Oskar Geilfuß
russlanddeutscher Komponist, Musikpädagoge und Sammler deutscher Volkslieder
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Oskar Geilfuß (russisch Оскар Венделинович Гейльфус; * 31. August 1933 in Elsass bei Odessa, Sowjetunion; † 1981 in Sindelfingen, Deutschland) war ein russlanddeutscher Komponist, Musikpädagoge und Sammler deutscher Volkslieder. Er galt als einer der bedeutendsten Vertreter der professionellen Musikszene der Deutschen in der Sowjetunion.
Leben
Oskar Geilfuß entstammte einer russlanddeutschen Familie; sein Ururgroßvater Adam Geilfuß war 1806 aus Baden-Baden in die Region Odessa übergesiedelt. Sein Vater, Wendelin Geilfuß, wirkte als Organist und Lehrer und führte ihn früh an die Musik heran. In seiner Jugend erlernte Oskar Geilfuß das Spiel auf der Violine und dem Klavier.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde er 1944 zusammen mit seinen Eltern nach Altstadt bei Posen administrativ umgesiedelt, jedoch 1945 von der vorrückenden Roten Armee gefasst und nach Kasachstan deportiert. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte er dort eine Musikfachschule besuchen. Von 1950 bis 1959 studierte er Komposition am Konservatorium in Alma-Ata. Nach seinem Studium war er von 1968 bis 1970 als Lehrer an der örtlichen Musikfachschule sowie am Konservatorium tätig. Für sein kulturelles Schaffen wurde ihm 1978 der Titel „Verdienter Kunstschaffender der Kasachischen SSR“ verliehen.
Aufgrund seiner seit 1965 bestehenden Absicht, in die Bundesrepublik Deutschland auszusiedeln, wurden seine Werke in der UdSSR ab 1978 nicht mehr aufgeführt und er wurde in sowjetischen Musiklexika nicht mehr erwähnt. Im Jahr 1980 gelang ihm die Ausreise in die DDR (nach Magdeburg), von wo er im Januar 1981 in die Bundesrepublik übersiedelte. Nur kurze Zeit später kam er bei einem Verkehrsunfall in Sindelfingen ums Leben.
Wirken
Das Gesamtwerk von Geilfuß umfasst etwa 40 Kompositionen und zeichnet sich durch die Verbindung europäischer Klassik, russlanddeutscher Folklore und kasachischer Volksmusik aus. Ein zentraler Aspekt seiner Arbeit war die Dokumentation des kulturellen Erbes der Russlanddeutschen. Er sammelte zahlreiche deutsche Volkslieder und bereitete sie für Laienchöre auf (u. a. die Sammlungen „50 Lieder“, 1971 und „30 Lieder“, 1977). Zudem vertonte er zeitgenössische Lyrik russlanddeutscher Autoren wie Nora Pfeffer (Sonnenregen, 1973). Gleichzeitig bearbeitete er kasachische Volksmelodien (Sechs Miniaturen nach kasachischen Volksmelodien) für Kammerorchester (1969), „Klaviersonate zu Themen der kasachischen Volksmusik“, 1971.
Kompositionen (Auswahl)
- Opern: Richard Sorge (1975, Libretto von Olschas Suleimenow)
- Oratorien: Die letzten Tage von Buchenwald (1975)
- Symphonien: Drei Symphonien (1959, 1977, 1978)
- Konzerte:
- Zwei Klavierkonzerte (1957, 1961)
- Konzert für Posaune und Orchester (1969)
- Orgelkonzert (1976)
Auszeichnungen
- 1978: Verdienter Kunstschaffender der Kasachischen SSR
Literatur
- Ernst Stöckl: Musikgeschichte der Rußlanddeutschen. Laumann, Dülmen 1993, ISBN 3-87466-215-2.
- Jakob Windholz: Volksmusik der Sowjetdeutschen. In: Heimatbuch der Deutschen aus Russland, 1985–1989.
Weblinks
- Eintrag zu Oskar Geilfuß in der Enzyklopädie der Russlanddeutschen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Geilfuß, Oskar |
| KURZBESCHREIBUNG | russlanddeutscher Komponist, Musikpädagoge und Sammler deutscher Volkslieder |
| GEBURTSDATUM | 31. August 1933 |
| GEBURTSORT | Elsass bei Odessa, Sowjetunion |
| STERBEDATUM | 1981 |
| STERBEORT | Sindelfingen, Deutschland |