Oberweißbach/Thüringer Wald

Ortsteil von Schwarzatal From Wikipedia, the free encyclopedia

Oberweißbach/Thüringer Wald (amtlich: Oberweißbach/Thür. Wald) ist ein Ortsteil der Landgemeinde Stadt Schwarzatal im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen (Deutschland) und staatlich anerkannter Erholungsort.

Schnelle Fakten Landgemeinde Stadt Schwarzatal ...
Oberweißbach/Thüringer Wald
Landgemeinde Stadt Schwarzatal
Wappen von Oberweißbach/Thüringer Wald
Koordinaten: 50° 35′ N, 11° 9′ O
Höhe: 670 m
Fläche: 9,65 km²
Einwohner: 1664 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2019
Postleitzahl: 98744
Vorwahl: 036705
Ansicht von Oberweißbach
Ansicht von Oberweißbach
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Geografie

Oberweißbach ist ein staatlich anerkannter Erholungsort[2] im Naturpark Thüringer Wald im Weißbachtal.

Umgangssprachlich wird der Landstrich als Raanz bezeichnet, in Anlehnung an das Arbeitsgerät der Buckelapotheker genannten Olitätenhändler, die diese Region vom 16. bis zum 20. Jahrhundert prägten. Der Begriff Raanz = „Ranzen“ steht für eine in Oberweißbach entwickelte aus Leder gefertigte Sonderform des Reffs. Der Olitätenhandel war letztlich auch der Antrieb zum Bau der Oberweißbacher Bergbahn, die die Ortschaften auf der Hochfläche an das Verkehrswegenetz anschloss.

Weiter gegliedert werden kann Oberweißbach/Thüringer Wald in die zwei Ortsteile:

Geschichte

Der Ort wurde 1370 erstmals urkundlich erwähnt. Namengebend war ein dort verlaufendes Gewässer. Vor 1600 war er ein Lehen der Herren von Greußen und kam dann durch Kauf an die Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Er war ein frühes Zentrum der Herstellung und des Handels von Olitäten, im 19. Jahrhundert kam insbesondere die Glasbläserei auf.[3] 1799 wurden 1030 Einwohner gezählt, im Jahr 1900 waren es 2081. Bis 1918 gehörte der Ort zur Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.

Von 1919 bis 1923 wurde die Oberweißbacher Bergbahn erbaut. 1932 erhielt Oberweißbach das Stadtrecht. Auch zu DDR-Zeiten blieb die Glasproduktion bestimmender Wirtschaftszweig der Stadt.

1994 kam Oberweißbach zum Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Es wurde ebenfalls 1994 Mitglied und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Bergbahnregion/Schwarzatal mit den Gemeinden Cursdorf, Deesbach, Katzhütte, Oberweißbach und Meuselbach-Schwarzmühle.

Am 1. Januar 2019 schlossen sich die Gemeinden Mellenbach-Glasbach und Meuselbach-Schwarzmühle mit der Stadt Oberweißbach/Thüringer Wald zur Stadt und Landgemeinde Schwarzatal zusammen, welche gleichzeitig Mitglied und Sitz der neu gebildeten Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal wurde.[4]

Eingemeindungen

Am 1. Dezember 2008 wurde die ehemals selbständige Gemeinde Lichtenhain/Bergbahn in die Stadt Oberweißbach/Thür. Wald eingegliedert.[5]

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl: (Stand jeweils 31. Dezember)

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner
19941.831
19951.788
19961.806
19971.790
19981.787
Jahr Einwohner
19941.831
19951.788
19961.806
19971.790
19981.787
Jahr Einwohner
19991.756
20001.751
20011.723
20021.683
20031.668
Jahr Einwohner
20041.651
20051.645
20061.629
20071.609
20081.887
Jahr Einwohner
20091.897
20101.882
20111.840
20121.803
20131.763
Jahr Einwohner
20141.728
20151.721
20161.693
20171.678
20181.664
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Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik[1]

Politik

Bürgermeister / Ortschaftsbürgermeister

Der langjährige ehrenamtliche Bürgermeister Jens Ungelenk wurde am 12. September 2004 mit 613 von 691 abgegebenen Stimmen gewählt.[6] Zum 20. Juni 2015 kündigte er seinen Rückzug an.[7] Am 13. September 2015 wurde Bernhard Schmidt mit 530 von 584 abgegebenen Stimmen zum letzten Bürgermeister gewählt. Seit dem 1. Juni 2024 ist Mario Schmidt Ortschaftsbürgermeister.[8]

