Oberdorf (Hilgertshausen-Tandern)
Ortsteil der Gemeinde Hilgertshausen-Tandern im oberbayerischen Landkreis Dachau
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Oberdorf ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Hilgertshausen-Tandern im Landkreis Dachau, der zu Oberbayern in Bayern gehört.
Zur Gemarkung gehören auch noch die Weiler Gartelsried und Niederdorf und die Einöden Oberdinkelhof und Unterdinkelhof.
Oberdorf Gemeinde Hilgertshausen-Tandern | |
|---|---|
| Koordinaten: | 48° 26′ N, 11° 19′ O |
| Einwohner: | 153 (25. Mai 1987)[Ohne Beleg] |
| Eingemeindung: | 1. April 1971 |
| Eingemeindet nach: | Tandern |
| Postleitzahl: | 86567 |
| Vorwahl: | 08250 |
Geographie
Das Dorf Oberdorf liegt im Donau-Isar-Hügelland und damit im Unterbayerischen Hügelland, das zum Alpenvorland, einer der Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands, gehört.
Oberdorf liegt etwa 1,2 km nördlich von Tandern und rund 3 km westnordwestlich von Hilgertshausen. Niederdorf liegt ungefähr 500 m östlich, Ober- und Unterdinkelhof beide etwa 1,2 km nordöstlich und Gartelsried rund 1 km südöstlich von Oberdorf.
Gartelsried liegt an der in westöstlicher Richtung verlaufenden Kreisstraße DAH 8 von Tandern nach Hilgertshausen. Die anderen Gemeindeteile liegen lediglich an Gemeindeverbindungsstraßen.
Südlich von Oberdorf entspringt der Hüttgraben, der weiter nach Osten durch Niederdorf fließt und in Hilgertshausen als linker Zufluss in die Ilm mündet.
Geschichte
Frühe Besiedlung und Ortsentwicklung
Um 800 n. Chr. wurde die Tannaro‑Marka durch Rodung erweitert. Nördlich/nordöstlich von Tandern entstand die Nachbargemeinde Oberdorf, die bis 1400 zusammen mit Niederdorf als Rutigenried genannt wurde; erst im 15. Jahrhundert trennten sich Ober‑ und Niederdorf. Erste urkundliche Nachweise reichen ins 13. Jahrhundert (Kloster Altomünster, Kloster Indersdorf). Im Lauf des Mittelalters gelangten Ober‑ und Niederdorf weitgehend in kirchlichen Grundbesitz (Indersdorf, Fürstenfeld, Kühbach, Altomünster).[1]
Grundbesitz 1752
- Oberdorf: Kloster Indersdorf (Hof beim Lutz), Fürstenfeld (Hof beim Reiter + Lehengut beim Zisch), Kühbach (Lehengut beim Lazarus + zwei Bausölden), Altomünster (Lehengut beim Schmaller), Hofmark Tandern (halber Hof beim Weberhans), Kirche Metzenried (Bausölde beim Friedl). Hüthaus gehörte der Dorfgemeinde.
- Niederdorf: sieben Anwesen, Hauptgrundherren Kloster Indersdorf (großer Hof beim Ziegler), Kirche Tandern (vier Anwesen), Kloster Kühbach (Lehengut beim Bärtmichl), Kirche Hilgertshausen (Bausölde beim Perlippl). Diese Verhältnisse blieben bis zur Säkularisation 1803 bestehen. Gerichtlich unterstanden die Orte dem Landrichter in Aichach.
Gartelsried Erstmals um 1000 als Gartherisreot genannt; Rodung vermutlich um 800. Besitzwechsel an den Bischof von Freising um 1000/1035; Kloster Indersdorf besaß 1330 wohl den späteren Mathesbauern. 1752 gab es neun Anwesen mit meist geistlichen Grundherren: Hochstift Freising (Kaspar), Angerkloster München (Purgart), Altomünster (Hube beim Hintermayr), Indersdorf (Mathesbauer), Pfarrkirche Tandern (Neumeyer), Schlossherr Hilgertshausen (Hipsch, Braun). Dorfgemein stellte Hüthaus. Klösteraufhebung 1803 beendete diese Struktur.[1]
Militärische und administrative Einordnung
1517 bildeten die drei Weiler eine Hauptmannschaft mit bewaffneten Männern für den Herzog. 1808/09 kamen Ober‑Niederdorf und Gartelsried zum Steuerdistrikt Tandern; 1818/19 wurden sie wieder in die politischen Gemeinden Tandern und Oberdorf getrennt. Oberdorf erhielt die Einöden Oberdinkelhof und Unterdinkelhof (zuvor Teil der Kommune Hilgertshausen). Einzelnachweise für die Dinkelhöfe reichen bis 1500.[1]
Wirtschaft und Infrastruktur
Land‑ und Waldwirtschaft dominierten; nur ein Weber war ansässig. 1851 eröffnete in Niederdorf der erste Gasthof (Ziegler), 1868 kam eine Schmiede hinzu.[1]
Haus‑ und Hofnamen
- Oberdorf/Niederdorf: Reiter, Ziß, Weber, Lutz, Stephan, Scharl, Schmuel, Loser, Friedl, Hüthaus (Nr. 9), Saulenz, Schneidermann, Kaslschmied, Haberl, Bartl, Ziegler (Wirt), Schmiedbartl, Blasi, Berglipp, Häuslmann.
