Pontifikale Gundekarianum

liturgisches Buch From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Pontifikale Gundekarianum ist ein nach dem Eichstätter Bischof Gundekar II. benanntes liturgisches Buch (Pontifikale). Es wurde von seinen Nachfolgern bis 1697 kontinuierlich fortgeschrieben und bildet damit eine entscheidende Quelle zur Geschichte des Bistums.

Bischof Gundekar II., Auftraggeber des Werkes, dargestellt im Pontifikale Gundekarianum
Bischof Friedrich III. von Leuchtenberg mit Domherren

Entstehung und Umfang des Werkes

Ausgangsbestand

1072 übergab Gundekar an seine Domkirche eine prächtig ausgestattete Handschrift, das sogenannte Gundekarianum, ein Sammelband von 204 Blättern, der nach Gundekar auf 257 Blätter erweitert wurde. 110 Blätter bilden ein Pontifikale, eine Zusammenstellung der vom „pontifex“, vom Bischof zu spendenden Sakramente, Weihehandlungen und Segnungen. Dabei zeigt sich auch, dass Gundekar ein Anhänger der Kirchenreform war, denn diese legte besonderen Wert auf die gültige Vermittlung sakramentalen Heils. Nach einem Kalendarium folgt ein Rituale, das heißt, eine Zusammenstellung von Segnungen, Beschwörungen und Gebeten. Dem Ganzen sind Seiten mit historischen Einträgen seit der Bistumsgründung unter dem heiligen Willibald und Seiten mit Miniaturmalereien vorgeschaltet.

Erweiterungen bis 1697

Von den Nachfolgern Gundekars wurden diese Einträge bis 1697 mit insgesamt 19 eingebundenen Fortsetzungen mit den Bischofsviten und Bischofsbildern in Miniaturmalerei ergänzt.

Das Original wird im Eichstätter Diözesanarchiv unter der Signatur B 4 verwahrt. Ein kommentierter Reprint ausgewählter Seiten wurde 1987 in 380 Exemplaren veröffentlicht. 2024 hat die Universitätsbibliothek Eichstätt-Ingolstadt ein Digitalisat online veröffentlicht.

Beispiele für die Malereien

Die Malereien stellen unter anderem für das Bistum Eichstätt wichtige Personen des geistlichen Lebens dar. Abgebildet sind alle Eichstätter Bischöfe von der Gründung des Bistums bis zu Gabriel von Eyb (1496–1535), nahezu in der Reihenfolge ihrer Amtszeiten. Die älteren Miniaturen zeigen die Bischöfe in der Regel in Dreiergruppen angeordnet, in der Endphase wird dann in der Regel jedem Bischof eine eigene Seite zugeordnet. Die frühen Bischöfe tragen in den Miniaturen alle keine Mitra, erst die späteren. Außer den Bischöfen werden auch eine Reihe von Heiligen dargestellt, insbesondere hat der Auftraggeber des Werkes, Bischof Gundekar II., die ihm besonders wichtig erscheinenden Heiligen abbilden lassen.

Literatur

  • Das „Pontifikale Gundekarianum“. Faksimile-Ausgabe des Codex B 4 im Diözesanarchiv Eichstätt, 2 Bde., Faksimile-Band, 46 × 37 cm, 82 S., davon 37 farbig, Kommentarband mit Beiträgen von Brun Appel, Andreas Bauch, Walter Dürig, Johann Konrad Eberlein, Monika Fink-Lang, Helmut Flachenecker, Hermann Hauke, Dietmar von Hübner, Klaus Kreitmeir, Ernst Reiter und Stefan Weinfurter, Bibliographie von Maria Mengs, 28 × 20 cm, 199 S. mit 9 Abbildungen und 1 Frontispiz, Verlag Reichert 1987
  • Gundekarianum. In: Felix Mader (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken. I. Stadt Eichstätt. München 1924, Nachdruck München und Wien 1981: R. Oldenbourg, ISBN 3-486-50504-1, S. 627–631
  • Alfred Wendehorst: Das Bistum Eichstätt. Band 1: Die Bischofsreihe bis 1535. Reihe: Germania Sacra – Neue Folge 45. Berlin 2006, ISBN 978-3-11-018971-1. S. 1f.

Anmerkungen

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