PWO
Automobilzulieferer mit Sitz in Oberkirch (Baden)
From Wikipedia, the free encyclopedia
Die PWO AG (Progress-Werk Oberkirch AG, kurz: PWO) ist ein Automobilzulieferer mit Sitz in Oberkirch (Baden), dessen Kernkompetenz in der Entwicklung und Fertigung von Metallkomponenten und Subsystemen in Leichtbauweise besteht.
| PWO AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE0006968001 |
| Gründung | 1919 |
| Sitz | Oberkirch, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 3.262[1] |
| Umsatz | 524,7 Mio. Euro[1] |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Website | www.pwo-group.com |
| Stand: 31. Dezember 2025 | |
Geschichte
Gründung und frühe Jahre (1919–1945)

Am 6. September 1919 gründeten sieben schwäbische Unternehmer die „Progreß-Werk Oberkirch Aktiengesellschaft“ in einer alten Mühle in Stadelhofen bei Oberkirch. Geschäftszweck war die „Herstellung, Anschaffung und der Vertrieb von Metallwaren aller Art“.[2] Anfangs wurden vor allem Luftpumpen für Fahrräder, Motorräder und Automobile hergestellt.[3] Mit einer Jahresproduktion von 500.000 Luftpumpen entwickelte sich das Unternehmen in den 30er Jahren zum weltweit größten Hersteller.[4]
Während des Zweiten Weltkriegs war das Unternehmen in die Rüstungsproduktion eingebunden und fertigte beispielsweise Munitionskisten, Geschossköpfe und Gasdruckkolben.[3]
Nachkriegszeit und Diversifizierung (1945–1990)
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte das Unternehmen für die französische Armee die als Gulaschkanonen bekannten Feldküchen her.[3] Diese entwickelten sich schnell zum größten Umsatztreiber von PWO in der Nachkriegszeit. Später wurden sie unter anderem auch an andere NATO-Staaten und zivile Hilfsdienste, wie etwa das Deutsche Rote Kreuz, vertrieben.[5] Im Frühjahr 1953 erwarb das Unternehmen die Konstruktionspläne des Untertürkheimer Rollerbauers Gottfried Gassmann. Die Pläne wurden weiterentwickelt und ein erster Prototyp eines Motorrollers auf der Internationalen Fahrrad- und Motorradausstellung in Frankfurt im Herbst 1953 vorgestellt. Bis 1960 fertigte das Stadelhofer Werk zunächst den Strolch und später dessen Nachfolger Progress 200.[6]
Als in den 1950er Jahren das Automobil in Deutschland immer mehr an Beliebtheit gewann, stellte PWO zum Ende dieses Jahrzehnts seine Produktion vom Motorroller zunehmend auf Stanz- und Ziehteile für die Automobil- und Elektroindustrie um. Zu den Produkten zählten unter anderem Brems- und Kupplungsaggregate, Zündspulengehäuse, Getriebe-, Stoßdämpfer- und Lichtmaschinenteile.[7] Von ursprünglich 25 Mitarbeitern zum Produktionsstart 1920 wuchs die Mitarbeiterzahl bis zum Ende der 1960er Jahre auf 550.[3]
1978 folgte mit dem Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse ein weiterer wichtiger Meilenstein des Unternehmens.[8]
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs brachen Anfang der 1990er Jahre die Aufträge im Blechbaubereich ein. Der Umsatz ging vom bis dato höchsten Wert 1991 (177 Millionen Mark) bis 1994 um rund ein Viertel zurück. So wurden unter anderem die Feldküchen nicht mehr nachgefragt.[9] Ab 1994 fokussierte sich das Unternehmen daher ausschließlich auf die Automobilindustrie und produzierte fortan vor allem Metallkomponenten sowie Subsysteme in Leichtbauweise.[3]
Internationale Expansion (seit 1990)