- Gartelsried: Burghard, Mayr, Hintermair, Hübsch, Kaspar, Mathesbauer (Bauer), Braun, Häuslmann.
Alte Bauerngeschlechter
In Oberdorf u. a. Gärtner, Stark‑Schieder, Gamel‑Buchberger‑Aidelsburger, Wecker; in Gartelsried u. a. Hübsch‑Schadl, Zeitlmaier‑Pletzer‑Thurner, Mayr‑Schlosser, Schadl‑Amesreiter‑Kölbl‑Hofner.[1]
Flurnamen
Belzfeld; Belzlohe; Point; Brandt; Dattelacker; Dinkelfeld; Viertengarb; Vogelherd; Galgenwiese; Greiner; Hofstatt; Herrenacker; Holzloh; Kronberg; Lichtsteig; Neuhard; Pechofen; Schergenwiese; Schnepfenlucke; Riedmering; Herrenweg; Lahnberg; Kohlstatt.[1]
Kirchlich, schulisch, wirtschaftlich und kulturell gehörten Ober‑Niederdorf und Gartelsried stets zu Tandern, weshalb keine eigenständige Entwicklung entstand.[1]
NS-Zeit
Am 20. Mai 1933 schrieb das Bezirksamt Aichach an die Regierung von Oberbayern, dass der zum 1. Bürgermeister von Oberdorf gewählte Landwirt Josef Kreitmeir (Gartelsried) vom Kreisleiter abgelehnt und vom Sonderkommissar Hesse in Schutzhaft genommen worden sei, weil man ihm Wahlhetze gegen die NSDAP vorwerfe; aus den Verhandlungen ergäbe sich jedoch, dass der Vorwurf unbegründet sei. Das Bezirksamt hob Kreitmeirs Verdienste und Ansehen hervor (B.V.P.-Vertreter, Bezirksbauernkammer, stellvertretender Bezirks‑Obmann des Bayerischen Kriegerbundes) und erklärte seine nationale Gesinnung für unzweifelhaft, konnte die Bestätigung aber nicht durchsetzen. Kreitmeir trat aus dem Gemeinderat zurück und stellte, anders als seine BVP‑Fraktionskollegen, keinen Antrag auf Aufnahme als Hospitant in die NS‑Fraktion.[2]
Orkan 1958
Am 16. Juli 1958 fegte ein Orkan mit bis zu 200 km/h durch den südöstlichen Kreis Aichach und traf besonders die Gemeinde Oberdorf; begleitet von Hagel und Wolkenbruch richtete er Schäden von rund 20 Millionen Mark an, vernichtete etwa 100.000 Festmeter Holz und zerstörte zahlreiche Gebäude und Infrastruktur. Ein 58‑jähriges Opfer der Hofes beim Friedl verstarb, rund 100 Gehöfte waren betroffen; Strom- und Telefonleitungen wurden gekappt, Straßen blockiert. Feuerwehren, Pioniereinheiten und Polizei leisteten umfangreiche Rettungs‑ und Aufräumarbeiten, Soforthilfen und ein Katastrophenfonds wurden eingerichtet, und noch vor dem Winter 1958 waren viele Häuser notdürftig instand gesetzt.[3]
Bis zum 1. April 1971 gehörte Oberdorf mit seinen Gemeindeteilen als selbstständige Gemeinde zum Landkreis Aichach und wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern dem Landkreis Dachau zugeschlagen und in die Gemeinde Tandern eingegliedert.
Weblinks
- Oberdorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek