Apostolische Signatur

höchstes Gericht der Römischen Kurie From Wikipedia, the free encyclopedia

Name: Oberster Gerichtshof der
Apostolischen Signatur

(lat. Supremum Signaturae
Apostolicae Tribunal
)
Sitz: Piazza della Cancelleria, 1
00186 Roma
Der Palazzo della Cancelleria an der Piazza della Cancelleria
Präfekt: Dominique Kardinal Mamberti
(seit 8. November 2014)
Sekretär: Andrea Ripa
(seit 26. Januar 2022)
Schnelle Fakten Basisdaten, Name: ...
Basisdaten
Name: Oberster Gerichtshof der
Apostolischen Signatur

(lat. Supremum Signaturae
Apostolicae Tribunal
)
Sitz: Piazza della Cancelleria, 1
00186 Roma
Der Palazzo della Cancelleria an der Piazza della Cancelleria
Präfekt: Dominique Kardinal Mamberti
(seit 8. November 2014)
Sekretär: Andrea Ripa
(seit 26. Januar 2022)
Siegel: Siegel der Apostolischen Signatur
Schließen

Die Apostolische Signatur (lateinisch Signatura Apostolica), offiziell Oberster Gerichtshof der Apostolischen Signatur (lateinisch Supremum Signaturae Apostolicae Tribunal,[1] kurz SSAT), wurde nach Anfängen im 15. und 16. Jahrhundert[2] im Jahre 1608 als höchstes Gericht der Römischen Kurie geschaffen. Präfekt dieses Gerichtshofes ist derzeit Dominique Kardinal Mamberti. Die Apostolische Signatur hat ihren Sitz in Rom im Palazzo della Cancelleria. Ihre Grundlagen sind in can. 1445 CIC, in Art. 194–199 der Apostolischen Konstitution Praedicate Evangelium (PE)[3] und in ihrer Lex Propria (LP)[4] geregelt.

Organisation und Zuständigkeit

Der Gerichtshof ist unterteilt in drei Sektionen, deren erste die Funktion eines Kassationsgerichts, die zweite die eines Verwaltungsgerichts und die dritte die eines Justizministeriums erfüllt.

  • Sektion I: ordentliche Gerichtsbarkeit (can. 1445 § 1 CIC; Art. 196 PE; Art. 33, 36–72 LP)
    • Nichtigkeitsbeschwerden (querela nullitatis)[5]
    • Anträge auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (petitio restitutionis in integrum)[6]
    • Beschwerden in Personenstandssachen gegen die Ablehnung einer neuen Behandlung der Sache (novum causae examen)
    • Befangenheitseinreden (exceptio suspicionis) und andere Verfahren gegen Richter der Römischen Rota
    • Kompetenzstreitigkeiten zwischen Gerichten, die nicht demselben Berufungsgericht unterstehen (conflictus competentiae inter tribunalia)
  • Sektion II: Verwaltungsgerichtsbarkeit (can. 1445 § 2 CIC; Art. 197 PE; Art. 34, 73–105 LP)
    • Beschwerden gegen Verwaltungsakte von Dikasterien der Römischen Kurie (recursus adversus actus administrativos)
    • Wiedergutmachung von Schäden (reparatio damnorum)
    • Zuständigkeitsstreitigkeiten zwischen Dikasterien (conflictus competentiae inter Dicasteria)
  • Sektion III: administrative Angelegenheiten (can. 1445 § 3 CIC; Art. 198 PE; Art. 35, 106–121 LP)
    • Überwachung der geordneten Amtsführung im Gerichtsbereich (rectae administrationi iustitiae invigilare)
    • Verfahren gegen gerichtliche Mitarbeiter, Anwälte oder Prozeßbevollmächtigte
    • Überweisung (commissio) einer Sache an die Römische Rota, Dispens vom Prozessrecht oder andere Gnadenerweise bezüglich der Rechtspflege
    • Erweiterung der Zuständigkeit untergeordneter Gerichte
    • Errichtung besonderer Berufungsgerichte oder interdiözesaner Gerichte
    • Nichtigerklärung von Ehen im summarischen Verfahren[7]
    • Ausführungsdekrete zur Erlangung bürgerlicher Wirkungen (effectus civiles)

Die Apostolische Signatur urteilt durch Kollegien aus fünf Richtern, wenn nicht der Präfekt die Entscheidung der Vollversammlung vorlegt oder anordnet, dass über eine die Zurückweisung der Klage betreffende Beschwerde ein Kollegium aus drei Richtern befindet (Art. 21, Art. 1 § 3 LP).[8]

Der Präfekt trifft seine Entscheidungen regelmäßig im Kongress, der außerdem aus dem Sekretär, dem Kirchenanwalt und dem Bandverteidiger sowie ihren Stellvertretern in Anwesenheit des Kanzlers besteht (Art. 22, Art. 5 § 2 LP).

Ihre Entscheidungen werden zwar nicht von ihr selbst publiziert, über ihre Tätigkeit informiert die Apostolische Signatur aber jährlich, bis 2015 im Jahrbuch Attività della Santa Sede,[9] seitdem online.[10] Die Apostolische Signatur untersteht wie alle Kurienbehörden direkt dem Papst.

Besetzung

Die Apostolische Signatur besteht derzeit zusätzlich zum Präfekten aus 16 Kardinälen, fünf Erzbischöfen und zehn Bischöfen, die vom Papst für jeweils fünf Jahre berufen werden. Mitglieder der Apostolischen Signatur sind zurzeit:[11]

Kardinäle

Erzbischöfe

Bischöfe

Weihbischöfe

Weitere Mitarbeiter der Apostolischen Signatur sind der Sekretär (seit 2016 Giuseppe Sciacca), der Kirchenanwalt (seit März 2024 Shane Lee Kirby); Bandverteidiger (seit September 2019 Nikolaus Schöch OFM)[21] sowie deren Stellvertreter, der Vorsteher der Kanzlei und das übrige Gerichtspersonal.

Präfekten

Dominique Mamberti, amtierender Präfekt der Apostolischen Signatur

Aktenwesen und Statistik

Die Protokoll-Nummer (das Aktenzeichen) besteht aus einer seit 1968 fortlaufend vergebenen Nummer, dem Zugangsjahr und einem Sachgebietskennzeichen (Ausnahmen: Sachgebiete ES und SAT). Beispiel: Prot. n. 54519/19 CA.

Es gibt folgende Sachgebietskennezeichen;[22] in Klammern die Zahl der jeweiligen Neuzugänge 2023 (insgesamt 668):[23]

  • CA: Contentiosus Administrativus (83)
  • CC: Conflictus Competentiae (0)
  • CG: Contentiosus Iudicialis, italienisch «Contenzioso Giudiziario» (5)
  • CP: Commissiones Pontificiae (35)
  • EC: Effectus Civiles (271 aus Italien, 11 aus Portugal, 1 aus Brasilien)
  • ES: Examen Sententiarum (11)
  • SAT: Status et Activitas Tribunalium (114)
  • VAR: Variae (93)
  • VT: Vigilantia Tribunalium (44)

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI