Nostalgie Istanbul Orient Express

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Der Nostalgie Istanbul Orient Express, abgekürzt NIOE, war ein von 1976 bis 2007 verkehrender Luxuszug, der von der im Laufe der Jahrzehnte von verschiedenen Firmen betrieben wurde. Er war großteils aus historischen Wagen der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL) zusammengesetzt und verkehrt in Form von Schienenkreuzfahrten durch Europa und Asien.

Schnelle Fakten
Nostalgie Istanbul Orient Express


Der NIOE 1988 als Orient-Express ’88 in Japan am Bahnhof Shinmachi

Zuggattung:Touristischer Luxuszug
Länder:hauptsächlich:
Erste Fahrt:1976
Letzte Fahrt:2007
Ehemaliger Betreiber:Transeurop Eisenbahn AG (TEAG)

Mittelthurgaubahn (MThB) Reisebüro Intraflug AG

Strecke
Zielbahnhof:Istanbul und andere
Technische Angaben
Rollmaterial:Schlaf-, Speise- und Pullmanwagen ex CIWL
Spurweite(n):1435 mm, 1524 mm
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Geschichte

Ein erster Versuch des französischen Comte Guy de Casteja, eine Luxus-Schienenkreuzfahrt zu etablieren, scheiterte 1967, da zu wenige Reservierungen vorlagen. Obwohl der Orient-Express zu dieser Zeit noch fahrplanmäßig als normaler Nachtzug zwischen Paris und Bukarest verkehrte, hatte sich der Mythos des Orient-Expresses als legendärer Luxuszug bereits verselbständigt und beförderte das Interesse an nostalgischen Luxuszügen.[1] Der erste Anbieter von Luxus-Schienenkreuzfahrten in Europa war das Schweizer Reisebüro Intraflug von Albert Glatt. Zu diesem Zweck sammelte Glatt seit Anfang der 1970er Jahre Reisezugwagen der CIWL aus den 1920er und 1930er Jahren und ließ sie annähernd im Auslieferungszustand restaurieren. 1976 organisierte Walter Finkbohner zusammen mit Alby Glatt den ersten Simplon-Orient-Express mit historischen CIWL-Wagen. Am 7. Oktober 1976 startete zum ersten Mal der von Intraflug geplante Arlberg-Orient-Express in Zürich. Die Fahrt führte über Innsbruck, durch den Tauerntunnel, Ljubljana, Belgrad und Sofia nach Istanbul. Der Zug fand großen Anklang, und bis zum Sommer 1977 verkehrte der Arlberg-Orient-Express fünfmal, zusätzlich zum Simplon-Orient-Express (LausanneSimplontunnelMailandVenedig – Ljubljana – Belgrad – Athen).[2] Von März bis April 1977 verkehrte der Zug unter dem Namen Nostalgie-Orient-Express, der sich fortan als Name des Zuges etablierte. Im Mai desselben Jahres verkehrte er zwischen Bern und Zürich, im Oktober dann auch zwischen Stuttgart und Zürich.[3] Der Nostalgie-Orient-Express wurde nicht nur im Rahmen von von Intraflug organisierten Touren eingesetzt, sondern auch im Rahmen von Touren, die von anderen Reisebüros geplant wurden, sowie als Charterzug für Gruppen. Intraflug erwarb weiterhin ehemalige Personenwagen der Wagons-Lits. Am 8. Oktober 1977 ersteigerte Glatt bei einer Sotheby’s - Auktion in Monte Carlo, Monaco, den Pullman-Wagen WSPc 2741.[4.1] Gegenbieter war damals James Sherwood, der später den Venice Simplon-Orient-Express (VSOE) gründen sollte.

Der Nostalgie Orient Express fuhr 1981 erstmals nach Frankreich und vervollständigte die Strecke des ehemaligen Simplon-Orient-Expresses von Paris nach Istanbul. Etwa zur gleichen Zeit erwarb Intraflug auch ehemalige Mitropa- und Rheingold-Wagen, die jedoch in keinerlei Verbindung zum ursprünglichen Orient-Express standen. Nachdem die Rheingold-Wagen im Zug mitliefen, durfte der Zug in Frankreich nicht mehr als Orient Express vermarktet werden. Daher wurden für diese Sonderzug Namen wie Bordeaux-Reims Express verwendet. 1982 befuhr der Zug auch die ursprüngliche Orient-Express-Strecke von Paris über Wien nach Istanbul.[4.2]

1983 fanden Veranstaltungen zum 100-jährigen Jubiläum des Orient-Expresses statt. Im März wurde der ehemalige französische Präsidentenwagen WR 3354 erstmals im Rahmen des Nostalgie-Orient-Express eingesetzt. Der Sonderzug umrundete den Bodensee und startete und endete in Zürich.[5] Im Oktober fuhr der Jubiläumszug Le Centnaire von Paris nach Istanbul.[3] Noch im selben Jahr wurde der Zug in Nostalgie Istanbul Orient Express umbenannt, um ihn klar vom Venice-Simplon-Orient-Express des Mitbewerbers zu unterscheiden, der im Vorjahr seinen Betrieb aufgenommen hatte.

