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Orbiter (Kamerasitz)

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Ein Orbiter in der professionellen Videotechnik ist ein Schwenksitz auf dem ein Kameramann in niedriger Höhe sitzend über dem Boden arbeitet.

Orbiter

Der Orbiter kennzeichnet sich durch das Prinzip der Teilentkopplung von Kamera und Schwenksitz. Dies bewirkt, dass eigene Schwingungen des Kameramannes nur sehr gedämpft auf die Kamera übertragen werden können. Erreicht wird dies mit einem speziellen Lager für den Schwenksitz, das bewirkt, dass eine auftretende Erschütterung vom Zentrum des Systems hinweg zu den äußeren Stellfüßen geleitet werden. Eine bestmögliche Schwingungsresistenz ist bei den heute zur Verwendung kommenden Brennweiten von Teleobjektiven mit Vergrößerungsfaktoren von bis zu 101-fach entscheidend für stabile Bilder. Je näher das Teleobjektiv zum Objekt zoomt desto stabiler muss die Kamera stehen, da das Bild sonst wackeln könnte. Eigenschwingungen durch die Fußarbeit des Kameramannes sind daher unerwünscht und müssen von der Kamera ferngehalten werden. Neben der mechanischen Entkopplung mittels eines bestimmten Lagertyps wurden deshalb beim Orbiter-System im Laufe seiner Weiterentwicklung zusätzliche Dämpfungsglieder eingebaut, die weitere Bildstabilität bringen.

Für das praxisgerechte Arbeiten musste bei der Konstruktion gleichzeitig berücksichtigt werden, dass der Schwenksitz einerseits nicht an der Kamerasäule gelagert werden darf, um diese mechanisch nicht zu belasten und Schwingungen zu reduzieren, und dass die horizontale Rotation der Kamera (Panning) auf der gleichen Achse erfolgt wie die des Schwenksitzes. Es existieren Systeme, bei denen diese beiden Bewegungen auf einer gemeinsamen Achse oder auf zwei getrennten Achsen gekoppelt sind. Dies bewirkt eine Erschwernis für stabile Bildarbeit.

Die Bezeichnung Orbiter wurde aus verschiedenen Gründen für die Positionierung am Markt als passend erachtet. Ein Kameramann befindet sich mit dem Orbiter sozusagen in einer Umlaufbahn – einem Orbit um die Kamera, andererseits ist der Begriff orbital der Medizinsprache entlehnt und bedeutet „die Augenhöhle betreffend“.

Aufgrund der Leistungsmerkmale, der Effizienz und der Störunanfälligkeit wurde das Orbiter-System weltweit zum meist verkauften Kamerasitz und wird von vielen Sportverbänden, wie der FIFA, UEFA und DFL standardmäßig angefordert und von den Sendern vorgeschrieben. Seit 2007 ist der Orbiter seitens der DFL verpflichtend für die Kameras an der Seitenlinie in der ersten und zweiten Fußball Bundesliga. Seit der Fußball-EM 2004 in Portugal und der WM 2006 in Deutschland kommen bei den Endrundenturnieren der FIFA und UEFA am Spielfeldrand nahezu ausschließlich Orbiter-Systeme zum Einsatz. Mobile und teilmobile Orbiter Versionen kommen seit der FIFA WM 2022 in Katar zunehmend in den Rängen zum Einsatz, wo sie Sichtbehinderungen der Zuschauer durch Fernsehkameras reduzieren. Die FIFA WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko brachte eine Rekordzahl von über 100 Orbiter Systemen verschiedenster Versionen im Einsatz für das gesamte Turnier in allen 16 Stadien.

Seit 2014 werden Spezialausführungen in der Luft und Raumfahrt eingesetzt, wobei in Kourou/ Französisch Guiana und auf der Edwards Airforce Base in den USA startende Ariane 5 + 6, Vega und Sojus Raketen, sowie experimentelle Luftfahrzeuge videotechnisch aufgezeichnet werden.

Schon kurze Zeit nach Markteinführung des Sitzes erschienen eine chinesische Kopie, später eine spanische Kundenkopie sowie eine niederländische Teilkopie. Sie konnten allerdings nicht die Verkaufszahlen des Originals erreichen.

Quellen

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