Operational Mentoring and Liaison Team
militärische Operation in Afghanistan
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Operational Mentoring and Liaison Teams (OMLT) war das NATO-Äquivalent der US Embedded Training Teams (ETT) und war in Afghanistan tätig.
Die OMLT waren kleine Teams (10 bis 50 Soldaten) und bestanden aus Führungskräften und Spezialisten. Sie wurden als Ausbilder und Militärberater der afghanischen Streitkräfte (ANA) eingesetzt, begleiteten und berieten die afghanischen Soldaten bei ihren Einsätzen gegen Aufständische. Eine weitere Aufgabe war, neben Begleiten und Beraten, die Koordinierung der Planung von Operationen zwischen ANA- und ISAF-Kräften. Bei gemeinsamen Operationen reichte die Unterstützung von medizinischer Evakuierung bis Luftschlägen. Neben der Afghanischen Nationalarmee arbeiteten sie noch mit verschiedenen Geheimdiensten, der Afghanischen Nationalpolizei und der Afghan Border Force zusammen. Deshalb benötigten OMLT-Mentoren eine erweiterte Sicherheitsüberprüfung mit Sicherheitsermittlungen („Ü3“).[1]

Auftrag
Von Juli 2006 bis 2021 bestand das afghanische nationale Armee-Trainings-Kommando (ANATC), das eng mit ISAF und dem Generalstab der ANA zusammenarbeitete.
Hauptziel der Ausbildung war, dass die ANA zukünftig selbstständig für die Sicherheit des Landes sorgen konnte. Die Bundeswehr setzte zuletzt ein Operational Mentoring and Liaison Teams (OMLT) in der nordafghanischen Stadt Masar-e Scharif ein. Vor 2013 hatte die Bundeswehr noch OMLT Teams in Kunduz und Faizabad. Der Einsatz lief bis 2014 unter ISAF, ging dann 2015 in die Folgemission Resolute Support über und endete 2021.
Einsatz von Sprachmittlern
Die Kommunikation mit den afghanischen Einheiten fand in englischer Sprache mittels Terps (interpreter), die in der Regel nicht aus der Region kamen in der sie eingesetzt wurden, statt. Man wollte, so weit wie es geht, verhindern, dass die Terps durch Entführung von Angehörigen unter Druck geraten. Damit der Terp nicht zusätzlich in seiner Freizeit bzw. außerhalb seines Dienstes gefährdet wurde, fand die Kommunikation in der Regel über SMS statt, damit seine Funktion für die einheimische Bevölkerung nicht wahrnehmbar war. Deshalb war u. a. eine zwingende Voraussetzung für OMLT Militärberater die englische Sprache in Wort und Schrift auf B2 Niveau.[3] Eine weitere Gefährdung der Terps bestand in der Tatsache, dass sie mit ca. 300 Dollar Lohn pro Monat weit über dem afghanischen Lohnniveau verdienten. Bei höherer Sicherheitsstufe erhöhte sich auch der Lohn nochmals deutlich. Im Vergleich dazu verdiente ein afghanischer Soldat oder Polizist nur ca. 70 bis 90 Dollar im Monat (Stand 2010).[4][5]
Ausbildungsprobleme und Desertationen
Die hohe Analphabetenquote der jungen Soldaten von bis zu 90 % war eines der Hauptprobleme bei der Ausbildung. Dies stellte die Ausbilder vor besondere didaktische Probleme. Die Ausbilder mussten zum Teil mit Figuren und Fotos arbeiten. Die meiste Zeit wurde mit Vormachen und Nachmachen oder Learning by Doing gearbeitet.
