Kurier-Express-Paket-Dienst

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Ein Kurier-Express-Paket-Dienst, kurz KEP-Dienst (auch Kurier-, Express- und Paketdienst, mitunter Kurier-, Express- und Postdienste genannt) ist ein Logistik- und Postunternehmen. Die Abgrenzungskriterien zum Markt von KEP-Diensten zu anderen Märkten sind unter anderem das Gewicht und Volumen der Sendungen, die Geschwindigkeit des Güterversandes und die angebotenen Dienstleistungen.

Fahrradkurier in London
Zwei KEP-Dienste im Lieferdienst
Velo Postale Suisse
Lasten-Dreirad mit Elektromotor
DHL Lasten-Vierrad in Wien

Unterteilung

Kurierdienste

Kurierdienste stellen Sendungen in der Regel persönlich und auf direktem Weg zu, beispielsweise durch Fahrradkuriere in Städten oder Sicherheitskuriere für Geld- und Werttransporte.

Paketdienste

Paketdienste sind Systemdienstleister, die mit einer hohen Standardisierung arbeiten. Die Laufzeit der Sendungen ist durch die festgelegte Arbeitsweise meist etwas höher als bei Expressdiensten und nicht garantiert. Außerdem gibt es Beschränkungen der zum Transport übernommenen Sendungen in Größe und Gewicht (so beschränken die meisten Paketdienste das Höchstgewicht einer Sendung auf 31,5 kg). Oberhalb dieses Gewichts erfolgt die Zustellung durch zwei Personen durch spezialisierte Firmen.

Expressdienste

Im Gegensatz zu (Direkt-)Kurieren werden Expresssendungen nicht direkt, sondern über ein Umschlagzentrum zum Empfänger befördert. Wesentliches Merkmal der Expresstransporte ist die garantierte Laufzeit. Die großen Expressdienste sind genauso stark automatisiert wie Paketdienste, setzen aber besonders in den USA auf Frachtflugzeuge. In Europa vermischen sich die Begriffe Paket- und Expressdienst, da es keine rechtlich verbindliche Definition gibt.

Ebenfalls eine garantierte und kürzere Lieferzeit, nicht überregional, sondern innerhalb von Ballungsräumen, soll mit Same Day Delivery angeboten werden.

Nachtexpress

Spezialbereich der Expressdienste. Anders als bei Overnight-Dienstleistern werden die Sendungen im Nachtexpress vor 8:00 Uhr, optional vor 7:00 Uhr oder 6:00 Uhr zugestellt und stehen den Empfängern damit vor Arbeitsbeginn zur Verfügung. Die Übergabe erfolgt quittungslos an zuvor definierten Übergabeplätzen. Dazu verwalten die Nachtexpressdienstleister die Schlüssel oder Zugangscodes zu Unternehmensgebäuden, Safes oder die Kofferräume von Service-Fahrzeugen.

Dienstangebot

Die KEP-Dienste grenzen sich durch ein breites Serviceangebot von den speditionellen Angeboten ab. Diese zusätzlichen Dienstleistungen werden durch ein höheres Beförderungsentgelt vergütet und können meist je nach Bedarf vom Kunden zusätzlich bestellt werden.

Physische Dienstleistung

Bevorzugte Zustellung

Die meisten KEP-Dienste bieten eine Zustellung der Sendung zu einer bestimmten Uhrzeit an. Typische Zeiträume sind bis 8 Uhr, bis 10 Uhr oder bis 12 Uhr.

Beförderung kritischer Sendungen

Einige KEP-Dienste sind in der Lage, Gefahrgut, Kunstwerke, sensible Geräte, lebende Tiere, Kühlsendungen oder auch medizinische Proben zu transportieren.

Same Day Delivery (SDD)

Same Day Delivery (SDD) ist eine Form eines Kurier-Express-Paket-Dienstes der Pakete schneller, im Idealfall innerhalb eines Kalendertages, oder in einem geplanten Zeitfenster zustellt.

Same Hour Delivery

Der Service Same Hour Delivery wird überwiegend in Großstädten und Ballungszentren angeboten. Hierbei wird die bestellte Ware noch in der gleichen Stunde zugestellt, in der die Bestellung aufgegeben wurde.

Informationsdienstleistungen

Paketverfolgung

Der Kunde kann im Rahmen einer Sendungsverfolgung noch während der Beförderung über Internet, Sprachassistenten oder Telefonhotline nachvollziehen, wann sich sein Paket wo befindet.

