Metz-Werke
Deutscher Unternehmensverbund, der sich auf die Fertigung von Unterhaltungselektronik spezialisiert hatte
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Die Metz-Werke waren ein deutsches Unternehmen der Unterhaltungselektronik mit Sitz in Zirndorf bei Nürnberg. Das Unternehmen fertigte Fernseher, Blitzgeräte und Kunststofftechnik. Nach der Insolvenz im November 2014 wird die Gesellschaft seit Anfang 2015 liquidiert. Einzelne Geschäftsbereiche wurden von anderen Unternehmen übernommen und bestehen als eigenständige Gesellschaften weiter.
| Metz-Werke GmbH & Co. KG | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH & Co. KG |
| Gründung | 1938 |
| Auflösung | 2015 |
| Auflösungsgrund | Insolvenz, Aufspaltung |
| Sitz | Zirndorf, Deutschland |
| Leitung | Norbert Kotzbauer Manfred Billenstein |
| Mitarbeiterzahl | 586 (2013)[1] |
| Umsatz | 71,6 Mio. Euro (2013)[1] |
| Website | www.metz.de |

Geschichte
Gründung und Kriegsjahre (1938–1945)
Am 28. November 1938 wurde das Unternehmen von Paul Metz in Nürnberg gegründet.[2] Ab 1939 wurde das Fertigungsprogramm für Carl Zeiss um die Produktion von elektronischen Zielsuchgeräten für Jagdflugzeuge erweitert. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden Kurzwellensender und -empfänger sowie sonstige Funktechnik produziert.[3]
Wiederaufbau und Expansion (1945–2010)
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Produktion von Hörfunkgeräten zunächst untersagt, weswegen Metz vorübergehend die Produktion von Kochplatten aufnahm. 1947 begann dann der unternehmerische Neustart mit der Produktion von Radiogeräten im neu geschaffenen Unternehmensbereich Radiotechnik,[3] der Mitte der 1970er Jahre in Unterhaltungselektronik umbenannt wurde.
Von 1952 an produzierte Metz universelle Blitzgeräte für Fotoapparate; 1955 war Produktionsstart für Fernseher. 1957 erfolgte der Bau eines Tonmöbelwerkes für Holzgehäuse, das 1969 um eine Kunststoff-Fertigung erweitert wurde.[4][3]
1993 starb Gründer Paul Metz und das Unternehmen wurde von der 69-jährigen Witwe Helene Metz fortgeführt.[4] Erst 2010 zog diese sich aus dem operativen Geschäft zurück.[5]
Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Insolvenz (2010–2015)
Nachdem das Unternehmen lange Zeit unter dem Preisdruck der asiatischen Konkurrenz gelitten hatte, wurde am 19. November 2014 beim Amtsgericht Fürth Insolvenz beantragt.[6][7][5] Im Januar 2015 teilte das Unternehmen mit, dass etwa 110 der noch 540 Arbeitsplätze abgebaut werden sollten.
Nach der Insolvenz der Metz-Werke GmbH & Co. KG kam es Anfang 2015 zur Aufspaltung in zwei Unternehmen. Die Fernsehsparte wurde vom chinesischen Elektronikkonzern Skyworth übernommen[8][9] und wird seitdem als Metz Consumer Electronics GmbH weitergeführt.[3][9] Skyworth erwarb Metz im Zuge seines internationalen Wachstumskurses und übernahm 152 der damaligen 219 Mitarbeiter der TV-Sparte. Norbert Kotzbauer blieb Geschäftsführer und auch der Standort in Zirndorf blieb bestehen.[9][10]
Die weiteren Sparten der Metz-Werke, nämlich Blitzgeräte und Kunststofftechnik, wurden von der Daum-Gruppe übernommen und in die neu gegründete Metz mecatech GmbH überführt.[10][11] Der Kaufpreis wurde nicht öffentlich bekanntgegeben.[10]
Nachfolgeunternehmen
Stand 2025 bestehen zwei Unternehmen mit direktem Bezug zu den ehemaligen Metz-Werken:
- Metz Consumer Electronics GmbH (Skyworth): produziert Fernseher unter den Marken Metz Classic und Metz Blue.[9][3][12]
- Metz Mobility GmbH: Sie ist ein 2021 gegründetes Unternehmen mit Sitz in Fürth, das zur Daum-Gruppe gehört. Sie entstand nach der Insolvenz der Metz mecatech GmbH. Metz Mobility übernahm einzelne Produktionslinien der Metz mecatech, darunter den E-Scooter Moover.[13]
Geschäftsbereiche
Unterhaltungselektronik