Die mäßige Entlohnung und Motivation der afghanischen Soldaten führte zum Teil zu Desertationen. In der Erntezeit erreichte die Desertationsquote teilweise bis zu 40 % bei verschiedenen Einheiten. Ein Soldat galt in der afghanischen Armee endgültig als Desertiert, wenn er zum Zahltag nicht mehr erschien. Neben der „normalen“ Desertion gab es noch das Überlaufen zur Gegenseite. Dieses Überlaufen hatte mehrere Gründe. Zum Teil wurden die Soldaten oder deren Angehörige unter Druck gesetzt oder die Gegenseite zahlte für einen gut ausgebildeten Soldaten deutlich mehr Sold. Ein afghanischer Soldat erhielt ca. 70 bis 90 Dollar Sold im Monat (Stand 2010). Auch die Unterwanderung der afghanischen Streitkräfte durch die Taliban führte zu Desertationen, denn oft ließen sich Afghanen vom Westen zu Kämpfern ausbilden, um danach zu desertieren. Nicht nur das deutsche OMLT beklagte sich über „die Unzuverlässigkeit der afghanischen Soldaten.“[6][4][7]
Ein weiteres Problem waren auch die verschiedenen Rechtsauffassungen der afghanischen Armee, Polizei und Afghan Border Force (ABF) im Vergleich zu den westlichen Beratern. Diese liefen oftmals nicht konform mit westlichen Werten bzw. Gesetzen. Bei „robusten“ Verhören kam es regelmäßig zu psychischer sowie physischer Gewalt bis hin zur Folter. Die Misshandlung von Häftlingen bzw. Taliban Kämpfern waren an der Tagesordnung. Auch dies war ein Grund, weshalb die afghanische Armee und Polizei eine Hauptzielscheibe für Anschläge der Taliban und anderer Aufständischer waren. Die Problematik war, dass westliche Polizei und Militärberater keine direkte Befehlsgewalt in den jeweiligen Einheiten hatten. Diese wurde ausschließlich von afghanischen Unteroffizieren oder Offizieren ausgeübt.[4]
Die Todes/Verlustrate bei Gefechten war unter den afghanischen Soldaten im Vergleich zu ISAF Soldaten signifikant höher.[6] Die hohen Verluste sind zum Teil auch auf den Drogenkonsum innerhalb der afghanischen Armee zurückzuführen, welche den betroffenen Soldaten seine militärische Ausbildung vergessen ließ. Laut einer französischen Militärstudie wurde angenommen, dass über 50 % der afghanischen Soldaten Drogen konsumiert haben.[8]
Operationen & Gefechte mit OMLT Einsatz (Auswahl)


Ungefähre Lage von Kakarak |






Bei allen Operationen bei der die Afghanische Armee mit einem größeren Kontingent (über Kompaniegröße) beteiligt war, waren OMLT Militärberater in der Regel mit im Einsatz. Bei Kompaniegröße oder darunter meist nur wenn afghanische Spezialisten mit im Einsatz waren.
Operation Medusa 2006
Operation Medusa war eine von kanadischen Streitkräften geführte Offensive der NATO und afghanischer Streitkräfte, die vom 2. bis zum 17. September 2006 in Afghanistan gegen die Taliban durchgeführt wurde. Anlass der Offensive war der starke Widerstand, der der NATO bei der Übernahme des Kommandos der in Afghanistan stationierten Truppen überraschend entgegenschlug. Die Operation konzentrierte sich auf das Gebiet des Bezirkes Panjwai. Das Gebiet liegt in der Nähe von Kandahar. Insgesamt wurden 200 Talibankämpfer, zwölf NATO-Soldaten kanadischer und jeweils ein NATO-Soldat niederländischer und amerikanischer Herkunft getötet. 14 britische Soldaten kamen bei einem Flugzeugabsturz im Rahmen von Aufklärungs- und Versorgungsmaßnahmen ums Leben.[9][10]
Operation Mountain Fury 2006/2007
Operation Mountain Fury war eine NATO-geführte Operation, die im Anschluss an Operation Medusa die Taliban aus den östlichen Provinzen Afghanistans vertreiben sollte. Die Operation startete am 16. September 2006 und ging bis 15. Januar 2007. Im Verlaufe der Operation erlitten die Taliban schwere Verluste in direkten Kämpfen mit den Koalitionsstreitkräften. Die Verluste der Taliban beliefen sich auf 1.131 Gefallene und die Koalitionstruppen hatten 71 Soldaten der Afghanischen Armee und 37 ISAF Soldaten zu beklagen.