Abliefernachweis

Viele KEPs bieten gegen Gebühr erweiterte Dokumentation der Auslieferung an:

  • gescannte Unterschrift des Warenempfängers
  • aufbereitete Berichte
  • fotografiertes Paket mit lesbarer Adresse (Schweizer Post)

Software

Im Gegensatz zu Speditionen, die auf standardisierte Schnittstellen wie EDIFACT/EANCOM und NVE setzten, aber auch auf individuelle Wünsche der Kunden eingehen, geben KEP-Dienstleister die Form der Datenkommunikation in der Regel fest vor. Das Regelwerk dazu ist proprietär und somit auch von KEP-Dienstleister zu KEP-Dienstleister sehr unterschiedlich. Nur das Prinzip ist bei allen gleich. Der KEP-Dienstleister übermittelt an seine Kunden regelmäßig die sogenannten Routings (eine Tabelle, in der zu jeder Postleitzahl eine Kennung – in der Regel für die Niederlassung, die ein Paket für diese Postleitzahl an den Empfänger weiterleiten soll – genannt ist, sowie Sortier- und Ausliefer-Verkehrsknotenpunkte, oft Hub genannt), die der Kunde in seinem System benutzen muss, um das Routing auf dem von ihm gedruckten Paketlabel mit auszugeben. Auf diesem Paketlabel muss sich auch ein maschinenlesbarer Strich- bzw. 2D-Code befinden, der in der Regel alle für den KEP-Dienstleister wichtigen Informationen enthält.

Dies ist inzwischen veraltet und die meisten KEP-Dienste liefern in ihren Schnittstellen die Etiketten im ZPL-Format (für Etikettendrucker) oder als PDF in der Antwort zur Abholnachricht aus. (Ausnahmen: UPS kann kein PDF aber dafür GIF, TNT kann nur Browser-darstellbare Etiketten XML + XSLT.) Das Speichern der Routingdaten zur Erzeugung der Etiketten ist nur noch bei EDI-ähnlichen Schnittstellen (uni-direktional) notwendig.

KEP-Dienstleister unterhalten oft Sortieranlagen, die die Pakete automatisch zu dem richtigen Lkw befördern und die abrechnungsrelevanten Daten an die Finanzbuchhaltung weiterleiten. Auf diese Weise soll dem im KEP-Bereich höheren Durchsatzbedarf Rechnung getragen werden. Viele KEP-Dienste bieten ihren Kunden eine entsprechende fertige Softwarelösung an.

Die meisten KEP-Dienste bieten proprietäre Schnittstellen an. ERP-Softwarepakete wie SAP (XSI = eXpress Shipper Interface als Teil von LE = Logistics Execution) sind im Prinzip auf eine elektronische Zusammenarbeit vorbereitet, trotzdem muss Middleware dafür sorgen, dass die Systeme miteinander kommunizieren können.

Im März 2015 hat GS1 Germany einen KEP-Branchenworkshop zum Thema Standardisierung initiiert. Ziel ist herauszufinden, inwiefern sich die offenen GS1 Branchenstandards auf Basis der NVE und der dazugehörigen EDI wie EDIFACT/EANCOM auch auf den KEP-Markt übertragen lassen und eine Anwenderempfehlung dazu zu erarbeiten. Basis sind die bereits 2008 bei GS1 Germany erarbeiteten Empfehlungen zum Informationsfluss und zu Sendungsnummern in der Logistik.[1]

Situation in Europa

Der europäische Kurier-, Express- und Paketmarkt (KEP) wuchs im Jahr 2021 stark, da die Covid-19-Pandemie die B2C-Nachfrage weiter ankurbelte, hat sich aber im Jahr 2022 aufgrund zahlreicher Herausforderungen deutlich verlangsamt.[2]

Im Jahr 2021 wuchs der europäische Paketmarkt um +13,3 % beim Umsatz und um +11,6 % beim Volumen, wobei mehrere Länder ein Wachstum von fast und sogar mehr als 20 % verzeichneten. Insgesamt hat der gesamte KEP-Markt in Europa eine Grösse von 88,1 Milliarden Euro mit 18.384 Millionen Paketen erreicht.

Interessant ist, dass der Umsatz im Jahr 2021 schneller gewachsen ist als das Volumen, sodass der durchschnittliche Umsatz pro Stück um ~1,5 % gestiegen ist. Dies ist vor allem auf Preiserhöhungen zurückzuführen, die von Spediteuren vorgenommen wurden, die über begrenzte Kapazitäten verfügen und daher Kunden bevorzugen, die bereit sind, höhere Preise zu zahlen.

In Europa zeigte Italien einen Anstieg des Volumens um 4 % auf 1,5 Milliarden Pakete, während Frankreich mit 1,7 Milliarden Paketen stagnierte. Starke Rückgänge gab es dagegen im Vereinigten Königreich mit einem Rückgang um 5 % von 5,4 Milliarden Paketen im Jahr 2021 auf 5,1 Milliarden im vergangenen Jahr und in Deutschland mit 4,2 Milliarden Paketen in 2020 im Vergleich zu 4,5 Milliarden im Jahr 2021.

Das B2B-Segment wuchs 2021 volumenmässig um 4,9 % (14,8 % B2C).

