Nünchritz

Gemeinde im Landkreis Meißen, Sachsen, Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Nünchritz ist eine Gemeinde im Landkreis Meißen in Sachsen und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Nünchritz, zu der auch die Gemeinde Glaubitz gehört.

Schnelle Fakten Wappen, Deutschlandkarte ...
Wappen Deutschlandkarte
Nünchritz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nünchritz hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 18′ N, 13° 24′ O
Bundesland:Sachsen
Landkreis: Meißen
Verwaltungs­gemeinschaft: Nünchritz
Höhe: 105 m ü. NHN
Fläche: 31,28 km²
Einwohner: 5285 (31. Dez. 2025)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01612
Vorwahlen: 035265, 035267 (Merschwitz teilw.)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: MEI, GRH, RG, RIE
Gemeindeschlüssel: 14 6 27 190
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Glaubitzer Straße 10
01612 Nünchritz
Website: www.nuenchritz.de
Bürgermeister: Andrea Beger (parteilos)
Lage der Gemeinde Nünchritz im Landkreis Meißen
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Geographie

Die Gemeinde liegt am Rande der Großenhainer Pflege am östlichen Ufer der Elbe in der Elbaue. Nächste Kreisstädte sind Großenhain (10 km), Meißen (10 km) und Riesa (8 km). Im Ortsteil Grödel mündet der Elsterwerda-Grödel-Floßkanal in die Elbe.

Ortsgliederung

Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:

Geschichte

Geschichte von Nünchritz

Nünchritz, Luftaufnahme (2017)
Überreste der Wasserburg Zschaiten

Nünchritz wurde erstmals im Jahr 1312 als Nucharicz (= „Leute des Slawen Nemochor“)[2] urkundlich erwähnt. Die Gegend war aber schon zur Steinzeit (um 4000 v. Chr.) besiedelt, was Bodenfunde belegen. In historischer Zeit war dort ein Weinbaugebiet und auch die Elbe bestimmte die Entwicklung der Gegend. Im Mittelalter führte die Hohe Straße (Salzstraße) durch das Gemeindegebiet. Ab 1839 wurde die Bahnstrecke Leipzig–Dresden erbaut und seit 2003 besitzt Nünchritz einen eigenen Haltepunkt mit stündlichen Verbindungen nach Riesa, Dresden und Leipzig.

Zwischen 1900 und 1905 wurde in Nünchritz ein Werk der Chemischen Fabrik v. Heyden in Radebeul errichtet. Auch heute noch ist der Ort Standort einer chemischen Fabrik, in der Siloxane produziert werden. Das seit dem 1. Oktober 1998 zur Wacker Chemie AG am Friedrich-von-Heyden-Platz gehörende Werk beschäftigt etwa 1500 Mitarbeiter (Stand: 31. Dezember 2021) und ist damit größter industrieller Arbeitgeber im Landkreis Meißen. Durch einen im Oktober 2011 abgeschlossenen Ausbau für die Produktion von Polysilicium sind etwa 500 weitere Arbeitsplätze entstanden.[3]

Geschichte von Seußlitz

Ältester Gemeindeteil ist Seußlitz, das im Jahr 1205 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Am Ort war damals eine Burg (Besitzer Otto von Suselitz). Sie wurde 1226 abgebrochen und vom Markgraf von Meißen Heinrich dem Erlauchten zu einer Jagdresidenz umgebaut. 1268 stiftete er den Besitz mit 17 zugehörigen Dörfern den Klarissen als Nonnenkloster. Nach der Reformation im Jahr 1546 kaufte der Geheime Rat des Kurfürsten Moritz von Sachsen, Simon Pistoris der Jüngere, das Kloster und baute es zu seinem Wohnschloss um. Im Jahr 1722 erwarb Heinrich von Bünau den Besitz und das Schloss Seußlitz mit dem Schlosspark und der Schlosskirche baute man im Barockstil nach Entwürfen von George Bähr um.