Operation Achilles 2007
Operation Achilles war der Deckname für eine Frühjahrsoffensive der NATO im Krieg in Afghanistan. Sie begann am 6. März 2007 und war bis zum Beginn der Operation Muschtarak am 12. Februar 2010 die größte Operation der NATO, seitdem sie den Befehl im Süden Afghanistans übernommen hatte.[11]
Operation Harekate Yolo 2007
Operation Harekate Yolo (persisch für „Korrektur der Front“) war die erste größere militärische Kampagne im Norden Afghanistans zur Bekämpfung der aufständischen Taliban im Oktober und November 2007. Sie endete nach mehreren Wochen mit der Rückeroberung der erst kurz zuvor von den Taliban besetzten Gebieten im Norden durch alliierte afghanische und NATO-Truppen. Daneben war sie die erste offensive Militäroperation unter deutschem Kommando seit dem Zweiten Weltkrieg.[12]
Schlacht von Chora 2007
Die Schlacht von Chora fand vom 15. bis zum 19. Juni 2007 innerhalb der sowie um die Stadt Chora in der afghanischen Provinz Urusgan statt. Die Gefechte wurden um die Kontrolle einer wichtigen Versorgungsstraße zwischen Truppen der ISAF und deren afghanischen Verbündeten auf der einen und den Taliban auf der anderen Seite geführt.[13]
Schlacht von Musa Qala 2007
Die Schlacht von Musa Qala (auch Qaleh oder Qal'eh)[14] war eine von Großbritannien angeführte Militäraktion in der südafghanischen Provinz Helmand. Die Mission wurde am 7. Dezember 2007 von der afghanischen Nationalarmee und der International Security Assistance Force (ISAF) gegen die Taliban gestartet.[15] Nach drei Tagen intensiver Kämpfe zogen sich die Taliban am 10. Dezember in die Berge zurück.[16] Musa Qala wurde am 12. Dezember offiziell als erobert gemeldet, als afghanische Armeetruppen in die Innenstadt eindrangen.[17] Es war die erste Schlacht im Krieg in Afghanistan, in der afghanische Armeeeinheiten die Hauptkampftruppe waren. Deshalb waren sowohl britische wie amerikanische OMLT Militärberater und Ausbilder beteiligt. Die Talibanverluste beliefen sich auf ca. 100 Mann. Bei der afghanischen Zivilbevölkerung gab es 2–40 Tote. Eine genaue Zahl konnte nicht ermittelt werden, da bei asymmetrischer Kriegsführung die Übergänge oftmals fliesend oder wechselnd sind. Unter den Gefallenen der Koalitionstruppen war der OMLT Zugführer Sergeant Lee Johnson.[18][19]
Char Dara Offensive 2008
Am 19. Juli 2008 gerieten OMLT und Afghanische Soldaten in einen Hinterhalt, ausgelöst durch Sprengfallen und RPG Beschuss. Es entwickelte sich daraufhin das erste längere Feuergefecht der Bundeswehr in Afghanistan. Ursprünglich war für die Operation vier Tage vorgesehen. Durch die starke Gegengenwehr der Taliban verlängerte sich die Operation auf zwei Wochen. Im Zuge dieser Operation konnte die Höhe 431[20] besetzt werden, von wo die Aufständischen immer wieder das deutsche Feldlager beschossen. Die Bundeswehr passte aufgrund dieses Gefechtes die Rules of Engagement daraufhin an, dass Bundeswehrsoldaten nun auch präventiv die Schusswaffe bei einem bevorstehenden Angriff einsetzen konnten.[21] Dahingehend verkürzte und vereinfachte die Bundeswehr die dementsprechende Taschenkarte.[22]
Gefecht bei Zarghun Kalay 2008
Am 17. Dezember 2008 geriet ein britisches OMLT bei einer Operation zur Vertreibung von Aufständischen aus dem Bezirk Nad-e-Ali (Nad 'Ali) in ein Gefecht bei Zarghun Kalay in der Provinz Helmand. Dabei fiel der in Australien geborene Rifleman Stuart Nash, der zum OMLT Sicherungszug gehörte.[23]
IEDs Girischk 2009
IED Anschläge gehörten spätestens seit 2007 zum Alltag in Afghanistan. Beim Anschlag am 25. Februar 2009 bei Girischk in der Provinz Helmand starben gleich drei britische OMLT Soldaten. Rifleman Jamie Gunn, Lance Corporal Paul Upton und Corporal Tom Gaden fielen am Anschlagsort. Ein halbes Jahr später, am 21. September 2009, fiel mit Sergeant Michael Lockett ein weiterer britischer OMLT Soldat, auch durch IED und ebenfalls bei Girischk.[24]
Erste und zweite Schlacht von Kakarak 2009
Die erste und zweite Schlacht von Kakarak wurde in der Nähe des Dorfes Kakarak im Bezirk West Dorafshan in der Provinz Urusgan am 16. März 2009 und 12. April 2009 ausgetragen. Die Kämpfe fanden zwischen australischen Streitkräften der 1. Mentoring and Reconstruction Task Force (MRTF-1), Operational Mentoring and Liaison Team (OMLT), ANA-Streitkräften und Taliban-Kämpfern statt, wobei das Gebiet als einer der letzten Taliban-Außenposten in der Region angesehen wurde.
