Norbert Herz
österreichischer Astronom, Geodät, Lehrer und Mediziner
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Norbert Herz (* 11. Dezember 1858 in Olmütz, Mähren; † 31. Jänner 1927 in Wien) war ein österreichischer Geodät, Astronom und Arzt. Er verfasste unter anderem Lehrbücher über Geodäsie und Kartenentwurfslehre sowie zur Bahnbestimmung von Planeten und Kometen. Als vielseitig interessierter Wissenschafter war er Initiator, Planer und erster Leiter der Kuffner-Sternwarte und des zugehörigen Forschungsinstituts in Wien-Ottakring.
Leben
Nach dem Studium an der Technischen Hochschule Wien war Herz dort von 1881 bis 1885 Assistent für Astronomie bei Joseph Herr und promovierte 1882 in Heidelberg, wo er später auch das Medizinstudium absolvierte. Ab 1886 leitete er die Kuffner-Sternwarte, wurde 1887 außerordentlicher Professor für Astronomie und Erdmessung und habilitierte sich 1904 für Astronomie und Geodäsie.
Als sein Mentor Theodor Oppolzer plötzlich starb, zerbrach auch die Freundschaft mit Moriz Kuffner. Herz wechselte zur k.k. Statistischen Central-Commission und ging 1893 an das Navy Department der USA, wo er unter Simon Newcomb einige Jahre das Jahrbuch Nautical Almanac redigierte. Nach Österreich zurückgekehrt, wollte er ins Lehramt wechseln, was aber misslang. Daher setzte er ein begonnenes Medizinstudium in Heidelberg fort, wo er 1899 das Doktorat erlangte. Nach kurzer Zeit an der Poliklinik in Detroit unterrichtete er am Wiener Staatsgymnasium und einer Oberrealschule und arbeitete an seiner Habilitation.
Im Jahr 1913 wurde er als Lehrer pensioniert und diente im Ersten Weltkrieg als Militärarzt. Als er nach dem Krieg keine Anstellung mehr in der Wissenschaft bekam, forschte er in der theoretischen Optik und der europäischen Geschichte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er mit populärwissenschaftlichen Vorträgen und Artikeln, Publikationen in der Österreichischen Touristenzeitung und hielt Vorträge in der Urania.
Sein Sohn Theodor Herz (1891–1973), der mit einer Jüdin verheiratet war, verließ Österreich 1938 und wanderte nach Argentinien aus.
Schriften (Auswahl)
- Lehrbuch der Landkartenprojektionen. Teubner, Leipzig 1885 (Digitalisat).
- Geschichte der Bahnbestimmung von Planeten und Kometen. Zwei Bände. Teubner, Leipzig 1887–1894 (Digitalisat).
- Keplers Astrologie. Gerold, Wien 1895 (Digitalisat).
- Kritische Beiträge zur Lehre von der Lymphbewegung. Medizinische Dissertation. Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg 1899 (archive.org)
- Wahrscheinlichkeits- und Ausgleichungsrechnung. Göschen, Leipzig 1900 (Digitalisat).
- Geodäsie. Eine Darstellung der Methoden für die Terrainaufnahme, Landesvermessung und Erdmessung (= Die Erdkunde. Band 23). Deuticke, Leipzig/Wien 1905 (Digitalisat).
- Lehrbuch der mathematischen Geographie. Fromme, Wien/Leipzig 1906.
- Die Eiszeiten und ihre Ursachen. Deuticke, Leipzig/Wien 1909 (Digitalisat).
- Theorie der transponierenden Musikinstrumente. Deuticke, Leipzig/Wien 1911.
- Allgemeine Theorie zentrierter Linsensysteme. Deuticke, Leipzig/Wien 1924.
- Die Stellung von Elsaß-Lothringen im Westphälischen Frieden. Jung-Österreich-Verlag, Wien 1925.
- Dokumente zur Ethik des zwanzigsten Jahrhundertes. Jung-Österreich-Verlag, Wien 1926.
Literatur
- Werner W. Weiss: Die Kuffner-Sternwarte in Wien. Jugend & Volk 1984 (Wiener Bezirkskulturführer)
- Herz, Norbert. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 295 f. (Direktlinks auf S. 295, S. 296).
Weblinks
- Kurzbiografie beim Verein der Kuffner-Sternwarte
- Norbert Herz im ÖsterreichWiki
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Herz, Norbert |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Geodät, Astronom und Arzt |
| GEBURTSDATUM | 11. Dezember 1858 |
| GEBURTSORT | Olmütz, Mähren |
| STERBEDATUM | 31. Januar 1927 |
| STERBEORT | Wien |