Meerfenchelblättrige Schafgarbe

Art der Gattung Schafgarben (Achillea) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Meerfenchelblättrige Schafgarbe (Achillea crithmifolia), auch Meerfenchel-Schafgarbe und Meerfenchelblättrige Garbe genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schafgarben (Achillea) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).[1] Sie ist in Südosteuropa verbreitet und wird gelegentlich als Zierpflanze genutzt.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Meerfenchelblättrige Schafgarbe

Meerfenchelblättrige Schafgarbe (Achillea crithmifolia)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae
Gattung: Schafgarben (Achillea)
Art: Meerfenchelblättrige Schafgarbe
Wissenschaftlicher Name
Achillea crithmifolia
Waldst. & Kit.
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Beschreibung

Austreibende Stängel
Blütenstand von oben
Illustration der Erstbeschreibung in Descriptiones et icones plantarum, Tafel 66 (1802)

Vegetative Merkmale

Die Meerfenchelblättrige Schafgarbe ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 15 bis 55 Zentimetern erreicht. Sie bildet ein kriechendes, braunes Rhizom und Wurzelsprosse.[1] Die oberirdischen Pflanzenteile riechen aromatisch und sind wollig bis filzig behaart, wodurch sie grau erscheinen. Die aufrechten bis aufsteigenden, meist unverzweigten Stängel sind manchmal rötlich überlaufen.[2]

Die Grundblätter sind dreifach fiederschnittig und haben linealische Fiederblättchen.[2] Ihre Endzipfel sind sehr fein und fädlich. Die Endzipfel der wechselständig angeordneten Stängelblätter sind deutlich gröber, etwa ein Millimeter breit. Ihre Blattspindel ist geflügelt und ganzrandig. Die unteren Stängelblätter sind kurz gestielt und bei einer Länge von 10 bis 15 Zentimetern länglich-lanzettlich. Die oberen Stängelblätter sind kürzer und sitzend, eiförmig bis lanzettlich. Ihre Fiedern sind ein- bis zweifach, selten dreifach fiederschnittig mit meist vier, selten bis zu zehn Zähnen pro Seite.[1][3]

Generative Merkmale

Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Oktober.[1] Der doldenrispige, flache bis leicht gewölbte Gesamtblütenstand ist 3 bis 7 Zentimeter im Durchmesser und enthält zahlreiche körbchenförmige Teilblütenstände. Die eiförmigen Hüllblätter sind matt-grün und behaart.[3] Die Spreublätter sind länglich, spitz und trockenhäutig, etwas zerfasert und auf dem Rücken mit einer grünlichen Linie versehen.[2]

Die Blütenkörbchen enthalten vier bis fünf weibliche, weiße bis gelbliche Zungenblüten und 15 bis 18 zwittrige, gelbe Röhrenblüten. Die Zungenblüten sind kürzer als die Hülle. Die Röhrenblüten ragen nur wenig über den Kelch hinaus. Die fünflappige Krone hat eine leicht dreikantige, blassgrünlich-gelbe Kronröhre, einen kantigen, gelblich-weißen Rand und spitze, ausgebreitete, später zurückgerollte Kronzipfel. Der unterständige Fruchtknoten ist länglich und zusammengedrückt. Der weiße bis durchsichtige Griffel ist länger als der Fruchtknoten. Die zwei Narben sind ausgebreitet, an der Spitze ausgerandet und blass-gelblich gefärbt. Die fadenförmigen, weißen Staubblätter tragen am oberen Ende kurze, gelbe Staubbeutel.[2][3]

Chromosomensatz

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es liegen Diploidie und Tetraploidie mit Chromosomenzahlen 2n = 18 und 36 vor.[1]

Vorkommen

Die Meerfenchelblättrige Schafgarbe ist in Südosteuropa verbreitet. In Frankreich, Deutschland und Österreich ist sie ein lokal eingebürgerter Neophyt.[4][1] In Polen, in der Slowakei, Schweiz und Italien ist sie unbeständig verwildert.[5] In Mitteleuropa hat sie nur in Tschechien ursprüngliche Vorkommen.[6]

Im natürlichen Verbreitungsgebiet besiedelt sie steinige und sandige Böden, trockene Wiesen, Felder, Gebüsche und lichte Eichenwälder.[2][7] Als Neophyt besiedelt sie vor allem nährstoffreiche Ruderalstandorte wie Schutt- und Umschlagplätze, Eisenbahngelände sowie Kletten- und Stinknessel-Fluren im Siedlungsbereich.[8][7]

Inhaltsstoffe

Das ätherische Öl der Blüten enthält mehr als 20 verschiedene flüchtige Verbindungen, wobei sauerstoffhaltige Monoterpene die häufigste Verbindungsklasse darstellen. Zu den Hauptbestandteilen zählen 1,8-Cineol, Thujone, p-Cymol, Ascaridol, Sabinen und α-Pinen, wobei die Zusammensetzung vom Fundort der Pflanzen und ihrem Ploidiegrad abhängt. So ist bei diploiden Formen 1,8-Cineol mit einem Anteil von über 40 % der Hauptbestandteil, während bei tetraploiden Formen auch andere Verbindungen wie Campher und Borneol überwiegen können.[9]

Im Vergleich zu den antimikrobiellen und toxischen Eigenschaften anderer Achillea-Arten, wie der Gewöhnlichen Schafgarbe, ist das ätherische Öl der Meerfenchelblättrige Schafgarbe sowohl als antimikrobielles Mittel weniger wirksam als auch für eukaryotische Zellen weniger toxisch.[10]

Taxonomie und Systematik

Die Erstveröffentlichung von Achillea crithmifolia erfolgte 1802 durch Franz Adam von Waldstein und Pál Kitaibel in Descriptiones et Icones Plantarum Rariorum Hungariae, Band 1, Beschreibung auf Seite 68 und Illustration auf Tafel 66.[2] Das Artepitheton crithmifolia bedeutet „mit Crithmum (Meerfenchel)-ähnlichen Laubblättern“.

Die Meerfenchelblättrige Schafgarbe ist eng mit der Leberbalsam-Schafgarbe, der Goldquirl-Schafgarbe (Achillea clype.öolata), der Gold-Schafgarbe und der Edlen Schafgarbe verwandt. Diese und weitere Arten werden der Sektion Achillea sect. Achillea s. l. zugeordnet. Charakteristisch für diese Sektion sind flache, fiederschnittige Laubblätter und zahlreiche kleine Blütenkörbe mit meist nur fünf bis sechs kurzen Zungenblüten von gelber, gelblicher oder weißer Farbe.[11]

Ein homotypisches Synonym von Achillea crithmifolia Waldst. & Kit. ist Chamaemelum crithmifolium (Waldst. & Kit.) E.H.L.Krause. Heterotypische Synonyme sind Achillea bannatica Kit. ex DC., Achillea bulgarica (Degen & Urum.) Ujhelyi, Achillea doerfleri Hayek und Achillea smithii Hayek.[5]

Verwendung

Die Meerfenchelblättrige Schafgarbe wird gelegentlich als Zierpflanze genutzt.[3] Sie eignet sich besonders für naturnahe Gärten, Kies- und Steingärten. Sie gilt als unaufdringliche Begleitstaude, die andere, farbkräftigere Blüten gut zur Geltung bringt, und kann in naturnahen Staudenbeeten und Wiesen beispielsweise gut mit Berg-Reitgras, Acker-Glockenblume und Russischem Natternkopf kombiniert werden.[12]

Die Meerfenchelblättrige Schafgarbe bevorzugt offene, sonnige bis halbschattige Standorte in durchlässigen Böden, verträgt aber auch andere Standorte, mit Ausnahme von schweren, nassen Lehmböden. Sie gilt als winterhart bis −20 °C (Zone 6b).[13]

Einzelnachweise

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