Novatianisches Schisma
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Das Novatianische Schisma war eine Kirchenspaltung im 3. Jahrhundert, die aus unterschiedlichen Auffassungen über den Umgang mit den während der Verfolgungen vom Glauben abgefallenen Lapsi entstand.
Im Zuge der Verfolgung durch Kaiser Decius in der Mitte des 3. Jahrhunderts brach ein Konflikt darüber aus, wie die römische Kirche mit jenen Christen verfahren solle, die unter dem Druck der Verfolgung ihren Glauben verleugnet hatten. Nach dem Martyrium des Bischofs Fabianus im Januar 250 konnte aufgrund der unsicheren Lage der Kirche erst im Frühjahr 251 eine Nachfolgewahl stattfinden. Auf der Synode von Karthago (251) sprach sich die Mehrheit für Cornelius aus, der sich für die Wiedereingliederung der unter schwerem Druck Abgefallenen einsetzte. Die Wahl des Cornelius zum Bischof von Rom wurde von jenen Klerikern abgelehnt, die sich während der Verfolgung besonders entschieden gegen die Abgefallenen gestellt hatten. Stattdessen weihten sie Novatian – einen römischen Presbyter, der für sein orthodox-theologisches Werk „Über die Dreifaltigkeit“ bekannt war – zum Bischof von Rom. Damit stand die römische Kirche zwei rivalisierenden Bischöfen gegenüber, die beide um die Anerkennung durch die Gesamtkirche warben.
Die Anhänger Novatians vertraten die Auffassung, dass allein Gott für derart schwere Sünden Vergebung gewähren könne. Die Anhänger des Cornelius hingegen plädierten für einen maßvollen Gebrauch der „Schlüsselgewalt“ bei der Sündenvergebung nach einer Bußzeit. Bischof Cyprian von Karthago wurde zum wichtigsten Fürsprecher der Gnade und unterstützte Bischof Cornelius.
Mit zunehmender Verschärfung des Konflikts vertiefte sich die Trennungslinie zwischen beiden Lagern. Cyprian vertrat die Ansicht, dass das Heil außerhalb der Gemeinschaft der Kirche unmöglich sei und dass wahrhaft Bußfertige so bald wie möglich wieder in die Kirche aufgenommen werden müssten. Novatian und seine Anhänger argumentierten hingegen, die Kirche müsse ihre Reinheit bewahren, ohne dass diejenigen, die sich nicht als standhaft erwiesen hätten, sie verunreinigten. Sie gingen so weit, die Vergebung für schwere Vergehen nach der Taufe – wie Unzucht oder Götzendienst – grundsätzlich zu verweigern, wenngleich sterbenden Sündern Vergebung gewährt werden konnte.
Letztlich wurden Novatian und seine Gefolgsleute von einer römischen Bischofssynode exkommuniziert. Aufgrund ihrer Betonung von Reinheit und Rigorismus fand die novatianische Bewegung breite Unterstützung in der gesamten Kirche, besonders in Phrygien, wo sie vor allem bei den Montanisten großen Zuspruch erhielt. Eine eigenständige novatianische Kirche bestand mehrere Jahrhunderte lang und wurde vom Konzil von Nicäa als schismatische, jedoch in der Lehre orthodoxe Gruppe anerkannt, da ihr Bekenntnis zur Wesensgleichheit Christi mit dem Vater Anerkennung fand. Später fiel die Gemeinschaft beim Kaiser in Ungnade; ihr wurde das Recht auf öffentlichen Gottesdienst entzogen, und ihre Schriften wurden vernichtet. Die meisten ihrer Mitglieder schlossen sich wieder der römischen Kirche an, wenngleich die Novatianer bis ins 5. Jahrhundert als eigenständige Gemeinschaft fortbestanden.
Literatur
- Hermann Josef Vogt: Coetus Sanctorum. Der Kirchenbegriff des Novatian und die Geschichte seiner Sonderkirche. (= Theophaneia, Beiträge zur Religions- und Kirchengeschichte des Altertums, begründet von Franz Joseph Dölger und Theodor Klauser, in Verbindung mit dem F. J. Dölger-Institut herausgegeben von Theodor Klauser, Band 20); zugleich Dissertation.
- Eintrag in der Catholic Encyclopedia, Robert Appleton Company, New York 1913.