Pilníkov

Gemeinde in Tschechien From Wikipedia, the free encyclopedia

Pilníkov (deutsch Pilnikau) ist eine Stadt im Okres Trutnov in Tschechien.

Schnelle Fakten Basisdaten, Verkehr ...
Pilníkov
Wappen von Pilníkov
Pilníkov (Tschechien)
Pilníkov (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Region: Královéhradecký kraj
Bezirk: Trutnov
Fläche: 1698 ha
Geographische Lage: 50° 32′ N, 15° 49′ O
Höhe: 358 m n.m.
Einwohner: 1.215 (1. Jan. 2023)[1]
Postleitzahl: 542 42
Verkehr
Straße: TrutnovNová Paka
Bahnanschluss: Velký Osek–Trutnov
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: František Hubáček (Stand: 2006)
Adresse: Námĕstí 36
542 42 Pilníkov
Gemeindenummer: 579599
Website: www.pilníkov.cz
Schließen

Geographische Lage

Die Stadt liegt in Nordostböhmen im südlichen Vorland des Riesengebirges, etwa 8 Kilometer südwestlich von Trutnov (Trautenau). Nachbarorte sind Vlčice (Wildschütz) und Mladé Buky (Jungbuch) im Norden, Trutnov (Trautenau) und Starý Rokytník (Altrognitz) im Nordosten, Staré Buky (Altenbuch) im Osten, Střítez (Burkersdorf), Hajnice (Haindorf) und Žďár im Südosten, Vítězná im Süden, Chotěvice (Kottwitz) im Südwesten, Hostinné (Arnau) im Westen sowie Čermná (Tschwermna) im Nordwesten. Südlich liegt das Gebiet des ehemaligen Königreichwaldes.

Geschichte

Dreifaltigkeitskirche
Brunnenanlage auf dem Stadtplatz

Im Rahmen der deutschen Ostkolonisation wurde durch den Lokator Billung ein Waldhufendorf gegründet, das nach diesem „Billungsdorf“ benannt wurde. Der seit 1357 urkundlich belegte Ort entstand vermutlich wie zahlreiche Nachbardörfer bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Zuge des Landesausbaus durch den böhmischen König Ottokar II. Přemysl. Der tschechische Name Pilníkov wurde erstmals 1388 erwähnt. Die Kirche der Ortschaft hatte 1384 einen eigenen Pfarrer.[2][3]

Ursprünglich gehörte der Ort zur königlichen Burg Trautenau, 1388 wurde Jesko Silber (auch Zylvar) Grundherr des Ortes. Mit ihm begann die rund 250 Jahre dauernde Herrschaft des Geschlechts, mit Sitz in der Pilnikauer Burg und im benachbarten Vlčice (Wildschütz). In den Hussitenkriegen wurde 1424 die Umgebung verheert, jedoch ist die mehrfach erwähnte Zerstörung von Pilnikau nicht sicher belegt.

1514 wurde der Ort geteilt, und Adam I. Silber erreichte vom böhmischen König Vladislav II. die Erhebung des zentralen Ortsbereichs zur Stadt. Zu den gleichzeitig verliehenen Privilegien gehörten die Bildung der Zünfte, das Abhalten von Märkten, die Gerichtsbarkeit und ein eigenes Wappen. Das umgebende Billungsdorf (später Pilsdorf) blieb jedoch Bauerndorf und der Herrschaft untertan. Während der Reformation wurde Pilnikau evangelisch; für das Jahr 1543 ist Israel Geisler als lutherischer „Pfarher zu Pilnikau“ belegt. Wegen ihrer Beteiligung am Böhmischen Ständeaufstand von 1618 wurden die Silber nach der Schlacht am Weißen Berg vom böhmischen Landesherrn enteignet und deren Besitzungen 1623 von der Böhmischen Kammer an Albrecht von Waldstein verkauft. Durch ihn wurde die für die Rüstung benötigte Grobleinen-Erzeugung in Pilnikau gefördert. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt die Region schwere Drangsalierungen, Pfarrer Nikolaus Georgii von Pilnikau wurde erschlagen. 1675 war Pilnikau im Besitz der Fürsten Schwarzenberg.