Operation Sahda Ehlm 2009
Am 7. Juni 2009 wurden in Chahar Darreh im Rahmen der Operation Sahda Ehlm zwei deutsche Soldaten angeschossen. Außerdem wurden ein Aufständischer getötet und zwei verwundet. Bei weiteren Gefechten erlitten die Aufständischen Verluste in Höhe von 7 Toten und 14 Verwundeten. Am 15. Juni gegen 10:50 Uhr wurde eine Patrouille der afghanischen Armee zusammen mit Soldaten eines belgischen Verbindungsteams (OMLT) nordwestlich des PRT Kunduz beschossen. In dem sich anschließenden Gefecht setzten die Afghanen Luftnahunterstützung ein. Als deutsche und afghanische Verstärkungskräfte eintrafen, konnte der Gegner zum Ausweichen gezwungen werden. Im Verlauf des Gefechts wurden zwei afghanische Soldaten getötet und zwei weitere verletzt.[25] Die Angreifer hatten fünf Tote und vier Verletzte.
Operation Oqab 2009
Seit April 2009 ereigneten sich in Kundus mehrere schwere Gefechte zwischen afghanischen Sicherheitskräften, Einheiten der ISAF und Aufständischen (siehe dazu ISAF-Operationsführung im Raum Kundus (2009–2014)).Laut Bundesnachrichtendienst war das Ziel der Taliban und der Islamischen Dschihad-Union, Druck auf das deutsche Kontingent auszuüben, um einen Rückzug zu erzwingen. Die daraufhin gestartete Operation Oqab (deutsch Operation Adler) hatte das Ziel, die Lage in der seit April 2009 stetig instabiler gewordenen Provinz vor der afghanischen Präsidentschaftswahl am 20. August 2009 zu verbessern. Da von den 1200 eingesetzten Koalitionstruppen die Afghanische Armee 900 Soldaten stellten wurde das deutsche OMLT Team zusätzlich noch von belgischen OMLT Soldaten unterstützt.[26]
Präsidentschaftswahl 2009
Am Wahltag, dem 20. August 2009 sicherten u. a. deutsche OMLT Soldaten und Mitarbeiter eines privaten Sicherheits- und Militärunternehmen das OCCP (Operations Coordination Center-Provincial) in Kunduz und gerieten unter Beschuss. Es gab keine Ausfälle.