Wappen

Blasonierung: „In Rot eine aus dem Schildfuß wachsende silbern gekleidete Frauengestalt mit goldenen Haaren und verbundenen Augen, in der Rechten ein gesenktes silbernes Schwert und in der linken Hand eine silberne Waage haltend.“

Es stellt die Justitia mit verbundenen Augen und der Waage als Symbol für die Gerechtigkeit dar.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Zu Ehren von Friedrich Fröbel wurde 1982 in seinem Geburtshaus (50° 34′ 58,1″ N, 11° 8′ 39,5″ O) am Markt ein Museum eingerichtet. In dem Haus befindet sich neben der ständigen Fröbel-Ausstellung auch die Stadtbibliothek sowie ein Olitätenhandel.

Bauwerke

Hoffnungskirche

Die 1779 fertiggestellte Hoffnungskirche ist die größte Dorfkirche Thüringens mit 2000 Sitzplätzen und verfügt über die größte Kanzel Europas, auf der zwölf erwachsene Personen Platz finden. Wegen ihrer Größe wird sie auch „Südthüringer Dom“ genannt. Die Kirche, die auch die Taufkirche Friedrich Fröbels war, wird neben den Gottesdiensten auch für Konzertveranstaltungen genutzt und kann täglich besichtigt werden. Der programmatische Name Hoffnungskirche wurde anlässlich der 225-Jahr-Feier von der Gemeinde gewählt, zuvor war die Kirche namenlos.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Oberweißbach war für die Produktion von Leuchtmitteln bekannt. 1903 gründete Mylius Erhard eine Glühlampenfabrik. Bis zur Verstaatlichung 1946 gab es mehrfache Änderungen der Besitzverhältnisse, 1948 wurde der VEB Glühlampenwerk Oberweißbach gegründet. 1969 erfolgte die Eingliederung in den NARVA-Verband. Nach der Wende wurde der Betrieb 1990 in die NARVA Glühlampenwerk Oberweißbach GmbH umgewandelt und stellte in erster Linie Thüringer Glaslichtschmuck (wie zum Beispiel Christbaumschmuck) her. Im Jahr 2009 wurde das Werk endgültig geschlossen. Die Stadt Oberweißbach beschloss 2012 den Erwerb des Geländes und die Umwandlung in ein Mischgebiet für Gewerbe und Wohnungen.[9]

Auch die Landwirtschaft ist von Bedeutung. Oberweißbach war Sitz einer LPG Tierproduktion. Auch heute spielt die Rinderzucht eine nennenswerte Rolle.

Verkehr

Oberweißbach liegt an der Flachstrecke der Oberweißbacher Bergbahn nach Cursdorf und Lichtenhain, dort besteht Umsteigemöglichkeit zur 1,4 km langen Standseilbahn nach Obstfelderschmiede an der Schwarzatalbahn.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Personen mit Bezug zum Ort

Literatur

  • Christiane Schillig: Der Sohn erfand den Kindergarten - der Vater baute eine Kirche. Wie die Oberweißbacher Hoffnungskirche gerettet wurde. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.): Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Nummer 1/2. (Selbstverlag), 2006, ISSN 0941-7125, S. 3839.
  • Elvira Grudzielski, Rund um den Fröbelturm Bd.1., ein Zeitdokument v. 1880 bis 1930 der Stadt Oberweißbach, u. d. Gemeinden Cursdorf, Deesbach, Leibis, Lichtenhain/Bergb., Mellenbach, Meura, Meuselbach-Schwarzmühle, Schwarzburg, Sitzendorf, Unterweißbach ersch. 1992 (ISBN 3-89264-657-0)
  • Elvira Grudzielski, Rund um den Fröbelturm Bd. 2., ein Zeitdokument von 1930 bis 1990 der Stadt Oberweißbach, u. d. Gemeinden Cursdorf, Deesbach, Leibis, Lichtenhain/Bergb. Mellenbach, Meura, Meuselbach-Schwarzmühle, Schwarzburg, Sitzendorf, Unterweißbach ersch. 2000 (ISBN 3-89570-706-6)
  • Elvira Liebmann, (Grudzielski) Das Thüringer Kräuterland, ersch. 2012. In dem Buch wird das „Thüringer Kräuterland“ mit 40 Ortschaften vorgestellt, unter anderem die Stadt Oberweißbach.(ISBN 978-3-943509-02-1)

Einzelnachweise

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