Open Charge Point Protocol

offenes Kommunikationsprotokoll zum Management von Ladeinfrastruktur From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Open Charge Point Protocol, auch OCPP, (deutsch Offenes Ladepunkt-Protokoll) ist ein universelles, herstellerunabhängiges Anwendungsprotokoll, das die Kommunikation zwischen Ladestationen für Elektrofahrzeuge und zentralen Managementsystemen standardisiert. Vergleichbar ist es mit dem Kommunikationsprotokoll von Mobilfunknetzen.[1] Das Protokoll ist als offener Standard unter der Lizenz CC BY-ND 4.0 veröffentlicht.

Beschreibung

Ladestation-Betreiber sind durch ein herstellerunabhängiges Kommunikations-Protokoll weniger abhängig von einzelnen Systemlieferanten. Sollte beispielsweise ein einzelner Hersteller von Ladestation-Infrastruktur seine Tätigkeit einstellen, können dessen bereits installierte Komponenten über das OCPP-Protokoll in die Infrastruktur eines anderen Lieferanten integriert werden.

OCPP ermöglicht es durch das universelle Protokoll, dass bei der Fusion kleiner Ladenetze zu einem größeren Ladenetz die bereits installierte Infrastruktur weiterbetrieben werden kann. Das verbessert die Investitions-Sicherheit von Infrastruktur-Errichtern.[2][3]

Der Sicherheitsteil des OCPP definiert eine End-to-End-Sicherheitsarchitektur mit Implementierungsrichtlinien sowohl für Ladesäulen als auch für zentrale Managementsysteme. Der Teil wurde 2018 mit OCPP 2.0 erstmals eingeführt und befindet sich nun in seiner vierten Überarbeitung. Die korrekte Umsetzung der OCPP-Sicherheitsrichtlinien kann vor einigen der häufigsten Angriffsszenarien schützen, wie z. B. Server-Hijacking, Abhören der Kommunikation und Nachahmung von Ladesäulen.[4]

Zur Unterstützung betreibt die OCA Zertifizierungsprogramme für OCPP. Seit 2019 kann die Kompatibilität nach OCPP 1.6 und seit 2023 nach OCPP 2.0.1 zertifiziert werden. Eine Liste der OCPP-zertifizierten weltweiten Unternehmen und Produkte findet man auf der Website der Open Charge Alliance (OCA).[5][6] Nur zertifizierte Unternehmen dürfen die Zertifizierungslogos verwenden.

Geschichte

OCPP entstand 2009 auf Initiative der ELaad-Stiftung in den Niederlanden, einer von Verteilnetzbetreiber gegründeten Organisation. OCPP hat den Zweck, per offenem Anwendungsprotokoll eine herstellerunabhängige Kommunikation zwischen Elektroauto-Ladestationen und diversen Verrechnungs- sowie Management-Systemen von Ladeinfrastrukturen zu ermöglichen. Mit der wachsender Verbreitung von OCPP wurde 2014 die Open Charge Alliance (OCA) als Nonprofit-Organisation gegründet.[7.1] Neben OCPP entstand in der OCA das Open smart charging protocol (OSCP), welches jedoch nicht aktiv weiterentwickelt wird.[8] OCPP ist weltweit als universelles Kommunikationsprotokoll im Bereich der Ladeinfrastrukturen im Einsatz. Im Dezember 2024 wurde OCPP 2.0.1 Edition 3 vom International Electrotechnical Commission (IEC) als IEC-Standard IEC 63584 veröffentlicht.[9]

Die fehlende Abwärtskompatibilität von OCPP 2.0 bzw. 2.0.1 zu OCPP 1.6 hat Unternehmen bisher davon abgehalten, OCPP 2.0 einzuführen. Daher werden Stand 2026 beide Versionen parallel weiterentwickelt und alle 2.x-Versionen sollen abwärtskompatibel zu OCPP 2.0.1 sein.[7.2]

Verbreitung

In den Vereinigten Staaten war das Department of Energy (DOE) der Ansicht, dass die verschiedenen Energie-Netzwerke eine für unterschiedliche Ladeinfrastrukturen ausreichende Größe aufwiesen. Daher hatte man dort Netzbetreibern, die oft gleichzeitig Hersteller von Ladeinfrastrukturen sind, eine freie Protokollwahl ermöglicht. Seit Februar 2023 fordert die Federal Highway Administration im Zuge des Programms National Electric Vehicle Infrastructure (NEVI) die Verwendung von OCPP oder eines vergleichbaren Protokolls.[10][11]

Das US Department of Energy hat aber seit 2013 seine Bemühungen zur Interoperabilität von Ladestation-Netzwerken gesteigert. Das soll künftig sicherstellen, dass Fahrzeuge, Ladestationen, Kommunikations- und Netzwerksysteme im Einklang mit dem Stromnetz arbeiten. Ein Elektrofahrzeug-Smart-Grid-Interoperabilität-Center am Argonne National Laboratory, etwas außerhalb von Chicago, betreibt Forschungen zur Harmonisierung von Smart-Grid-Technologien.[12]

Versionen

Vom OCPP-Protokoll gibt es verschiedene Versionen:

Weitere Informationen Version, Veröffentlichungsdatum ...
VersionVeröffentlichungsdatumBesonderheiten
1.019.10.2010[13]Erstveröffentlichung, identisch zu Version 0.12
1.117.11.2010[13]
1.221.02.2011[13]offiziell nur für SOAP spezifiziert
1.501.06.2012[14]offiziell nur für SOAP spezifiziert
1.608.10.2015[14]Spezifikation ermöglicht Implementierung mittels SOAP sowie mittels JSON (WebSocket), Erweiterung des OCPP-1.5-Standards um „Smart Charging“-Funktionalitäten (Lastmanagement)
1.6 edition 228.09.2017Enthält alle bekannten Fehlerkorrekturen
1.6 edition 317.02.2022[15]Feld-Beschreibungen präzisiert
1.6 edition 405.02.2026[15]Basierend auf den für die OCPP 2.x-Spezifikation veröffentlichten Sicherheitskorrekturen
2.0April 2018Spezifikation erlaubt nur noch Implementierung als JSON (WebSocket)
Erweiterung des OCPP-1.6-Standards um „Cyber Security“-Themen
2.0.131.03.2020[16] Erweiterte und detaillierte Überwachung und Geräteverwaltung, zertifikatsbasierte Authentifizierung, sichere Firmware-Updates[17]
2.123.01.2025Bidirektionales Laden (V2G/V2X) ISO 15118-20, Prepaid, Ad-hoc-Zahlungen, dynamische QR-Codes, Unterstützung für Stationen zum Batterietausch[18]
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Kritik

Im Rahmen der Einführung batterieelektrischer Fahrzeuge (Elektroautos) in ihrem Fuhrpark beschäftigten sich 2018 Mitarbeiter der Fraunhofer-Gesellschaft mit der Sicherheit von OCPP (Version 1.5 und 1.6). Dabei wurde festgestellt, dass die Abrechnungsdaten ungeschützt zum zentralen Abrechnungsserver übertragen werden.[19]

Einzelnachweise

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