1950 verfügte Metz über ein komplettes Rundfunkgeräteprogramm vom Kleinst-Super bis zum Musikschrank. 1954 folgte die Produktion des „Babyphon“, einer batteriebetriebenen Rundfunk-Phono-Kombination sowie des ersten Kofferradios mit Plattenspieler. 1955 begann die Fernsehgeräteproduktion.[3]
1958 wurden die ersten Hifi-Geräte vertrieben und in den 1960er-Jahren kamen Farbfernseher und Tonbandgeräte hinzu. Daran schloss sich eine Serie von Hörfunkspots an, mit dem markanten Werbeslogan „Allmächd, Rainer, an Metz mächert ich aa“,[14] der aufgrund seiner Bekanntheit noch 2009 und 2018 namensgebend für Metz-bezogene Ausstellungen in Fürth wurde.[15][16]
1989 begann die Sortimentsergänzung durch VHS- und S-VHS-Camcorder und -Videorecorder. Ab 1998 besaßen alle Fernsehgeräte die 100-Hertz-Technologie. 2001 stellte Metz Plasmafernseher vor, 2003 kamen Harddisc-Recorder mit Timeshift und Background-Recording-Funktion auf den Markt, 2005 eigene LCD-Geräte und ab 2008 Full-HD-Modelle mit integriertem Festplattenrecorder. Im Jahr 2011 stellte das Unternehmen die Vernetzungslösung Metz Media System vor und erweiterte das Fernsehersortiment um 3D-fähige Produktfamilien.[17] Mit mecaControl wurde auf der IFA 2012 eine Bedien-App zur Steuerung von Metz-Fernsehern via Smartphones und Tablets präsentiert.[18]
Nach der Insolvenz wurde die Metz Consumer Electronics GmbH zur Weiterführung des Geschäftsbereichs gegründet. Unter dem Markennamen Metz Classic vertreibt das Unternehmen Fernseher mit Entwicklung und Fertigung in Deutschland. Daneben existiert die Marke Metz Blue,[12] unter der Geräte mit Android-Betriebssystem angeboten werden; diese Modelle werden überwiegend in Polen produziert.[19] Seit 2023 gehören zum Angebot auch Photovoltaikanlagen sowie Zubehör wie Akkus und Wechselrichter.[20]
Blitzgeräte

Seit 1952 fertigte Metz Blitzgeräte im Auftrag von Agfa und Carl Braun. 1957 wurde das erste Transistoren-Elektronenblitzgerät der Welt vorgestellt, das „mecablitz 100“. 1982 lief das fünfmillionste Blitzgerät vom Band. 1994 wurde das Blitzgerät „mecablitz 50 MZ-5“ eingeführt; erstmals wurde ein Metz-Blitzgerät von drei Mikrocontrollern gesteuert. Um Blitzgeräte an die unterschiedlichen elektronischen Steuerungen verschiedener Kameramodelle anpassen zu können, entwickelte Metz 1986 zusammen mit Bosch, Agfa und Philips SCA-Adaptersysteme wie SCA-3000 und SCA-3002. 1998 wurde auf der photokina das kleinste Blitzgerät der Welt mit hoher Lichtleistung und einfachster 2-Tasten-Bedienung präsentiert. 2002 wurde das zehnmillionste Blitzgerät verkauft. 2012 wurden bei Metz zwei neue Geschäftsbereiche eingeführt: mecalight, für Studioleuchten, und mecastudio, für Ausleuchtungsprogramme.[21] 2013 löste der mecablitz 64 AF-1 digital mit grafischem Touch-Farbdisplay den 58 AF-2 digital ab. Metz zählte zu den drei größten Blitzgeräte-Herstellern der Welt, damals wurden Metz-Blitzgeräte in über 90 Länder exportiert.[4][3] Als erste weltweit wurden Metz-Blitzgeräte mit einer USB-Schnittstelle ausgestattet, über die sich die Firmware via Computer und Internet aktualisieren ließ.
Die Blitzgeräte waren Bestandteil der Metz-Werke und wurden nach der Insolvenz 2015 von der Daum-Gruppe übernommen und in die Metz mecatech GmbH überführt,[11][22] wodurch der Name Metz mecatech bestehen blieb. Im September 2020 meldete die Metz mecatech GmbH jedoch ebenfalls Insolvenz an, und die Produktion wurde eingestellt.[22]
Kunststofftechnik
Die 1969 gegründete Kunststofffertigung belieferte interne und externe Kunden. Produziert wurden großvolumige Spritzgussteile, die sowohl an Unternehmen der Unterhaltungselektronik als auch an den Automobilsektor geliefert wurden.[23][24] Zum Einsatz kamen verschiedene Verfahren wie Kompakt-Spritzgießen, Gasinnendruck-Spritzgießen und Thermoplast-Schaumgießen sowie Ultraschall-Schweißen und Warm-Einbetten. Auch das In-Mold-Verfahren gehörte zum Angebot.[25]
Für die Oberflächenbehandlung nutzte Metz sowohl Lackierungen auf Wasser- als auch auf Lösemittelbasis. Diese wurden teilweise automatisiert mit Systemen von ABB, AKR und DETE aufgetragen oder in Handspritzkabinen manuell ausgeführt. Ergänzend kamen Bedruckung im Tampondruckverfahren sowie Heißprägung zum Einsatz.[25]
Nach der Insolvenz 2015 wurde der Bereich von der Metz mecatech GmbH übernommen, im Rahmen der Insolvenz der Metz mecatech 2020 wurde dieser jedoch eingestellt.[26]
Weblinks
- Website der Metz-Werke
- Website METZ blue
- Familienunternehmen Metz: „Des passt scho“. Wie sich ein kleines Familienunternehmen gegen große Konkurrenten behauptet. In: Die Zeit, Nr. 11/2011