Die Bezeichnung als „die Stadt im Dorfe“ erhielt Pilnikau, weil es fast vollständig vom Ortsgebiet von Pilsdorf umgeben war. Westlich befand sich Pilsdorf I. Teil (Niederdorf) und nordöstlich an die Stadt schloss sich Pilsdorf II. Teil (Oberdorf) an. Nach der Aufhebung der Grundherrschaften gehörte die Gemeinde Pilnikau/Pilníkov ab 1850 zum Gerichtsbezirk Trautenau bzw. zum Bezirk Trautenau. In den 1870er Jahren erhielt Pilnikau Anschluss an die Eisenbahnlinie AltpakaTrautenau. Dadurch wurde die industrielle Entwicklung gefördert und Textil- und Maschinenfabriken, eine Eisengießerei, eine Ziegelei und eine Kunstseidenfabrik gegründet.

Bis 1918 waren Pilnikau und Pilsdorf fast nur von Deutschen bewohnt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden beide Orte der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. 1929 wurden Pilnikau und Pilsdorf unter dem Namen Pilnikau / Pilníkov zusammengelegt. Auch nach der Vereinigung behielt Pilsdorf bis 1945 eigene Einrichtungen wie die Feuerwehr und das Armenhaus sowie die alten Hausnummern. Die Gesamtgemeinde hatte 152 landwirtschaftliche und 122 andere, überwiegend gewerbliche Betriebe. 1939 wurden 1748 Einwohner gezählt.

Infolge des Münchner Abkommens wurde Pilnikau 1938 dem Deutschen Reich angeschlossen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Trautenau, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die einheimischen deutschen Bewohner vertrieben, wodurch die weitere wirtschaftliche Entwicklung zunächst stagnierte. Die Stadtrechte wurden 1948 nicht erneuert, von den Industriebetrieben überlebte nur die Slévárna a strojírna (zuvor Fa. Hübner, Eisengießerei und Metallverarbeitung). Die Bauernhöfe wurden zu zwei Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften zusammengelegt. Nach der Samtenen Revolution 1968 erholte sich die Wirtschaft nur spärlich. Bedeutendste Unternehmen in Pilníkov sind die Firma Kata (Videospiele) und die Firma Talpa, die Paletten und Holzverpackungen produziert. Am 12. April 2007 wurde Pilníkov wieder zur Stadt erhoben.

Demographie

Bis 1945 war Pilnikau überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
18300993in 163 Häusern[4]
18330966in 164 Häusern[2]
18441020in 175 Häusern[5]
1850etwa 1200[6]
1857etwa 1300[7]
19301812[8]
19391748[8]
Schließen

Ortsgliederung

Für die Stadt Pilníkov sind keine Ortsteile ausgewiesen. Pilníkov besteht aus den Ortslagen Pilníkov I (Pilnikau), Pilníkov II (Pilsdorf I. Teil), Pilníkov III (Pilsdorf II. Teil) und Letná (Silkin). Zu Pilníkov gehören weiterhin die Gehöfte Třídomí (Dreihäuser) und Prkenný Důl (Brettgrund).

Sehenswürdigkeiten

  • Die Dreifaltigkeitskirche (Kostel Nejsvĕtĕjší Trojice) aus dem 13. Jahrhundert war 1604 unter Beatrix von Lobkowitz geborene Silber neu gestaltet worden und erhielt das noch erhaltene Renaissanceportal. 1769–1772 wurde unter Adam von Schwarzenberg der spätbarocken Bau errichtet, der das Stadtbild prägt.
  • Die Mariensäule stammt aus dem Jahre 1763; um diese Zeit wurde auch die Wallfahrt zur „Schmerzhaften Mutter Gottes“ von Pilnikau überregional bekannt.

Verkehr

Bahnhof

Pilníkov hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Velký Osek–Trutnov.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Karl Hofmann (1926–2012), deutscher Politiker
  • Ewald Kühnel (1927–2005), Sportler, Goldmedaille im Speerwerfen bei den Paralympics in Toronto 1976
  • Ernst Bönsch (1931–2024), Schachtrainer, -spieler und -funktionär
  • Lothar Fietz (1933–2019), Anglist und Hochschullehrer

Literatur

  • Johannes Gottwald: Pilnikauer Ortskunde. 4 Bände. Selbstverlag, Neuried bei München 2006–2012.
Commons: Pilníkov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI