Michele Ranchetti

italienischer Historiker und Übersetzer From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben

Ranchetti hatte in seiner Kindheit Musik- und Deutschunterricht. Während des Zweiten Weltkrieges besuchte er die Malschule von Alfredo Colombo. 1946 schrieb er sich an der Fakultät für Architektur der Universität Mailand ein, brach das Studium jedoch im folgenden Jahr ab und entschied sich stattdessen für Literatur und Philosophie. Er studierte Geschichte und verteidigte 1949 seine von Federico Chabod betreute Dissertation mit dem Titel Contributo alla storia del pensiero politico: la Vita civile di Matteo Palmieri. Nach einer Zeit als Assistent von Giuseppe Martini am Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte wurde er 1950 Sekretär von Adriano Olivetti und Leiter der Werksbibliothek in Ivrea.

1953 verließ er Olivetti und wurde Illustrator bei der Mailänder Tageszeitung Il Giorno. 1956 übernahm er die Leitung der Librerie Feltrinelli und die redaktionelle Beratung des Verlages Feltrinelli. 1963 wurde er von Delio Cantimori an die Universität Florenz berufen und wurde dort nach dessen Tod 1966 Professor für Kirchengeschichte. Dort unterrichtete er bis zu seiner Emeritierung 1992.

Für das Verlagshaus Einaudi übersetzte er 1958 die Letzten Briefe aus Stalingrad. Im Folgejahr illustrierte er für den Verlag Feltrinelli eine Ausgabe von François Villons Gedichten. Mit Franco Rodano und Claudio Napoleoni arbeitete er an der Vierteljahreszeitschrift „Rivista Triestrale“ zusammen, wo 1963 seine ersten Gedichte erschienen. 1966 redigierte er für den Verlag Bollati Boringhieri die Ausgabe der Werke Sigmund Freuds. Für Adelphi Edizioni entwarf er den Einband zur Reihe Biblioteca Adelphi, und er veröffentlichte dort 1967 seine Übersetzung von Ludwig Wittgensteins Vorlesungen und Gespräche über Ethik, Psychologie und religiöse Erfahrung.

Für die 1972 bei Vallecchi erschienene Enciclopedia delle religioni verfasste er die Artikel Modernismus, Scholastik und Gnosis. In Zusammenarbeit mit Michael Nedo veröffentlichte er 1983 in Frankfurt die Biographie Ludwig Wittgenstein. Sein Leben in Bildern und Texten. 1996 verfasste er das Kapitel Theologie für den von Corrado Stajano herausgegebenen Band La cultura italiana del Novecento. 1998 gab er die italienische Ausgabe von Victor Klemperers LTI – Notizbuch eines Philologen (LTI. La lingua del Terzo Reich. Taccuino di un filologo) heraus und verfasste das Vorwort zu Paul Roazens Freud e i suoi seguiri. Mit Conseguito silenzio begann er die Zusammenarbeit mit Jutta Leskien an der Übersetzung der postum veröffentlichten Gedichte Paul Celans. Für den letzten Band Sotto il tiro di presagi (2001) wurden sie 2002 mit dem Premio Monselice für die Übersetzung ausgezeichnet. Mit Leskien übersetzte er auch Rilkes Duineser Elegien. Eine Sammlung von Reproduktionen seiner Zeichnungen und Gemälde wurde 2002 unter dem Titel Scritti in figure in Rom gezeigt. Im Februar 2008 starb Ranchetti an Leukämie.

Werke

  • Cultura e riforma religiosa nella storia del modernismo, 1963
  • Gli ‘ultimi preti’. Figure del cattolicesimo contemporaneo, 1997
  • Non c’è più religione. Istituzione e verità nel cattolicesimo italiano del Novecento, 2003
Lyrik
  • La mente musicale (Poesia 1938–1986), 1988
  • Verbale, 2001
  • Poesie ultime e prime, 2008

Quellen

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