1992 nutzte der King of Pop Michael Jackson während seiner Europatournee den NIOE als rollendes Hotel für sich und seine gesamte Crew.[6]

Nach dem Erfolg von Intraflug im Schienenkreuzfahrtgeschäft mit historischen Wagen stiegen auch andere Unternehmen in dieses Marktsegment ein. Wegen eines gescheiterten Expansionsversuches in den USA geriet Intraflug in finanzielle Schwierigkeiten. 1993 übernahm deshalb das Reisebüro Mittelthurgau, eine Tochtergesellschaft der Mittelthurgaubahn (MThB), den damals aus 35 Wagen bestehenden Fuhrpark des NIOE und setzte sie zusammen mit fünf Aussichtswagen des Rheingold der Deutschen Bundesbahn, zwei Wagen aus dem historischen Rheingold-Luxuszug der Deutschen Reichsbahn 1928 und dem umgebauten französischen Präsidentenwagen ein. Ebenso wurde ein SNCF-Speisewagen L’Aquitaine in nostalgischem Stil restauriert.

Nach der Insolvenz und Konkurs des Reisebüros Mittelthurgau und der Muttergesellschaft Mittelthurgaubahn übernahm 2001 die Transeurop Eisenbahn AG (TEAG) in Basel die NIOE-Wagenflotte.[7] Mit Millionenaufwand wurden etliche Wagen von 2003 bis 2005 aufgearbeitet. Die Gesellschaft Orient-Express Train de Luxe Betriebs GmbH / Austria führte den Eisenbahnbetrieb und Vermarktung.

Aufgrund eines von Seiten der Betreibergesellschaft des Venedig Simplon Orient Expresses (VSOE) angestrengten und mit der SNCF geführten gerichtlichen Markenstreitverfahrens rund um den Urmarkennamen Orient-Express musste der Fahrbetrieb des NIOE im Jahr 2007 zwangsweise eingestellt werden. 2008 sollte ein internationales Gericht über die Klage und eine inzwischen erhobene Widerklage entscheiden. Der Fall ist inzwischen vom Europäischen Gerichtshof angenommen worden, bislang fiel aber keine Entscheidung. Ein Entscheidungszeitraum ist völlig offen. Seit dem Juli 2008 ruhte daher auch der Geschäftsbetrieb des NIOE, und viele Wagen er TEAG wurden in der Eisenbahnwerksätte České Velenice hinterstellt.

Einige NIOE-Wagen, darunter auch etliche, die im Orient-Express ’88 eingesetzt wurden, waren mit Drehgestellen für die russische Breitspur umgespurt und an die russische Firma Orient-Express (OES) vermietet worden, die während zwölf Jahren in Wladiwostok und in Peking beginnende Charterfahrten organisierte. Nach Auslauf des Mietvertrages im Jahr 2008 sollten die Wagen an ihren Besitzer in Österreich zurückgegeben werden, der jedoch nicht bereit war, Gebühren für die Lagerung der Regelspurdrehgestelle in Belarus zu bezahlen. Dies hatte zur Folge, dass die Wagen auf einem breitspurigen Abstellgleis im polnischen Rangierbahnhof Małaszewicze nahe der Grenze zu Belarus, abgestellt wurden, wodurch die Polnischen Staatsbahnen (PKP) ebenfalls Gebühren für die Benutzung des Abstellgleises einforderten. Umgekehrt verlangte der Besitzer von PKP Cargo die Begleichung der durch Vandalismus entstandenen Schäden.[8]

Im Herbst 2008 verkaufte die TEAG einige NIOE-Wagen an ein amerikanisches Eisenbahnunternehmen, welches den Luxuszug unter dem neuen Namen Grand Express European – Train de Luxe betreiben wollte.[9] Tatsächliche Einsätze dieses Zuges sind jedoch nicht überliefert.