Gefecht von Kamdesh 2009
Am 3. Oktober 2009 starteten ca. 300 Taliban-Kämpfer 6:00 Uhr einen koordinierten Angriff von drei Seiten auf den Combat Outpost (COP) Keating in Kamdesh in der Provinz Nuristan. Die Taliban-Kämpfer setzten dabei Raketenwerfer, Mörser, Maschinengewehre und Handfeuerwaffen ein. Verteidigt wurde der COP Keating von 53 US-Infanteristen und OMLT Militärberatern. Bei dem Angriff wurden acht Amerikaner getötet und 27 verwundet, während die Taliban 150 bis 200 Tote und Verwundete zu beklagen hatten (US-Quellen). Infolge des Gefechtes wurde COP Keating teilweise überrannt und beinahe zerstört. Aufgrund der ungünstigen Lage stand bereits vor dem Überraschungsangriff der Taliban fest den COP aufzulösen. Am 5. und 6. Oktober führten ISAF Koalitionstruppen Operationen in dem Gebiet durch, um die für den Angriff auf die Außenposten verantwortlichen Taliban-Kräfte aufzuspüren und zu vernichten. Bei diesen Operationen kamen weitere 10 afghanische Soldaten, Koalitionstruppen und mehrere Taliban ums Leben.[27][28]
Operation Muschtarak 2010
Operation Muschtarak (persisch مشترک, deutsch: „gemeinsam“, englische Schreibweise: Moshtarak) war eine Großoffensive der ISAF unter NATO-Führung im Krieg in Afghanistan seit 2001. Das Unternehmen unter Führung der United States Army und des United States Marine Corps begann am 13. Februar 2010 und endete am 7. Dezember 2010. Sie stellte die umfangreichste Operation des Bündnisses seit der Operation Achilles im Jahr 2007 dar.[29]
Karfreitagsgefecht 2010
Am 2. April 2010 kam es zum sogenannten Karfreitagsgefecht der Bundeswehr. Im PHQ an der LOC (Line of communication) Kamins im Distrikt Charah Darrah kämpften OMLT Soldaten gemeinsam mit afghanischen Soldaten des 209th ANA Corps. Dabei fielen sechs, von OMLT trainierte, afghanische Soldaten des 209th ANA Corps.[30]
Operation Taohid 2010
Am 15. April 2010 waren deutsche und belgische Soldaten (OMLT Kunduz) bei Baghlan im Rahmen der Operation Taohid II auf Patrouille. Dieser Großeinsatz war nach einer tagelangen Pause am Tag zuvor wieder angelaufen. Bei der Überquerung einer Brücke („Dutch Bridge“) bei Kuk Chenar durch Einheiten der afghanischen Armee und deren OMLT Ausbildern kam es zu einem Anschlag und einem Feuergefecht, bei dem drei deutsche OMLT Soldaten fielen und mehrere zum Teil schwer verwundet wurden. Die gefallenen OMLT´ler stammten aus der Unteroffizierschule des Heeres in Weiden in der Oberpfalz und aus dem Gebirgspionierbataillon 8 in Ingolstadt.
Der daraufhin in Marsch gesetzte bewegliche Arzttrupp wurde vier Stunden später circa acht Kilometer nördlich des Regionalen Wiederaufbauteams (Provincial Reconstruction Team) Pol-e Chomri (rechts auf Karte: Puli Khumri) mit Hand- und Panzerabwehrwaffen sowie vermutlich mit Mörsern beschossen. Dabei wurde das Fahrzeug des beweglichen Arzttrupps getroffen. Eine Granate detonierte im hinteren Teil des geschützten Sanitätsfahrzeugs vom Typ Yak und tötete den Oberstabsarzt Thomas Broer vom Bundeswehrkrankenhaus Ulm.[31][32]
Operation Halmazag 2010
Operation Halmazag (Dari für „Blitz“) war eine von der Bundeswehr geleitete Offensivoperation von Truppen der afghanischen Sicherheitskräfte (Armee, Polizei, Geheimdienst) in enger Zusammenarbeit mit ISAF und Operational Mentoring and Liaison Team (OMLT) in der Provinz Kundus vom 31. Oktober bis 4. November 2010. Die Operation Halmazag sollte den Aufbau eines ISAF-Außenpostens nahe der Ortschaft Quatliam im Distrikt Char Darah vorbereiten. Halmazag war hinsichtlich der Etablierung des Außerposten erfolgreich. Es handelte sich um die erste deutsche Offensive seit dem Zweiten Weltkrieg.[33] Medienberichte sprechen von bis zu 27 zivilen Opfern.[34][35][36]
