Pabradė

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Pabradė (polnisch Podbrodzie) ist eine Stadt im Osten von Litauen mit Status eines Stadtamtes (miesto seniūnija) in der Rajongemeinde Švenčionys. Die Stadt hat über 5.000 Einwohner (2017) und ist gleichzeitig eine Verwaltungsgemeinschaft (seniūnija).

Schnelle Fakten
Pabradė
Wappen
Wappen
Wappen
Staat: Litauen Litauen
Koordinaten: 54° 59′ N, 25° 46′ O
Höhe: 124 m
Einwohner (Ort): 5.528 (2017)
Zeitzone: EET (UTC+2)
Pabradė (Litauen)
Pabradė (Litauen)
Pabradė
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Geographie

Pabradė liegt 38 km südwestlich von Švenčionys am Fluss Žeimena, an der Eisenbahnstrecke Vilnius-Daugavpils, an der Landstraße Vilnius-Švenčionys und an der Straße nach Molėtai. Die Stadt liegt unweit der Grenze zu Belarus.

In der Nähe der Stadt befindet sich, aufgrund ihrer Nähe zur Grenze, die General Silvestras Žukauskas Training Area, ein Truppenübungsplatz, der unter anderem von der NATO Multinational Battlegroup Lithuania und US-Panzerbataillonen, die im Rahmen der Operation Atlantic Resolve auf Rotationsbasis nach Europa kommen, genutzt wird.[1][2]

Geschichte

Die Kleinstadt Pabradė gehörte in der Zwischenkriegszeit bis zum Überfall auf Polen durch das Deutsche Reich (1939) zur Zweiten Polnischen Republik. In dieser Zeit trug der Ort den polnischen Namen Podbrodzie und gehörte der Woiwodschaft Wilna an.

Im Jahr 1939 lebten rund 850 Juden in der Stadt, etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Ostpolen wurde die Stadt darauf an Litauen übergeben, mit der sowjetischen Annexion Litauens 1940 fiel die Stadt erneut unter sowjetische Herrschaft. Nach dem Beginn des Unternehmens Barbarossa im Juni 1941, kam Pabradė unter deutscher Besatzung, kurz darauf wurden etwa zwölf Juden hingerichtet. Mitte Juli verhafteten litauische Polizisten etwa 60 Juden und erschossen sie hinter der Mühle. Am 1. September wurde die übrige jüdischen Bevölkerung ins Ghetto umgesiedelt. Das Ghetto war offen, wodurch viele Bewohner Ende des Monats flüchten konnten. Mehr als 100 Juden, die im Ghetto festgehalten wurden, kamen ins Truppenübungslager Švenčionėliai und dort zwischen dem 8. und 10. Oktober gemeinsam mit Tausenden anderen Juden erschossen. Die Polizei führte die Suche nach jüdischen Geflüchteten fort, fasste sie in Gruppen und erschoss sie am Stadtrand[3].

Die deutsche Besatzung über Pabradė, und gleichzeitig über ganz Litauen, endete mit der sowjetischen Sommeroffensive von 1944. Pabradė wurde darauf wieder Teil der Litauischen SSR innerhalb der Sowjetunion (seit 1990 zum unabhängigen Litauen).

Es gibt zwei Gymnasien (Pabradės Ryto gimnazija und Pabradės Žeimenos gimnazija), eine Bibliothek (seit 1940), eine Post, ein Kinderheim und das Unternehmen UAB Intersurgical (nach Mitarbeiterzahl größtes High Tech-Unternehmen in Litauen) mit 1.640 Mitarbeitern.

Die orthodoxe Kirche der Stadt wurde 1910 als St.-Panteleimon-Kirche erbaut. Im Jahr 1927 wurde sie als St.-Joseph-Kirche katholisch. Am 4. November 2007 wurde sie nach der Weihe der neuen Kirche der Jungfrau Maria Königin der Familien an die Orthodoxen zurückgegeben und 2009 im Namen von Sergius von Radonesch geweiht.

Bevölkerung

Im Jahr 2011 setzte sich die Bevölkerung der Stadt wie folgt zusammen:

Persönlichkeiten

Literatur

  • Podbrodzie, in: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Jerusalem : Yad Vashem, 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 603

Einzelnachweise

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