Melitta Sundström

deutscher Sänger und Travestiekünstler From Wikipedia, the free encyclopedia

Melitta Sundström (* 31. Oktober 1963; † 8. September 1993 in Berlin; bürgerlich Thomas Gerards, weiteres Pseudonym Hanne Fisch) war ein deutscher Unterhaltungskünstler.

Melitta Sundström singt bei der Modenschau von BeV StroganoV vor dem Café Swing am Nollendorfplatz, Berlin 1987

Leben

Melitta Sundström bei Proben im Waldschlößchen zum Theaterstück Die Schönheit, 1987

Thomas Gerards stammte aus Bad Kreuznach. Nach seinem Umzug nach Berlin trat er als Tunte Melitta Sundström in den schwulen Szene-Lokalitäten Berlins, zum Beispiel dem SchwuZ und Café Graefe, auf.[1][2][3] Er gründete zusammen mit Melitta Poppe, Pepsi Boston, Chou Chou de Briquette, Ichgola Androgyn, Tima die Göttliche und BeV StroganoV sowie weiteren Beteiligten das Tuntenensemble Ladies Neid.[4] Sundström bezeichnete sich als „Soul-Tunte“[3].

Im queeren Berliner Stadtmagazin Siegessäule schrieb Gerards unter dem Pseudonym Hanne Fisch mehrere Jahre lang für verschiedene Rubriken.[3][1] 1987 übernahm er in der Uraufführung des Theaterstückes Die Schönheit von Ronald M. Schernikau im SchwuZ die männliche Hauptrolle.[3] Ab 1990 trat er als Melitta Sundström mit den Soloprogrammen Mein Kampf – Krämpfe einer Damendarstellerin und Ein Leben im Liegen (u. a. im BKA-Theater, Berlin und Schmidt Theater, Hamburg) auf.[1]

Gerards war mit HIV infiziert und thematisierte dies in seinen Auftritten und Liedern als Melitta Sundström.[1][2][5] Nur vier Tage vor seinem Tod veröffentlichte er das Album Sundström, welches Die Tageszeitung (taz) in einer lobenden Rezension als „Vermächtnis“[6] bezeichnete.[6] Das Musikalbum besteht aus selbstverfassten deutschen Texten, die Sundström zu Melodien unter anderem von Diana Ross, Sezen Aksu und ABBA vorträgt. Zudem umfasst es Coverversionen, zum Beispiel von What a Diff’rence a Day Makes.[7]

Am 8. September 1993 erlag Thomas Gerards den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS.[2] Er ist in Meisenheim (Glan) in Rheinland-Pfalz begraben.[2]

Veröffentlichungen

  • 1988: Melitta Sundström, EP
  • 1993: Sundström, Album

Filmografie

Gedenken

Melitta Sundström/Thomas Gerards, Grab 2014
Café Melitta Sundström, Mehringdamm 61, Berlin-Kreuzberg, boasting the „Pink Triangle“ and the historic sign of the (Prinz) Eisenherz book store.
Schild des Cafés Melitta Sundström, Mehringdamm 61 in Berlin, 2017

Im März 2013 brachte die SPD-Fraktion im Bezirk Tempelhof-Schöneberg einen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung ein, nach dem die Grünanlage an der Ecke Eisenacher Straße und Fuggerstraße in Melitta-Sundström-Platz benannt werden sollte.[9] Im Oktober 2016 beriet der Kulturausschuss den Antrag. Die SPD-Fraktion zog ihn jedoch zurück, weil sie befürchtete, keine Mehrheit zu erhalten.[10]

2019 forderte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg eine Umbenennung mehrerer nach preußischen Generälen benannter Straßen.[11] Der Antragssteller Werner Heck schlug als möglichen Alternativnamen der Yorckstraße einen „Melitta-Sundström-Boulevard“ vor.[12] Die Idee wurde nicht umgesetzt (Stand: November 2025).

Der Name des Cafés Melitta Sundström, eines der ältesten Szenecafés Berlins, am Mehringdamm 61 in Berlin-Kreuzberg erinnert an den Künstler.[2][13]

Der Berliner Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz trägt in den Hausnamen „Erzmutterhaus Sankta Melitta Iuvenis“, also die Heilige Melitta die Jüngere, um eine Verwechslung mit der älteren Melitta Poppe zu vermeiden.[2]

Das SchwuZ veröffentlichte 2017 eine limitierte CD mit Sundströms gesammelten Liedern.[5]

Kurz nach Sundströms Tod 1993 widmeten Rosenstolz ihr bei einem Auftritt das Lied Lachen. Beide waren mehrfach gemeinsam in Berlin und Hamburg aufgetreten. Peter Plate schrieb das Lied am Tag von Sundströms Tod „in der Auseinandersetzung mit Aids“[14.1] und dem Verlust eines geliebten Menschen.[14.2]

Commons: Melitta Sundström – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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