Bahnstrecke Orlamünde–Oppurg
Bahnstrecke in Deutschland
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Die Bahnstrecke Orlamünde–Oppurg (auch: Orlabahn) ist eine Nebenbahn in Thüringen. Sie zweigt in Orlamünde von der Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld ab und führt im Tal der Orla nach Pößneck. Von 1892 bis 1946 führte die Strecke weiter bis Oppurg, wo sie in die Bahnstrecke Leipzig–Probstzella einmündete.
| Orlamünde–Oppurg | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer (DB): | 6684 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke (DB): | 559 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 14,9 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenklasse: | A | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Minimaler Radius: | 192 m | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckengeschwindigkeit: | 60 km/h | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Geschichte
Vorgeschichte
Bereits seit den 1830er Jahren wurde die Bahnstrecke Großheringen–Saalfeld geplant, aber erst in den 1860er Jahren kam es zu konkreten Projektierungen. Ein wesentlicher Streitpunkt war die genaue Streckenführung, Sachsen-Meiningen wollte die Bahnstrecke über das Orlatal Richtung Pößneck bauen, um keine Konkurrenz zur Bahn Gera–Eichicht (heute Teil der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella) zuzulassen. Schwarzburg-Rudolstadt bestand dagegen auf eine Streckenführung über Rudolstadt. Am 8. Oktober 1870 schlossen die Staaten Sachsen-Altenburg, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Weimar-Eisenach und Schwarzburg-Rudolstadt einen Staatsvertrag. In ihm wurde unter anderem festgehalten, dass eine zu gründende Eisenbahngesellschaft beide Strecken bauen sollte.[3.1] Die Saal-Eisenbahn-Gesellschaft wurde daraufhin 1871 gegründet, die Hauptstrecke Großheringen–Saalfeld sollte innerhalb von 2,5 Jahren und die Stichbahn nach Pößneck innerhalb von fünf Jahren fertiggestellt werden.[4.1]
Bau und Eröffnung
Aufgrund wirtschaftlicher Probleme verzögerte die Bahngesellschaft den Baubeginn vorerst. Die Vorarbeiten für den Bahnbau begannen 1887, eine entsprechende Konzession für die Strecke wurde 1888 vergeben.[3.2] Die 11,7 Kilometer lange Strecke von Orlamünde bis Jüdewein (heute Pößneck unt Bf) wurde am 1. Oktober 1889 eingeweiht. Als zweiter Abschnitt folgte die 3,2 Kilometer lange Verbindung von Jüdewein nach Oppurg, die die am 15. Oktober 1892 eröffnet wurde. Damit wurde Jüdewein zum Spitzkehrenbahnhof, da eine direkte Verbindung vom im Orlatal liegenden Bahnhof zur höhergelegenen Bahnstrecke Leipzig–Probstzella nicht möglich war.[3.3]

Für den Bau der Strecke waren mehrere Brückenbauten erforderlich. Markantestes Bauwerk ist die 84 Meter lange Saalebrücke[5.1] zwischen Orlamünde und Freienorla, daneben wurde auch der namensgebende kleine Fluss Orla mehrmals gequert. Im Stadtgebiet von Pößneck wurde auf dem Oppurger Streckenast die Straße Pößneck–Neustadt (Orla) überbrückt.
Betrieb bis 1990
Die Verkehrseinnahmen der Bahnstrecke verbesserten das Betriebsergebnis der in finanziellen Schwierigkeiten steckende Gesellschaft erheblich.[3.2] Ein Hochwasser im November 1890 beschädigte aber viele Streckenabschnitte der Saal-Eisenbahn-Gesellschaft, die Beseitigung der Schäden belastete die Bahngesellschaft finanziell schwer. Die Strecke von Orlamünde nach Oppurg kam vergleichsweise glimpflich davon, hier konnte der Betrieb schnell wieder aufgenommen werden.[3.4]
Preußen verstaatlichte die Gesellschaft 1895, fortan gehörte die Bahnstrecke Orlamünde–Oppurg zur Königlichen Eisenbahn-Direktion Erfurt.[4.2][3.5]
Gegen Kriegsende wurde bei Kleindembach mit Bauarbeiten für eine Untertageanlage der Rüstungsindustrie begonnen, die Anlage wurde aber bis Kriegsende nicht mehr fertiggestellt.[6] Im April 1945 wurde die Saalebrücke bei Orlamünde wie zahlreiche weitere Brücken in der Umgebung gesprengt.[7] Eine Sprengung der Orlabrücke bei Kleindembach wurde verhindert.[6]
Der Streckenteil Pößneck unt Bf–Oppurg wurde 1946 als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut. Bis zur Reparatur der Saalebrücke verblieb somit ein Inselbetrieb zwischen Freienorla und Pößneck unt Bf.[7]