1997 erwarb PWO Anteile am kanadischen Unternehmen Bratton Tool Industries Ltd. mit Sitz in Kitchener, Ontario. 1999 folgte die Komplettübernahme und Integration ins Unternehmen.[8] Mit einem Standort in Valašské Meziříčí trat PWO 2005 in den tschechischen Markt ein.[10] 2006 kündigte PWO die Übernahme des mexikanischen Automobilzulieferers Cartec, S.A. de C.V. mit Sitz in Puebla an, die 2008 abgeschlossen wurde.[11] Noch im gleichen Jahr gründete PWO eine Gesellschaft in Suzhou, China.[12] Durch die Erweiterung der Produktion in der Tschechischen Republik[10] sowie die Gründung weiterer Standorte in China[13] und Mexiko[14] wurden die Kapazitäten international ab Mitte der 2010er Jahre weiter ausgebaut. Bis 2018 stieg die Mitarbeiterzahl entsprechend auf über 3400.[3] 2023 übernahm PWO die Vermögensgegenstände des serbischen Unternehmens Gorenje MDM mit Sitz in Kragujevac und begann mit dem Aufbau eines Entwicklungs- und Produktionsstandorts in Čačak, Serbien.[15][16] 2025 kam in Tennessee, USA, ein weiterer Standort dazu.[17]
Unternehmensstruktur und Produkte

Die PWO AG hat ihren Hauptsitz in Oberkirch. Neben den Leitungsfunktionen des Unternehmens ist dort auch ein Entwicklungs- und Produktionsstandort angesiedelt. International operiert das Unternehmen über sechs Tochtergesellschaften. In Europa ist die Gruppe außerhalb Deutschlands mit je zwei Produktionsstandorten in der Tschechischen Republik und Serbien vertreten. In Nordamerika befindet sich je ein Standort in Kitchener, Kanada, in Tennessee, USA sowie zwei in Puebla, Mexiko, und in Asien in Suzhou und Shenyang, China.[1][18]
PWO gliedert seine Produkte in drei Geschäftsbereiche. Im Bereich Electronic, Chassis and Airbag Components fertigt das Unternehmen unter anderem Komponenten für die Elektrifizierung von Fahrzeugen (z. B. Ladekomponenten), Elektromotorengehäuse, Airbagteile sowie Fahrwerks- und Luftfederungssysteme. Der Bereich Steering and Seat Components umfasst die Produktion von Lenksäulenrohren, Lenkungskonsolen sowie Metallstrukturen für Fahrzeugsitze. Der Geschäftsbereich Body Components fokussiert sich auf die Herstellung von Instrumententafelträgern, Türkomponenten sowie Verstärkungen für die Fahrzeugkarosserie.[19][20][1]
Geschäftsentwicklung
Im Jahr 2001 lag der Umsatz der Gruppe bei 160,5 Millionen Euro.[21] Die Umsatzmarke von 200 Millionen Euro überschritt das Unternehmen erstmals 2004.[22] Im Jahr vor der Finanzkrise stieg der Umsatz 2007 auf 259,6 Millionen Euro[23] und brach dann krisenbedingt bis 2009 auf 206,4 Millionen Euro ein.[24] Bis Mitte der 2010er Jahre konnte das Unternehmen seinen Umsatz wieder deutlich steigern und erwirtschafte so mit rund 3.000 Mitarbeitern im Jahr 2015 erstmals über 400 Millionen Euro.[25] Einen erneuten Dämpfer gab es im Jahr 2020, indem der Umsatz im Zuge der Corona-Pandemie auf 371,2 Millionen Euro sank.[26] Schnell wuchs das Unternehmen aber wieder und erreichte 2022 einen Umsatz von 530,8 Millionen Euro.[27] Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 524,7 Millionen Euro.[1]
Literatur
- Stephan Baum, Robert Kieselbach, Christoph Laugs: 100 Jahre Vorausdenken – PWO: Das Buch zum Jubiläum 1919–2019. August Dreesbach Verlag, München 2019, ISBN 978-3-96395-011-7.
