Plicamycin

chemische Verbindung From Wikipedia, the free encyclopedia

Plicamycin bzw. Mithramycin ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der trizyklischen Pentaglykoside. Es ist ein natürlich vorkommendes Polyketid-Antibiotikum mit antitumoralen Eigenschaften.

Schnelle Fakten Strukturformel, Allgemeines ...
Strukturformel
Strukturformel von Plicamycin
Allgemeines
Freiname Plicamycin[1]
Andere Namen
  • Mithramycin A
  • Aureolsäure
  • (2S,3S)-6-[2,6-Didesoxy-3-O-(2,6-didesoxy-β-D-arabino-hexopyranosyl)-β-D-arabino-hexopyranosyloxy]-2-[2,6-didesoxy-3-C-methyl-β-D-ribo-hexopyranosyl-(1→4)-2,6-didesoxy-α-L-lyxo-hexopyranosyl-(1→3)-2,6-didesoxy-β-D-arabino-hexopyranosyloxy]-3-[(1S,3S,4R)-3,4-dihydroxy-1-methoxy-2-oxopentyl]-8,9-dihydroxy-7-methyl-3,4-dihydroanthracen-1(2H)-on
Summenformel C52H76O24
Kurzbeschreibung

gelber Feststoff[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 18378-89-7
EG-Nummer (Listennummer) 634-048-4
ECHA-InfoCard 100.162.065
PubChem 163659
ChemSpider 26353311
DrugBank DB06810
Wikidata Q3906700
Arzneistoffangaben
ATC-Code

L01DC02

Eigenschaften
Molare Masse 1085,15 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[2]

Schmelzpunkt

164–170 °C[2]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[2]
Gefahrensymbol

Achtung

H- und P-Sätze H: 302
P: 264270301+312501[2]
Toxikologische Daten

500 mg·kg−1 (LD50, Maus, oral)[2]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000 hPa).
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Vorkommen

Plicamycin wird aus Kulturen von Streptomyces tanashiensis oder Streptomyces argillaceus gewonnen.[3][4]

Eigenschaften

Plicamycin ist ein gelber Feststoff, der löslich in Dimethylsulfoxid (DMSO) ist.[2]

Verwendung

Plicamycin wurde in den 1960er Jahren als zytotoxisches Medikament entwickelt und erfolgreich bei der Behandlung von gestreutem Hodenkrebs eingesetzt.[5] Es wirkt durch Hemmung der RNA-Synthese über die DNA-anhängige RNA-Polymerase. Die Verbindung wird durch seine hemmenden Wirkung auf Osteoklasten (abbauende Knochenzellen) vor allem zur Behandlung der Hypercalcämie im Rahmen von malignen Tumoren eingesetzt.[3] Plicamycin bindet an G-C-reiche DNA und verdrängt den Transkriptionsfaktor Sp1 von seinen Stellen in den Promotoren ausgewählter Onkogene, wie c-Myc und c-Src. Die durch die Verbindung hervorgerufene Hemmung der Sp1-Aktivität wurde mit größeren DNA-Schäden und Zelltod in Zellen in Verbindung gebracht, die homozygot für SNP309 sind.[2]

Die Dosierung von Plicamycin richtet sich nach der Nierenleistung.[6] Es sollte nicht bei schwerem Nieren- oder Leberversagen oder Thrombozytopenie eingesetzt werden. Seit dem Aufkommen der Bisphosphonate wird es viel seltener eingesetzt.[7]

Regulierung

Über den Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986 besteht in Kalifornien seit dem 1. April 1990 eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die Plicamycin enthalten.[8]

Literatur

  • Jan Kormanec, Renata Novakova, Dominika Csolleiova, Lubomira Feckova, Bronislava Rezuchova, Beatrica Sevcikova, Dagmar Homerova: The antitumor antibiotic mithramycin: new advanced approaches in modification and production. In: Applied Microbiology and Biotechnology. Band 104, Nr. 18, September 2020, S. 7701–7721, doi:10.1007/s00253-020-10782-x.

Einzelnachweise

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