Philipp Wilhelm Albrecht Lincker

kurmainzischer Geheimer Rat und Diplomat From Wikipedia, the free encyclopedia

Philipp Wilhelm Albrecht Lincker von Lützenwick (* 24. Januar 1710 vermutlich in Denstedt; † 4. April 1779 in Regensburg) war kurmainzischer Geheimer Rat und Diplomat. Er war von 1744 bis 1779 kurmainzischer Reichstagsgesandter.

Leben

Philipp Wilhelm Albert Timotheus Freiherr von Lincker (Lyncker) und Lützenwick (Lietzenwick), Herr auf Ronsberg und Wasserau, Niedertiefenbach, Denstedt usw., entstammte der katholischen Linie Linker von Lützenwick des oberhessischen Ratsgeschlechts Lyncker, aus dessen protestantischem Zweig der bekannte Reichshofrat Nikolaus Christoph von Lyncker hervorgegangen war. Er wurde 1710 als Sohn des kurmainzischen geheimen Rates Johann Jakob Lincker und dessen Frau Susanna Josefa Felizitas Gudenus, Nichte des Erfurter Weihbischofs Johann Daniel Gudenus, geboren, wahrscheinlich in Denstedt, auf dem Gut seines Vaters. Der 1708 auf Gut Denstedt geborene Kammerdirektor Johann Daniel Christoph von Lincker und Lützenwick war sein älterer Bruder.

Auch er selbst stand als Hof- und Regierungsrat in kurmainzischen Diensten. Als solcher 1742 in den Reichshofrat Karls VII. in Wien berufen, schied er dort im Februar 1744 aus dem Kollegium aus und wurde wirklicher geheimer Rat und Direktorialgesandter (siehe Reichsdirektorium) des Kurfürsten von Mainz (in seiner Funktion als Reichserzkanzler) beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg. Ad interim vertrat er dort von 1748 bis 1778 auch Kurtrier, 1775 bis 1776 auch Kurböhmen.

Karl VII. erhob ihn und seine älteren Brüder mit Dekret vom 27. März 1744 in den Reichsfreiherrnstand. Von Kaiser Franz I. wurde er mit Dekret vom 15. Oktober 1745 erneut zum wirklichen Reichshofrat ernannt, ohne diese Funktion aber jemals wieder auszuüben. 1757 wurde er zum kaiserlichen Geheimrat ernannt.

1749 kaufte er vom Reichsgrafen Johann Georg von Königsfeld die westböhmische Herrschaft Ronsberg (Poběžovice) mit Wasserau (Ostrov) und wurde dadurch in den böhmischen Herrenstand aufgenommen.

Er starb am 4. April 1779, mit 69 Jahren, in Regensburg und wurde in St. Emmeram begraben.

Familie

Mit seiner Ehefrau Anna Maria Elisabeth Benigna Freiin von Reischach (* 6. Juli 1727; † 8. Juli 1805), die er am 28. August 1746 heiratete, hatte Lincker mindestens vier Kinder. Zwei Söhne starben in den 1740er Jahren, eine Tochter in den 1750er Jahren. Der dritte Sohn, Johann Franz (1753–1801), wurde ebenfalls Mainzer Hof- und Regierungsrat sowie Trierer Geheimrat und Reichstagsgesandter. Mit seinem Enkel Klemens Wenzel († kinderlos am 22. Juni 1865) erlosch der Mannesstamm der Familie.

Literatur

  • Oswald von Gschließer: Der Reichshofrat. Bedeutung und Verfassung, Schicksal und Besetzung einer obersten Reichsbehörde von 1559–1806 (= Kommission für neuere Geschichte des ehemaligen Österreich ; 33), Wien 1942, S. 423f.
  • Sven Düwel: Ad bellum Sacri Romano-Germanici Imperii solenne decernendum: die Reichskriegserklärung gegen Brandenburg-Preussen im Jahr 1757 : das Verfahren der "preussischen Befehdungssache" 1756/57 zwischen Immerwährendem Reichstag und Wiener Reichsbehörden, Band 1. Münster: Lit, 2016, S. 224

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