Geschichte der anderen Ortsteile

Diesbar wurde 1272 als Dievesvere, Grödel 1324 als Gredil, Zschaiten 1324 als Zschetin, Roda 1365 als Rode und Weißig im Jahr 1378 als Wizzok erstmals urkundlich erwähnt.

In Grödel existierte ein Schloss/Gutshaus.[4]

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1973 wurden die Gemeinden Grödel und Zschaiten mit dem am 1. Juli 1950 eingemeindeten Ortsteil Roda eingegliedert. Zum 1. Januar 1994 folgte die Gemeinde Weißig. Am 1. Januar 2003 wurde die Gemeinde Diesbar-Seußlitz mit den Ortsteilen Diesbar-Seußlitz (entstand am 1. Januar 1952 aus der Fusion beider bis dahin selbständigen Gemeinden), Goltzscha, Leckwitz, Merschwitz, Naundörfchen (am 1. Juli 1950 nach Leckwitz eingegliedert) und Neuseußlitz (am 1. Juli 1973 Diesbar-Seußlitz angegliedert) eingemeindet.[5]

Der Gemeindeteil Diesbar-Seußlitz war von etwa 1954 bis 2024 staatlich anerkannter Erholungsort.[6]

Politik

Gemeinderatswahl 2024[7]
Wahlbeteiligung: 71,8 % (2019: 67,1 %)
 %
40
30
20
10
0
34,2 %
31,2 %
13,3 %
11,5 %
9,8 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 35
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 20
 15
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−10
−15
+34,2 %p
−6,2 %p
−12,8 %p
−10,5 %p
−4,7 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c TSV Merschwitz 1912 e. V.
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu lang
Gemeinderat ab 2024
     
Insgesamt 16 Sitze

Gemeinderat

Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • AfD: 4 Sitze (zwei Sitze bleiben mangels Kandidaten unbesetzt)
  • CDU: 6 Sitze
  • TSV Merschwitz 1912 e. V. (TSV): 2 Sitze
  • SPD: 2 Sitze
  • Linke: 2 Sitze
Weitere Informationen Wahlvorschlag, Sitze ...
letzte Gemeinderatswahlen
Wahlvorschlag 2024[8] 2019[9] 2014[10]
Sitze in % Sitze in % Sitze in %
AfD 4 34,2
CDU 6 31,2 7 37,4 8 41,1
TSV Merschwitz 1912 e. V. 2 13,3 5 26,1 3 17,0
SPD 2 11,5 4 22,0 4 21,8
Linke 2 9,8 2 14,5 3 16,2
FDP 4,0
Wahlbeteiligung 71,8 % 67,1 % 55,1 5
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Bürgermeister

Am 16. September 2007 fand eine Bürgermeisterwahl statt, um einen Nachfolger für Bürgermeister Udo Schmidt (SPD) zu bestimmen. Dabei erhielt Anett Wendler (SPD) 36,8 % der Wählerstimmen und Gerd Barthold (CDU) 34,3 %. Daher fand am 30. September eine Nachwahl statt, die Barthold mit 47,8 % gewann. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,8 % im ersten bzw. 52,2 % im zweiten Wahlgang. Im Oktober 2014 wurde Barthold mit 98 % der Stimmen im Amt bestätigt. Seit 2021 ist Andrea Beger (CDU) Bürgermeisterin.

Weitere Informationen Wahl, Bürgermeister ...
letzte Bürgermeisterwahlen
Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)
2021 Andrea Beger CDU 72,4
2015 Gerd Barthold 98,4
2007 47,8
2001 Udo Schmidt SPD 52,4
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Ortspartnerschaften

Nünchritz pflegt mit der Gemeinde Ubstadt-Weiher in Baden-Württemberg eine Ortspartnerschaft.

