Allée couverte von Prajou-Menhir
Galeriegrab im Département Côtes-d’Armor
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Die Allée couverte von Prajou-Menhir ist ein im späten Neolithikum zwischen 3000 und 2500 v. Chr. errichtetes Galeriegrab nahe der Straße zur Île Grande, die zur Gemeinde Trébeurden im französischen Département Côtes-d’Armor in der Bretagne gehört. Der französische Begriff „Allée Couverte“ für „gedeckter Gang“ bezeichnet Megalithstrukturen aus mehreren hintereinander gereihten Dolmen, die bretonische Ortsbezeichenung Prajou-Menhir bedeutet „Wiese der langen Steine“.


Offensichtlich als Hinweis auf das Gangrab wurde 14 Meter östlich seines Eingangs in einer 80 Zentimeter tiefen Grube ein Menhir aufgestellt. Er ist an der Basis 2 Meter, an der Spitze 1 Meter breit und insgesamt 2,20 Meter hoch.
Die ganze Anlage wurde 1956 als Monument historique unter Denkmalschutz gestellt, 1965 im Rahmen einer Ausgrabung wissenschaftlich untersucht und anschließend restauriert.
Lage
Das Galeriegrab liegt auf einer Landzunge südöstlich der durch eine Brücke mit dem Festland verbundenen Gezeiteninsel Île Grande. Südlich davon verläuft die Route départementale D788 von Trébeurden nach Trégastel, entlang der Côte de Granit Rose (deutsch „Küste des rosa Granit“). Dieser Küstenabschnitt wurde in der Jungsteinzeit wegen seiner natürlichen Ressourcen bevorzugt besiedelt. Neben Erzeugnissen aus Ackerbau und Viehzucht bildeten Fisch, Seetang und Meeresfrüchte eine zusätzliche Nahrungsbasis. Am Strand wurde zudem Meersalz gewonnen. In unmittelbarer Umgebung finden sich weitere Ganggräber (s. u.) und Steinsetzungen der Megalithkultur, darunter die Menhire von Parc-ar-Peulvennic, von Toëno oder von der Île Aval sowie der christianisierte Menhir von Saint-Uzec.
Struktur
Die etwa 13 Meter lange, 2 Meter breite und im Inneren durchschnittlich 1,80 Meter hohe Allée couverte von Prajou-Menhir wurde in Ost-West-Richtung angelegt und in einen sanften Abhang (französisch talus) eingebettet. Sie ist noch fast vollständig erhalten und besteht aus 19 Tragsteinen und sieben Decksteinen, davon zwei sehr große am östlich gelegenen Eingang. Es fehlen nur ein oder zwei Tragsteine und ein verzierter Deckstein, der sich im Musée d'Archéologie National im Schloss Saint-Germain-en-Laye befindet und durch eine Nachbildung ersetzt wurde.
Die Anlage ist typisch für den aremoricanischen Stil und besteht aus einer 9,5 Meter langen Vorkammer (antecella) und einer kleineren Endkammer (cella) am westlichen Ende, die zu einer Apsis gerundet ist. Vor- und Endkammer sind durch eine Transversalplatte getrennt, die im Süden einen etwa 1 Meter breiten Durchgang frei lässt und mit ungewöhnlichen Felsritzungen ausgeschmückt wurde.
- Allée Couverte von Prajou-Menhir
Petroglyphen
Die Transversalplatte zwischen Vor- und Endkammer sowie drei weitere Steine des Ganggrabs wurden mit Felsritzungen verziert. Sie zeigen als Göttinnen angesprochene Symbole (Brüste) mit Zeichen, die man als Dolche oder Bahren gedeutet hat. Man hält dies für den Ausdruck des Kultes einer Muttergöttin, die u. a. auch als Beschützerin der Toten angesehen wird. Drei Reliefs zeigen Brustpaare mit darunterliegenden Halsketten, von denen eines kleiner dargestellt ist. Dieses Motiv findet sich auch in den nahegelegenen Allées couvertes von Crec’h Quillé bei Saint-Quay-Perros und Kerguntuil bei Trégastel sowie in den etwas weiter entfernten Ganggräbern von La Maison des Feins bei Tressé und Mougau-Bihan bei Commana, beide in der Bretagne. Auch die Allée couverte de la Bellée bei Boury-en-Vexin im Département Oise weist ähnliche Petroglyphen auf.
- Felszeichnungen in der Endkammer
Siehe auch
Literatur
- Jacques Briard: Mégalithes de Bretagne. Ouest-France, Rennes 1987, ISBN 2-7373-0119-X.