Schlacht von Sangin 2010/2011
Die Schlacht um Sangin im Distrikt Sangin (Helmand), war einer der längsten Operation (Juli 2010 – Oktober 2011) während des Afghanistan-Krieges. Sangin gilt sowohl bei den Vereinigten Staaten als auch bei Großbritannien als das blutigste Schlachtfeld Afghanistans. Beide Nationen verzeichneten über 100 Gefallene und mehrere hundert mittelschwere bis schwere Verletzte. Die Provinz Helmand wies einer der größten Talibanpräsenzen in Afghanistan auf. Kurz nachdem der Taliban-Aufstand in Afghanistan Fuß gefasst hatte, gerieten große Teile der Provinz Helmand unter die Kontrolle der Taliban. Laut BBC-Korrespondent Ian Pannell war Helmand von allen afghanischen Provinzen die schwierigste für die Koalitionstruppen.[37]
Gefallene deutsche OMLT Soldaten

- Major Jörn Radloff (38), Mentor, Unteroffizierschule des Heeres, Standort Weiden in der Oberpfalz
- Hauptfeldwebel Marius Dubnicki (32), Mentor, 1./GebPiBtl 8 (Gebirgspionierbataillon), Standort Ingolstadt
- Stabsunteroffizier Josef Kronawitter (24), Kampfmittelräumer, 2./GebPiBtl 8 (Gebirgspionierbataillon), Standort Ingolstadt[38] Sein Name ist auf dem Kriegerdenkmal in Untergriesbach an der Bundesstraße 388 ⊙ vermerkt. Der Name Kronawitter ist auf diesem Kriegerdenkmal, neben dem Afghanistan-Krieg, auch unter dem Ersten und Zweiten Weltkrieg mehrmals zu finden.[39]
Alle drei Soldaten fielen im Rahmen der Operation Taohid II am 15. April 2010. Der 15. April 2010 war mit insgesamt 4 gefallenen Soldaten, nach dem Hubschrauberabsturz am 21. Dezember 2002 nahe Kabul mit 7 Toten und mit dem Selbstmordattentat 2003 in Kabul der zweitverlustreichste Einsatztag der Bundeswehr (Stand 2019). Allen drei OMLT Soldaten wurden posthum die Bundeswehr ISAF und die NATO ISAF Medaillen verliehen.
Verluste ISAF-Einsatz
Gefallene im ISAF Einsatzes (2001 bis 2014) nach Ländern mit 25 oder mehr Gefallenen:
Australien 41
Dänemark 43
Deutschland 54
Frankreich 86
Georgien 27
Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland 453
Italien 48
Kanada 158
Niederlande 25
Polen 40
Spanien 34
Vereinigte Staaten 2356[40]
Aufstellung
Folgende Länder stellten eigene komplette OMLT Teams:
Australien
Deutschland
Frankreich
Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland
Italien
Schweden
Vereinigte Staaten
Folgende Länder stellten vereinzelte Soldaten für OMLT Teams anderer Länder:
Standorte deutscher OMLT Teams in Afghanistan

| Bezeichnung | Ort | Zeitraum |
|---|---|---|
| Feldlager Kunduz | Kunduz | bis 19. Oktober 2013 |
| Feldlager Faizabad | Faizabad | bis Oktober 2012 |
| Camp Mike Spann | Dehdadi | bis 27. Dezember 2014 |
| Camp Marmal | Masar-e Scharif | 28. Dezember 2014 – 29. Juni 2021[Anm 1] |
Siehe auch
Weblinks
- Bundeswehr: OMLT – Mentoren im Einsatz – YouTube
- NATO: Fact Sheet NATO’s Operational Mentor And Liaison Teams (OMLTs) (englisch)
- Spiegel Online: Ausbilder auf tödlicher Mission
- Dokumentation und Rekonstruktion: Karfreitagsgefecht 2.April 2010 - Afghanistan
- Masterarbeit von Major Jan Erik Haug über den OMLT Einsatz Afghanistan (PDF in Englisch)
Anmerkungen
- Unterbringung im Camp Marmal, die Ausbildung wurde aber weiter im Camp Mike Spann unter Resolute Support fortgeführt.