Kirche Zschaiten
Turmdrehkran in Merschwitz

Kultur

Sehenswürdigkeiten

Museum Nünchritz (2024)
  • Kanalbrücke und Kanalkopf des Elsterwerda-Grödel-Floßkanal zwischen 1740 und 1748 erbaut bei Grödel
  • Alter Wall-Graben, der Rest der vermutlich im 12. Jahrhundert errichteten Wasserburg in Zschaiten
  • Kirche in Zschaiten (vor 1503 errichtet)
  • Kirche Merschwitz
  • Turmdrehkran Merschwitz (errichtet 1921)
  • Barockschloss Seußlitz mit Schlossgarten im französischen und englischen Gartenbaustil, darin Skulpturen, welche die Jahreszeiten bzw. die Monate versinnbildlichen[11]
  • Heinrichsburg, ein schlichtes zweigeschossiges Gartenhaus (in den Jahren 1725/26 nach Plänen von George Bähr erbaut) in Seußlitz
  • barockes Winzerhaus, die Luisenburg in Seußlitz
  • Mühle in Grödel
  • Museum Nünchritz

Regelmäßige Veranstaltungen

Beim Seußlitzer Heiratsmarkt handelte es sich um ein über 500 Jahre altes Volksfest, das alljährlich zu Himmelfahrt stattfand. Bei diesem Volksfest war eine Trauung für einen Tag möglich. Als Ursprung dieses Brauches wird die Brautschau der nach Auflösung des Klosters freigewordenen Nonnen angesehen. Seit 2012 findet dieses Fest nicht mehr statt.[12][13]

Gedenkstätte

An der Riesaer Straße befindet sich ein Ehrenfriedhof mit einem Denkmal für 18 sowjetische Soldaten und Offiziere des 1. Gardekavalleriekorps, die nach den Kämpfen am 23. April 1945 im Lazarett in Nünchritz verstarben. Die Gedenkstätte wurde am 5. Juni 1945 errichtet. Das Denkmal wurde um 2017 restauriert, wobei einige Namen der bestatteten Soldaten ermittelt werden konnten[14].

Schautafel mit der Geschichte des Denkmals für die sowjetischen Soldaten
Namen
Namen von einem Teil der auf dem Ehrenfriedhof bestatten Soldaten

Die Namen sind auf Tafeln an den Seiten des Denkmals zu finden. Vorher waren die Namen unbekannt.[15]

Anlegestelle Nünchritz mit August

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Nünchritz, Standort der Wacker Chemie

Seit dem Jahr 1900 gibt es in Nünchritz ein Chemiewerk, das seit Jahr 1998 zur Wacker Chemie AG gehört. Mit etwa 1.500 Mitarbeitenden ist es der größte Chemiearbeitgeber in Sachsen. Produziert werden chemische Stoffe auf Silizium-Basis, vor allem etwa 200 verschiedene Silikone, hochdisperse pyrogene Kieselsäuren und hochreines polykristallines Silizium für die Solarindustrie.[16]

Verkehr

Haltepunkt Nünchritz

Die B 98 und die Bahnstrecke Leipzig–Riesa–Dresden verlaufen durch den Norden der Gemeinde. Am Haltepunkt Nünchritz macht der Saxonia-Express RE 50 zwischen Dresden und Leipzig Halt. Nünchritz wird außerdem über fünf Buslinien unter anderem mit Riesa, Großenhain und Meißen verbunden.[17]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Ernst Peschel (1853–1927), Volksschullehrer, Heimatforscher und Amateurarchäologe
  • Heinz Haupt (1924–2010), Tischtennisnationalspieler und -trainer der DDR
  • Frank Terpe (1929–2013), Mathematiker, Politiker (SPD) und ehemaliger Minister für Forschung und Technologie der DDR
  • Ekkehard Herrig (* 1933), Paläontologe und Geologe sowie Künstler
  • Jörg Peter (* 1955), ehemaliger deutscher Langstreckenläufer

Literatur

  • Elbtal und Lößhügelland bei Meißen (= Werte unserer Heimat. Band 32). Akademie-Verlag, Berlin 1979, S. 36.

Einzelnachweise

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