Laufweg und Zugbildung

NIOE auf der Tōkaidō-Hauptlinie zwischen Iwata and Fukuroi (1988)
Piano-Bar-Wagen 4164 in Japan (1988)
Wagen in Małaszewicze (2015)

Im Programm waren vorerst Fahrten nach Istanbul und zu anderen europäischen Zielen. Reisen nach Bagdad und Isfahan im Iran waren geplant, wurden aber durch Kriege verhindert.[1] Später wurden auch Fahrten in Russland und asiatischen Ländern angeboten.

Die weiteste Reise unternahmen der NIOE im September 1988, als er anlässlich des Jubiläums eines japanischen Fernsehsenders als Orient-Express ’88 von Paris quer durch Europa über Berlin, Warschau, Moskau und die Transsibirische Eisenbahn bis nach Hongkong fuhr.[10] Per Schiff nach Japan gebracht, wurden die Wagen dort auf Kapspur umgespurt und bis Jahresende 1988 für verschiedene Fahrten eingesetzt.

Ein typischer Laufweg des NIOE war die Route ParisMünchenWienSopronBudapestBukarestSofiaIstanbul. Beispielhaft der Wagensatz am 31. März 1983: Schlafwagen WL Lx 16 3475, Gepäckwagen F 1283 Pullmanwagen mit Küche WSPc 2741, Pullman WSP 4161, Pullman WSP 4158, Bar WSP 4164, Schlafwagen WL Lx 16 3480, 3472 und 3542, Duschwagen ex WR 4013, Schlafwagen WL Lx 16 3537, Lx 20 3551, Lx 16 3487 sowie ein Mannschafts-Liegewagen ex SBB. Für die Fahrt nach Istanbul im Oktober 1988 wurden einige historische Schlafwagen durch moderne vom Typ UH ersetzt und der WSPc 4080 und Rheingold-Salonwagen waren anstelle der bisher eingesetzten Pullmanwagen im Zug, da die anderen Wagen für den Orient-Express ’88 benötigt wurden.[1]

Wagenpark

Der NIOE-Wagenpark der TEAG und zweier Tochtergesellschaften setzte sich hauptsächlich aus 24 ehemaligen Schlaf-, Speise- und Pullmanwagen zusammen, die früher durch die CIWL in den ehemaligen Luxuszügen Orient-Express, Edelweiss, Flèche d’Or, Cote d´Azur Express, Train Bleu und Sud-Express eingesetzt wurden. Ebenfalls im Bestand waren ehemalige Salonwagen der NS-Reichsregierung sowie sechs Altbau-Rheingold-Wagen von 1928, von denen zwei generalrenoviert wurden. Hinzu kamen Wagen aus den Beständen der Deutschen Reichsbahn, der Deutschen Bundesbahn, der Schweizerischen Bundesbahnen, der Französischen Staatsbahn und der Österreichischen Bundesbahnen.

Viele Wagen wurden nach der Einstellung des Fahrbetriebes in der Eisenbahnwerksätte České Velenice hinterstellt. Diese Fahrzeuge wurden 2022 teils nach Staßfurt bzw. Halberstadt abgefahren und gehören heute einer Nachfolgegesellschaft der TEAG namens TEE AG. Einige Fahrzeuge verblieben in České Velenice und wurden ebenfalls 2022 an den Verein Niederösterreichische Bahnnostalgie abgegeben, der sie aber nie abgeholt hat.

Die 13 in Małaszewicze hinterstellten Wagen wurden 2018 von einer SNCF-Tochter übernommen und im Januar 2019 ohne Drehgestelle zur Aufarbeitung nach Clermont-Ferrand abtransportiert.[11]

Eine ausführliche Aufstellung des Fuhrparks unter der TEAG findet sich im Artikel über die Transeurop Eisenbahn AG (TEAG).

Literatur

  • Simon Bertrand: Legendäre Luxuszüge. Frederking & Thaler, München 2023, ISBN 978-3-95416-400-4, S. 48–57.
  • Konrad Koschinski: 125 Jahre Orient-Express. In: Eisenbahn-Journal, Sonderausgabe 2/2008, Verlagsgruppe Bahn, Fürstenfeldbruck, ISBN 978-3-89610-193-8.
  • Albert Mühl: Internationale Luxuszüge. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 1991, ISBN 3-88255-673-0.
  • Werner Sölch: Orient-Express. Glanzzeit und Niedergang und Wiedergeburt eines Luxuszuges. 4. Auflage. Alba, Düsseldorf 1998, ISBN 3-87094-173-1.

Einzelnachweise

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