Péter Lékó

ungarischer Schachspieler From Wikipedia, the free encyclopedia

Péter Lékó [ˈpeːtɛr ˈleːkoː], (* 8. September 1979 in Subotica, Jugoslawien) ist ein ungarischer Schachspieler mit dem Titel eines Großmeisters.

Schnelle Fakten
Péter Lékó, 2013
Péter Lékó (2013)
Verband Ungarn Ungarn
Geboren 8. September 1979
Subotica, Jugoslawien
Titel Internationaler Meister (1992)
Großmeister (1994)
Aktuelle EloZahl 2676 (März 2026)
Beste EloZahl 2763 (April 2005)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)
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Biografie

Péter Lékó, Duisburg 1992

Kindheit und Schachanfänge

Als Lékó zwei Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Seine Mutter zog mit zwei Söhnen nach Szeged.[1] Er lernte die Schachregeln im Alter von sieben Jahren von seinem Vater und galt bald als Wunderkind. Ab 1989 arbeitete er mit Tibor Károlyi und trainierte täglich sechs Stunden. Im Jahre 1990 wurde er Dritter bei der Jugendweltmeisterschaft U12 in Fond du Lac.[2] 1991 gewann er in Mamaia die Jugendeuropameisterschaft der Altersklasse U12, 1992 wurde er Jugendeuropameister in der U14 und erhielt den Titel eines Internationalen Meisters. Ab 1993 arbeitete er mit András Adorján zusammen, der ihm neue Eröffnungskenntnisse vermittelte, insbesondere in der von Lékó bis heute oft gespielten Sweschnikow-Variante. Im Jahre 1994 erreichte er den Titel eines Großmeisters.[3] Mit seinen 14 Jahren war er damals der bisher jüngste Großmeister. Im gleichen Jahr wurde er in Szeged Jugendweltmeister der U16-Jährigen. Er bekam daraufhin Einladungen zu Weltklasseturnieren, bei denen er zunächst keine herausragenden Erfolge feiern, aber wertvolle Erfahrungen sammeln konnte. Bei der FIDE-Weltmeisterschaft 1997 in Groningen musste er einen Rückschlag einstecken, als er bereits in der ersten Runde an Roman Slobodjan scheiterte.

Einstieg in die Weltspitze

Lékó und Topalow, Dortmund 2002

Im Jahre 1999 erhielt er einen Sponsoringvertrag mit RWE und gewann erstmals die Dortmunder Schachtage.[4] Vom Jahr 2000 bis 2010 zählte er fast durchgehend zu den zehn besten Spielern der Welt, galt allerdings lange Zeit als zu friedfertig, um Weltmeister zu werden. Bei der FIDE-Weltmeisterschaft 1999 in Las Vegas scheiterte er in der zweiten Runde an Sergej Movsesjan. Im Januar 2000 zeigte er jedoch durch einen Wettkampfsieg mit 4,5:1,5 gegen den frischgebackenen FIDE-Weltmeister Alexander Chalifman seine Klasse. Chalifman revanchierte sich bei der FIDE-Weltmeisterschaft in Neu-Delhi im Dezember 2000, als er Lékó mit 4,5:3,5 besiegte. Auch bei der FIDE-Weltmeisterschaft 2001 in Moskau scheiterte Lékó in der zweiten Runde, diesmal an Aschot Anastassjan. Im September 2002 war Lékó in der Weltauswahl beim Wettkampf Russland gegen den Rest der Welt und erzielte 5,5 Punkte aus 10 Partien (2 Siege, 1 Niederlage, 7 Remis). Im März 2003 setzte er sich in Linares mit 7/12 siegreich durch, punktgleich mit Kramnik und einen halben Punkt vor Anand und Kasparow.[5]

Weltmeisterschaftskampf 2004

Im Juli 2002 nahm Lékó an den Dortmunder Schachtagen teil, die zugleich als Kandidatenturnier für die nachfolgende Schachweltmeisterschaft dienten. In der eigenen Gruppe wurde er nur Zweiter hinter Jewgeni Barejew, konnte sich aber im anschließenden Halbfinale gegen Alexei Schirow mit 2,5:0,5 durchsetzen und im Finale Wesselin Topalow nach vier Partien mit 2,5:1,5 schlagen.[6]

Bei der Schachweltmeisterschaft 2004, die im September und Oktober des Jahres in Brissago stattfand, traf Lékó auf Wladimir Kramnik. Der auf 14 Partien angesetzte Zweikampf startete mit einem Sieg für Kramnik; Lékó konnte mit Siegen in der fünften und achten Runde jedoch das Duell umkehren und ging mit der Führung in die letzte Partie. In dieser setzte sich Kramnik siegreich durch und glich das Duell somit zum 7:7 aus. Nach den Regeln der damaligen Weltmeisterschaft bedeutete dies, dass Lékó mit der Herausforderung gescheitert war und der Weltmeistertitel bei Kramnik verblieb.