Für 2024 wird die Marktgröße für Kuriere, Express und Pakete (KEP) in Europa auf 133,94 Milliarden USD geschätzt und wird bis 2030 voraussichtlich 167,94 Milliarden USD erreichen.[3]

Situation in Deutschland

Marktentwicklung

Laut dem Paketmarktbericht 2024 der Bundesnetzagentur vom Februar 2025 entwickelt sich der deutsche Paketmarkt wie folgt:[4]

Die Umsätze im Paketbereich insgesamt (inländische und grenzüberscheitende Sendungen) stiegen im Jahr 2023 um 4,24 Prozent auf 19,19 Milliarden Euro (Umsatz Paket 2022: 18,41 Milliarden Euro). Parallel dazu stieg die zugehörige Sendungsmenge im Jahr 2023 auf 4,36 Milliarden Stück (Sendungsmenge Paket 2022: 4,25 Milliarden Stück), was einem Anstieg um rund 2,54 Prozent entspricht.

Für das Jahr 2024 wird auf Basis der Unternehmensprognosen mit einer deutlichen Umsatzsteigerung von 7,14 Prozent auf 20,56 Milliarden Euro gerechnet. Für die Sendungsmengen wird ein Wachstum von 3,8 Prozent (auf 4,52 Milliarden Stück) prognostiziert.

Der deutsche Paketmarkt wird von sechs bedeutenden Anbietenden dominiert (in alphabetischer Reihenfolge): Amazon, DPD, Deutsche Post DHL (DP DHL), GLS, Hermes und UPS. Gemeinsam wickeln diese Unternehmen rund 98 Prozent der inländischen und grenzüberschreitenden Paketsendungen ab. Besonders hervorzuheben ist die Deutsche Post DHL (DP DHL), die mit einem Marktanteil – bezogen auf die Sendungsmenge – von über 40 Prozent die Spitzenposition innehat und damit einen erheblichen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbsunternehmen hält. Der zweitgrößte Sendungsmengenanteil entfällt auf das Unternehmen Amazon, das mit seiner Eigenzustellung 15 bis 25 Prozent aller Paketsendungen befördert. DPD, GLS, Hermes und UPS haben jeweils einen Marktanteil von fünf Prozent bis 15 Prozent.

Amazon, das seit 2017 mit eigenen Logistikstrukturen im Paketmarkt aktiv ist, zeigte in den vergangenen Jahren ein besonders starkes Wachstum. Das Unternehmen hat sich nicht nur als bedeutender Akteur etabliert, sondern konnte seine Sendungsmengenanteile kontinuierlich ausbauen. Da AmazonPaketdienstleistungen sowohl anbietet als auch nachfragt, verfügt es über eine besondere Marktstellung. Diese ermöglicht es dem Unternehmen, schnell auf Veränderungen in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu reagieren und das eigene Netzwerk optimal auszulasten. Zudem nutzt Amazon die vertikale Integration, um unabhängiger von externen Dienstleistungen zu werden.

Die aktuelle Wettbewerbssituation zeigt, dass der Markt stark konzentriert ist.

Beschäftigungszahlen

Im Dezember 2010 waren bei Express-, Kurier- und Postdiensten 336.000 Menschen (207.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 128.300 ausschließlich geringfügig Beschäftigte) beschäftigt. 7,15 Prozent der Beschäftigten (24.036 von 336.000) waren Aufstocker, d. h., sie erhielten neben ihrem geringen Erwerbseinkommen Arbeitslosengeld II („Hartz IV“).[5]

Laut Statistischem Bundesamt vom Dezember 2023 stieg die Anzahl von Beschäftigten nach Ergebnissen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen binnen zehn Jahren um 24 % auf rund 553.000 Personen im Jahr 2021. Damit wuchs der Personalbestand der Branche deutlich stärker als die Erwerbstätigenzahl in der deutschen Wirtschaft insgesamt, in der es im selben Zeitraum gut 8 % mehr Erwerbstätige gab. Zusätzlich verdienen Mitarbeiter aber durchschnittlich 20 % weniger als Fachkräfte in anderen Branchen.[6]

Ausbildung

In Deutschland existieren zwei Ausbildungsberufe: die zweijährige Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen sowie der dreijährige Kaufmann für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen.

Arbeitgeberverbände

Arbeitgeber- und Interessenverbände sind unter anderem:

Digitalisierung und Onlinehandel

Die Digitalisierung und der Onlinehandel verändern die KEP Branche. Durch den Aufbau dezentraler Lager von Onlinehändlern in Ballungsräumen werden klassische Standardpaketservices in lokale Kurierservices umgewandelt.[7] Sie werden dann nicht mehr wie bisher nahezu ausschließlich von den Paketdiensten, sondern häufig von regionalen Kurierdiensten erbracht. Diese Serviceangebote bezeichnet man häufig als Same Day Delivery. Ausprägungen dieser Serviceart sind:

  • Zustellung zum vom Empfänger vorgegebenen Zeitfenster (Zeitfensterzustellung)
  • Zustellung am Tag der Bestellung (in der Regel Bestellung bis Mittag und Zustellung bis zum Abend)
  • Zustellung sofort nach der Bestellung in Zeitfenstern zwischen 30 und 120 min.

Einzelnachweise

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