Milan Sýkora
deutsch-tschechischer Sportkletterer
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Milan Sýkora (* 25. Juli 1961 in Broumov, Okres Náchod, Tschechoslowakei) ist ein deutsch-tschechischer Sportkletterer. Er gilt als einer der Pioniere der Freikletternbewegung in Deutschland. Seine Bekanntheit erlangte Sýkora durch die Erschließungen und Erstbegehungen extremer Routen im Norddeutschen Weser-Leine-Bergland (Ith) sowie im Frankenjura und durch die Beteiligung an einer wegweisenden Expedition im Karakorum.[1][2]

Leben
Herkunft und Jugend
Milan Sýkora entstammt einer Bergsteigerfamilie; bereits sein Großvater und sein Vater waren aktive Kletterer. Sein Vater, Bohumil Sýkora, war ein Spezialist für Risskletterei in den Sandsteingebieten von Adršpach und Teplice. Bereits im Alter sechs Jahren begann Milan Sýkora mit dem Klettern im tschechischen Sandstein. Nach dem Prager Frühling 1968 floh die Familie aufgrund der politischen Tätigkeit des Vaters über Jugoslawien und Österreich nach Deutschland. Nach einem Aufenthalt im Grenzdurchgangslager Zirndorf zog die Familie nach Bielefeld, nahe des Klettergebiets Ith im Weser-Leine-Bergland um.[3][4]
Karriere als Sportkletterer und Bergsteiger
Sýkoras Entwicklung als Kletterer begann maßgeblich in den Mittelgebirgen Norddeutschlands, insbesondere am Ith, wo er mit 14 Jahren seinen langjährigen Kletterpartner Rainer Leiwesmeier kennenlernte. In den späten 1970er Jahren trieb er dort die Entwicklung des Freikletterns voran und eröffnete mit der Route Anakonda (7) einen neuen Schwierigkeitsgrad in der Region. Ein Wendepunkt in seiner Karriere war eine sechsmonatige Reise in die USA im Jahr 1980, die er gemeinsam mit Rainer Leiwesmeier unternahm. Vor Ort traf er sich unter anderem mit Wolfgang Güllich und anderen Kletterern und kam mit modernen Trainingsmethoden und neuer Ausrüstung, wie den damals neuartigen „Friends“, in Kontakt, was seinen Kletterstil nachhaltig beeinflusste. 1987 zog Sýkora in den Frankenjura um, wo er Teil der unter Kletterern legendären Wohngemeinschaft in Oberschöllenbach um Wolfgang Güllich, Kurt Albert, Norbert Sandner und Norbert Bätz wurde.[5] Er war als Routensetzer für nationale und internationale Wettkämpfe, wie den Deutschlandcup auf der Consumenta-Messe in Nürnberg, tätig. Zudem arbeitete zu der Zeit im Bergsportfachhandel und als selbstständiger Kletterwandbauer.[6][7]
Bedeutung für die „Action Directe“
Sýkora spielte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung einer der berühmtesten Sportkletterrouten der Welt, der Action Directe im Frankenjura, die als erste 9a (nach französischer Skala) bzw. 11 (nach UIAA) der Welt gilt. Er entdeckte die Linie am Waldkopf im Frankenjura, bohrte sie ein und begann mit dem Projektieren. Da er die dynamischen Züge für sich selbst als zu schwierig einschätzte, überließ er die Route seinem Freund Wolfgang Güllich, dem 1991 die Erstbegehung gelang.
Expeditionen
1989 nahm Sýkora zusammen mit Wolfgang Güllich, Kurt Albert und Christoph Stiegler an einer Expedition zum Trango Tower (Karakorum, Pakistan) teil. Ziel war die erste freie Begehung einer Route an diesem Sechstausender, was mit der Route Eternal Flame nahezu vollständig gelang. Sýkora erkrankte während der Expedition schwer an Amöbenruhr und konnte den Gipfel nicht erreichen, leistete jedoch einen wichtigen Beitrag zum Erfolg des Teams.[8][9]
Rezeption
Bedeutende Erstbegehungen (Auswahl)
Sýkora gilt eher als „Wegesucher“ und Erschließer denn als reiner Wiederholer. Seine Routen sind oft für ihre technische Raffinesse und ästhetische Linienführung bekannt.
- Ith:[10]
- 1979: Anakonda (7) am Krokodil, von unten erstbegangen
- 1980: Dachverschneidung (8/8+) am Kamel, erste freie Begehung
- 1981: Schulterweg (9-) an der Drachenwand, erste freie Begehung
- Frankenjura:[11][12]
- 1989: Milan goes bearhunting (10-) an der Luisenwand
- Erschließung der Route Action Directe (11) am Waldkopf, welche 1991 durch Wolfgang Güllich erstbegangen wurde
- 1996: Linie 1 (10) am Zwergenschloss
- 1996: Silberhaar (10-) an der Luisenwand
- 1997: Härte 10 (10) an der Galawand
- 2000: SMS (10-) am Jungfernriss
- 2000: Stradivari (10) am Jungfernriss
- 2003: Stony Road (10) an der Hungenberger Wand
Privatleben
Sýkora ist Vater eines Sohnes. Neben dem Klettern gilt seine große Leidenschaft dem Fliegenfischen, das er als meditativen Ausgleich zum Sport betrachtet. In der Kletterszene wird er als jemand geschätzt, der die Entwicklung des Freikletterns „leise, aber effektiv“ geprägt hat. Viele seiner Routen gelten heute als Klassiker, die zum Teil mit hohen Ästhetik-Bewertungen („Sternchen“) in Kletterführern versehen sind.[11][12]
Weblinks
Literatur
- Tom Dauer: Kurt Albert. Tyrolia Verlag, ISBN 978-3-7022-3874-2.
- Tilmann Hepp, Thomas Ballenberger: Wolfgang Güllich – Klettern heißt frei sein. Boulder Verlag, ISBN 978-3-9811231-0-4.
- Tilmann Hepp: Wolfgang Güllich – Leben in der Senkrechten. Boulder Verlag, ISBN 3-00-014938-4.