Weitere Entwicklung

Titelverteidiger Péter Lékó, Dortmund 2009, Bürgermeisterin Birgit Jörder macht den ersten Zug in der Partie Lékó–Kramnik.

Im Januar 2005 gewann er das Corus-Turnier in Wijk aan Zee. Damit war er zu diesem Zeitpunkt nach Garri Kasparow, Viswanathan Anand und Wladimir Kramnik erst der vierte Spieler, der in jedem der drei damaligen Superturniere (Wijk aan Zee, Linares, Dortmund) mindestens einmal einen Sieg davontragen konnte.

Der Schnellschach-Zweikampf gegen Michael Adams im Juni 2005, der 4:4 endete, bildete den Auftakt für weitere Duelle gegen andere Großmeister in Miskolc.[7] Im Sommer 2006 schlug Lékó den 55-jährigen Exweltmeister Anatoli Karpow mit 4,5:3,5 (1 Sieg, 7 Remis);[8] im April 2007 unterlag er an gleicher Stelle hingegen Wladimir Kramnik mit 3,5:4,5 (1 Sieg, 2 Niederlagen).[9] Am Ende des Mai 2007 lud Lékó den 17-jährigen Magnus Carlsen, der kurz vorher in die Top 10 der Weltrangliste aufgestiegen war, nach Miskolc ein. Mit zwei Niederlagen und sechs Remis endete das Duell 3:5.[10] Ebenfalls mit 3:5 unterlag Lékó dem Weltmeister Viswanathan Anand im Juni 2009.[11] Ein letztes solches Duell fand im August 2010 statt, welches Boris Gelfand mit 4,5:3,5 gegen Lékó gewann.[12]

Bei der FIDE-Weltmeisterschaft 2005 in San Luis kam Lékó auf den fünften Platz. Nach durchwachsenen Leistungen 2006 in Wijk aan Zee (6½/13)[13] und Morelia-Linares (7½/14)[14] teilte er sich beim ersten Tal Memorial im November 2006 den ersten Platz mit Ruslan Ponomarjow und Lewon Aronjan, hatte mit Siegen gegen Gelfand und Morosewitsch jedoch die beste Sonneborn-Berger-Zahl.[15]

Das Jahr 2007 startete für Lékó enttäuschend beim Turnier Morelia-Linares, wo er mit sechs Punkten aus 14 Spielen den geteilten letzten Platz besetzte.[16] Zur Schachweltmeisterschaft 2007 in Mexiko-Stadt konnte er hingegen seine Leistung zeigen und belegte unter acht Teilnehmern den vierten Platz (2 Siege, 2 Niederlagen, 10 Remis). Das auch 2008 stark besetzte Corus-Turnier schloss Lékó souverän auf dem fünften Platz ab; bei Morelia-Linares hatte er jedoch zu kämpfen und wurde erneut Letzter.[17] Dies konnte er jedoch im Juli des Jahres durch den dritten Sieg der Dortmunder Schachtage nach 1999 und 2002 und einer passablen Leistung beim Tal Memorial wieder wettmachen.[18][19] Des Weiteren bestritt Lékó vier Turniere des FIDE Grand Prix 2008–2010 und lag in der abschließenden Gesamtwertung auf dem siebten Platz. Beim Turnier in Naltschik konnte er den geteilten zweiten Rang erreichen.

Mit nur drei Punkten aus neun Runden platzierte sich Lékó im November 2009 auf dem letzten Platz des Tal Memorial.[20] Lékó rutschte zugleich auch aus der Top 10 der FIDE-Weltrangliste und der absoluten Weltspitze, wenngleich er sich noch für einige Jahre im Kreis der 20 besten Spieler bewegen konnte. Beim Schach-Weltpokal 2011 schied er mit einer Niederlage gegen Samuel Shankland überraschend bereits in der ersten Runde aus; auch 2013 schied er bereits früh in der zweiten Runde aus. Beim FIDE Grand Prix 2012–2013 wurde Lékó insgesamt Zwölfter mit einem dritten Platz in Peking als bester Turnierplatzierung. Beim Tata-Steel-Schachturnier in Wijk aan Zee gelang ihm 2013 noch einmal eine souveräne Leistung, mit der er auf dem fünften Platz abschnitt.[21] Im Juli 2014 teilte er sich den zweiten Platz bei den Dortmunder Schachtagen mit Georg Meier.[22] Beim Schach-Weltpokal 2015 schied er erst in der dritten Runde gegen den favorisierten Anish Giri aus.

