Tropfsteinhöhle von Petralona

archäologische Stätte in Griechenland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Tropfsteinhöhle von Petralona (griechisch σπήλαιο Πετραλώνων, spíleo Petralónon, auch Kokkines Petres, Κόκκινες Πέτρες, Kókkines Pétres, „rote Steine“) ist eine paläontologische und paläoanthropologische Fundstätte. Die Tropfsteinhöhle liegt am Fuß des Berg Katsika in der Nähe des Dorfes Petralona (Πετράλωνα, Petrálona) auf der Halbinsel Chalkidiki in der griechischen Region Makedonien.

Eingangsbereich der Petralona-Höhle
Nachbildung des Fundortes von Petralona 1
Der Schädel Petralona 1 (Nachbildung des Zustandes beim Auffinden)

Museum

Neben dem Höhlengang befindet sich ein archäologisches Museum, das Funde aus der Höhle – Knochen, Zähne, Werkzeuge, Fossilien – ausstellt. Es bietet auch eine Höhlen-Führung durch den 800 Meter langen Rundgang an.

Von 1978 bis 2018 war die Höhle als Schauhöhle zugänglich, ergänzt durch das Museum. Nach langen Streitigkeiten zwischen dem griechischen Staat und dem Archäologen Aris N. Poulianos, der in der Höhle seit 1965 Ausgrabungen durchgeführt und auch die Schauhöhle und das Museum betrieben hatte, wurde die wissenschaftliche Arbeit in der Höhle 1983 vom Staat verboten. 2011 wurde die Höhle ganz vom Staat übernommen und Ende 2018 für Restaurationsarbeiten geschlossen.[1] Inzwischen sind Höhle und Museum gegen Eintrittsgeld wieder zugänglich (Höhle € 10, ermäßigt € 5; Museum € 5, ermäßigt € 3, Stand: Oktober 2025).[2]

Das Fossil Petralona 1

1959 entdeckte ein Bewohner Petralonas die Höhle, in der er aufgrund eines Tropfgeräusches eine Quelle vermutete. Der Geologe und Höhlenforscher Ioannis Petrocheilos erforschte daraufhin die verschiedenen „Säle“ der Höhle, die aufgrund eines Felssturzes bis dahin versteckt geblieben waren.

1960 fand Petrocheilos den vollständig erhaltenen, fossilen Schädel eines bei Eintritt des Todes ca. 30 Jahre alten Vertreters der Gattung Homo, der zeitweise Archanthropus europeaus petraloniensis genannt wurde[3] (Sammlungsnummer: Petralona 1). Der Schädel wurde 1981 auf ein Alter von 160.000 bis 240.000 Jahren datiert.[4] 2025 wurde ihm jedoch ein Alter von 286.000 ± 9000 Jahren zugeschrieben,[5] was bedeutet, dass zugleich frühere Datierungen bestätigt wurden, die ein Mindestalter von 300.000 Jahren berechnet hatten.[6][7] Das Innenvolumen des Schädels beträgt rund 1200 cm³ und ähnelt mit anderen Merkmalen – u. a. der Gestalt der ÜberaugenwülsteKabwe 1 aus Sambia und dem Fossil Arago XXI aus der Fundstätte Tautavel in Südfrankreich.[8] Das Fossil kann beiden Datierungen zufolge dem späten Homo heidelbergensis zugeordnet werden; aus Homo heidelbergensis gingen nach gegenwärtiger Auffassung die Neandertaler hervor. Zu dieser Datierung passt, dass einige Merkmale des Schädels denen der Neandertaler ähneln, andere Merkmale hingegen zu deutlich älteren Fossilien passen: „Der Schädel sieht aus, als habe man das Gesicht eines Neandertalers auf den Gehirnschädel einer anderen Spezies verpflanzt.“[9] Die Fundstelle des Schädels wird als „Mausoleum“ bezeichnet.

In einem den Höhlen-„Säle“, dem „Friedhof der Giganten“, wurden Knochen wilder Tiere gefunden. Verwahrort der Funde ist die Paläontologische Abteilung der Aristoteles-Universität Thessaloniki.

Literatur

  • Aris N. Poulianos: A Middle Pleistocene Cave in Greece. In: Archaeology. Band 24, Nr. 1, 1971, S. 6–11, JSTOR:41674220.
  • Andreas Neumeier: Chalkidiki. Michael Müller Verlag, 2018, ISBN 978-3-95654-395-1.

Belege

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