In den 1960er Jahren wurde die Verkehrseinstellung auf der Reststrecke diskutiert, allerdings verhinderte der noch umfangreiche Verkehr schließlich eine Stilllegung.[3.2] Zu dieser Zeit verkehrten fünf Zugpaare täglich, die circa 40 Minuten Fahrtzeit für die Strecke benötigten. Ende der 1970er Jahre waren es dann sieben Personenzugpaare täglich, die nur noch 23 Minuten brauchten. Zudem wuchs der Güterverkehr, da der untere Bahnhof als Entladebahnhof für ein großes Plattenbaugebiet in Pößneck sowie zum zentralen Kohleumschlag für den Kreis Pößneck erweitert wurde.[8.1]
Im Jahre 1979 erhielt Pößneck unterer Bahnhof mit einem EZMG-Stellwerk zeitgemäße Sicherungstechnik mit Lichtsignalen, die bis 2002 in Betrieb war.[9]
Niedergang nach 1990 und Reaktivierung
Nach der Wende 1989/90 und den damit verbundenen wirtschaftlichen Veränderungen brach der verbliebene Verkehr vollständig zusammen. Mehrfach stand in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eine Stilllegung kurz bevor.[10][11] Der Güterverkehr wurde 1994 eingestellt. Nachdem im verbliebenen Personenverkehr kaum noch Fahrgäste zu verzeichnen waren und der Streckenzustand sich zunehmend verschlechterte, fand ab dem 1. Januar 1998 kein Betrieb mehr statt.[3.6]

Die heutige Reststrecke erhielt 1999/2000 eine Grundsanierung, so dass die Wiederinbetriebnahme zur Landesgartenschau Pößneck 2000 erfolgen konnte. Dabei erhielten alle Haltepunkte befestigte Standard-Bahnsteige, alle noch wärterbedienten Bahnübergänge wurden auf zugbedienten Betrieb umgestellt. Alle Weichen und Nebengleise wurden entfernt, so dass es sich bei der Gesamtstrecke jetzt faktisch um ein Bahnhofsgleis von Orlamünde handelt. Zugkreuzungen sind nicht mehr möglich, es befindet sich dementsprechend immer nur ein Zug auf der Strecke. Der parallele Busverkehr wurde dagegen aufgegeben[12] und das Zugangebot in den nächsten Jahren auf 12 Zugpaare erweitert.[3.2]
In den auf die Sanierung folgenden Jahren wurde der Stundentakt eingeführt; seit dem Fahrplanwechsel 2001 werden die Züge bis Jena Saalbahnhof durchgebunden. Im Jahr 2018 erfolgte eine Instandsetzung der denkmalgeschützten Brücken über die Saale und die Flutmulde der Saale.
Nach Vergabe der Verkehrsleistungen im Wettbewerbsverfahren wird der SPNV seit 2012 von der Erfurter Bahn durchgeführt.
Fahrzeugeinsatz
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs waren auf der Strecke die Baureihen 74.0–3, 74.4–13 und 93.0–4 eingesetzt.[8.2]
Nach 1945 waren die Baureihen 74.0–3, 83.10, 93.0–4 und 93.2–4 im Einsatz, Ende der 1960er Jahre wurden auch kurzzeitig zweiachsige Triebwagen eingesetzt.[8.2] Seit 1969 wurden Diesellokomotiven der Baureihe V 60 (spätere Baureihe 106) auf der Strecke eingesetzt, der Dampflokeinsatz endete zum Winterfahrplan 1971/72 komplett.[7]
Auf der Strecke verkehrten danach bis zum Ende der DDR Dieselloks der Baureihe 110, meist mit zwei- oder dreiachsigen Rekowagen oder später vierachsigen Rekowagen, daneben auch die Baureihe 106.
Nach der Wende in der DDR wurden dann auch die durch den Verkehrsrückgang in höherwertigen Diensten freiwerdenden Dieselloks der Baureihe 119 mit noch recht neuen DR-Abteilwagen oder älteren DB-Wagen eingesetzt.
Im Güterverkehr wurden zuletzt hauptsächlich Holz aus den ausgedehnten Wäldern entlang der Strecke transportiert, weiterhin Kohle für Heizzwecke nach Pößneck und bis etwa 1991 verkehrten noch Personenzüge mit Güterbeförderung, die im Bahnhof Langenorla-West sogar teils mit Fahrgästen an Bord rangierten. Daraus ergaben sich noch 1991 Fahrzeiten bis zu 36 Minuten (zum Vergleich: 2016 noch 17 Minuten).[13] Zahlreichen Fotos aus der Zeit nach 2000 ist zu entnehmen, dass neben Triebwagen der Baureihe 628 auch solche der Baureihe 642 verkehrten. Seit 2012 werden Triebwagen des Typs „Regioshuttle“ eingesetzt.
Museales / Historisches
- Im Empfangsgebäude der Station Langenorla Ost / Kleindembach befand sich bis 2018 das Orlabahnmuseum.[14][15]
- Das ehemalige Dienstgebäude des Haltepunktes Freienorla steht unter Denkmalschutz.[16]
- An der Brücke über die Neustädter Straße in Pößneck befand sich bis zu deren Abriss in den 1960er Jahren der zur Reichspräsidentenwahl 1932 angebrachte Schriftzug Wählt Thälmann, der die Zeit überdauerte und in der DDR gepflegt wurde.[5.2][8.1]