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Paul Fürbringer

deutscher Mediziner From Wikipedia, the free encyclopedia

Paul Walther Fürbringer (* 7. August 1849 in Delitzsch; † 21. Juli 1930 in Berlin) war ein deutscher Arzt. Er verwendete 1888 die Händedesinfektion mit Alkohol und Sublimat vor Operationen[1] und empfahl ab 1904 die Zyklotherapie.

Paul Fürbringer. Foto von 1901.

Leben

Fürbringer war Sohn eines höheren richterlichen Beamten in Delitzsch und verbrachte seine Schulzeit in Oberschlesien. Er war der Bruder des Anatomen und Ornithologen Max Fürbringer (1846–1920). Paul Fürbringer studierte in Berlin und Jena und machte als Hilfsarzt den Feldzug 1870/71 mit. 1872 bis 1874 arbeitete er am pathologischen Institut in Jena. In Jena wurde er 1874 mit einer Arbeit über das Kopfskelett von Myxine glutinosa[2] zum Doktor der Medizin promoviert. Er war Assistent in Jena und in Heidelberg bei Nicolaus Friedreich, wo er über die Lungenmykosen des Menschen und Quecksilberwirkung arbeitete.

1879 wurde er Professor für Haut- und Kinderkrankheiten an der Universität Jena und übernahm die medizinische Distriktspoliklinik in Jena. 1886 wurde er als Direktor der inneren Abteilung des Krankenhauses Friedrichshain zu Berlin und 1890 zugleich zum Geheimen Medizinalrat und Mitglied des Königlichen Medizinalkollegiums für Berlin und die Mark Brandenburg ernannt. 1903 legte er seine Krankenhausstellung nieder, blieb aber bis zu seinem Tod als ärztlicher Konsiliarius und Gutachter tätig.

Händedesinfektion

Fürbringer führte 1888 (vierzig Jahre nach Ignaz Semmelweis) ein spezielles Verfahren der präoperativen Hände- und Unterarmdesinfektion (Fürbringer-Methode; mit Alkohol und Sublimat) ein.[3][4] „Diese historische Methode der chirurgischen Händedesinfektion [war] durch einen hohen Zeitaufwand und starke Hautbeanspruchung gekennzeichnet.“[5] „Fürbringer-Methode: heute aus hygienischen Gründen nicht mehr übliche Methode der Desinfektion der Hände und Unterarme vor operativen Eingriffen: 10 Minuten Bürsten mit Seife unter heißem Fließwasser, Nägelreinigen, 3 bis 5 Minuten Abreiben mit 70 %igem Alkohol unter Verwendung sterilen Mulls; eventuell 3 Minuten Abspülen in 1 Promille-Sublimat-Lösung oder anderem Desinfektionsmittel.“[6][7] „Fürbringersche Desinfektion: Händereinigung mit heißem Wasser und Seife, Alkohol, Lysol.“[8] „Fürbringersche Händedesinfektion: Bürsten der Hände und Vorderarme mit Seife und warmem Wasser 3 Minuten; dasselbe nach Nägelreinigung wiederholen; Abreiben mit 70 % Alkohol 2 Minuten; Abbürsten mit 2 % Lysollösung 2 Minuten.“[9]

Zyklotherapie

Paul Fürbringer war 1904 im Rahmen der Sporttherapie auch der Erstbeschreiber der Zyklotherapie. Man verstand früher unter einer „Cyklotherapie [nach] Fürbringer, ϑεραπεία Behandlung, Radfahren als Behandlungsmittel“[10] oder später unter der Zyklotherapie einfach „Radfahren als Kurmittel“[11] beziehungsweise Radfahren als Behandlungsverfahren.[12][13] Otto Dornblüth erwähnte die Zyklotherapie in seinem Klinischen Wörterbuch letztmalig 1926 in der zwölften Auflage.

Forschung

Außerdem entwickelte er einen Eiweißnachweis im Harn (Fürbringer-Reaktion)[14] sowie chirurgische Instrumente (z. B. Fürbringer-Trokar[15]). Das Fürbringersche Zeichen beschrieb die „atemsynchrom[gemeint:n]e Bewegung der Punktionsnadel als Zeichen ihrer transdiaphragmalen Lage in einem subphrenischen Abszeß.“[16][17]

Weitere Arbeitsgebiete waren Krankheiten des Urogenitalsystems, Quecksilberwirkungen, akute Infektionskrankheiten, Leberkrankheiten, Lumbalpunktionen mit anschließender Liquordiagnostik (mit ersten systematischen Untersuchungsergebnissen 1895[18]), Klimatotherapie (Reiseberichte aus den Mittelmeerländern), Ernährungstherapie und Pharmakologie.

1925 wurde er Ehrenmitglied der Leopoldina, in die er 1883 aufgenommen worden war.[19]

Paul Fürbringer starb, kurz vor seinem 81. Geburtstag, im Juli 1930 in Berlin und wurde auf dem Alten Zwölf-Apostel-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt. Das Grab ist nicht erhalten.[20]

Schriften

  • Die Muskeln des Kopfskelets der Myxine glutinosa unter specieller Würdigung der Kaufunction. Inaugural-Dissertation, Jena: Mauke, 1874.
  • Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der Muskulatur des Kopfskelets der Cyclostomen, Jena: Dufft 1875.
  • Ueber Spermatorrhöe und Prostatorrhöe, Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1881.
  • Untersuchungen und Vorschriften über die Desinfection der Hände des Arztes. Nebst Bemerkungen über den bacteriologischen Charakter des Nagelschmutzes. J. F. Bergmann, Wiesbaden 1888, 68 Seiten.
  • Die inneren Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane. In: Klinisches Handbuch der Harn- und Sexualorgane. Verlag Friedrich Wreden, Braunschweig 1884; 2. Auflage 1890.
  • Ueber die Punktionstherapie der serösen Pleuritis und ihre Indication. Fischer’s Medicinische Buchhandlung, Reihe Berliner Klinik, Heft 22, Berlin 1890, 15 Seiten.
  • Die Störungen der Geschlechtsfunctionen des Mannes. In: Hermann Nothnagel (Hrsg.): Specielle Pathologie und Therapie. Band XIX, Teil 3, Alfred Hölder, Wien 1895; 2. Auflage, Wien 1901.
  • Sterilität des Mannes. In: Albert Eulenburg (Hrsg.): Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde, 2. Auflage, 19. Band, Urban & Schwarzenberg, Wien / Leipzig 1889, S. 57–65. (Digitalisat).
  • Medicinische Winke fürs Radfahren. Carl Marhold Verlag, Halle an der Saale 1904.

Literatur

Einzelnachweise

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