Das FIDE Grand Swiss 2019 stellte eines der letzten großen Turniere dar, an denen Lékó abseits von Vereinsspielen teilnahm. Mit 6,5 Punkten belegte er den 42. Rang, wobei er die meisten Partien remis spielte, aber auch in den späteren Runden ungeschlagen blieb. Seit 2020 hat er seine aktive Profikarriere weitgehend eingestellt und wurde im März 2023 erstmals aufgrund Inaktivität nicht mehr in der offiziellen Weltrangliste der FIDE aufgeführt. Neben zwei Partien für die Schachbundesliga im April 2023 kehrte er 2024 zur Schacholympiade in Budapest zurück. Beim Schach-Weltpokal 2025 schlug er in der dritten Runde Kirill Alexejenko mit zwei Siegen klar und schied erst in der vierten Runde gegen den Titelfavoriten Erigaisi Arjun aus, wobei die Entscheidung erst in den Tie-Breaks gefallen ist.

Sonstiges

Bei der Schachweltmeisterschaft 2013 unterstützte er Viswanathan Anand als Sekundant.

Lékó gilt als Verteidigungskünstler und spielt auch sehr stark Schach960. Im Jahre 2001 gewann er bei den Chess Classic in Mainz im Chess960-Schnellschach gegen Michael Adams und wurde dafür nachträglich als erster inoffizieller Weltmeister im Schach960 bezeichnet.

Lékó kommentiert seit einigen Jahren hochrangige Schachturniere und ist seit Ende 2017 Trainer des deutschen Schachspielers Vincent Keymer.[23]

Elo-Entwicklung[24]
22002300240025002600270028001.7.19901.1.20081.9.20141.11.2018Péter Lékó

Nationalmannschaft

Lékó nahm mit der ungarischen Nationalmannschaft an insgesamt zehn Schacholympiaden teil. 1994 gehörte er als Reservespieler mit zehn Einsätzen dem Team an; 1996 war er am vierten Brett. Bei der Schacholympiade 2000 führte er die ungarische Mannschaft am ersten Brett an, so auch 2002, 2008, 2010, 2012, 2014 und 2018. Bei der Schacholympiade 2024 in Budapest war er an Brett 2 erneut Teil des ungarischen Teams. Mit der Mannschaft erreichte er 2002 in Bled und 2014 in Tromsø den zweiten Platz, in der Einzelwertung gewann er 2008 in Dresden am ersten Brett.[25]

Außerdem nahm Lékó an den Mannschaftsweltmeisterschaften 2001, 2011 und 2015 teil.[26] Bei den Europäischen Mannschaftsmeisterschaften vertrat er Ungarn 1992 (für die dritte Mannschaft), 1999, 2011, 2015, 2017 und 2025. 1999 in Batumi erreichte er mit der Mannschaft den zweiten Platz und erzielte die zweitbeste Elo-Leistung aller Teilnehmer, 2011 in Porto Carras sowie 2015 in Reykjavík belegte er mit der Mannschaft den dritten Platz.[27]

Vereine

Mit Matthias Blübaum für Deizisau in der Bundesliga-Endrunde 2018

In den 1990er Jahren spielte Lékó für Honvéd Budapest, mit dem er dreimal am European Club Cup teilnahm und 1995 den zweiten Platz erreichte.[28] In der österreichischen Staatsliga A hatte er in den Spielzeiten 1990/91 und 1992/93 insgesamt vier Einsätze für den WSV ATSV Ranshofen. In der russischen Mannschaftsmeisterschaft spielte Lékó 2012 für SchSM-64 Moskau, 2013 für Jugra Chanty-Mansijsk, mit denen er jeweils den dritten Platz belegte, und 2014 für den Meister Malachit Oblast Swerdlowsk. Er nahm mit diesen Vereinen auch am European Club Cup teil und erreichte 2012 mit SchSM-64 Moskau und 2014 mit Malachit Oblast Swerdlowsk den dritten Platz.[28] In Deutschland spielt Lékó seit der Saison 2016/17 bei den SF Deizisau, zunächst in der 2. Bundesliga, seit der Saison 2017/18 in der 1. Bundesliga. In Italien spielt Lékó für die Mannschaft von Obiettivo Risarcimento Padova, mit der er den European Club Cup 2019 gewann[29], in der spanischen Mannschaftsmeisterschaft spielte er 2018 für Escola d'Escacs de Barcelona.

Privat

Sofia Lékó und Anna Dergatschowa bei den Dortmunder Schachtagen, Juli 2004

Lékó ist seit September 2000 verheiratet mit Sofia, der Tochter des armenischen Schachgroßmeisters Arschak Petrosjan, der zugleich als Lékós Sekundant tätig ist. Er ist Vegetarier. Als Ausgleichssport betreibt er Fußball, Tennis und Yoga.

Partien

Literatur

Commons: Péter Lékó – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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