Palais Sándor (Budapest)

Palast in Budapest und offizielle Residenz des Präsidenten von Ungarn From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Palais Sándor (ungarisch Sándor-palota) ist ein Stadtpalais im Burgviertel von Budapest. Es befindet sich neben dem Burgpalast und ist der Amtssitz des ungarischen Staatspräsidenten.

Palais Sándor

Geschichte

Das Palais wurde bis 1806 im Auftrag von Vince Sándor als Budaer Stadtresidenz der adeligen Familie Sándor erbaut. Bis heute ist umstritten, ob es nach Plänen von Mihály Pollack oder Johann Nepomuk Amann errichtet wurde[1], wird jedoch stilistisch eher Pollack zugeschrieben[2]. 1831 gelangte es in den Besitz der Adelsfamilie Pallavicini.[2] Nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1848/49 wurde das Gebäude von staatlichen Behörden genutzt und diente zeitweise als Residenz von Erzherzog Albrecht.

Ansicht um 1894

Mit dem Ausgleich von 1867 wurde das Palais unter Gyula Andrássy, der es durch Miklós Ybl renovieren ließ, Amts- und Wohnsitz des Ministerpräsidenten. Das zunächst von den Pallavicini angemietete Gebäude ging später durch einen Immobilientausch in Staatsbesitz über.[1] Am 3. April 1941 erschoss sich hier Ministerpräsident Pál Teleki aus Verzweiflung über seine gescheiterte Außenpolitik gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland. Das Palais wurde bei der Schlacht um Budapest im Winter 1944/45 schwer beschädigt und 1945 von sowjetischen Soldaten geplündert.[2] Zur Zeit der Volksrepublik Ungarn wurde das zerstörte Palais zwar nicht abgerissen, wurde aber weitestgehend vernachlässigt. Einzelne Fachleute konnten erreichen, dass zumindest ein neues Dach darüber errichtet und die bröckelnden Mauern abgestützt wurden.[1]

Treffen zwischen dem ungarischen Staatspräsidenten László Sólyom und U.S.-Präsident George W. Bush im Maria-Theresien-Zimmer des Palais Sándor (2006)

Nach dem politischen Umbruch wurde es 2002 wiederaufgebaut und die Innenräume rekonstruiert.[2] Seit Januar 2003 dient es als Sitz des Staatspräsidenten.[2]

Architektur

Architektonisch zeichnet sich das Palais durch einen zurückhaltenden Stil aus. Charakteristisch sind seine klare Formensprache und die bewusst sparsam eingesetzte klassische Ornamentik. Im Vergleich zu den umliegenden Bauten wirkt das Palais auffallend nüchtern. Es steht im deutlichen Kontrast zum prunkvollen Burgpalast und unterscheidet sich auch vom Burgtheater (heute Teil des Amtssitzes des Ministerpräsidenten), das noch stärker dekorative Stilelemente aufweist.[1]

Der architektonische Stil lässt sich dem Klassizismus beziehungsweise dem Empire zuordnen, was sich sowohl in der symmetrischen Gestaltung als auch in der reduzierten dekorativen Ausführung zeigt. Dieser Stil wurde später auch bei Umgestaltungen beibehalten.[1]

Siehe auch

Fußnoten

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