Northwest-Airlines-Flug 706
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Der Northwest-Airlines-Flug 706 (Flugnummer: NW706, Funkrufzeichen: NORTHWEST 706) war ein Linienflug von Milwaukee nach Miami über Chicago, Tampa und Fort Lauderdale. Am 17. September 1961 verunglückte die auf diesem Flug eingesetzte Lockheed L-188 Electra beim Start vom Chicago O’Hare International Airport, wobei alle 37 Insassen starben.
| Northwest-Airlines-Flug 706 | |
|---|---|
Eine Lockheed L-188 Electra der Northwest Orient Airlines | |
| Unfallzusammenfassung | |
| Unfallart | Versagen der Querrudersteuerung im Anfangssteigflug |
| Ort | Chicago O’Hare International Airport, |
| Datum | 17. September 1961 |
| Todesopfer | 37 |
| Überlebende | 0 |
| Luftfahrzeug | |
| Luftfahrzeugtyp | |
| Betreiber | |
| Kennzeichen | |
| Abflughafen | Milwaukee Mitchell International Airport, Wisconsin, |
| 1. Zwischenlandung | Chicago O’Hare International Airport, Chicago, Illinois, |
| 2. Zwischenlandung | Tampa International Airport, Florida, |
| 3. Zwischenlandung | Fort Lauderdale International Airport, Florida, |
| Zielflughafen | Miami International Airport, Florida, |
| Passagiere | 32 |
| Besatzung | 5 |
| → Listen von Luftfahrt-Zwischenfällen | |
Maschine
Das Flugzeug war eine 1 Jahr und 3 Monate alte Lockheed L-188C Electra (Luftfahrzeugkennzeichen:N137US; Werknummer:1142), die am 14. Juni 1960 fertiggestellt wurde und mit 4 Turboproptriebwerken des Typs Allison 501-D13 ausgestattet war. Der erste Testflug war am 2. Juni 1961 erfolgt. Nach dem zweiten und letzten Testflug am 21. Juni 1961 wurde die Electra am 22. Juni 1961 an Northwest Orient Airlines ausgeliefert, bei der sie die Flottennummer 137 erhielt. Insgesamt hatte sie bis zum Absturz 614 Betriebsstunden absolviert.
Passagiere und Besatzung
An Bord befanden sich 32 Passagiere.
Die Besatzung bestand aus
- dem Flugkapitän Ralph E. Hagstrom (50). Er wurde am 11. April 1942 eingestellt, als die Fluggesellschaft noch bis 1946 Northwest Airlines hieß und hatte insgesamt 15.598 Flugstunden Erfahrung, darunter 314 auf der Electra. Er hatte seine Fliegerärztliche Tauglichkeitsuntersuchung am 8. August 1961 bestand.
- dem Ersten Offizier Richard L. Anderson (33). Er wurde am 20. April 1951 eingestellt und hatte 6.643 Flugstunden Erfahrung, darunter 90 auf der Electra. Seine letzte Flugtauglichkeitsuntersuchung hatte er am 30. März 1961 bestanden.
- dem Flugingenieur Wayne H. Fuller (34). Er wurde am 19. März 1948 eingestellt und hatte insgesamt 3.368 Flugstunden Erfahrung, darunter 556 auf der Electra. Er hatte seine Flugtauglichkeitsuntersuchung am 14. Juli 1961 bestanden.
- den beiden Flugbegleiterinnen Rosemary Patricia Biliski (28) und Jeanette Ruth McKenzie (22). Biliski war am 29. Juni 1957 eingestellt worden und hatte ihr Qualifikationstraining für die Electra am 19. August 1959 abgeschlossen. Bei McKenzie hingegen war beides am 8. April 1960 passiert.
Verlauf
Die Maschine landete am 16. September 1961 als Northwest-Orient-Airlines-Flug 711, von Miami kommend, in Milwaukee. Danach flog sie am 17. September als Flug 706 weiter nach Chicago, wo das Flugzeug von außen inspiziert und die Besatzung ausgetauscht wurde. Auf der Startbahn 14R erhielten die Piloten um 8:55 Uhr CDT die Startfreigabe. Der Start verlief normal, bis das Flugzeug eine Höhe von 100 Fuß über dem Boden erreichte. Dann bemerkten Zeugen eine leichte Veränderung im Geräusch der Triebwerke der Electra. Das Flugzeug begann eine leichte Rechtskurve, wobei die rechte Tragfläche absackte. Die Querneigung erhöhte sich auf 35°. Zu diesem Zeitpunkt empfing die Flugsicherung eine unverständliche Funkverbindung, vermutlich von den Piloten. Das Flugzeug stieg auf etwa 300 Fuß, die Querneigung setzte sich aber fort und erreichte schließlich eine Winkel von über 50°. Dabei streifte die rechte Tragfläche mehrere Hochspannungsleitungen entlang der südlichen Flughafengrenze. Kurz darauf prallte das Flugzeug mit einer Querneigung von 85° gegen einen Bahndamm und überschlug sich. Der vordere Rumpf brach ab, das Flugzeug überschlug sich, rutschte, hob dann wieder ab und schlug mit der Nase voran auf dem Boden auf, kippte auf die Rumpfoberseite und explodierte in einem Feuerball. Alle 37 Insassen kamen ums Leben. Der Flug dauerte vom Start bis zum Aufprall weniger als zwei Minuten.
Ermittlungen
Das Civil Aeronautics Board übernahm nach dem Unfall die Ermittlungen zur Unfallursache. Die Ermittler stellten fest, dass das Seil, das das Steuerrad des Ersten Offiziers mit der Querruderverstärkung verband, gelöst war. Dadurch war das Flugzeug in einen rechtswärtigen Rollwinkel geraten und die Piloten konnten die Querneigung nicht mehr korrigieren. Die Seile, die die Steuerräder der Piloten mit der Querruderverstärkung verbanden, waren zwei Monate vor dem Unfall im Rahmen routinemäßiger Wartungsarbeiten entfernt worden; ein Sicherungsseil, das einen Teil der Baugruppe zusammenhielt, war beim Wiederanschluss der Seile nicht ersetzt worden. Der Kontakt löste sich langsam, bis er während des Startvorgangs vollständig ausfiel.
Quellen
- Unfallbericht L-188, N137US im Aviation Safety Network
- Abschlussbericht des Civil Aeronautics Board, 10. Dezember 1962.
- Crash of a Lockheed L-188C Electra in Chicago: 37 killed, B3A – Bureau of Aircraft Accident Archives
- Betriebsgeschichte der Maschine, planespotters.net
