Paul Scott

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Paul Mark Scott (* 25. März 1920 in London; † 1. März 1978 ebenda) war ein britischer Schriftsteller. Er ist vor allem für seine Romane bekannt, die in Indien kurz vor und nach Erlangung der Unabhängigkeit spielen.

Leben

Jugend und Militärdienst

Scott kam als der jüngere von zwei Söhnen des in Yorshire geborenen Werbegrafikers Thomas Scott und dessen aus einer Arbeiterfamilie stammenden Frau Frances im Nordlondoner Stadtteil Southgate zur Welt. Als das Unternehmen seines Vaters in finanzielle Schwierigkeiten geriet, musste er die private Winchmore Hill Collegiate School vorzeitig und ohne Abschluss verlassen. Scott machte eine Ausbildung als Buchhalter und schrieb in seiner Freizeit Gedichte.

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er 1940 in die Armee eingezogen. 1941 heiratete er die Krankenschwester Nancy Edith Avery, mit der er zwei Töchter hatte. Zunächst diente er als Gefreiter in England, wurde aber Anfang 1943 zur Indischen Armee versetzt. Dort war er als Nachrichtenoffizier der Luftwaffe bis Ende 1945 in Britisch-Indien – u. a. in Abbottabad und Murree im Punjab – sowie in Burma und Malaya stationiert. Seit seiner Zeit in Indien hatte Scott mit Krankheiten wie der Amöbenruhr, später auch mit Alkoholismus zu kämpfen.

Schriftstellerkarriere

Nach seiner Rückkehr nach London arbeitete er als Literaturagent für verschiedene Agenturen. Zu den von ihm betreuten Autoren gehörten Arthur C. Clarke, Morris West, Mary M. Kaye, Elizabeth David, Mervyn Peake und Muriel Spark. Sein erster eigener Roman, Johnny Sahib, wurde 1952 mit dem Eyre & Spottiswoode Literary Fellowship Prize ausgezeichnet. Zuvor hatten 17 Verlage seine Veröffentlichung abgelehnt.

1960 beschloss Scott, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Für eine Recherchereise kehrte er 1964 nach Indien zurück. Aus dem dabei gesammelten Material entstanden seine vier bekanntesten Werke, die später unter dem Namen The Raj Quartet (dt.: Im Reich der Sahibs) zusammengefasst wurden. Sie sind zwischen 1942 und 1947, also in der Endphase der britischen Herrschaft über Indien angesiedelt. An diese Tetralogie knüpft auch Scotts letzter Roman lose an: Staying on (dt. Nachspiel.) spielt im modernen Indien.

In seinen letzten Lebensjahren nahm er eine Gastprofessur an der University of Tulsa an, wo ein Großteil seines privaten Archivs aufbewahrt wird. 1978 wurde er für Staying on mit dem Booker Prize prämiert, Scott starb jedoch an Krebs, bevor er den Preis entgegennehmen konnte.

Das Raj Quartet wurde 1984 unter dem Titel des ersten dieser Romane, The Juwel in the Crown (dt.: Das Juwel der Krone) von Granada Television verfilmt. Die 14-teilige TV-Reihe wurde 1985 mit einem BAFTA und einem Emmy Award ausgezeichnet und erhielt 1986 den Golden Globe für die beste Mini-Serie. Posthum brachte sie Scott den Beifall eines breiten Publikums und der Kritik ein, der ihm zu Lebzeiten verwehrt geblieben war.

Werke

  • Der chinesische Liebespavillon. Blanvalet, Berlin 1962.
  • Tee und Gin. Kiepenheuer und Witsch, Köln/Berlin 1964.
  • Corrida in San Felíu. Kiepenheuer und Witsch, Köln/Berlin 1967.
  • Das Reich der Sahibs:
  • Nachspiel. Klett-Cotta, Stuttgart 1989, ISBN 3-608-95411-2.

Literatur

  • Janis E. Haswell: Paul Scott’s philosophy of place(s). The fiction of relationality. Lang, New York 2002, ISBN 0-8204-5679-9.

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