Polizeistation (Palästina)

Polizeistation der britischen Mandatsmacht in Palästina in Festungsbauweise From Wikipedia, the free encyclopedia

Polizeistationen im Mandatsgebiet Palästina dienten den polizeilichen Ordnungsmächten der verschiedenen Ebenen, wie Kommunen, Landespolizei (Palestine Police) und besondere Bereiche (Bahnpolizei, Grenzpolizei), überall im Lande. In der Regel, sofern nicht ältere osmanische Gebäude übernommen wurden, errichtete das Public Works Department (P.W.D.) die Polizeiwachen.[2]

Polizeistation Jaffa 1947, erbaut im 16. Jahrhundert als osmanische Kışla auf Res­ten ei­ner Kreuzfahrerburg[1]

Befestigte Polizeistellen, so genannte Tegart-Forts

Tegart-Fort Tarschiha, heute Polizeiwache Meʿona, 2010

Die besondere Form der baulich gegen Überfälle befestigten Polizeiforts, der Tegart-Forts (in den Landessprachen arabisch قلعة تيغارت, DMG Qalʿat Tīġārt ‚Tegart-Burg‘, englisch Tegart fort, hebräisch מְצוּדַת טִיגָארְט Mətzūdat Tīgārt, deutsch Tegart-Festung), begann 1938 in Reaktion auf die vielen tödlichen Gewaltakten arabischer Aufständischer gegen tatsächliche und vermeintliche Vertreter der britischen Mandatsmacht und gegen die Minderheit jüdischer Palästinenser während des Großen Arabischen Aufstands (1936–1939), seinerzeit größte Erhebung gegen eine britische Kolonialverwaltung. Die Tegart-Forts wurden nach einem Musterentwurf und unter Aufsicht von Sir Charles Tegart errichtet, einem Polizeiführer, der in Britisch-Indien Erfahrungen mit der Bekämpfung von Unruhen gesammelt hatte und im Dezember 1937 zum Inspector-General (Generalinspekteur) der Palestine Police ernannt worden war.

Die Tegart-Forts waren darauf ausgerichtet, der Besatzung hinter dicken Stahlbetonkonstruktionen Schutz gegen Granatenbeschuss und feindliche Angriffe zu bieten und die Versorgung auch bei monatelangen Belagerungen sicherzustellen. In die Außenwände waren zur Verteidigung zahlreiche Schießscharten eingelassen. Alle Öffnungen waren mit massiven Stahlläden und Stahltüren gesichert. Charakteristisch war vielfach, dass das Bauwerk von einem massigen Festungsturm überragt wurde. Die kleinsten waren für eine Besatzung von rund Hundert Mann ausgelegt und die größeren konnten als Hauptquartiere dienen.

Im Krieg 1948/1949 hart umkämpftes Polizeifort Latrun, heute Teil des Museums der israelischen Panzertruppe

Für 2,2 Millionen Palästina-Pfund wurden 69 solcher Tegart-Forts in erstaunlich kurzer Zeit errichtet. Die ersten entstanden an der Nordgrenze gegen den Waffenschmuggel aus den französischen Mandatsgebieten Libanon und Syrien, dem auch Tegarts Zaun wehren sollte. Andere Polizeiforts wurden an strategisch wichtigen Punkten wie Verkehrsknotenpunkten, Flussquerungen und Seehäfen errichtet. Deshalb bildeten Tegart-Forts regelmäßig die Etappenpunkte der gesicherter Verkehrsachsen (englisch security axes), die die britische Mandatsmacht ab 1940 einrichtete, um ihre Sicherheitskräfte besser geschützt bewegen zu können, wenn sie ausrückten, zunehmende Gewaltakte in Palästina zu bekämpfen.[3]

Tegart-Fort Iraq-Suwaydan, übersät von Einschüssen vom November 1948, heute Museum, 2011

Nach dem Abzug der britischen Mandatsmacht 1948 gingen die Polizeistationen teils in die Hände jüdischer, ab 14. Mai des Jahres israelische, teils in die Hände inländischer und ausländischer arabischer bewaffneter Einheiten über. Am Sonnabend, den 15. Mai 1948, dem Tag nach der Unabhängigkeitserklärung Israels, marschierten ägyptische Armee, transjordanische Arabische Legion, irakische Streitkräfte, Streitkräfte des Libanon und Syrisches Heer in Israel und Palästina ein und eröffneten den Krieg um Israels Unabhängigkeit, in dessen Verlauf einige Polizeiforts hart umkämpft waren, wie dasjenige von Latrun, das bei den Schlachten von Latrun den Zugang vom Kernland Israels an der Mittelmeerküste nach Jerusalem abriegelte.

Tegart-Fort zu Nablus als Teil des Gefängnisses Fara der Palästinensischen Autonomiebehörde, Aufnahme von 2015

Das Tegart-Fort namens ʿIraq Suwaydan (arabisch عراق سويدان, hebräisch מְצוּדַת יוֹאָב Mətzūdat Jōʾav, englisch Iraq-Suweidan) bei den Thermalbädern Chammei Joʾav in Sde Joʾav bei Negba, das die Straße in den Nord-Negev (heute Kvisch 35) (כְּבִישׁ לְּאֻמִי 35 Kvīsch Ləʾummī 35, deutsch Nationalstraße H35) kontrollierte, umkämpften die Streitkräfte Ägyptens und die israelische Givʿati-Brigade. Seit Ende der 1980er Jahre dient das Fort als Museum des Kriegs um Israels Unabhängigkeit, wo sich auch eine von zwei Gedenkstätten für ägyptische Gefallene dieses Kriegs auf israelischem Boden befindet.[4] Im Verlauf des Krieges bewiesen die Tegart-Forts ihre Feuerkraft und ihre Widerstandsfähigkeit auch gegen heftigste Angriffe.

Viele von ihnen dienen immer noch als Polizeistationen, nunmehr der מִשְׁטֶרֶת יִשְׂרָאֵל Mischṭeret Jisraʾel. Manche wurden zu Gefängnissen umgewidmet und zwei Festungen sind nun Museen.

Commons: Tegart forts – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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