Allianz für Assistenzhunde – Pfotenpiloten

eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Frankfurt From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Allianz für Assistenzhunde – Pfotenpiloten ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Frankfurt. Der Verein wurde 2015 als von Interessengruppen unabhängige Organisation gegründet, um Menschen mit chronischer Beeinträchtigung mit gut ausgebildeten Assistenzhunden zu unterstützen. Leitprinzip der Arbeit ist Unabhängigkeit: Pfotenpiloten bildet keine Assistenzhundteams selbst aus, sondern konzentriert sich auf Aufklärung, Qualitätssicherung und die Entwicklung von Standards im bislang wenig regulierten Assistenzhundesektor.[1] Für die Zukunft ist auch eine konkrete Förderung von Assistenzhundteams geplant, dafür initiierte der Verein die Gründung der Stiftung Assistenzhund[2], 2025 umbenannt in "Engel und Co.", die als unabhängige Institution langfristig Förderstrukturen für Assistenzhundteams schaffen soll.

Gründung2015
SitzFrankfurt a. M.
ZweckGemeinnütziger Interessensverband der Assistenzhundeteams
Schnelle Fakten Allianz für Assistenzhunde – Pfotenpiloten e. V. (Pfotenpiloten e.V.), Rechtsform ...
Allianz für Assistenzhunde – Pfotenpiloten e. V.
(Pfotenpiloten e.V.)
Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 2015
Sitz Frankfurt a. M.
Zweck Gemeinnütziger Interessensverband der Assistenzhundeteams
Website https://www.pfotenpiloten.org/
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Unter anderem führte Pfotenpiloten von 2018 bis 2021 die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte bundesweite Aufklärungskampagne Assistenzhund Willkommen durch. Die dort geschaffenen Materialien sind weiterhin auf Spendenbasis kostenfrei erhältlich.

Die Organisation ist der Initiative Transparente Zivilgesellschaft und dem Bundesverband Deutscher Stiftungen angeschlossen, darüber hinaus Mitglied im Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland[3][4] und im Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Pfotenpiloten ist als gemeinnützige Organisation anerkannt.[5] Neben nationalen Projekten wirkt die Organisation auch auf europäischer Ebene mit und bringt ihre Expertise in den Normungsprozess des Europäischen Komitees für Normung (CEN/TC 452 „Assistenzhunde“) ein.

Ziele und Aufgaben

Langfristig konzentriert sich die Arbeit des Vereins auf drei Kernbereiche: (1.) Aufklärung der Öffentlichkeit, (2.) Qualitätssicherung und (3.) den Aufbau wirksamer Förderstrukturen.

Leitfaden von Pfotenpiloten ist das Prinzip der Unabhängigkeit. Diese ist explizit in der Satzung verankert. Um diese zu wahren und unparteiisch die Interessen von Assistenzhundhaltern, Assistenzhunden, Ausbildern, Öffentlichkeit und Förderern zu beachten, bildet Pfotenpiloten keine Assistenzhundteams aus und vermeidet Partnerschaften, die zu Abhängigkeiten oder Interessenskonflikten führen könnten.[6]

Unterstützt wird die Arbeit von einem Ehrenbeirat, welcher unter anderem aus folgenden Personen besteht: Claudia Schmidtke, Peter Clever, Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund, Gabriela Spangenberg von Social Impact Berlin, Bräuer vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte.

Aufklärung der Öffentlichkeit

Zutrittskampagne „Assistenzhund willkommen“

Der Verein setzt sich für die Verwirklichung des Nationalen Aktionsplans zur UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ein. Der Verein führte zu diesem Zweck von 2018 bis Ende 2021 die bundesweite Aufklärungskampagne Assistenzhund Willkommen durch, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans 2017 unterstützt wurde und durch Aufklärung dazu beitragen soll, die Zutrittsrechte von Assistenzhundteams zu verbessern.[7][8]

Im Zuge der Kampagne wurden auch 250 bundesweite Geschäftsketten über Zutrittsrechte aufgeklärt, und 140 von ihnen haben die Initiative mit entsprechenden Stellungnahmen unterstützt. Viele Industrie und Handelskammern haben nach direkter Ansprache ihre Gewerbetreibenden über die Thematik aufgeklärt.[9]

Viele Assistenzhundhalter in ganz Deutschland und Österreich engagierten sich aktiv in der Kampagne. In vielfältigen Medienveröffentlichungen in Fernsehen, Radio, Printmedien und online wurden ca. 40 Millionen Bundesbürger erreicht.[10]

Über Assistenzhunde

Assistenzhunde als Hilfsmittel unterstützen nicht nur seheingeschränkte Menschen, sondern auch solche mit eingeschränkter Mobilität, Beeinträchtigungen mit spontan auftretenden Krisen (Allergien, Diabetes, Epilepsie, Narkolepsie, PTBS etc.) Schwerhörigkeit/Taubheit, Entwicklungsproblemen und Demenz.

Zutrittsrechte

Immer wieder wird den Assistenzhundteams der Zutritt zu öffentlichen Einrichtungen oder Gaststätten häufig verwehrt, da der Assistenzhund nicht als Hilfsmittel verstanden wird. Die gesetzlich zugesagten Zutrittsrechte scheitern oft an Unwissenheit. Mithilfe aufklärender Broschüren, Türaufklebern und wöchentlichen Telefonaktionen werden Mitbürger und Geschäftsführer sensibilisiert.

Aktion Assistenzhundfreundliche Kommune

Um die Aufklärungsarbeit fortführen zu können, riefen Pfotenpiloten zusammen mit Aktion Mensch die Aktion Assistenzhundfreundliche Kommune. Seitdem haben sich bundesweit Städte, Landkreise und Bundesländer offiziell zur „assistenzhundfreundlichen Kommune“ erklärt. Die Stadt Köln war dabei die erste assistenzhundfreundliche Stadt.

DogMap.info

Im August 2020 wurde eine interaktive Karte im Google Playstore und Apple Appstore veröffentlicht. Sie erlaubt es Assistenzhundhaltern und Hundebesitzern, öffentliche Orte mit „hundefreundlich“, „nur Assistenzhunde erlaubt“ bzw. „Zutrittsbarriere“ zu markieren und kommentieren.

Neben Nutzern tragen auch Kommunen und Unternehmen zur Datenbasis bei.[11] Ende 2025 wird die Zahl der markierten Orte voraussichtlich die 1.000.000-Marke überschreiten.[12] Viele Unterkünfte veröffentlichen ihre Hunderegeln auf DogMap. Nutzer können außerdem Kommentare hinterlassen und so ihre Erfahrungen teilen.

Öffentlichkeitsarbeit

Die Organisation wird von vielen Assistenzhundhaltern aktiv unterstützt, die sich in den diversen Aufklärungsinitiativen engagieren. Rund um das Thema Zutrittsrechte gibt es großen Informationsbedarf. Pfotenpiloten stellt hierfür kostenlose Materialien[13] zur Verfügung und trägt Informationen zusammen. Um ein umfassendes Bild über die Gesetzeslage im Assistenzhundsektor zu geben, veröffentlicht Pfotenpiloten auch eine Sammlung geltender Gesetze und Normen[14]. Diese werden ergänzt durch die Bibliografie wissenschaftlicher Dokumente und Veröffentlichungen sowie ein Videoarchiv zu verschiedenen Assistenzhundarten[15].

Zur Unterstützung von Assistenzhundteams wurde eine Vielzahl von Dokumenten erarbeitet, um die Überzeugungsarbeit zu erleichtern. Veröffentlicht wurden u. a. ein Brief des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales über die Zutrittsrechte von Assistenzhundhaltern, ein Brief des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Einschätzung des Mitführens eines Assistenzhundes vor dem Hintergrund der Lebensmittelhygiene sowie Stellungnahmen des Instituts Schwarzkopf zur Hygiene von Assistenzhunden[16] und der Übertragung von COVID-19 durch Haustiere.[17]

Mit der von der „Aktion Mensch“ geförderten Ausstellung „Leben mit Assistenzhund“ bietet die Organisation der breiten Öffentlichkeit einen Einblick in das Leben von Betroffenen. Vermittelt wird nicht nur, bei welchen Einschränkungen Assistenzhunde unterstützen, sondern auch den richtigen Umgang mit Assistenzhundeteams. Analog fand die Ausstellung unter anderem auf dem 58. Hessentag und dem Festival of Lights statt. Ergänzend wird sie in Teilen auch digital angeboten.[18][19][20]

Qualitätssicherung

Europäisches Ausbilderprogramm

Der Verein initiierte das Projekt L.E.A.D. für die Ausbildung und Zertifizierung von Assistenzhundausbildern, das durch das EU-Programm Erasmus+ gefördert wurde.[21]

Seit Anfang 2017 beteiligt sich Pfotenpiloten in sechs Arbeitsgruppen eines zukünftigen europäischen Standards CEN/TC 452, „Assistenzhund“.[22] Die Entwicklung des europäischen Standards erfolgt in Kooperation mit europäischen Partnern über die nationalen Normungsgremien.

Politische Arbeit

Gemeinsam mit den Vereinen Deutschem Blinden- und Sehbehindertenverband e. V., Hunde für Handicaps v. V. und Vita e. V. Assistenzhunde unterzeichnete der Verein im Juni 2019 das „Gemeinsame Eckpunktepapier für gesetzliche Regelungen zum Einsatz von Assistenzhunden in der Bundesrepublik Deutschland“, in dem unter Berufung auf die UN-Behindertenrechtskonvention ein Gesetz gefordert wird, das den Einsatz von Assistenzhunden regelt. Der Aufruf wurde von zahlreichen weiteren Verbänden unterzeichnet.[23]

Einzug in den Bundestag erhielt das Thema Assistenzhund u. a. auf Initiative der SPD-Bundestagsfraktion in Form einer Diskussionsveranstaltung am 16. Mai 2019.[24] Gemeinsam mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und vielen weiteren Organisationen stellte der Verein den Bedarf nach Qualitätsmanagement sowie Gesetzen und Förderung vor interessierten Bundestagsabgeordneten vor. Durch die Veranstaltung führte Journalistin Dunja Hayali, an der Diskussion beteiligte sich auch der Deutsche Tierschutzbund.[25]

Pfotenpiloten brachte sich zudem beratend in den Referentenentwurf zu § 12e BGG und die 2021 in Kraft getretene Assistenzhundeverordnung (AHundV) ein und begleitet deren Umsetzung kritisch. Bei der Umsetzung effektiver Lösungen unterstützt Pfotenpiloten zunehmend internationale Ansätze.

Aufbau wirksamer Förderstrukturen

Um dem gemeinnützigen Zweck der Förderung des Assistenzhundsektors ganzheitlich und auch zukünftig nachzukommen, wurde am 3. August 2020 die Stiftung Assistenzhund gegründet, die 2025 in "Engel und Co." umbenannt wurde. Engel und Co. bietet Spendenden und Stiftern die Möglichkeit, einen eigenen Förderfonds zugunsten von Assistenzhundteams anzulegen oder einen existierenden zu unterstützen. Dabei fließen Gelder zu 100 Prozent in den vorbestimmten Zweck.

Einzelnachweise

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