Reserve und erhielt für seine Einsätze an der Front das Eiserne Kreuz II. Klasse sowie weitere Auszeichnungen. Im Jahr 1935 wurde ihm das Ehrenkreuz des Weltkrieges für Frontkämpfer verliehen.
Nach dem Ersten Weltkrieg beteiligte sich Max Waldmann an dem bereits 1889 gegründeten Familienunternehmen, das mittlerweile neben Mainz an drei weiteren Standorten, unter anderem in Wiesbaden, vertreten war. Das Unternehmen führte er gemeinsam mit seiner Mutter Hermine, seinem Bruder Siegfried und dessen Frau. Nach 1933 wurde die Unternehmensführung der jüdischen Familie Waldmann zunehmend durch die nationalsozialistische Judenverfolgung behindert und eingeschränkt. Im Rahmen der Arisierung in Mainz musste die Familie das Unternehmen 1935 unter Zwang aufgegeben.
Im August 1939 heiratete Max Waldmann die 34-jährige Witwe Ruth Hilble, geborene Zürndorfer, die aus Rexingen zu ihm nach Mainz zog. Beide waren sich einig, Deutschland zu verlassen und in die Vereinigten Staaten zu emigrieren. Ihr Ausreiseantrag wurde von dem zuständigen Konsul in Stuttgart allerdings abgelehnt. Die Begründung war wie bei allen anderen auswanderungswilligen jüdischen Schwerkriegsbeschädigten in Deutschland: „Weil Maximilian Waldmann für Deutschland gekämpft hat, soll Deutschland auch für ihn sorgen!“[1] 1940 wurde der Sohn Jona (genannt Jonny) geboren. Kurz darauf musste die Familie Waldmann aus ihrer Wohnung ausziehen und sich mit zwei anderen jüdischen Familien eine zugewiesene Wohnung teilen.
Ende 1942 mussten sich Max Waldmann und seine Familie in Vorbereitung einer weiteren Deportation Mainzer Juden in einem Sammellager in Darmstadt einfinden. Einen Tag vor der Deportation war Max Waldmann gezwungen, einem Gestapobeamten auf seine Aufforderung hin seine ihm verliehenen Orden und Ehrenzeichen zu übergeben; eine Demütigung, die allen deportierten Frontkämpfern widerfuhr. Am 10. Februar 1943 wurde er zusammen mit 17 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus Mainz und dem rheinhessischen Umland sowie 36 weiteren Jüdinnen und Juden aus dem Volksstaat Hessen deportiert. Ziel des Transports war das Ghetto Theresienstadt. Seine Frau Ruth Waldmann wurde als Küchenhilfe in der Lagerküche eingesetzt und konnte dadurch sich, ihren Mann und ihr Kind vor dem Hungertod bewahren. Seine Mutter Hermine Waldmann starb in Theresienstadt, sein Bruder Siegfried und dessen Frau in einem der Vernichtungslager im Osten.
Max Waldmann überlebte zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn die Zeit in Theresienstadt. Am 10. Juli 1945 wurden sie zusammen mit 21 anderen Mainzer Überlebenden mit einem Bus in ihre Heimatstadt zurückgebracht.[2] Max Waldmann und seine Familie blieben trotz aller schrecklichen Erlebnisse in Mainz. Er übernahm bei der von Michel Oppenheim initiierten Neugründung der Jüdischen Gemeinde Mainz durch rund 20 Überlebende am 5. November 1945 für kurze Zeit das Amt des ersten Vorsitzenden. Ihm folgte später (vor Mitte 1947) Max Grünfeld, ebenfalls ein Überlebender des Holocaust in Mainz.
Max Waldmann starb am 31. Mai 1960 in Mainz. Im Sommer 1981 starb Ruth Waldmann, ihr Sohn Jonny erlag Ende 1980 den Spätfolgen seiner in Theresienstadt erlittenen Gesundheitsschädigung. Peter Waldmann, Sohn von Jona Waldmann und Enkel von Max Waldmann ist stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Mainz.[3]
Literatur
- Michael Berger/Gideon Römer-Hillebrecht (Hrsg.): Juden und Militär in Deutschland. Zwischen Integration, Assimilation, Ausgrenzung und Vernichtung. Forum 31, Nomos Verlag, S. 163
Weblinks
- Stolpersteine Ulm – Familien Zürndorfer und Waldmann